Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 15 (8.4.1920)
- Date
- 1920-04-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 83% known words query
- IRI
…/2621806-2622069-2622084--4306-2625591- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
JODISCHE VOLKSSTIMME. Bezugspr eise: halbjåhrig. Redaktion u. Administration: BrUnn, Krapfeng. 19. Buchhåndlerische Vertretung: Otto Klemni, Lelpzlg. pnnziahrig. . „ 40.- Inserate: der 6-spaltige Milimeterraum 5. K —‘30. Deutschdsterreich. Kronen 50.— Unverlangte redaktionelle Beitrfige werden nicht Deutschland, ganzjhhrig .... honoriert. Manuskripten ist RQckporto beizufiigen. Jahrgang XXI. Briinn, 8. April 1920. 20. Niuan 6880 Nummer 15. Das chrLtliche Ungarn. Schreibet Euch die Finger wund und blutigf — Schreiet es in alle Welt! Rufet es Juden und Nichtjuden zu, erzåhlet ihr Vater und ihr Mutter Eueren Kindern und Kindeskindern. Verkiindet die Qreuel der magyarischen Qentry, verbreitet die Heldenstucke magyarischer Magnaten. All der HaB, den wir auf Magyariens Magnaten entluden, all die Verachtung der ganze Hohn, mit dem wir diese Talmikulturmenschen iiberschtitteten, verstummt, erstarrt ob der Qreuel, die sich da hinter unseren Mauern abspielen. Hier, ganz nahe, in eiuem Lande, zu dem unsere Assimilationsjuden, wie zu einem gelobten Lande aufschauten, werden Verbrechen auf Verbrechen gehåuft unter den Namen der Legitimitet. Was wir an Juden verf olgungen in Deutschland zur Zeit der Kreuzzilge gehort haben, was wir gelesen haben liber die verrohten Kosaken eines Bogdan Chmielnitzky, alle russischen Pogrome Purischkewitsch’s und der polnischen, verruchten Soldateska verschwinden gegen die Plagen, Leiden und Qualen der ungarischen Juden. Wo seid ihr Molnar’s, Brody’s,Lengyel, Laczko* Ihr Qoldzieher, Kis und Hatvany’s? Allé, die ihr euren Juden zuriefet, daB in Gleichheit Jude und Magyare geboren werde. Entsetzen und Wut, Emporung Und EntrBstung solite durch unseren BULtterwald gehen. Denn was sich da in Budapest, in St. Qotthard, Siofok, Kaposvar zugetragen hat, spottet Jeder Beschreibung. Die Feder strdubt sich vor Entsetzen all diese Teufeleien nieder zu schreiben, die sich da tåglich ereignen. Nikolaus Horthy von Nagy-Banya,. dieser Teufel in Menschengestalt, furchtbarer als Pogromorganisator, denn ein Purischkewitsch. Appony, dieser Wolf im Lammgewande, dieser Jesuit, dieser Gesinnungslump, wagt es dem neutralen Auslande, die Augen auszu- FEUILLETON. Konkurrenz und Patriotismus. Von Albert L 6 w aus Wien, Kurgast in TrenCin- Teplitz. In der Blutezeit des Propinationswesens im russischen Reiche war Aron Litwornik ein vieli&hriger Propinationspachter in einem DorSe des Grafen P o t o c z k y in Wolhynien. Schon die Ahnen des Aron Litwornik waren Phchter dieser Propination, rechtschaffene, brave Juden, vom Qrafen Potoczky stets begiinstigt. Die Begiinstigung erstreckte sich dann auch auf Aron Litwornik. Der edle Graf Potoczky sah es mit einer besonderen Befriedigung, wie sich das Ehepaar Aron und dessen Gattin Jochewed finanziell emporschwang; Litwornik war einer der reichsten Propinationspåchter der dortigen Gegend. In einem nahen Dorfe der Gråflich-Potoczkyschen Besitzung lebte gleichfalls ein Propinationspachter namens Moses Biedermann. Dieser Biedermann rechtfertigte keineswegs seinen Namen. Es war ein baser Nachbar des Aron Litwornik; zufolge seines grofien Neides