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Jüdische Volksstimme · 1920-06-10 · Heft 24 (10.6.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 24 (10.6.1920)
Date
1920-06-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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/ VOLKSSTIMME - --—-- Bezugspreise: Redaktion n. Administration: BrQnn, Krapfeng. 19. halbjåhrig.Ké 21.— -: Kan/iåhrig.„ 40.— Inserater der 6-spaltige Millimeterraum KS —*40. Unverlangte redaktionelle Beitrftge werden .nicht honoriert. Manuskrlpten ist RQckporto beizufQgen. Bezugspr else: halbjåhrig . .. Raf'iåhrig. Deutschosterrelch. Kronen 80.— Deutschland, ganzjåhrig . Mark 35.— Jahrgang XXI. Briinn 10 Juni 1920. ’ 24 Slwan 5600 Kummer 24. der „Verelnigten liidischen Parteien". ' Der KongreB findet statt. Schreibwaldres t a u r a t i o n. (Elektrische 1-Wagen „Pisårky") Delegiertenkarten: Parteisekretariat, Kolisté 57, I. Stock. Wohnungsanweisung: Parteisekretariat, KoliSté 57, I. Stock oder beim Empfangskomitee am linhof. Slovakische Delegierte: Volksverband der Juden in der Slovakei tagt Sonntag, den 13. d., um 2 Uhr nachm. im Landesvolksrat ftir M å hr e n, KoliSté 57. Gast k,arten K 5.— und Studentenkarten K 2.— sind erhåltlich im Parteisekretariat, Koli§té 57, bis Sonntag mittag. Ab Montag frtih KongreBb ii r o, Schreibwaldrestauration. Son ntag, afi'en ds ^8 Uhr, gemfffiicHé;‘2Tusammenkunft im Verein „Theodor Herzl“, Café Margaretenhof. KongreBbeginn: Montag, 14. d., um 9 Uhr vo.mittags im Schreibwaldsaale. San-Remo-Feier: Montag, 8 Uhr abends. im Schreibwaldsaale. Gastkarten berechtigen zum Eintritt. Sonst Regiebeitrag. Zionistisches Zentral komiteer Sitzung und Besprechung Montag und Dienstag im Sitzungssaale der isr. Kultusgemeinde, Kolfété 57, I. Stock, links. ZUM KONGRESS. Sonntag, den 13. d., begriiBen wir Briinner Jiidischnationaien den allgemeinen KongreB der „Ver- FEUU.LET0N. Eina zeitgemåBø Midraschstella Es ist eine oft gehorte Behauptung, daB die Geschichte als Lehrmeisterin der Menschheit sich gerne v/iederhole oder sich selbst abschreibe, daB geschichtliche Situationen einer långst vergangenen Zeit in gleicher oder iihnlicher form wiederfcehren. So mag denn auch die Situation in icnem Lande* das uns Juden durch einen Machstpruch des Vierverbandts bezw. Englands als Heimståtte zugesproch.en \uirde, eine gewisse Aehnlichkeit aufweisen mit jener, da der Welteroberer Alexander der GroBe, der seinen FuB auf Lander und Valker seUe. eine Umges taltung der damal igen Weltkarte verursachte, siqh alles seinem Machtgebote fiigen muBte. Und geradeso wie hente die Araber an das ajlgewaltige England herantreten mit dem Ansucben, ein gewisses Vorzugsrecht an Palåstina zu besitzen, so traten .airøH dem Midrasch rabba (Abschn. 