Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1920)
- Date
- 1920-04-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seft* 6 chen Ertøsergotte" aus dem dogmatischen Nazaret in Oalilfia zusammenhångt. Das sogenann'e Heidenchristentum war, zur Zeit des Aufstandes des Bar-Kochba 135 u. Z., nichts anderes als das Mysterium der jtidischen Diaspora. Die Personliclikeit des Paulus, des angefelichen Stifters des Heidenenristentums, ist historisch nicht greifbar. Das „Mysteriumjudentum" verlor durch die messianische Ausgestaltung des griechischen „Logosideals" seinen besonderen jtidisch-nationalen Charakter und erweiterte sich zu dem allgemeinen Mysterium vom „menschlichen Erlosergotte" aus dem dogmatischen, oder sagen wir besser, ganz sagenhaften Nazaret. Dies kennt weder Josephus, noch der T a 1m u d. In diesem „Heidenchristetnum" des 2. Jahrhunderts u. Z. hatten „die Glåubigen der Beschneidung nach", d. i. die Juden, wie aus den Briefen, den Trostschriften, Predigten, genannt Evangelien hervorgeht, der Zahl nach, die geistige und religiose Fiihrung, wénn sie auch ihre jiidische Vergangenheit stark in den Hintergrund treten lassen muBten. Von einem „Judenchristentum" kann in diesem Jahrhundert nicht die Rede sein. Der „menschliche Erlose**- Gott" ist ein Gebilde des 2. Jahrhunderts und erhielt seinen Namen von dem alten aus Chaldtia stammenden Erloser-Gotte Jehoschua. Seine religionsgeschichtliche Ausgestaltung erhielt er von Johannes dem Ttiufer, an dessen Stelle er, wiihrend des Auf- JO traem fOUCSiTIMMB.- standes des Bar-Kochba, geschoben wurde. Seine dogmatische und religionstheoretische Bedeutung erhielt er durch das „Logosideal", das unter Mitwirkung religioser, grichischer Juden mit dem Messiasgedanken des jtidischen Volkes sich verknttpfte und, bereits im 1. Jahrhunderte, in der Person des „menschlichen Erlosergottes von Nazaret1* sich verwirklichte. — Dies der Oedankengang der Schrift Wertheimers, die wohl bald im Druck erscheinen diirfte und der wir die wohlverdiente Verbreitung und Wilrdigung wtinschen. Es sind neue Gesichtspunkte, die dieser Wahrheitssucher, im besten Sinne des Wortes, eroffnet. Wenn wir auch mit mangjhem, was Wertheimer ilber die „E s s e n e r" sagt, — wir sprechen von EssJiern, — nicht einverstanden sind, auch Josephus nicht in gleicher Weise riihmen, wie er, seine Arbeit verdient, gemtifl ihrer Gelehrsamkeit und Wissenschaftlichkeit, die Wiirdigung gelehrter Kreise. Ein hbchst dunkles Gebiet ist es, in das er uns fiihrt und wir hoffen, daB seine kUnftigen Arbeiten, die er uns ankiindigte, immer mehr die Urzeiten des Christentums erhellen werden, was natilrlich au-h dazu beitragen wird, ein helles Licht zu werfen auf gewisse Kapitel der jiidischen Geschichte, die des Bearbeiters noch harren. Wertheimer scheint uns daf il r der rechte Mann zu sein. Dr. M. G. Nf. 17. war eine der imposantesten Kundgebungen tegen den ungarischen Terror gegenilber unseren Qlaubensbriidern. BRUENNER NACHRICHTEN. Vortrag Dr. Goldschmid aus ProBnltz. Dienstag. den 27. d„ halt Dr. Goldschmid aus Proflnitz als Oast der „Jtid. Rede- und Lesehalle" einen Vortrag ilber: „Fremde und Fremdrechte im Judentum.'