Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 33 (12.8.1920)
- Date
- 1920-08-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 83. xlrølSCn VOLKSSTIMMC- Stit« 3. mfsmiis diriger Zionisten unbegrfindet. Palfistina kanti im bedeutenden Mafie zur Ldsung der Jaden* frage beitragen, ist aber keineswegs im Stande, alle Clebrechen des Jiidischen Lebens zu heilen, solange wir selbst nicht durch bewuBte und radikale Arbeit unser Volkstum iiber den Abgrund, an dessen Rande wir uns noch stets befinden, hinwegheben werden. Ziehen wir ferner in Betracht, daB uns auf dem Wege zu unserer Wiedergeburt zwei Oefahren, namlich die der Assimilation und die der Zweisprachigkeit auflauern, so miissen wir schliefllich ein flir allemal die entmannenden Fesseln der Transigenz, der Kompromisse und Unentschlossenheit abschiitteln. Oleichzeitig mUssen wir es begreifen lernen, daB gegenwfirtig unsere nfichste und Wichtigste Aufgabe sein mul): Einftthrung der Einheitlichkeit in das kulturelle Leben der Juden des Westens und des Ostens. Z11 diesem Zwecke miissen auch die Nor men flir das hebrfiische Schul- und Erziehungswerk festgelegt werden. Diese Normen miissen die Diaspora und Palfistina, Ost und West gleichmfifiig und kategorisch verpflichten. Die jiidiscbe Nation war durch zwei Jahrtausende der beiden grundlegenden Bedingungen eines normalen nationalen Daseins beraubt: des Landes und der Sprache. Die erste von diesen Bedingungen. das Land, haben wir mit dem Momente wiedergewonnen, als die undefinierbare Sehnsucht und die religlose Schwfirmerei zu einem klaren, zweckbewuBten Willen heranreiften. Und das war eine unleugbar séhr schwére Aufgabe. Zwar entscbieden hier aufierhalb uns liegende Faktoren. Doch lieferte auch hier die Vorsehung oder das Schicksal, Zufall oder historische Gerechtigkeit nur das Schlufiglied zu einer Kette, die der Hammer des nationalen Verlangens lange zuvor geschmiedet hatte. Die Kulturtind Sprachenfrage erfordert nicht soviele Opfer und einé solche Ansparinung des Kollektivwillens. Denn hier, wo wir gleichzeitig Subjekt und Objekt des Handelns sind, WO wir selbstfindig und in unserem Tun und Lasseri von nlemandent abhfingig sind, be-, sitzen wir vollstfindige BestlnjmUngsfreiheit nicht bloB riicksichtlich der Richtung, sondern åuch der Zeit, um die Krfifte ins Spiel zu setzen, welche auch die zweite Bedingung eines normalen nationalen Daseins — nåmlich die nationale Sprache — lebendige Wirklichkeit werden lassen. Erst nach Konsolidierung dieser beiden Grundlagen einer normalen Entwlcklurtg werden wir an die endgiltige Realisierung des Zionismus mit verdoppelter Energie schreiten kQnnen. Die zionistische Jahre*konferenz in London. Grofies Aktlonskomltee. I. A11 g e m e i n e Liste. Dr. M. J. Bodenhcimer-K61n, Adolf Bohm-Wien, Dr. Martin Buber-Heppenheim, Josef Cowen-London, Dr. Berthold Feiwel-London, Dr. Georg Halpern- Lemberg, Dr. Arthur Hantke-London, W. Jabotinsky- Jerusalem, Dr. Viktor Jacobson-Berlin, A. Idelson- London, J. H. Kann-Haag, Dr. Schmarjah Levin- London, Dr. Alexander Marmorek-Genf, Nehemiah de Lieme-Haag, Leo