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Jüdische Volksstimme · 1920-06-02 · Heft 22-23 (2.6.1920) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 22-23 (2.6.1920)
Date
1920-06-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seitt e UOftSCHE fOLftSSTMJRE.* Nr. 22-23. Drucker der beste Mann war. Er schoB beide Tore. Makkabi IA—Slovan Rosice IA: 2:1. Dieser Watt« kampf nahm den erwarteten Verlauf. Makkabi Briinn war die technisch weitaus bessere Mannschaft nnd erfoch gegen die sympathischen Gåste einen schwer e^rungenen, aber ehrlich verdienten Sieg. Die Tore schossen fiir Makkabi der Zenterhalf Barn und Zenterforward Lilienthal. Besonders gute Leistungen boten Mach, Broch, Jellinek, Lilienthal, Reifl I, Reifl II und das Verdeidigertrio Tragatsch I, Wodak I und /ufrichtig. Insbesondere Wodak war wieder einmal hoch in Form. — Pfingstmontag: Makkabi Ung.-Hradisch IA—Makkabi Briinn IB: 1:1. Die ffausherren erzielten durch Drucker I in der 17. Miinite den fiihrenden Treffer, der aus einem gut getretenen 11 m StrafstoB resultierte. Weiterhin offenes Spiel mit wechselnden Angriffen, die auf Seite Ung.- Hradisch wuchtiger inszeniert werden, bei Makkabi Briinn jedoch besser aufgebaut sind. Ein Fehier der rechten Verteidigung ftihrt in der 28. Minute zum Ausgleich, den der linke Verbindungsstilrmer Ung.- Ilradisch nach einem prachtvollen PaB des linken ] lilgels erzielte. Bei diesem Stande bleibt es bis zum SchluBangriff. Beide Mannschaften kåmpften trotz kliihendster Sonnenhitze mit groBer Ambition. Bei Makkabi Briinn gefiel am besten Drucker I, Scherr und Braun, welch letztere durch ideales Vorlegen der BSlle die giinstigsten SchuBgelegenheiten schufen, ferner Drucker II als Zenterhalf, der der beste Mann im Feide war. Seine gestrige Leistung war vorbildlich. Weifl im Tore hielt, was zu halten war. Schwåcher als sonst die Vertéidigung und die beiden FBigelhalves. Fischer, als linker Flligel noch nicht vfillig eintrainiert, schieBt die Korner ideal. Pollenz scheint der ungewohnte Posten des rechten Fliigeln.annes zu behagen. Beim Qegner waren Tormann und Angriff der beste Teil der Mannschaft. Wurfbali. S. K. Zidenice II versus Makkabi Briinn I: 1:1. Angenehme Ueberraschung nach der vbrwbchigen schweren Niederlage gegen Achilles I. Makkabi spielte mit groBer Aufopferung und hat durch sein ambitioniertes Spiel das erzielte Resultat redlich verdient. Nichts destoweniger war Zidenice II die beksere Mannschaft, die speziell in der 2. Halbzeit das Makkabitor ståndlg belagerte. Die, groBere Wettspielerfahrung und Routine, insbesondere aber das bessere Laufvermbgen und das verståndnisvollere Kombinationsspil låflt dies begreifllch erscheinen. Bei Makkabi Briinn sehr gut Fri. WeiB als Torwåchterin, die eine Unzahl auch schwerer Bålle meisterte. Weiters Fråulein Hauser, die bereits in der zweiten Minute des Spieles das fiihrende Qoal schoss. Sie bot die beste Leistung im Feide iiberbaupt. Gut Fråulein Singer, wenn auch manchmal noch ihrer Aufgabe als Verteldigerin vergessend, sehr gut Fråulein CzuCka als rechter Half. Gut waren ferner Fråulein Gottlob und Fråulein Grilnfeld, doch besitzt erstere wenig Durchschlagskraft und g’bt den Ball zu spåt ab. Fri. Griinfeld wurde zu wenig beschåftfgt. Fri. Rotter, bedeutend besser als letzthin, vermochte