verbitterte derselbe das Dasein seines Nachbarn, bemiihte sich, dessen anhångliche Kunden sich zuzufiihren, konkurrierte ununterbrochen im Verkaufspreise; denn die gUnstige wischen und die ganzen Judenverfolgungen als Reaktion gegen ihren Bolschewismus hinzustellen und unsere Judenblåtter glauben es, lassen sich einlullen, weil ihnen allen, diesen ehrenwerten Schreiberseelen recht ist, wenn die Juden geschlagen werden, da sie doch Bolschewiken waren. Und doch: Es ist eine Liige! Man beliigt uns und die ganze Welt. Die ungarischen Juden haben uns seit Jahren belogen. Es war antisemitisch, dieses Betyarenland. Es war antisemitisch von dem Moment, als sich dieses kulturfeindliche asiatische Geziicht iiber Europa ergoB. Alle sind sie Liigner, die Friedrichs, HuBar, Karolyi, Horthy. An den Pranger mit ihnen. Was sich ein H. H. Ewers in perversesten Phantasien nicht erdichten konnte, wird hier zur Wirklichkeit. An den Pranger mit diesen Betyaren, mit diesen Bluthunden, die ihren perversen Geliisten in rauchendem heiBen Judenblut frbhnen. Ein Schandmal sei ihnen eingebrannt an ihre Hunnenschadel. Juden, jetzt zeigt sich das Magyarentum in seiner BlOte. Jetzt sehet ihr das wahre Gesicht dieser verrotteten Bande. Pronay, Salm^Bibo, Osternburg. Die Namen mussen wir uns merken. Es wagt ein Priester Gottes, ein, katholischer Feldvikar, nein, der katholische Feldvikar Zadravek, der das Wort der Liebe zu predigen hat, die Waffen zu segnen und einen geheimen Eid abzunehmen, den verruchtesten Soldaten, die jemals unter Gottes Himmel gestanden sind. Namen, wie Graf Salm, — ein Ehrfurchtschauer durchrieselt uns, — denn wir haben doch im alten famosen Oesterreich den Altgraf Nikolaus Salm ehren miissen, — werden mit ehernen Lettern in die jiidische Geschichte eingetragen. Simon Kemeny lebt als stiller Biirger in Janoshaza. Eine Pogrombande wålzt sich gegen die Stadt. Simon Kemeny, Du.Marfinanzielle Lage des Aron Litwornik war ein Dorn im Auge des bosen Nachbarn. Nun versuchte dieser Biedermann durch ein hoheres Pachtzinsanbot bei dem Grafen Potoczky auch die Propination, welche Litwornik inne hatte, an sich zu reiBen. Dieses Bestreben konnte ihm nicht gelingen, denn unwandelbar war die Gunst des Grafen zu seinem braven Pachter. Aron Litwornik klagte seinem Beschiitzer otters sein Leid, und der Graf willigte ein, seine Spiritusbrennerei dem Propinationspachter .Litwornik zur vollsten Beniitzung zu ttberlassen um es ihm moglich zu machen, durch die Erzeugungskosten, welche sich dadurch erniedrigten, indem Litwornik als Besitzer vieler Grundstiicke seine Halm- und Hackfriichte zu Spiritus aufarbeitete. Das Ehepaar Litwornik hatte zwei Sohne gleichen Alters, welche unter der Erzieliung der braven, frommen Mutter Jochewed zu hoffnungsvollen schonen Jiinglingen heranwuchsen. Diese zwei Sohne wollten die Eltern nach K o wno ins Beth-Hamidrasch geben, damit sie sich dem Thorastudium widmen. „Unsere Kinder durfen kerne Branntweiner werden, sondern miissen sich einer anderen koheren Beschaftigung widmen, sie sollen andere Biedermånner werden, als es unser hoser Nachbar Biedermann ist“, sagte ofters Frau Litwornik. Als diese zwei Sohne das dreizehnte LebensaL ter, die Bar Mizwa erreicht hatten, fuhr Aron Litwornik mit seinen beiden Sohnen nach Kowno. In Kowno wurden diese zwei Propinationskinder in ein wUrdiges Pensionat gebracht und den dortigen Talmudjiiutyrer