* Ort: Kultus^emeinde, 8 Uhr abends. Regiebeitrag 2 K, Studenten 1 K- Gaste willkommen. VersatnmlAng Kurt Blumenfeld. Donnerstag, den 29. d., veranstalten die zionist. Organisationen eine Versammiung, bei der K u r t Blumenfeld aus Berlin tlber „Antisemitismus und seine Ueberwindung" sprechen wird. Ort und Zeit wird noch bekannt gegeben. Volksvereln „Theodor HerzF*. Sonntag, den 25. d. M., Konstituierung des neuen Ausschusses. Café Margaretenhof, halb 9 Uhr abends. Alle Og., die sich flir die Resultate der Senatswahlen interessicren, werden ersucht, im Café zu erscheinen. Resultate der Wahl. In Brtlnn haben wir auf die Liste der „Vereinigten Jiidischen Parteien" 2645 Stimmen vereinigt, im ganzen Kreis 4150. Dieses Resultat ist ilber unser Erwarten gut ausgefallen und wir sind dessen sicher, daB alle unsere Wdhler auch am 25. April die Liste der „Vereinigten jtidischen Parteien'* wåhlen werden. Vereln „Jiidische Schule". Montag, den 19. d., konstituierte sich' der Verein „Jiidische Schule". Es wurden gewtihlt die Herren: Julius Schuller, Obmann; Siegfried KeBler, 1. Obmann-Stellvertreter; Otto Weich, 2. Obmann-Stellvertreter; Artur Steinhauer und Ing. Rudolf Friedmann, Schriftfiihrer; Frau Helene WeiBkopf und Dr. Oskar Steinschneider, Kassier. Es wurden beschlossen: Volksschul-, Mittelschul-Kommissionen und eine PropagandarKommission. Jiidische WMhler I Achtung! Kandidatenliste der „Vereinigten jiidisohen Partelen“ im Wahlkreis VI. fUr den Senat (BrUnn, JJng.- Hradisch, Iglau): 1. Dr. Gustav Zweig, Advokat, Proflnitz. 2. Wilhelm Sonderling, Kaufmann, BrUnn. 3. Jakub H. Gliick, obchodnik v Uh. Brodé. 4. Dr. Bernhard Felber, lékar v Uh. HradiSti. 5. Dr. Hermann Wertheimer, Arzt, Jamnitz. 6. Karel Frank, lifednik vtBFecIavé. Achtung! Unsere Liste in den Senat tragt die Nr. 7. JUdischer Spart. „Makkabi“-Brtinn. (Tennis-Sport.) Sonntag, den 11. April, fand im Café Margaretenhof die konstituerende Sitzung der Tennis-Sektion statt, an welcher 65 Interessenten teilnahmen. Nachdem Herr V. Hannak iiber Aufgaben und Ziele der neuen Sektion referiert hatte, wurde eine provisorische Leitung gewtihlt, welche die vorbereitenden Arbeiten in kiirzester Zeit durchzuftihren hat. In die provisorische Leitung wurden gewtihlt: Frau Olga Hansel, Fri. Grete Engel, Herr Berg, Herr V. Hannak und Herr E. Lustig. Der Sektion sind bisher 73 Mitglieder beigetreten. Au alle, die diesen gesunden und schonen Sport betreiben resp. unterstUtzen wollen, ergeht die Aufforderung, der jungen Sektion als austibendes oder unterstUtzendes Mitglied beizutreten. Beitritts- Anmeldungen sowie event. Anfragen sind an Frau Olga Hansel, Franzosische Strafle Nr. la oder an Fri. Grete Engel, Silniénl Nr. 10, zu richten. Der Sportbetrieb auf den Tennisplåtzen im Schreibwaldc wird mit 10. Mai eroffnet. BrUnn: S. K. Makkabi II gegen S. K. Viktoria Brng 1:1 (1:0). Segen-Got tes: S. K. Cechie-Ztistavka gegeu S. K. Makkabi Brno 3:0 (1:0). 01 m ti t z: S. K. Makkabi Ung.