nicht vdllig zu befriedigen. Hier wåre praktisches, insbesondere aber auch theoretisches Training dringend am Platze. Alles in allem elne sehr beachtenswerte Leistung unserer Makkabi- Damen, denen das zahlreich erschienene Publikum verdientermaBen reichen Beifall zollte. Schiedsrichter Singer, leitete das faire Wettspiel in einwand- Peier und vorbildlicher Weise. Rumbo. Korrespondenzen. Troppau. Am 16. Mai 1920 fand die Wahl der Kultusgemeindevertretung zum ersten Male nach dem neuen Statute statt, welches allen Gemeindemltgliedern ohne Unterschied de,s Geschlechtes und der Steuerleistung das Wahlrecht gab. Der zion. Verein „Jeschurum** machte den Wåhlern einen Wahlvorschlag, dem ein Gegenvorschlag des jiid. nationaldemokratischen Vereines folgte. Die Agitation war auf beiden Seiten eine recht lebhafte. Von 800 Wåhlern erschienen 463 an der Urne. Die Wahlhandlung dauerte von 8 Uhr frtih bis 2V Uhr nachm., dann folgte das Skrutinium, welches um halb 11 Uhr nachts beendet war. Die Stimmenzersplitterung war bedeutend, da das Statut jedem Wåhler das Recht gib't 38 Personen seines Vertrauens zu wåhlen. von denen jcne 30 Personen zu Mitgliedern des Ausschusses gewåhlt erscheinen, die die meisten Stimmen auf sicli vereinigen, wåhrend die nåchsten 8 zu Ersatzmitg liedern bestinimt sind. Es wurden gewåblt: Dr. Lichtwitz Robert mit 460 Stimmen, Gustav Finzi 457, Karl Ebel 447, KaH Weinreb 447, Samuel Steuer 438, Bernhard Huppert 436, Adolf Moller 436, Dr. Berthold Singer 432, Dr. Leopold Leschner 430, Dr. Leopold OrBn 420, Moriz Altschul 417, Adolf Oansel 417, Dr. Eduard Bick 407, Sigmund Lord 405, Heinrich Bandet 401, Sigmund Bachrach 395, Emil Karplus 377, Heinrich Moses 340, Arthur Felix 339, Moriz Spiegel 339, Sigmund Spitzer 329, Josef Weltlinger 326, Samuel Beilak 325, Jakob Fuchs 314, Sigmund Blum 310, Jakob Ooldblaft 308, Bernhard Schonfeld 302, Berthold Reik 281, Otto Vogel 262, Julius Lammel 254. Vier Fiinftel der Gewåhlten sind Zioristen. Am Mittwoch, den 26. Mai 1920 fand die KonsMtuierung des neuen Ausschusses, die Wahl des Vorstehers und seiner Stellvertreter, sowie des enge.ren Vorstandes statt. Der Ausgang der Wahlen beweist, daB die iiberwiegende Mehrheit. der Wåhler der gegenwårtigen Leitung der Gemeinde Vertrauen entgegenbringt und ihr helfen will, den Ausbau der Kultusgemeinde in eine jildlsche Volksgemeinde durchzufilhren. Achtung! Der heutigen Nummer liegen Posterlagscheine bei und werden die P. T. Empfånger ersucht das Abonnement mil* teist desselben ehebaldigst einzusenden. Die Administration. Literatur. „Menschen Im Abgrund", Roman von Jakob Fingermann. R. Lowit-Verlag, Berlin und Wien. 1920. — Diesen Roman, in jeder Beziehung.ein Kunstwerk zu r ennen, wird jeder in einem Zuge durchlesen, so spannend und fesselnd ist er geschrieben. Dieser Roman spielt in Lublin zur Zeit der Besetzung Polens seitens der osterreichisch-ungarischen Armee. Fast alle handelnden Personen sind Juden und alle sind c:em Untergange geweiht, dem Verderben preisgegeten — sind dem Abgrund verfallen. Das hat der Weltkrieg an den Juden Polens verbrochen, das hat auch die verlotterte fistefgeichische ^irtschaft im Okkupationsgebiete véfsctfuldet, das ^haben alle jene auf dem Gewissen, die die Juden Polens mit aller Macht und Kraft auf die Bahn des Lasters, des Elends und des Verderbens gedrångt haben. „Menschen im Abgrund!