Motzkin-Paris, J. A. Naiditsch- London, Dr. Max Nordau-London, Dr. Arthur Ruppin-Jerusalem, Julius Simon-London, Harry Sacher- London, D . Nachman Syrkin-Neuyork, Menachem Ussischkin-Jerusalem, Prof. Otto Warburg-Berlin, Davis Trietsch-Berlin. Liste der Landesu. Sonderverbfinde. Amerika: Mrs. Fels, MiB Henrietta Szold, Prof! Frankfurter, Mr. Sprayregen, Nathan StrauB, Louis Lipsky, Judge Mack, Bernard Rosenblatt, Abraham Goldberg. S tt d-A i r i k a: M. A. Abrahams. Canada: M. Levin. England: Lord Rothschild, Rev. Goldbloom, Mr. Shire. Gr oB-RuBland: M. Alejnikoff, Boris Goldberg, Alexander Goldstein, J. Rosoff, Vladimir Temkin, H. Zlatopolsky, Doktor Schwarzmann. B-eBarabien: Dr. Bernstein-Kogan. Estland: Dr. Katzenelsohn. Polen: J. Grflnbaum, A. Podlischewsky, Abgeordneter, Dr. O. Tbon, Leon Levite, Abgeordneter, Dr. Braude. 'O s t- G a 1 i z i e n: Dr. Leon Reicb. Deutschland: Dr. A. Klee, R. Lichtheim. Litauen: Dr. S. Rosenbaum, Staatssekretfir des AeuBeren, Dr. Soloweitschik, Minister fttr )ttd. Angelegenheiten. Oste^rr e i c h: Rob. Stricker, Abgeordneter. Rumånien: Adolf Bernard. Siebenbiirgen u. Bukowina: Dr. Mayer-Ebner. 3 u 1 gar i en: Dr. J. Caleb. ft •»- cfooslovakei: Gustav Finzi, Ungarn: Doktor Bel« Oesterreicher. Jugoslavien: Dr. Llcht. Frankreich: Andre Spire. Italien: Felice Ravenna. G r i e%c h e n 1 a n d: David Florentin. Belgien: Jean Fischer. Aegypten: J. Cicurel, Mlsrachi: Sir Stuart Samuel, London, Meier Berlin, Neuyork, H. Farbstein, Warschau, Rabbi Fishman, Jerusalem, Chief Rabbi Dr. Hertz, London, Professor Pick, London. Poale Zion und Achduth Haawodah: Ben Qurion, Palfistina, S. Kaplansky, Berlin, Berl Katznelson, Palfistina, Baruch Zuckermann, Neuyork. Hitachduth Hapo e 1 Hazair-Ze^re Zion: Joseph’ Aronowitsch, Palfistina, Eliezer Kaplan, Klew, Josef Sprinzak, Palfistina, Kurt Blumenfeld, Berlin (hat verzichtet). M i s r a c h-V erband Zeire -Zion: Isr. Méreminsky, Warschau, , Schweiger, Warschau. Schwalbe, Warschau, Leo Herrmann, London. Fraktion Hapoel Hazair-Polen: A. Eiges. Warschau. Palfistina: 2 Vertreter, die spater nominiert werden sollen. Rundschau. PALASTINA. Empfang -Jabotinskys und der iibrlgen Gefangenen yon Akko In Jerusalem. London, 4. August. J. C. B. Am 12. Juli, 6 Uhr 30 Minuten abends, kamen unsere Gefangenen von Akko in Jerusalem an. Eine tausendkopfige Menge hatte sich am Bahnhof eingefunden um den Mfirtyrern ihren WillkommensgruB zu entbieten. Es war nicht nur die junge zionistisch erzogene Generation, auch Sie Massen des „alten Jischub" waren herbeigeeilt, ein lebensgeffihrliches Gedrange herrschte auf der Plattform des Bahnhofes. Es waren urspriinglich Aufziige der Turner und der Zofim zum Bahnhof geplant, die jedoch nicht gestattet wurden. Die „Makkabi“ und Zofim verblieben daher in der Umgebung der Lamelschule, wo der offizielle Empfang stattfinden solite und sperrten dort die Gassen gegen die umdrangenden Massen der jiidischen Bevolkerung, die Jabotinsky dort erwarteten. Am Bahnhof erschienen die Mitglieder der Zionist Commission Dr. Ruppin, Dr. Eder, L. Jaffe, ferner