61) zufolge einst die Kanaaniter an Alexander heran mit der Forderung auf Zuerkennung des ihnen gebiihrenden Besitzrech-i tes guf Palåstina. Auch sie beriefen sich anf toretten geschichtlichen Rechte und Ajaspriiche, „Schon der Name ,Land Kanaan* beweist, daB unser Anspruch begriindet ist. Denn Kanaan hiefi unser Ahnherr, und in der h. Schrift selbst heiftt es, dafi Palæstina und seine Grenzgebiete zu Kanaan gebdrten. Ganz wieinigten jildischen Parteien". Von nah und fern haben sich Delegierte gemeldet, um dieser Tagung der échoslovakischen Judenheit beizuwohnen. Fur uns Briinner ist es eine groBe Ehre in unserer Mitte die Vertreter der Judenschaft zu sehen. Wir woilen der Oeffentlichkeit dokumentieren, daB wir Juden in der Cechoslovakei, wenn uns auch ein ‘ liickenhaftes Wahlrecht trotz der 80.G00 Stimmen, die auf unsere KiO’didaten abgegeben wurden, ohne Vertretung im Pirlamente IieB, nicht rechtlos sind. DaB wir mit aller unserer Kraft und Energiei;unsere Rechte, die uns durch das Minoritåtengesetz gewåjirleistet wurden, fordern und erreich’en werden. v Unsere Delegierten sind in Briinn 2usammeng .- kcmiiie^jtm ip grøtø ^^.alle ierle Årbeit ~ztfteisten, tie éih’^eSelimiclés Lebein unserer Republik fiir uns notwendig ist. FurchtJo-' ohm Riicksicht auf Rechts und Links woilen wr das vorbringen, wac uns am Herzen liegt, um unsere Organisation auszubauen, um zusammenzufasjsen, w i 2u vereinigen ist, um in Eintracht und Einrniitigkeit unsere oberste jiidische Behfirde zu wåhlen, die unc nach auBen zu vertreten hat, und die als legale Korperschaft von der Gesamtheit der nationalfilhlendcn Judenschaft gewåhlt und anerkannl wird. Wir begriiBen in ufiserer Mitte zum erstenmale auch das zionistische Zentralkomitee fiir die Cecli )- slovakei, das un ter dem nachhaltigen Eindrucke der Ver tråge von San-Remo und angesichts der bald ta genden Jahreskonferenz Beschliisse. zu fassen ha;, die fiir die Entwicklung des zionistlschen Lebens in derrechtlich haben die Juden uns daher das Land entrissen." Also sprachen die klagenden Kanaaniter; und Alexander IieB daraufhin sogleich die Juden zum Pfozesse laden. — Unter diesen wurde nun lange , beraten, wen man als Vertreter bevollmåchtigen Soilte. Da trat Gebiha, Sohn des Pessissa apf, und spr^ch: Ich will hingehen und die Sache. unseres Volkes verfechten. Und da man Bedenlren trug, einen solch unbedeutenden Mann wie Gebiha zu senden, (er soli ein Schuldiener gewesen sein. und auch nicht gerade von imponierender Erscheinung, da ein stark atlsgjewachsener Rdcken. diese nicht wenig beeintråcjitigte), so suchte er alle gegen ihn obwaltenden Bedenken zu zerstreyen; Denn solVten im Re.chtsstre(te die Gegner obsiegen, dann kOnnten. sie sagen: einep gewflhnlichen Mann des Volkes håbet ihr besiegft. Siegten aber sie, dann dtirfteq sie sagen: die Toré unserés Lehrers Moses hat euch bestegt. — So gab!man denn seine Einwiljtøiing, und Gebiha, vor Alexander gebracht, hielt den Kanaaniten qntgegen, daB jes in der Bibel auch ausdrlicklich héifie, daB Noa gesiyochen: Verflpcht sej, Kanaan, ein ewigér Sklave i.sei ér den Briidern. Euer Ahnherr Kanaan war also der Sklave unseres Ahnherrn Sem. Und nach biblischem Recht gehort alles, was ein Sklave erwirbt, (SStøfm Herrn, mithin gehdrt auch das Land Palåstina uns, j den Erben Sems. — Nach heutigem Recht wåre §ine: solche Beweisfiihrung freilich weniger zwingender Natur, (wenngleich auch in unseren Tagen nationaler Fanatismus gern