** — Dieser Roman håtte ebenso gut „Dokumente des Elends und sittlicher Verwahrlosung** heiBen konnen. Es schneidet einem ins Herz, wenn man sieht, welch’ sittliche Verwilderung und Verelendung unter den Juden Polens Platz gegriffen hat. Die Månner laufen wie rasend dem Gelde nach und die Frauen und Mådehen — den osterreichischen Offizieren und Einjåhrigen. In dieser Hinsicht erinnert Fingermanns Dichtung stark an Schnitzlers „Reigen“. Pessjå Lazarewitsch betrilgt ihren streng frommen Gatten mit dem Oberleutnant Prochaska, dieser betriigt und hintergeht den Ssterreichischen Staat; c er Staat und seine Organe haben nichts besseres zu (un, als die Juden zu tyrannisieren und zu chikanieren. Die Juden haben Frauen und Kinder und wollen vor allem leben und sich ernåhren. Die Månner lauftn, um Geld zum Leben zu erwerben, die Frauen laufen in die zweifelhaften Vergniigungsetablissements, um sich — zu „amiisieren". C’est la guerre! l'nd doch, wie meisterhaft versteht es der Verfasser, een echt jtidischen Schabbos zu schildjern, das goldene' jtidische -Herz, das keinen Unterschied kennt und macht dort, wo es gilt, Kranke zu heilen, Arme aufzurichten, Not und Elend zu lindern und zu mildern. Wie treffend ist z. B. der Jude Lazarewitsch gezeichnet, dieser Zahlenmensch, diese Arbeitsmaschine, der sich keine Ruhe gonnt bei Tag und Nacht, Und doch, wåhrend seine Kompagnons Vergniigungslokale aufsuchen, sucht er das Lehrhaus auf und verbringt die lange Wintersnacht im Kreise der armen alten Leute, die den Talmud studieren. So treffend sind aberalle Personen und Figuren gezeichnet, die in Fingermanns Roman auftreten. Demi der Verfasser ist unbestritten ein 'Dichter von hervorragenden Qualitåten, von dem noch veil zu erwarten ist. Die „Menschen im Abgrund** ist das beste, was in letzterer Zeit auf dem Gebiete der Kriegs« I teratur erschienen ist und kann daher mit ruhigem Gewissen ledem aufs wårmste empfohlen werden. Druck und Ausstattung lassen nichts zu wUnschén Obrig. Alles in allem: Ein Buch, das bald in keinem .tiidischen Hause fehlen wird. Und dieser Erfolg ist dem Verfasser vom Herzen zu gonnen. Zwittau (Måhr.) Dr. Felix Kanter. „Dto Årbeit." Organ der zionistischen volkssozialistischen Partei Hapoel-Hazair. 2. Jahrg. April 1920. Heft 5-6. — Das vorliegende Heft befaBt sich hauptsfichlichst mit den Resolutionen des Prager Parteitages, die endlich in ihrer Gesamtheit vorliegen. Ein parlamentarischer Bericht iiber diese fiir die ganze zionistische Bewegung so wichtige Taguug diirfte erst demnåchst erscheinen. Ueber die Prager Tagung selbst berichten: Rudolf Samuel und Robert V/eltsch. Wåhrend sich der Programmatiker Viktor Ch. Arlosoroff in einem Artikel „Wirtschaftentwicklung und Sozialismus** mit Berl Boruchow’s „Die wirtschaftliche Entwickhmg des jiidischen Voikes** mit Erfolg auseinander setzt. Dr. S. Schmit/ nimmt das Erscheinen einer Broschilre des Redakteurs des „Vorwfirts" Heinrich S t r o b I: „Die Kriegsschuld der Rechtssozialisten", 1919, zum Anlasse, um -»egen den historischen Materialismus als tapferer Recke zu Feide zu ziehen und um den Marxismus zu demolieren. Er schlieBt seinen Aufsatz „Tragische Scbuld** mit der Hoffnung, daB Hapoel- Hazair einen „Lebensausweg aus tragischer Schuld" bilden wird. Sehr interessant und beherzigend ist der Bericht Uber die Hechaluzarbeit in Wien vo-. Elijahu Rappaport. Es wird noch sehr lange dauern, bis dieser hehre Pioniergeist der Chaluzim in die K6pfe unserer Philister eindringen wird. Die sexuelle Untrene der Frau, 1. Teil: Die Ehebrecherin. M. 4.50, geb. M. 5.50. 