Dr. Eliasch, Van Vriesland, Mr. Enrook zum Empfang. Jabotinsky wurde von der Masse auf ,den Schultern in das Automobil der „Hadassa“ getragen, das ihn inmitten stiirmischer Akklamationen der Menge nach Jerusalem brachte. Im groBen Hof der Lfimelschule fanel sodann die .BegrilBung satt. Dr. Schmarja L e w i n begrliBte die befreiten Gefangenen namens der Zionistischen Organisation. Er erzfihlte von .der gewaltigen Erregung, welche die Ereignisse von Jerusalem in der ganzen Welt hervorgerufen haben. Die Judenheit fiihlte, daB dies die letzte Demtitigung ist, die wir auf uns nehmen muflten und daB die Stunde der Erlbsung nahe ist. Dr. R u p p i n ergriff hierauf das Wort zur BegriiBung im Namen der Zionist-Commission — es war Dr. Ruppins erste hebrfiische Rede vor einer groBen Versammiung. Dr. T h o n sprach im Namen des Waad hasmani bedeutsame Worte zu Jabotinsky: „Du bist der Schopfer der Legionen, Du hast uns zur Disziplin aufgerufen, gib jetzt Du ein Beispiel der Disziplin und stelle Dich in die Reihen der Arbeiter ein.“ Im Namen von Oberrabbiner K u c k verlas E. M. Lipschiitz ein herzliches Begrii- Bungsschreiben. Hierauf ergriff Jabotinsky das Wort und begann mit der BegriiBung: „Schalom Jerusalem! Wir kamen zum Frieden und zur Arbeit.14 Er gal einen Rechenschaftsbericht iiber die Arbeit der „Hagonah“ (Selbstwehr) in Jerusalem und ging dann zur Besprechung seines Prozesses iiber, den er mit dem DreyfuBprozesse verglich. Aber niemals håbe er und seine Freunde an der Gerechtigkeit Englands gezweifelt. Er werde in England die Revision seines Prozesses verlangen. Er håbe von Sir Herbert Samuel einen Brief erhalten, daB eine andere Form der Begnadigung nicht mfiglich war, aber wenn er eine Revision des Prozesses wlinsche, werde Samuel eine solche in England beffirworten. Jabotinsky betonte nierauf die Notwendigkeit der politischen Kritik. Die jtidische Oeffentlichkeit miisse kritisieren, fordern, drången, denn dieser Druck fiihrt zur Erneuerung und Oesundung. Wenn viele Beamte bisher als Judenfreunde ins Land kamen und sieh Mer in unsere Gegner verwand°lten, geschah das nach dem Qesetz des geringsten Widerstandes, da nur von arabischer Seite ein Druck vorhanden war. Jabotinsky erwfibnte, daB die gemeinsame Haft mit den Arabern in Akko sie gegenseitig genfihert hat. Wir haben bei den Arabern gute Geftthle gefunden, Hdflichkelt und Dankbarkelt. Wir habén erkannt, daB wir mit den Arabern bi Frieden und Rahe laben kdnnen. Jabotinsky ermahnte zum Schlufi die Bevdlkerung . von Jenisaiem die bittere Vergangenheit 2u vergessen und jetzt nur an den Neuanfbau zu denken. Herzlfeier der Ortbødoxen. Zum ersten Mal seit Herzls Tode vefanstalteten in diesem Jahre die Orthodoxen und zwar mit dem Chachambachi Danun und Rabbiner Riwlin an der Spitze am Todestage Herzls eine Traner-Andacht am Grabe Rahels. Palastlnenser und die engHschen Unlversltfiten. Das Erziehungs-Departement der Administrativ- Behorden Palfistinas teilt mit, daB Iaut einem Uebereinkommen mit der Londoner Universitfit,' alle Palfistinenser die Aufnahmepriifung fflr das Jahr 1921 auch