Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1920-04-08 · Heft 15 (8.4.1920) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 15 (8.4.1920)
Date
1920-04-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/2621806-2622069-2622084--4311-2625596
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Setti 6 Nf. 15. tind BMinte før slch betnspftfcht Audi der Sekretår der Qetfteinde fiat sfch nicht lener Ohjektivitåt befleiBlgt, 211 der er verpflichtet ist. Er hat einseitig in den Parteienkampf eingegriffen, ist sogar an Herren herangetreteti, um sie zur Kandidatur zu bewegen. Um auf den Wahltag selbst zu kommen, so weise icii darauf mit Protest hin, daB bei der Wahl, bei der sich Jiidische Partéien gégenflberstanden, Polizeiorgane und Detektive anwesend waren. Wir protesteren dagegen; das ist beschåmend. Ich frage an: Was gedenkt der Vorstand, das Pråsidium zu tun? Und sieht der Vorstand ein, daB Uebergriffe vorgekommen sind? Ist es weiter der Friedhofssektion bekannt, daB am Friedhofe Diebståhle vorkommen? Aus den Vorkommnissen ist zu ersehen, daB am Friedhofe nicht iene Bewachung vorhanden ist, die notwendig wire. Auch wftre der nichtjildische Gartner durch einen jiidischen zu ersetzen. Ich frage an, ob die Verfolgung crer Tater aufgenommen wurde. Der Prasident bittet den Interpellanten, seine Interpellation Schriftlich einzubringen, damit er sie Id der nachsten Sitzung beantworten k6nnte. Spater verzichtet der Prasident auf die schriftliche Eingabe. Direktor Blu men tha I referierte ilber die Steuerreklamaturen. Herr S c h u 11 e r beantragt, die Wahl eines Mitgliedes in den Ortsschulrat. StatutengemaB wird der Prasident entsendet. Um die Unzuianglichkeiten in der Max Rose n t 11 s c h e n Stiftung abzuschaffen, werden 2 Vertreter entsendet: Dr. B r i c k urid H i r s c h - m a n n. Herr S c h u 11 e r bemangelt an der RosenthalSchen Stiftung, daB sie nicht dem Stiftsbrief entsprechend verwaltet wird. An Subventionen werden gewahrt der Toynbeehalle 300 K. Dem Hilfskomitee in T r z e b i n i a zur Errichtung einer iiidischen Gewerbeschule 100 K. Dem jildischen Blindeninstitut in Wien 200 K. Dem Freitischverein in Briinn flir Ausspelsung von Unbemittelten und der JQdischen Frauenorganisation zur Errichtung von Tageserholungsstatten auf dem neuen jttdischen Sportplatze im Schreibwalde nach langerer Debatte le 6000 K und 8000 K. * * # S a*m stag, den 10. d. M., 8 Uhr abend, findet eine Wåhlerversammlung in der Turnhalle Zeile statt. Thema: Wahlen in die Nationalversammlung und den Senat. Referenten: Abgeordneter Ing. Robert Stricker aus Wien, Dr. Artur Feldmann, Prof. Dr. A. Engel aus Prag, Dr. Gustav Zweig aus ProBnitz. Jiid.-akad. Lese. und Redehalle. Bibelabend. Montag, den 12. d. M. findet im Saale der Kultusgemeinde ein Bibelabend statt. Vortrag: Dr. Max Grilnfeld. — Rezitation: Fri. Grete Low aus ProBnifz. Beginn 8 Uhr. Regiebeitrag. Alle Besitzer von Blocks des Vereines „Jiidische Schule" werden werden ersucht, zwecks Verrechnung Sonntag, den 11. d., zwischen 11 und 12 Uhr im Lokale des „Volksrates", Koli§t£ 57, zu erscheinen. Lehrertagung. Sonntag, den 11. April findet im „Volksrate", KoliSté 57, eine Tagung der jiidischen Lehrerschaft Måhrens um 9 Uhr vormittags statt, zu welcher alle Volks- und Mittelschullehrer eingeladen werden. Alle