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Jüdische Volksstimme · 1920-04-29 · Heft 18 (29.4.1920) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 18 (29.4.1920)
Date
1920-04-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sefft 6 •JOMKIt yOLQimilE,1 Nf. 18 Das Elend, welches durch die kriegerischen Er-i cignisse ufld dié toneren Wirren Qber Polen hereinbrach, gab, wle so oft fn der Oeschichte, den Hetzern einen willkommenen AnlaB, das Volk gegen die Juden aufzustacheln.und dieselben als die Ursache allen Ungliicks darzustellen. Die Juden wurden im Handel und Verkehr stark beschrankt, der Streit um ihre Rechte spitzte sich in allen groBcren Stådten immer mehr zu, bis er nach maunigfachen Wechselfallen zu Ungunsten der Juden entschiedcn wurde. Durch diese Zwistigkeiten in ihrer Kraft gelåhmt, durch driickende Lasten und Abgabcn an den Staat und die Stadt zermiirbt, gerieten die Juden Lublins und ganz Polens in eine immer tristere Lage. Im Jahre 1764 erfolgte die Aufldsung der Jiidischen Landsmannschaften und des Judenreichstages, und nachdem Polen geteilt wurde, und Krakau, Lemberg und zeitweise auch Lublin unter osterreichische Herrschaft kamen, wurden die Juden dieser St&dte wieder in die engen Judengassen und die Vorstadte zuriickgepfercht. Erst im Jahre IS62 offneteu sich ftlr die -inzwischen unter russische Herrschaft gelangten Lubliner Juden die bisher verrammelten Stadttore, und sie breiteten sich allmahlich wieder in der ganzen Stadt aus. Lublin war seit jeher eine Statte groBer jiidischer Gelehrsamkeit., Schon im 16. Jahrhundert befanden sich hier 2 Synagogen, eine talmudische Hochschule und ein jiidisches Spital. Im Jahre 1547 bestand hier eine jiidische Druckcrei, (schon friiher eine in Krakau), welcher Faktor bekanntermaften auf die Verbreitung der Wissenschaft zu jener Zeit von groBem Einflusse war. In Lublin wirkte im 18. Jahrhundert der Maggld (Seher) R. Jakob Jizchak Horowitz, ein Vorkampfer des Chassidismus, aus dessen Leben und Wirken das Buch viele interessante Episoden berichtct. Das Buch schlieBt mit einem R u n d g a n g e durch das Ghetto, schildert die Dcnkwiirdigkeiten und geschichtlichen Reminiszenzen, darunter auch den alten, aus dem 16. Jahrhundefte stammenden Friedhof. AnschlieBend an diesen liegt, ein Denktnal neuester Zeit, der jiidische Militårfriedhof, auf dem osterreichisch-ungarische Offiziere und Soldaten mit ih ren russischen Kameraden in friedlicher Nachbarscliaft gebettet ruhen. Sehr riihrend schreibt Balaban iiber diese unglHcklichen Opfer eines frevelhaft heraufbeschworenen jahrelangen Massenmordens: „Gar traurig stimmen die langen Graberzeilen, die bis jetzt kein Grabstein bezeichnet und keine Blume schiniickt. Bis der Krieg zu Ende sein wird, werden auch die Frauen und Kinder der hier Ruhenden kommen und werden diose Gråber mit ihren Tranen befeuchten. Bis daliin stort kein Laut die Grabesruhe deren, die zurneist im Donnerschall der Kanonen die letzten Tage ihres Lebens zubrachten und im tiefen Schiitzengraben sich den Keim der tuckischen Todcskrankheit zugezogen haben. Arme jiidische Soldaten!" Dr. Theodor Haas, Brilnn. * Bresnitz von SydaCoff: Die Wahrhelt iiber Habsburgs Ende. B. Elischer Nachfolger. Mark 3.50; geb. Mark 5.50. Bresnitz von S y d a 5 o f f hat schon im