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Jüdische Volksstimme · 1920-07-22 · Heft 30 (22.7.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 30 (22.7.1920)
Date
1920-07-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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JODISCHE VOLKSSTIMME Betogiprilsei halbjfihrig.KC 21.— ffanzjfihrig.„ 40.— DentschØsterreich.Kronen 80.— Deutschland, ganzifihrig .... Mark 35.— Jahrgang XXI. Briinn, 22. Juli 1120. 7 Ab 6600. Redaktion u. Administration: Brflnn, Krapieng. 19. Inserate: der 6-spaltige Millimeterraum KC —40. Unverlangte redaktionelle Beltråge werden nicht honoriert Manuskripten fst RQckporto beizufflgén. Nummer 30. Zum 9. Ab! HeiB brennt die pal&stinensische Sonne auf Jerusalem herab. Keuchend und schwitzend laufen die verzweifeJten Scharen der Zeloten — so nennt Juda seine Freiheitshelden — zum Tempelberg hinauf. In niegesehener Wut und ungeahnter Kraft trotzt ein sogenanntes Hfindlervolk den riesigen Massen r(jmischer Legionen und .Kohorten. HeiØ brennt die die Sonne! Schwfil wird es in Jerusalem. Hunger und Tod die Herren der heiligen Stadt. Mene Tekel ufarsinl Diesmal steht es Uber Jerusalem, der stolzen Veste. Alles vergebens! Vergebens der unbeugsame Mut Johannes von Giskalah, vergebens die trotzige Kraft Simeons Bar-Giorah. Immer mehr frischer Scharen wirft der rømische Caesar der Zionsstadt entgegen —1 ihre Stunden sind gezfihlt. Titus! GlUcklicher, pennen Dich die Rømer. Felix 1 UnglUck und Leid brachtes Du fiber Juda. Schande und Spott. . Der p. Ab des Jahres 70. — — — Jerusalem ffillt und mit ihm der Tempel und nichts ist uns geblieben, denn ein Teil der Mauer bis auf den heutigen Tag. Generationen sind gegangen, noch einmal erhebt sich Juda unter seinem letzten Helden Bar-Kochba, den man so gerne zum Bar-Kosiba gestempelt hatte und dann wird Ruhe um und in Jerusalem. Wie bist Du zur Wfiste gewordeh, Du stolze Stadt. Der 9. Ab lastet auf dem Lande. Es wird nicht mehr gefestet, nur gefastet. Generationen sind gegahgen. Blutige Exzesse gegen die verstreut lebenden Juden im Lande. Im Namen Christi! Im Namen der Liebel Gott will es! FEUILLET0N. Entwicklung und Niedergang der mfifirischen Judengemainden. Von Df. Theodor Haas. IV. (S c h 1 u 0.) Es Uegt auf der Hånd, daø unter solehen Verhaitnissen die Existenz eines groøen Teilesvder mfihrischen Kultusgemeinden in Frage gestellt ist. Trotzdem das Gesetz verfiigt, daø fiir jede Kultusgemeinde wenigstens ein Rabbiner zu bestellen ist, und nur ausnahmsweise mit Bewilligung des Kultusministeriums ffir 2 oder mehrere Gemeinden ein geméinsamer Rabbiner bestellt werden kann, vermag h?ute nur mehr ungefahr die Hålite der mfihrischen Kultusgemeinden dieser ihrer Aufgabe gerecht zu werden. — Zwei, mitunter drel und vier Kultusgemeinden sind oft der Seelsorge eines Rabbiners anvertraut. Wenn manche Gemeinden noch immer ihre elgene Rabbiner besitzen, so ist dies zum. Teile nur der definitiven Anstellung ibres derzeitigen Rabbiners zuzuschreiben, und wfirde so manche Qemeinde sehr gerne die Versetzung ihres Seelsorgers sehen, um sleb sodann rabbioisch an elne Nachbargemeinde anzuschlieøen. Und man feierte Siege fiber wehrlose Juden. Eine veriumpte Soldateska mit dem Kreuz am Aermel fftllt fiber sie her. So wie heute. ( In Sack und Asche gehfiljt, lag Jerusalem. Auf den Schemeln und ohne Schuhe saøen Juden in den Tempeln, rauften sich ihr graues Haar und den Bart, klagten und weinten. Echu! Nur noch einmal entzfindete die verwitwete Stadt das Herz eines Dichters, Judas letzten Sangers Jehuda ha Levi. Mit dér Kraft des liebenden Weibes zog sie ihn an sich und er starb in ihrer Umarmung. ’! Zion! Zion! Die Tempel und die Klausen wiederhallen millionenfach die Klagen der Juden. Generationen sind gestorbenl Jahrhunderte vergangen. Im tiefen Leide Liegt die Zionsburg im Osten x Ihre Zinnen, die verrosten Und wie Knistern$*nørscher Seide geht es durch die Zedernwaider! Weine Tochter Zions Weine!