2. Teil: Das feile Weib. M. 5.40, geb. M. 7.—. Eine sozial-medizinische Studie von Universitåtsprofessor Dr. E. Heinrich Kisch. Bonn 1918. A. Marcus & E. Weber’s Verlag. — Kisch versucht als langjåhriger Praktiker aus der Fiille des ihm zur VerfUgung stehenden Materials die sexuelle Untreue des Weibes zu erklåren und steht, wenn auch uneingestandener Malten, auf dem Standpunkte, alles verstehen, heiflt aller verzeihen. Der 1. Teil seines Werkes ist ausgefilllt mit seinen Untersuchungen des Phånomens des weiblichen Ehebruches, den er zum guten Teil der Degeneration des betreffenden Weibes zuschreibt. DaB auch sehr oft andere Komponenten mitspielen, die zum Ehebruche fiihren konnen, oft sogår mllssen, daB er sich hiébei an die Theorien S. Freud’s anlehnt, und uns begreiflich machen will, wie yiele weibliche Geschopfe ins Ehejoch gespannt, durch Gesetz und Tradition daran åuBerlich gebunden sind, wåhrend sie in freier Wahl håtten auch anders werden konnen, ist bei einem Forscher vom Range Kisch’s selbstverståndlich. Nicht zu vergessen sind natiirlich die Typen der Dåmoninnen und Messallinen, die von Natur aus polygam Veranlagt sind. Der zweite Teil, dem feilen Weib gewidmet, entwirft ein Bild der Prostitution, wie sie uns ja im Leben in vielf.'.cher Art entgegentritt, angefangen von der groBen Hetåre bis zur StraBendirne, eine Entwicklung, die tins in seiner genial-grandiosen Art Frank Wed e k i n d in seiner Lulu auf die Biihne gebracht hat. Lr stimrnt mit Lombroso nicht uberein ,daB man stets von „Donna deliquente" sprechen mufl ,sondern sieht auch in unser gesamten wirtschaft. und sozialen Ordnung ein movens der Prostitution. Er behandelt auch das Problem der Abolition, ohne jedoch dafib einzutreten. „Das letzte »entgotterte*, materielle Jahrhundert mit seiner Anbetung des Goldes und Fieisches, hat das feile Weib auf den Schild gehoben und die Tore der Liebestempel weithin geoffnet. Wié wird es nun werden?** Die groBe Frage restlos zu beantworten kann auch Kisch nicht gelingen. Er meint „Vor allem mufl man wahre Religiositåt von Jugend auf und nicht nur in Volkskreisen fordern, das seellsche Innenleben gegeniiber dem Triebhaften wecken, das BewuBtsein der Menscheirwiirde stårken und die Willenskraft der Selbserhaltung und des Selbstbehauptens in den Gefahren natiirlicher Not stetig iiber die ehrliche Arbelt als Tat hinstellen und schåtzen, die Ehe als helligste Einrichtung der Menschheit verehren.** Kisch will dem Uebel durch die Ethik abhelfen. Abhelfen? Nelnl Er will nur verfiiiten, daB das Uebel immer groBer wtirde. Allen ernsten Menschen sei dies Werk anempfohlen. Peronalnachrichten. Anna Schnabl Dr« Rudolf Parda« Rabbiner empfehlen sich als Vermåhlte Pohrlitz, im Mai 1920._ Dr. Baruch Tomaschoif, Advokat, Bratislava, Obmann der zionistischen Organisation fiir die Sl> wakel, bat sleb tnit Fråulein Sidonle Redlinger, Budapest, verlobt.

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