von einem Herrenv o 1 k spricht), damals aber leuchtete sie einen Alexander ein, der die Kanaaniter mit ihren Ansprllchen imscrem Staate von groBer Wichtigkeit sein werden. Ein groBes Arbeitsfeld liegt vor uns. Es ist an diesen beiden Tagen viel Arbeit zu leisten. Von g;oBer Bedeutung und im Brennpunkte des Interesses der Judenheit, die ihr Judentum erhalten wissen wili, ist die jiidische Schulfrage, die am Kongressc endlich zur endgiltigen Lbsung kommen soli. Allen Delegierten rufen wir unsere BegriiBungjn Zu. Wir hoffen und wiinschen, dafl sie sich in unsem Mitte wohlftihlen werden, als unter Menschen, die fiir das jiidische Volk zu arbeiten, die ernste und feste Absicht haben. Wir hoffen, daB dieser Ko-»- greB auch fiir unsere Organisation in Briinn v m •’ToBem Einflusse sein wird, so wie wir erwarteu, daB die einzelnen Delegierten heimgekehrt, neue Impulse und neue Arbeitsfreudigkeit unter dem Eindrucke des Kongresses mitbringen werden. Jedem einzelnen Delegierten und Gaste cin kiåftiges B a r u ch h a b a h! Die tadenreine dietphA Der „Tagesbote" *vom Mittwoch, den 9. Juni, bringt folgende Notiz: Wohln steuern wir? Man schreibt uns: Die deutschen Turnvereine Briimis veranstalteten am 6. Juni ein groBangelegtes Schauturnen. Wie es dem Aufrufe des Festausschusses heiBt, solite dieses Schauturnen die in zwei Lagern stehenden Turner Briinns einander nåtier bringen. „Jeder Deutsche", hieB es in dem Aufrufe, „ob Mann oder Frau, ob Knabe oder Mådchen, muB deutscher Turner sein oder zumindesten die Béstrebungen der Turner fdrdern helfen." ^Im Sinne dieses Auf rufes wurden die Schiiler einer Klasse des hiesigen Realgymnasiums aufgefordert, ihre Beteiljgung am zuriickwies. — Auch die Ismaoliten, die Nachkom men der Hagar, wie die Nachkommen der Ketura, beniitzten die Anwesenheit Alexanders, um sich vor ihm dariiber zu beschweren, daB , ihnen, als Nachkommen eines Abraham das Land, welches ihnen zumindest zu gleichen Teilen wie den ander en Nachkommen derselben gehore, vorenthalten werde. Auch diesmal sahen sich die Juden gendtigt ihren Vertr-eter vor Alexander in der Person Gebitas zu entsenden, welcher den Ismaeliten følgendes entgegenhielt: Ich will euch aus der Bibel beweisen, daB wir Im .Rechte sind. Es heiBt dort (I. B. Mos. 25, 5—6): „Und Abraham gab alles, was er hatte,, dem Isak, den Satinen der Kebsweiber aber gab er Geschenke und schiekte sie noch zu seinen Lebzeiten fort." Es handelt sich also in diesein Streitfalle jgar nicht um die Frage der Erbberechtigung, wovon nur nach dem Tode des Erblassers die Rede sein kdnnte, wåhrend hier ein Vater noch bei Lebzeiten sein Verm6^en .nach eigenem Ermessen unter seine S6hne verteilte. IJjr seid also damals abgefunden worden, mag auch das an Isak vérliehene groBer als das euri^e gewesen sein, und haht jetzt nachtråglicli keinerlei Recht, irgendwelche Anspriiche zu erheben. — Auch in diesein Falle komite sich Alexander der Beweisftthnwff eines Gebiha nicht verschlieBeo, und sprach den luden das Reeht auf den Besitz ihres Landes zu; Dr. Max S^eff. /*, - .4.

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