- Nun wird aber nicht mehr geklagt. Nicht mehr geweint! Am 9. Ab wird der Wiederaufbau Palåstinas beschlossen, und wie zu Sabbatai Zewi's Zeiten, soilten Schiwa assar-Betamus und Tischa-be-Ab aufhøren, Fasttage zu sein. Denn. aus Fasttagen sollen Freudensollen Festtage werden. In Erez Israel ist nach Jahrtausenden wieder ein Vertreter der Juden eingezogen. Hat proklamiert, daø Sabbate und Ruhetage geheiligt werden, daø Juda zur Heimat zurfickkehren werde; daø das unstete und flfichtige Volk sein Haus auf eigenem Grund und Boden erbauen dfirfe. Die zionistische Bei einer vor Kurzem abgehaltenen Tagung des Landesverbandes der mfihrischen Kultusgemeinden korinte man geradezu unglaublich niedrige ' Zahlen als Gehaltsbezfige von Rabbinern und anderen Kultusbeamten angeffihrt horne. Es soli hier nicht untersucht werden, inwieweit in den einzelnen Ffillen diese ungenfigende Entlohnung bloB in der mangelnden SteUerffihigkeit oder auch in der nicht entsprechenden SteuerwiUigkeit der Kultussteuertrfiger begrfindet ist. Tatsache ist, daø die Kultussteuern in manchen Gemeinden im Vergleich zu den staatlichen Steuern sehr gering sind, und eine 'entsprechende Erhøhung derselben am Platze wfire, um den Kultusangestellten eine den herrschenden Teuerungsverhfiltnissen angemessene Existenz zu sichern, ohne daø hiedurch eine empfindliche Belastung insbesondere der zahlungskrfif tigeren Steuertrfiger herbeigeffihrt wfirde. Ein groøes Hindernis bildet in dieser Beziehung die in vielen Kultusgemeindestatuten fixierte Maximalgrenze des Kultusstenerbetrages. Die diesbezfig- Uchen Statuten sind nahezu dréiøig Jahre alt, seit lener Zeit hat sich der Geldwert bekanntermaøen sehr verringert, und es wfire nur recht und billig, daø diese Maximalgrenze entsprechend heraufgesetzt wfirde. Sorist kønnte es nicht vorkomnien, daø ein Fabrikant und mehrfacher Millionfir bloø 300 K Kultussteuer bezahlt, well dieser Betrag der statutarischen Maximalleistung entspricht. Der Lahdesverband der mfihrischen Kultusgemeinden hat* es auf sich genonunen, bei den einzel- Jahreskonferenz, die zu einem KøngreØ angewachsen ist, wird nicht beendet, ohne die festen Grundlagen unseres stolzen Baues gelegt zu haben. Unsere Chaluzim wandern frisch und froh. Tfiglich mehr und es ist eine Lust sie zu sehen. Der Zionismus ist so groø, so stark und måchtig geworden, daø ihn nicht einmal das Totschweigen schadet. Es bat ihm, Gott sei Dank, nie ge» schadet. Wenn auch sfimtliche Tagesblfitter schweigeft zu einer Zeit, in der ein ganzes Volk an seinérri Wiederaufbau arbeitet, wir wissert es. Wir erfahren eS doch. Diese wahnwitzigen Toren, diese kleinlichen Kreaturen, die nicht wuBten, wie yiele Seitén ihrer Zeitung sie dem Hofballe widmen soilten, diesé frivolen SchmOcke, die sich an deri Toiletten der Damen und ihren Decolletes nicht satt sehen und satt schreiben konnten, sind blind geworden, wenn in London Juden der ganzep Welt ffir Erez Israel arbeiten. Wir haben. Dér diésifihrige 9. Ab wird Fréude und Wonne bringen! Der diesjfihrige Fasttag wird viel von seiuer Traurigkeit verlieren, denn er bringt uns unserem Ziele nfiher, der Geulah. Und wenn nachamu, nachamu amil ertonen wird, wenn die Tage der Trauer und des Fastens vorfiber sein werden, dann gehe ein jeder Jude zum Altare des Zionismus und opfere. Denn nicht ffir uns bauen wir Zion und Jerusalem, sondern ffir unsere. Kinder; und da denen die Zukunft gehdrt, denke leder seiner Zukunft und gebe. Und gebe schnell, weil bis dat, qui cito dat! Und in diesem Falle ists kein UnglUck. nen Kultusgemeinden einzuschreiten, um gereqhtere Verhfiltnisse in dieser Beziehung herbeizuffihren.' Es lfiØt sich freilich nich verleugnen, daø so manche mfihrische Kultusgemeinde nicht mehr in der Lage ist, den ihr auf kultuellem Gebiete obliegenden Verpflichtungen nachzukommen. In diesem Falle hat eben die betreffende Gemeiride ihre Existenzberechtigung verwirkt, urid bleibt nichts anderes tibrig, als deren Vereinigung mit einer Nachbargemeinde, bei aller Respektierung der lokalen religidsen Verhfiltnisse und Elnrichtungen. Es werden dann eben noch einige Kultsgemeinden dem Beispiele der zw61f aufgelosten Kultusgemeinden folgen mfissen. Anderseits dfirfen Kultusgemeinden, welche einen Rabbiner erhalten kdnnten, es aber nicht tun, — und es gibt solche, — diesen Zustand nur als kurzes Provisorium betrachfen, denn es darf deiri keinesfalls auf Rosen gebetteten Rabbinerstande nicht noch auf diese Weise die Existenzmbglichkeit unn6tiger Weise erschwert werden. Hiebei ist noch der Umstarid zu berttcksichtigen, daø durch das Fehlen eines Rabbiners oder die nicht gentigentle Bezphlung von Rabbinern, Religlonslehrern und anderen FuiHitfienfiren sowohl das religiøse Leben in der Gemeinde vefbtchlfiØigt wird, als auch der Religionsunterricht der Jugend Schaden leidet. V, Ebenso ungfinstig stehen die Verhfiltnisse besøg* lich der Baulichkeiten. Kurz nach dem Umsturze wurde ein Gesetz erlassen, welches die amtswegige OT* DflooåcMt mtbtMt t „fiicklt oasitener Utlk$kol(i(Kr‘, ' •J ■ fe

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