-Hradisch gegen S. K. Hakoah Olmtitz 2:2. (Spiel zweier gleichwertigen Gegner.) Hockey: S. K. Makkabi BrUnn la—Ib 8:2 (4:0). S. K. Cechie schlågt S. K. Makkabi Brno 3:0 (1:0). Die BrUnner mit Ersatz fttr Trotta, Jiidische Wåhler und Wahlermnen! Die Wahlen in die 1. Kammer sind vorilber. Die „Vereinigten jtidischen Parteien1 haben tlber 80.000 Stimmen auf sich vereinigt. Wir danken unseren jtidischen Wahlern ftir das groBe Vertrauen, das sie unserer Idee entgegengebracht haben und es ist geradezu rtihrend, wie namentlich in den kleinen und kleinsten Orten jtidisch gewahlt wurde, trotz der Isolierung der dortigen Judenschaft. Wir haben wohl kein Mandat erreicht. Nach den Resultaten der Wahl ist jedoch die Situation ftir den Senat vid gtinstiger, weil die Wahlkreise zusammengeschlossen werden und speziell nach den Ergebnissen in Nové Zåmky und KoSice, welche ftir die Senatswahlen einen WahJkreis bilden, Aussicht vorhanden ist, daB wir bei rtihriger Agitation die ntitigen 20.000 Stimmen aufbringen. Wir wollten und wollen auch heute noch die Juden aus dem Nationalittitenhader herausftihren. Wir wollen die Juden von dem Vorwurfe freimachen, als htitten sie sich zu irgend einer fremden Nationalittit zugeztihlt. Der „Tagesbote* macht denjenigen Juden, die Dr. Baeran nicht gewtihlt haben, Vorwtirfe, lasset Euch aber nicht beeinfluBen! Zum Pøssimismus ist kein Grund vorhanden! Wir sind unserer Parole treu geblieben. Wflhlet auch fUr den Senat jlidlsoh I Lassøt Euch durch Schwarzfdrbung und verstackte Drohungen der gegnerlschen BIMtter nicht einschUohtern und wflhlet am 25, April dia Liste der „Vereinigten Jiidischen Parteien” die Liste: Advokat In Prossnltz. Kreiswahlkomltee der „Vereinigten Jiidischen Parteien” in BrUnn. Korrespondenzen. Zwittau. Donnerstag, den 15. d., fand unter dem Vorsitze unseres Kandidaten Gustav Zeisl eine Wåhlerversammlung statt, die sehr gut besuent war. Das Referat hielt Dr. Gustav Kohn aus Bruniij dem es gelungen i&t fur die Wahlen in die Nationalvcrsammlung auch die Stimmen der Zwittauer Juden zu gewinnen, die bei der Gemeinderatswahl nicht jildisch gewtihlt haben. Gddlng. (Judisch-akademische Ferial-Verbindung „Gamalah".,) Erstchargierter MUC. Walter L e chne r. — Zweitchargierter cand. ing. Siegfried S t i a s s il y. — Drittchargierter stud. chem. Fritz Schlesinger. Lundenburg. Mittwoch, den 14. d., hatten wir eine Wåhlerversammlung. Herr Ing. Gold eroffnete die Versammiung und begrUflte alle Erschienenen. Ins Pråsidium wurden gewåhlt die Herren Gold, Frank und Deutsch. Referent war Dr. Gustav Kohn aus BrUnn. Wien. Grofles Aufsehen machte im Stadttempel des Herrn Oberrabbiners Dr. Chajes Rede am 7. Tag Peflach iiber die heurige Peflachversorgung unserer Groflgemeinde durch unsere Bruder in Holland, Amerika und England, ftir die wir ihnen zu grofiem Danke verpflichtet sind. Am Schlusse forderte der Redner die Groflen unserer Stadt auf, ftir unsere notleidenden Wohlttitigkeitsanstalten ausreichende Gaben zu spenden, da sie sich in der hochsten Bedrångnis be-! finden. — Sonntag, den 11. April, fand, eine grofle {Protestsitzung gegett die unerhdrten Pogrome in Ungarn statt. Es sprachen Herr Oberrabbiner Dr. Chajes, Nationalrat Dr. Plaschkes und Dr. Schalit. Es