alten Oesterr'cich stets den Standpunkt der foderativen national-autonomischen Umgestaltung der Habsliurger-Monarchie vertreten und war ein Anhanger einer friedlichen Losung des von keinem fiihrenden bsterreichischen Politiker verstandenen siidslavischen Problems. Wie wohl ein Gegner des groBserbischen Kåisertums D u § a n’s wollte er doch eine Vereinigung der in der Doppelmonarchie getreimt lcbencfen siidslavischen Vcilker. Seine Politik Serbien gegeniiber bewegte sich in-den Bahnen P i r o s c h an a z. Es hiefi seinerzeit, er stunde dem Thronfolger Franz Ferdinand nahe, und seine neueste Schrift beweist nur die Richtigkeit friiherer Geriichte. Bresnitz liebt es, Hinterkulissenpolitik zu beschreiben. Ein etwas unsicheres und vages Eriassen geschichtlicher Ereignisse, wiewohl auch sehr ernste Historiker dieser nicht entbehren wollen. Beim Tode Franz Férdinands legt er sich die alte juristische Frage: cui bono vor und meint, man miisse die Morder nicht auBerhalb der Monarchiegrenzen suche.i, sobdern innerhalb dieser. Der Mord an dem Thronfolgerpaare hildet den Auftakt all der Leiden und Not, die wir seither erduldeten, und es war mir bei niichterner Betrachtung der Ereignisse stets tinve*- stiindlich, warum der Slavenfreund Franz durch Slavenhand gefallen ist? Er war ein Verfechter do trialislischen Idee, ein geschworener Gegner mag.v.irisch-chauvjnistischer Oligarchie, ein Feiud und Hasser Tlszas, somlt ein Freund der Tiszagegner und das waren in erster Linie die Kroaten und Serben. Verlegt man die Motive der morderischen Tat innerhalb die rot-weifi-griinen Grenzpfåhle, dann aller dings sind die Urheber dieses Mordes und infolgedessen indirekt die Urheber des Weltkrieges nicht in Serbien zu suchen. DaB die maBgebenden Faktoren im Juli 1914 kopflos waren, dafl Sarajewo von Mili-, tar entblofit war, ist Fakt, und dariiber staunten sogar serbische Blåtter. Dies ist sicherlich auf das Schuldkonto B i I i n s k i s, B e r c h t o I d s, T h a 1- I o c z y s, P o t i o r e k s und T i s z a s zu buehen. Wie dann nach dem Morde, die Note an Serbien — besser gesagt, die Kriegserklårung, — erpreBt wurde, wie dann die Ereignisse Schlag auf Schlag bald sanfter bald wuchtiger tlas morsche Habsburger-Erbc trafen, bis es endlich sang- und klanglos auseinanderfiel, ist sicherlich spannend geschrieben. Korresponden?en. Ung.-Brod. Dieser Tage wurde hier unser Freund und Gg. Dr. Friedrich Sp i egler testattet. der einem ungliicklichen Zufalle seinen Tod verdankte. Dr. Spiegler war als Arzt, seit dem Herbste einem Militårspital in der Slovakei zugetcilt und stiirzte bei einem Spaziergange mit seiner Brant von der alten Trenéiner Burg ab. Schwerverlctzt wurden beide ins Krankenhaus gebracht, wobei Dr. Spiegler seinen schweren inneren Verletzungen erlegen ist. Ein Mensch vom makellosen Cbaraktor, als Parteimann pflichtbewuBt, als Sohn mit Verelirung an seiner Mutter hangend ist er min in jungen Jahren von uns geschieden. Wir erwarten, dafi sein Andenken durch Oelbaumhaine geehrt wird. Berlchtlgung. Loschltz. Es ist unwalir, daB Hen* Leopold Ehrlich aus dem Judenturne ausgetreten ist. Es ist ferner unwahr, daB Herr Ehrlich alle Hebcl in Bewegung gesetzt hat, um fiir seine Wahl zum Kultusvorsteher die Mehrheit der Stimrnen auf sicli zu vereirtigen und ebenso