Lehrer Måhrens, die sich nicht im Am te befinden, enthoben sind, wollen ihre genaue Adresse dem Vereine „Jiidische Schule", Briinn, KoliSté 57, bekanntgeben. Mitteilungen der JUd. N. F. Kommission in Briinn. Wir machen die Besitzer von Btichsen darauf aufmerksam, daB nur Personen, die sich mit einer Legitimation der J. N. F. K. in Briinn ausweisen, berechtigt sind BQchsen zu leeren und ist der Bilchsenleerer verpflichtet, den eingehobenen Betrag mitteis nummerierter Btichsen-Quittung zu best&tigen. Betråge fiir den J. N. F. entgegenzunehmen sind nur jene Personen berechtigt, die diese Betråge mit den vorgeschriebenen Formularien der J. N. F. K. in Briinn quittieren kdnnen. Bertha Schnabl. J. N. F. K. Literatur. Kulturraenschen, Roman von Claude Farrer e. Brosch. M. 4.—, geb. M. 6.-—. Georg MiiUer, Miinchen. Ein brodelnder Odem von tropischer Vegetation, ein feuchter sinnlicher Ruch indischer Erde walzt sich in Claude F. gegen uns. Das Leben zivilisierter Europåer „Kulturmenschen“ in den Kolonien wird hier mit allen seinen Turenden und Lastern auseinander gesetzt; wobei Jedoch die Laster den Vorzug haben. Alkohol, Opium, Weib, die 3 grOBten Widersacher des weiBen Mannes im fernen Osten. Ob es nun in Indien, China, Japan, ob es in Indochina oder den Inseln ist, das Milieu ist stets das gleiche. Japan hat uns in wunderbarer Weise Lafcadio Hearn eråffnet, mit einer Oenauigkeit und Liebe, die^ iiber das Gewohnliche weit hinaus reicht. In Pierre Loti bewundern wir den Kenner des eigentlichen Orients. Cl. F. bringt uns in den etwas ferneren Osten. Spielt bei Charles Baudelairc Opium u. Haschisch ein grofle Rolle, so wird diese bei F. noch iiberboten. „Kulturmenschen" sind mit dem Akademie-Concourtpreis ausgezeichnet worden. Sie zeigen uns die ganze Nichtigkeit unserer sogenannten Kultur und Zivilisation. Lehren uns verstehen, warum die Verachtung des Europ&ers in den Eingeborenen immer starker wird, dessen ganze europaische Kultur in nichts anderem besteht, als im Ausdenken neuer, raffinierterer Qeniisse und Perversltaten. „Ein Kanadier, der Europens Ubertiinchte Hoflichkeit nicht kannte." Ausbeutung, Verluderung, Vernichtung der Eingeborenen war vor dem Kriege Herrenpflicht des Europåers, von dem der Indier, Chinese, Japaner in den Kolonien nichts anderes lernte, als die Verachtung gegen die weiBe Rasse, welche seit Warren Hastings in den Kolonien nichts anderes sieht, als ein Objekt der Bereicherung und der Geniisse, und die den Eingeborenen nichts iibrig låflt, als Lues und Bastarde. Spendenausweis vom 14. III. bis 23. III. S e 1 b stb e s t e u e r u n g fiir das Jahr 1920: H. Dr. Artur Feldmann, Gemeinderat 1000 K, Fr. Dr. Gisela Feldmann 150 K, Ing. Max Singer, Gemeinderat 120 K, Fri. Grete Feldmann 12 K, Theodor Håutler 60 K, Immanuel Kahn 60 K, Fam. Tragatsch 50 K, Fr. M. Kessler 20 K, Fr. D. Ernestine Rotter 15 K, Bernhard Frankl 10 K, Julius Mukden 10 K, Else Basch 5 K; zusammen 1512 K. Fiir das erste Halbjahr 1920: Adolf Miil- Jer 60 K, Adolf Schaltinger 50 K, Fr. Ing. Singer 30 K, Robert Feldmann 18 K, Isi Kattner 15 K, Gisela Schallinger 15 K, F. Streifler 10 K; zusammen 198 K. Summe des Einlaufes vom 14. III.: 23. III. 1920 4589.94 K, vom 1. I. 1920 bis 14. III. ausgew. Betrag 9033.52 K, Summe 13.623.46 K. Aufzubringender Betrag flir 1920 100.000 