in Jerusalem bestehen konnen. Sie werden nach bestandenem Examen auf der Londoner Universitfit als ordentliche, resp. auBerordentliche Horer aufgenommen und erhalten nach Ablegung der notigen Priifungen die von erwfihnter Universitfit verliehenen Titel. In Ausnahmeffillen konnen diejenigen, die ntcht nach London reisen konnen, die Erlaubnis erhalten, auch die weiteren Priifungen in Jerusalem zu bestehen. Aerzte-Verband. In Jaffa bildete sich letzthin ein allgemeiner Aerzte-Verband ohne Unterschied, der Nationalitfit und Religion, der bisher 36 Aerzte, darunter 24 Juden zfihlt. Zweck des Verbandes ist, mit vereinten Kraften die sanitfiren Verhfiltnisse Palfistinas zu bessern,- Begrunder sind Dr. Scherrmann, Dr. Puchowski und Dr. Swewini (Christ.) (J. P. Z. Z.) Der Wiederaufbau Palfistinas. London, J. C. B. Einer Reutermeldung zufolge richtete Sir Herbert Samuel an Lord Rothschiid ein Telegramm, in dem er bekannt gibt, daB er die Erweiterung der Jaffa-Ludd-Eisenbahn bei Awkaff bereits veranlaBt hat und verspricht filr Erziehung der mohamedanischen Kinder, die Mr die Entwicklung fes Landes von groBer Wichtigkeit ist, réichlich :::■ sorgen. Beginn der Weinlese in Palfistin'; Jerusalem, 28. Juli. J. C. B. Aus Anlaii des B'1 ginnes der Weintraubenlese in Palfistina bésuchte (er High-Commissionfir Sir Herbert Samuel, die Kolonie Rischon-le-Zion. Bei der Entleerung des 'irsten Traubenkorbes in die Weinpresse, sagte Sir Samuel, daB die britischen und zionistischen Flagten, die nebeneinander flattern, filr die Zukunft 7 Ifistinas symbolisch sind, dessen Gedeihung und GlOck von der freundschaftlichen Zusammenarb’eit der Christen, Mohamedaner und Kolonisten abhfingen. (Reuter.) Die arabisebe Presse iiber Sir Herbert Samuel. Jerusalem, J. C. B. Die arabische Zeitung „Su-' riah Ganubia44 driickt einen offenen Brief an den englischen Konig ab, in. dem sie die bekannten Einwfinde gegen den Zionismus erhebt und die Hoffnung ausdriickt, daB Sir Herbert Samuel dank seinem Charakter und^ Kejmtnis den richtigen Weg finden wird. Das genannte Blatt protestiert gleichzeitig gegen das Kissen der englischen Flagge in Jerusalem. Von den neuen Elnwanderern in Palfist. t. Jerusalem, 3. August. J. C. B. Von dep ta» send Chaluzim, welche wfihrend der letzten 2 Mv■♦•"te nach Palfistina kamen, arbeitet ein Teil in der neuen Kolonie Kirjath iearim in der Nfihe Jerusalems, ein anderer Teil macht in Galilfia Dienste als Schomrim, wfihrend ein Teil noch unbeschfiftigt Ist. Die'Lage in Galilfia. Jerusalem, J. C. B. Seit der Einnahme Damaskus durch die Franzosen hat sich die Lage in Qalilfia bedeutend gebessert. Gegenwfirtig herrscht vollkommene Ruhe. Die Personenzilge verkehren bereits bis Damaskus. doch noch nicht die Giiterzilge, Es verlautet, daB am 29. Juli eine Zusammenkunft zwischen Emir Faisul, Lord AUenby, Sir Herbert Samuel und Qeneral Gourand in Haifa stattge.funden hat. Der Zionismus und die heillgeii Statten in Palfistina. London. „Daily Telegraph44 berichtet: „Das Jewisk Correspondence Bureau meldet: Im Bezug auf das Bedenken, das der Kardinal Erzbischqj^T