unwahr, daB er wegen ungobiihrlichen Benehmens gegen einen Beamteu der Kultusgemeinde zuriicktreten rnuBte. Wahr ist vielmehr, daB Herr Leopold Ehrlich nach wie vor Mitglied der Loschitzer Kultusgemeinde ist, und daB ihm in dieser Eigenschaft fiir das Jahr 1920 eine Kultussteuer per 460 K vorgeschrieben wurde. Wahr ist ferner, daB die Wahl des Herrn Ehrlich zum Kultusvorsteher iiber fremde Initiative mit samtlichen abgegebenen Stimmen erfolgte, wåhrend der einzige l.eere Stimmzettel von Herrn Ehrlich selbst abgegeben wurde. Wahr ist ferner, dafi Herr Leopold Ehrlich das Amt eines Kultusvorstehers freiwillig zuriickgclegt hat, weil er einsah, dafi er nicht in der Lage sei, seine berechtigte Forderung nach regelmaBigcr Abhaltung des Religionsunterrichtes durch den in der Notiz angefiihrten Beamten der Kultusgemeinde und nach Abstellung der wiederholten, mit der Stellung dieses Beamten unvereinbaren Reisen desselben durchzusetzen. Ung.-Brod. Der I. S. K. Makkabi eroffnete bercits die Saison und erzielte bald ganz hiibsche Erfolge. Er spielte gegen S. K. Brod 1:2 (0:0), gegen S. K. Luhaéovice 1:0 (1:0), gegen I. S. K. Goding 2:2 (0:1). Die Mannschaft, die aus frischen,. spiellustigen Jiinglingen besteht, ist berechtigt einer schonen Zukunft entgegen zu schaune. Besonders die Verteidigung mit dem wunderbaren Tormanne und der Angriff mit dem flinken r. Fliigel sind seine Hauptstiltzen. Zuschriften sind an Artur Lowy, dzt. Schriftfiihrer, zu richten. BRUENNER NACHRICHTEN. Vorlesung Dr. Goldschraldt. Vor einem zahlreichen Publikum sprach Dienstag, den 27. d. M., Rabb. Dr. Goldschinidt aus ProBnitz als Gast der Leseu. Redehalte jlidischer Hochschiiler in Briinn iiber das Thema „Fremdengesetzgebung im Judentum“. Von der Behandlung der Fremden bei Romern, Griechen und Germanen ausgehend, gab der Vortragende eine eingehende Uebersicht iiber das bei den Juden geltende Fremdenrecht, belegte die wichtigsten Gruiidsåtze dieses Rechtes durch iitierung béziiglicher Bibelstellen und polemisierte gegen falsche Auslegungen mancher nichtjiidischer Bibelforscher. Der Redner schlofl seine Ausfiihrungen mit dem Hinweis auf die Beschliisse von San Remo in dem Sinne, daB in dem uns zugesprochenen Palastina das alte Rechts-- leben der Juden zu neuem Leben erwachen werde. Le. JiiU. Kulturverein „Esra“. Die Gesangssektios! .halt ihr erstes Griindungsfest Mittwoch, den 5. Mai, ‘ um 8 Uhr abends Im Schreibwaldsaale ab. Chor- und Einzelvortråge, Tanzkranzchen. Karten zu 10 K (ausschlieBItch Luxussteuer) bei K. Lebowitsch, Masarykstrafie 17. Alle Besitzer von Blocks des Vereines „Jiidische Schule“ werden ersucht, sich zuverlassig am Sonutag, den 2. Mai, um II Uhr, zwecks Abrechnung ein- .'.ufinden, KoliSté 57. ' Zlonlstlscher Volksvereln „Theodor Sonntag, 2. Mai: Café Margaretenhof, 8 Uhr abends, Zusammenkunft. „Vorlesung aus jiidischen Dichtuagen“. Referent Dr. Gustav Kohn. Gesangssektion des liid. Kulturverelnes „Esra *. Gesangsprobe, gemisch. Chor (Herren und Damen) Freitag, den 30. d., abends 8 Uhr, Glacis 57. — Sonntag, 2. Mai, prSzise 10 Uhr vormittags, Réalschulc Johannesgasse: Vollprobe. Herren und Damen. — Montag, prazise 8 Uhr abends, Generalprobe im Saale der Schreibwaldrestauration. Alle Mitwirkemlc haben bestimmt zu erscheinen. Vermahlung. Donnerstag, den 6. Mai findet die Vermåhlung unseres Gg. Dr. Bernhard Trac htenberg mit Fri. Dora Feinberg im Tempel in der Ottgasse um 12 Uhr mittags statt. Austritte aus dem judentum. 