stelist dich an die Spitze der Juden und verteidigst Weib, Kind und Brilder. Aber da sprengt Graf Salm heran, des alten Oesterreichs Kammerer, Reichsgraf, Altgraf, Ritter des goldenen Spornes, der Held, der durch volle 5 Kriegsiahre im Hinterlande diente und Juden fiir sich verbluten lieB, und durchborte mit seinem Degen Dich Simon Kemeny. Salm aber tanzte mit dem blutigen Geh&nge durchs Dort und sang: „Judenblut zu riechen ist Wonne und Genufi.M Wie lange wird die gesittete Welt zuschauen, daB unschuldige Menschen solehen Tieren In Menschengestalt ausgeliefert bleiben? DaB niedertr&chtige Gesellen, die durch jahrhunderte lange Dekadenz ihrer Ahnen depraviert, pervertiert, ihre satanistischen und sadistisehen GeKiste an unschuldigen Juden stillen durfen? Das ist das christliche Ungarn! Das ist der christiche Geist, der dort herrscht! Das die Frucht des Legitimitatprinzipes, das dort erhalten werden soli. Nikolaus von Horthy, gleich bei seinem Regierungsantritte von uns mit der Ehre begrilBt, die ihm gebtihrt, hat sich als der Bety^r erwiesen, den wir in ihm sofort erkannten. Wenn aber unsere Juden, das dulden werden* dann sind sie der Verachtung wert, die ihnen in Ungarn gezollt wird, Wir warnen unsere Juden vor diesem christlichen Ungarn! Wir warnen unsere Juden vor den listigsten und niedertrachtigsten Menschen, die sich den stolzen Titel von Aristokraten und Magnaten beilegen. Ungarn hat in der Judenfrage seine Maske fallen lassen. Jetzt zeigt es sich in seiner wahren Gestalt. Jezt, da es von Wahnsinn tiberfallen ist, zeigt sich seine Judenfreundlichkeit im wahren Lichte, denn sie haben niemand zu scheuen. Man duldet, daB Offiziere Passanten auf den Turm der Budapester Basilika schleppen, um sie dann mit roher Hånd hinunterzustoBen. Und die magyarischen Judenblåtter, diese Reptilien verschleiern es. Az Est, gern zugesellt. Von seiner Kownaer, viele Werst weiten Reise zuriickgekehrt, verfiel Aron Litwornik in tiefen Schlaf, und es iibermannte denselben ein schrecklicher Traum. Er tråumte, daB der Zar Nikolaus I. anldBlich eines groflen Manovers in Gefahr geriet, von einem Kosaken mittelst der Lanze erstochen zu werden. Erschreckt weckte er seine treue Gattin Jochewed und erzåhlte ihr diesen Traum. „Lieber Aron, Traume sind Schåume, lege dich wieder zu Bette". Kaum eingeschlafen, wiederholte sich der gleiche Traum. Mit einem Aufschrei des Entsetzens verlieB Aron seine Lagerståtte, eilte zu seinem Weibe, nochmals diesen Traum mitzuteilen. Diesesmal war der Traum dem Ehepaare nicht gleichgiltig. Aron Litwornik lieB seine besten Rosse aus dem Stall holen, waiiite den zuverldBigsten sichersten Wagen und fuhr eiligst nach dem Mandverfeld, welches ndchst Kowno vom Kaiser Nikolaus bestimmt wurde, um daselbst ein grofles Heer manovrieren zu lassen. Es waren bereits groBe Vorbereitungen getroffen, Zelte wurden errichtet, und in einigen Tagen solite das groBe Manover erfoigen. Auf dem Platz angelangt, suchte Aron Litwornik einen der bedeutenderen Kriegsmånner zu sprechen und demselben die Bitte zu unterbreiten, sofort in einer åuBerst dringenden Sache zum Monarchen zu gelangen um rechtzeitig eine Gefahr von dem gesalbten Haupte abzuwenden. Sein Ansuchen wurde genebmigt, und unter star. ker Eskorte wurde derselbe zu Nikolaus gebracht. FuBf&llig bat derselbe den gewaltlgen Zar um Jiid. Wahler und Wahlerinnen sammelt und zeichnet flir den Wahlfond.