K, somit vom 23. III. bis 31. Xll. 1920 86.376.54 K noch aufzubringen. Korrespondenzen. Gaya. Freitag, den 2. April, haben wir den Obmann unseres jiidischen Volksrates, Dr. Josef Mandler, Gemeinderat der Stadt Gaya, AusschuBmitglled der jiid. Kultusgemeinde, zu Grabe getragen. In der iiberaus zahlreichen Beteiligung aller Schichten der jiidischen und Cechischen Bevolkerung und in den Grabreden, die gehalten wurden, kam das BewuBtsein des schweren Verlustes, den die hiesige Judenschaft erlitten hat, zum deutlichen und ergreifenden Ausdruck. Nachdem Herr Oberkantor S t e i n e r die Trauerzeremonien beendet hatte, wiirdigte Rabbiner Dr. Hof f sein hervorragendes Wirkeu als Arzt, Mensch und Jude. Kultusvorsteher Ernst Jellinek nahm im Namen der israel. Kultusgemeinde Abschied von dem Verblichenen. Im Namen aller jiid.-nat. Organisationen sprach Ernst H a y e k, sehr ergreifend, dechisch. Auf Namen Dr. JosefMandler’s wird in Palåstina ein Oelbaumgarten gepflanzt. Zwittau. Der Veranstaltung vom 27. Mårz d. J. der Jiidischen Frauenorganisation in Zwittau war ein voller Erfolg beschieden, obwohl die Assimilanten durch Abwesenheit glånzten und sogar die Kiihnheit besaBen, Juden dem Feste fern hal ten zu wollen. Wissen denn diese Herrschaften noch immer nicht, daB sie sich selbst blamieren, wenn sie einem jiidischen Feste ferne bleiben? — Den Reigen erdffnete Fri. Trude Robitschek mit Gedichten der jiidischen Literatur, gut empfunden und klar vorgetragen. Reizende Tånze, von den Damen Zwicker und Fini Wagner als Bébé, folgten, zu denen Hans Bock einen Invaliden pråchtig stand. Jacques Ehrlich sang Schubertlieder. Als „Ansager“ und Charakterdarsteller stellte Otto Pain seinen Mann. Der Clou des Abends war ein Schwank „Kleptomanie“, von den Amateur- Darstellern mit Verve und Schwung gebracht, so daB man die Empfindung hatte, Berufsschauspieler vor sich zu haben. Dazu schuf der Gatte unserer Vizepråsidentin Herr Ludwig Engel einen Rahmen, der neidlos als das Beste anerkannt wurde, das unsere Stadt jemals gesehen. Unter seiner Regie ging alles wie am Schniirchen. Das folgende Tanzkrånzchen dauerte gteichfalls unter Leitung des&elben Herrn bis 4 Uhr frflh. Die Cotillonquadrille zeigte einen Zionsstern und wurde stiirmisch akklamiert. — Alles in Allem ein gelungener Abend, der einen hiibschen Reingewinn abwarf und zu weiteren Unternehmungen groBeren Stiles ermutigt. An Festgåsten waren auch Brlinner, Boskowitzer, Leitomischler. Hohenmauther Gesinnungsgenossen erschienen, die Iiber ob der gemiitlichen, bis zum SchluB aucli anhaltenden Stimmung ganz entziickt waren. Ung.-Brod. Die bekannte Vortragsklinstlerin Miriam Schnabl und der jungzionistische Wiener Dichter Eugen Hoflich beehrten, auch unsere Stadt. Die Darbietungen haben alle Erwartungen iibertroffen. Da in unserer Gemeinde noch sehr viele Leute mit den Urtexten vertraut sind, fanden die Psalmen, dann die Dichtungen Jehuda ha Levi’s groBen Anklang. Der Saal war dicht gefiillt, der Applaus ein stfirmischer, der Eindruck nachhaltig. Es wåre nur zu wiinschen, dafl beide Vortragenden uns bald wieder besuchen. Sagtin. Hier hat sich ein „JUdischnationaler Kuiturverein" gebildet. Die groBe Anzahl der beigetretenen Mitglieder und das allgemeine Interesse der hiesigen jiidischen Bevolkerung berechtigt uns, eine erfolgreiche