30. I. 1919. Manuel Hedwig, geb. 3. IX. 1895, Jehnitz. 4. II. R e i n h a 11 Elsa, Priv., Tochter des Em. Reitihalt und Hermine geb. Wiesner, geb. 9. VII. 1890 iti Måhr.-Budwitz. 4. II. S t r a u c h Alfred D i o n y s i u s, Techn. Sohn des Heinrich und Leontine Strauch geb. Lawendel, geb. 14. I. 1892 in Warschau. 1. II. K o n i g s g a r t e n Jacques, Beamt., Sohn des Bernhard und Anna Konigsgarten geb. Soffer, geb. 22. X. 1898 in Briinn. Sportklub „Makkabl“, Briinn. (Wettspielberichte vom Sonntag.) Makkabi stellte diesmal 4 Mannschafteu, die im Feide eine dem Gegner zu meist ebenbiirtige Lcistung boten, denen jedoch iiberraschender Weise vor dem feindlichen Tore jeder Erfolg versagt blieb. Fortuna. grollte. Makkabi III — Zidenice IH 0:5 (0:1). Makkabi II — Mor. Slavia III 0:2 (0:1). Makkabi IA — Cecilie Zastavka 1A 0:1 (0:1). Hockey. Makkabi Briinn 1A — Makkabi Måhr.-Ostrau IA 0:4. Infolge Raummangels bringen wir heute nur imterstehenden Bericht: Cechie Zastavka IA — Makkabi IA 1:0 (1:0). Das letzte Zusammentrefrcn der beiden Mannschaften endete vor kurzem 3:0 fiir Cechie Zastavka. Die komplett antretende I. Mannschaft Makkabis schien uns GewMhr fiir eine ausgiebige Revanche zu sein. DaB es doch anders kam, als allgemein erwartet wurde, ist buchstablich nur dem Gliickc zuztischreiben, daB sich hartnåekig an die -Fersen des Gegners heftete und ihm selbst in den kritischesten Situationen treu blieb. Makkabi, die starkere Mannschaft, verliefi geschlagen das Spielfeld. Makkabi stellte diesmal eine Angriffsreihe,;lie nach langer Zeit endlich wieder einrøal befriedigeu konnte. Die rechte Fliigelseite besser als die linke. Der Zenterforward ist seiner schweren Aufgabe noch nicht ganz gerecht worden. Mit der linken Seite des Angriffes konnte er sich nicht recht verstehen. Jellinek ist durch das lange Backspielen nicht gerade schneller geworden, seine Aktionen leitet er zu langsam ein, behålt den Ball zu lange, sein Passen ist hoch und deshalb ungenau, sein Platz nie der des Verbindungsstiirmers. Trotzdem gehort er unstreitig zu den talentiertesten Spielern des Makkabi. Sehr gut der rechte Verbindungsutid Fltigelmann. GrdBere Raschheit im Abgeben des Balles, iluches und iusbesondere rasches Zuspiel, das beide Fliigel gleichermaBen ins Gefecht bringt, werden diese Stiirmerreihe Makkabi zu einer gefiirchteten Waffe machen. Der Zenterhalf Lowinger war in der 1. Halbzeit sehr gut, er war unermudlich hinter dem Balle. In der 2. Halbzeit fiel er stark ab. Er stand das scharfe Tempo nicht ganz durch. Zu tadeln wåre seine Sucht nach Goalehren. Das darf jedoch nie seine Hauptanfgabe sein. Dadurch gehen seiner Angriffsreihe eine Menge wertvoller Chanzen verloren. (Er schofi beispielsweise 2 StrafstdBe aus 25 m Entfernung direkt, was sich doch wohl nur ein Ko§ek, respekt, heute Orth, Poppovich oder Dittrich erlauben kann.) Die beiden Fliigelhalfs Reifl II und Zaitschek aufopfernd wie immer. In der Verteidigung Wodak schwacher als sonst. Seinem Partner Tragatsch eine ganze Menge taktischer und technischer Schnitzer, deren erster das

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