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Jüdische Volksstimme · 1920-04-15 · Heft 16 (15.4.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 16 (15.4.1920)
Date
1920-04-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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JODISCHE VOLKSSTIMME Be zugspr el se: halbiahrig. Viiiii/Jalirii;. . 5. K 20.— . „ 40.- Redaktion u. Administration: Brfinn, Krapfeng. 19. Buchhåndlerische Vertretung: Otto Klemm, Leipzfg. Inserate: der 6-spaltige Milimeterraum C. K—30. Dentschosterreich. Kronen 50.— Unverlangte redaktionelle Beitrfige werden nicht Deutsehland, ganziShrig. . . . . Mark 25.— honoriert. Manuskripten ist Rflckporto beizufQgen. Jahrgang XXI. BrUnn„ « Hummer 16. Kreiswahlkomitee der „Vereinigten judischen Parteien“ in Briinn. Wer sind die Vereinigten jiidischen Parteien? Attf einer In Prag aus dem Kanzen 2.-sl. Staate zusammetigetretenen Vertrauensmånnerkonferenz der nationalen und orthodoxen Organisationen, der Kultusgemeinden etz,. liaben sich alle Juden, denen die Erhaltung elnes lebendlgen .Tudentuins am Herzen liegt und die an die Zukunft des iiidischen Volkes glauben, unter AussehluB alles Trennenden zu einer einheitllcben Wahlpartei zusainimengeschlossen, die den Namen „Verelnigte itidische Parteien“ fiihrt, um den Juden dieses Staates in der Natlønalversammlung eine ihrer Stfirke angemessenen Vertretung zu sichern. Hier wurde auch der BeschluB gelaBt, in bilen Wahlkrei- Veu Kandldaturen aufzustellen, damlt samtllchen Juden dieses Staates die Mdgticnkeit gegeben werde, dazn beizutragen, daB mØgUchst viel itidische Vertreter in das Parlament einziehen. Ist dia Wahl JOdischer Abgeordnetar geslchert? OdS Wahlgesetz flir das Parlament, flir Abgeordnetenhaus und Senat, IHBt diese Moglichkeit auch den Juden offen. und es b tingt nur von diesen selbst ab, ob sie eine Vertretung haben werden oder nicht. Das Wahlgesetz enthalt namlich eine Bestimmung, welche sagt, daB alle Stimmen jener Parteien, welche in irgend einem Wahlkreise im ersten Wahlgange 1 Abgeordneten durchgesetzt oder 20.000 Stimmen erhalten haben, einer zweiten Zahlung bei der Zentralwahlkommission hi Prag unterzogen werden, und, daB bei dieser zweiten Zahlung (Skrutinium) jeder Partei dann soviel Mandate zugewiesen werden, als der Summe der Stimmreste aus dem ganzenStaate entspricht. Da es nun keinem Zweifel unterliegt, daB im Wahlkreise Pretiov (Eperjes) und Kaschau, im PreBburger Wahlkreise itidische Abgeordnete schon i m e r s t e n Wahlgange gewåhlt werden und auch in Prag, wo 26.000 itidische Wahier zur Wahl gehen, die Wahlzahl von 17.000 Stimmen, die ftir einen Abgeordneten notwendig sind, erreicht wird, dann werden bei der zweiten Zahlung samtliche. in aIlen Wablkreisen der £ecb.-slov. Republik ftir die .Vereinigten iiidischen Parteien* abgegebenen Stimmen z usam mengezahl t und da wir wie zu erwarten, m eh r als 100.000 Stimmen dann auf unsere Liste vereinigt haben, werden wir mindestens 4—5 Abgeordnete erhalten.* Well nun diese Zusammenzablung erfolgt, ist es also ii i c h t r i c h t i g, wie unsere Gegner sagen, daB wir hier nur eine Zahlkandidatur haben, sondern j e db S11 m m e, die wir hier auf unsere Liste vereinigen, ist mitausschlaggebend bei der Zutetiung von Mandaten beim zweiten Skrutinium, und darum tragt jede Stimmedazu bel, daB wir als Juden nicht ganz aus der ktinftigen Gesetzgebung ausgescblossen werden. . ... . Warum mussen die Juden diese Liste wShlen? Die Wahi, welcher der aufgestellten Kandidatenlisten wir Juden unsere Stimmen zu geben haben, wird uns diesmal nicht - zur Qual. Wohin wir blicken, in der Mehrheit geschlossene A RIS C H E Wahlblocke, die glelchbedeutend sind mit ANTISEMITISCH. In unserem Wahlkreise kandidiert die deutschdemokratische Freiheltspartei. Wenn wir auf die Kandidatenliste blicken, suchen wir vergebllch nach einem Juden. Einen Juden hatte man doch lassen konnen, einen einzigen. Nein! Diesmal nicht einmal einen sogenannten Paradejuden. Dafur aber elnheitlich: DEUTSCH-ARISCHE, CHRISTLICHSOZIALE und BAUERv LICHE Kandidaten. Das wagt man den Juden vorzusetzen und hofft noch, daB Juden diese Liste wahlen werden; Wir haben seit Grtindung dieser Partei die Juden daranf aufmerksam gemacht, daB diese Partei nicht imstande ist, judische Interessen zu vertreten. Solange noch juden als Kandidaten figurierten, konnte man annehmen, daB sie ftir itidische Sachen eintreten werden. Nun ist diese Hoffnung zunJchte gemacht. Es ist nicht Z u fa 11, daB kein Jude kandidiert wurde, es ist Absicht. Ftir ein aussichtsloses Sentas - Mandat hat die deutsch-demokratische Freiheltspartei alle Juden an den antisemitischen deutschen Block verkaufen wolien, doch auch dieser Kuhhandel ist nunmehr in die Brtiche gegangen. Auch die deutsche Sozialdemokratie, die auf ganz anderen Gebieten die heftigsten Kampfe im Pariamente durchzumachen haben wird, kann sich dort der Juden nicht mit der erforderllchen Intensitat und OblektivitSf annehmen, ansonsten sie ia in den Geruch einer Judenpartei kame, was zu vermeiden sie sich angstlich bemtiht und bemtihen wird. So bleibt doch iedem klardenkenden Juden nur ein Ausweg: die Liste der „Vereinigten iiidischen Parteien**, welche die Juden herausftihrt aus dem Nationalitåtenhader. die Juden neutralislert, sie nicht exponirt ftir diese oder jene Nation unserer Republik. Wir wolien in der Republik ein aufrechtes, freies Judentuml! Wir wolien die Juden nicht durch eine fremdnatkmaie Politik kompromltieren. Wir wolien itidische Angelegenheiten durch Juden ver* treten lassen und sie nicht der Gnade und der Gunst fremder Parteien anheimsteUen! Wir haben die besten Aussichten gewihlt zu werden! Jede itidische Stimme ist wichtlg, ist von Bedeutuug, denn sie alle werden notwendig sein, unsere Mandatare zu sichern. Juden! wahlet elmntitig die Liste der „vereinigten Kldlschen Parteien*4, mit dem Listenftihrer Dr. Artur F6ldmditin9 Advokat in Briinn. Kraiiwaiilkomltai dør „Verainlgtan JOdltohen Parteian” In BrOna.

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