Tåtigkeit des jungen Vereines zu erhoffen. Zum Præsidenten wurde Herr Dr. Johann Donath, zur VizeprSsidentin Fri. Mariska Ehrenreich gewåhlt. PleStany. („Ahawath Zion.") Am 6. Mårz, 8 Uhr abends, veranstaltete der „Ahawath Zion"-Verein im Rahmen eines intimen Geselligkeitsabends eine Purimfeier, die einen recht animierten Verlauf nahm. Nach einer launigen BegriiBungsansprache des Præsidenten Rosner iibernahm Herr Vizepråsident Apotheker Meth den Vorsitz, leiette die Tagung mit viel Witz und Humor. Zum Delingen des Abends trugen bei die Herren Weinberger, Komlos, Herzog, Sonnenschein. Es wurden 32 Oelbåume gespendet. Alle Mitwirkenden ernteten lebhaften Beifall. Ein langgehegter Wunsch unserer misrachistisch gesinnter Mitglieder ist in jiingster Zeit in Erfiillung gegangen. Ueber Anregung des Gg. Herrn Ign. Vogel, Vizepråsidenten der Kultusgemeinde, beschlofl die Leitung, jeden Samstag Nachmittag Vortråge zu arrangieren, in welchen abwechselnd Dinim aus „Kizur Schulchan Aruch", Religionsphilosophie und Agudah vorgetragen werden. Die Vortråge erfreuen sich lebhaften Besuches auch aus nichtzionistischen orthod. Kreisen, und man hofft, daB diese Einfiihrung unserem Vereine aus den letztgenannten Kreisen zahlreichen Zuwachs verschaffen wird. Es ist dies ein vorbildliches Beispiel eintråchtigen Zusammenwirkens von in religioser Auffassung entgegengesetzten Elementen zum Wohle des Ganzen, das nachgeahmt zu werden verdient. Unsere vielgeschmåhten Chaluzim Herren GroB und Engelrath haben es sich moglich gemacht, den Sabbath nunmehr streng zu feiern und erscheinen nun allsabbathlich beim Gottesdienste in der Synagoge. Wann werden wir diese Bereitwilligkeit zur Besserung und zum ablegen einstiger Fehier bei unseren orthod. Widersachern begriiBen konnen? Wir haben in jiingster Zeit unter begeisterter Beteiligung der Mitglieder einen liebråischen Sprachkurs initiert. Es ist uns gelungen in Herrn Moses Musler einen tiichtigen Lehrer zu gewinnen, an dessen Tåtigkeit groBe Hoffnungen geknupft werden. Bisher nehmen 28 månnliche und 12 weibliche Mitglieder an dem Unterricht Teil, doch ist die Reihe noch nicht abgeschlossen und es stehen noch zahlreiche Anmeldungen in Aussicht. Szima. In der am 8. v. M. stattgefundenen Versammlung wurden nach einer mit groBem Beifall aufgenommenen Rede des Herrn Moses Schwarz aus Hommona, in welcher er iiber die Notwendigkeit des Zionismus sprach in den Vorstand der hiesigen Ortsgruppe die Herren Rosni, Mannheim, Decr, A. Grauberd, Herskovits, W. Grauberd, Neumann, Lebovics, Bergida, Minder und Schwarz gewåhlt. Wien. Aus der Familie des Altmeisters Professor Salomon Sulzers haben wir einen traurigen und einen freudigen Bericht zu melden. Am 27. Feber naclits verschied Herr Emil Frånkel, Sulzers Neffe und Sohn des Iangiåhrigen Chordirigenten Karl Frånkel im Wiener Stadttempel, dessen Wirken an Sulzers Seite heute noch fortlebt. Sein Sohn Emil war 20 Jahre in Strakonitz Kantor und gegen 30 Jahre Religionslehrer der Wiener isr. Gemeinde und sehr beliebt. In ehrenvoller Weise wurde er am Wiener Zentralfriedhof am 2. Mårz bestattet. — In diesem Monate feierte Professor Josef Sulzer, beriihmter Cellist und Dirigent unserer Tempelchore, der einzige noch iiber lebende Sohn seines groBen Vater s,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.