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Jüdische Volksstimme · 1920-03-25 · Heft 13 (25.3.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 13 (25.3.1920)
Date
1920-03-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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JUDISCHE YOLKSSTIMME. Bezugspr etse: halbjåhrig. . C. K 20.— ganzjåhrig. Deutschosterreich. Kronen 50.— Deutschland, ganzjåhrig .... . Mark 25.— Redaktion u. Administration: Briinn, Krapfeng. 19. Buchhåndlerische Vertretung: Otto Kiemm, Leipzlg. Inserate: der 6-spaltige Milimeterraum C. K—*30. Unverlangte redaktionelle Beitråge werden nicht honoriert. Manuskripter! ist Rfickporto beizufiigen. Jahrgang XXI. Briinn 25. mn 1920. Druiui, 8_ Nijsan 66M Nummer 13. Zur Weltkonferenz der Hapoel Hazair und Zeire-Zion in Prag. Am 21. d. håtte in Prag die Weltkonferenz der Hapoel Hazair zusammentreten sollen, doch wurde sie bis zum 26. d. verschoben, weil die polnischen Delegierten an der Orenze angehalten wurden. Wir leben in einer derart unruhigen Zeit, sind seit dem Kriege alle noch so abgestumpft gegen alles, was das Alltfigliche tiberschreitet, daB wir so ruhig an Tatsachen vorbeigehen, die vor dem Kriege sicherlich mit der grofiten Begeisterung aufgenommen worden wåren. Oder soilte aucli bei uns die zionistische Bewegung bereits so ntichtern, so verniinftig geworden sein, daB man sich zu begeisterten Emotionen nicht mehr emporschwingen kann? Fast scheint es so! Nach fast 7jåhriger Unterbrechung ist im Februar die Sitzung des GroBen A. C. einberufen worden und jetzt kommen bei uns in der Cechoslovakei die Vertreter der Hapoel Hazair und Zeire Zion zusammen. Wir begriiBen die Vertreter des -tatkråftigen Zionismus. Wir begriiBen sie, als die Pioniere unserer Volksarbeit in Erez Israel, als die konsequenten und mutigen Månner und Mådehen, welche die Grofie aufgebracht haben, aus ihrer . Weltanschauuhg den SchluB zu ziehen, in ihre Heimat zuriickzukehren. In jenes Land, dem ihre Sehnsucht, ihr Tråumen und ihr Dichten galt. Judas Land, von dem wir seelische und geistige Erlosung, erhoffen. Jungzionisten kommen in Prag zusammen. Die Vertreter der nationalen Judenschaft beinahe aller Lander. Palåstina entsendet uns ihre ersten Friihlingsboten, junge palåstinensische Arbeiter kommen zu uns, die mit ihren starken Fåusten und Armen, dem harten, verwiisteten, verkarsteten Boden die ermaSBmBmmSmmSMSasmimmimmmiSmmBm FEUILLETON. KBnigtum u. Republik im alten Israel. Von Dr. Max S t e i f, RauBnitz. Aus unserem alten Schrifttum scheint es nicht ganz klar hervorzugehen, welcher Regierungsform, ob Republik oder Konigtum, der Vorzug einzuråumen sei. Das jtidische Volkstum åltester Zeit war aller* dings auf republikanischer oder richtiger theokratischer Grundlage aufgebaut. An der Sjpitze ein Fiihrer, „daB die Gemeinde nicht sei, wie eine Herde ohne Hirten“, ihm zur Seite ein Rat von 70 Aeltesten. „Du ersehe dir aus dem Volke, tiichtige, gottesfiirchtige Månner, Månner der Wahrheit, die den unlauteren Gewinn hassen; die sollen das Volk richten zu jeder Zeit“. Alle einzusetzenden Månner wurden vom Volke selbst vorgeschlagen und von Moses beståtigt. Die erste staatliche Einrichtung des liidischen Volkes war somit auf breitester Grundlage errichtet, und hatte ihre Vertreter aus allen Kreisen und Schichten des Volkes. Daneben låfit sich freilich nicht bestreiten, daB auch liir die Institution des Konigtums in der Bibel vorgesehen war, ohne dieses aber als wunschens- und erstrebenswerten Zustand hinzustellen. Es heiBt dort nåmlich: Wenn du in das Land gekommen sein wirst, das der Ewige dein Gott dir gibt, und wirst sprechen: ich mOchte fiber mich cinen KOnig sehen, sten Lebenszeichen in schwerer und miihevoller Arbeit abgezwungen haben. Månner, deren Zionsliebe weit fiber das Gewohnliche hinausreicht. Sie alle haben mehr oder minder die Schulen verlassen, haben den diisteren Cheder, das dumpfe Studierzimmer verlassen, um in Gottes freier Natur nattirlich zu leben, um dem jiidischen Volke jenen Stand wieder zu schaffen, der fiir die Gesundung unseres Volkskorpers eine Lebensnotwendigkeit ist, den Bauernstarti Erhaben fiber alle finanziellen und okonomischen Fragen drången unsere Chaluzim nach dem Lande ihrer Våter. Begeistert ziehen sie einer ungewissen Zukunft entgegen, einzig nur von dem Gedanken beseelt, ihrer Hånde und ihres Korpers Kraft in den Dienst ihres Volkes zu stellen. Sie wissen, was ihrer harret, sie wissen, dafi die schwersten Arbeiten auf sie warten, daB sie nicht anderes sein werden, als Pioniere. Solche Pioniere, wie sie Walt W h. i t m a n n in seinen „Grashalme“ so wunderbar besingt. Unsere ganze Zukunft ruht auf den Schultern der Hapoel Hazair. Alles, was in der . Galjg^ber - diese Qrgank sation gesctiriében uha SéspTochenwird, ‘alfllfe Gegner und die Feinde, alles tritt zurfick vor dem einzigartigen Phånomen des verjfingten, neugewordenen Judentums, das von Palåstina zu uns kommt, um uns zu mahnen, um uns zu belehren, wie wir sein, wir handeln sollen. Ein neues Judentum sprieBt aus dem Goles hervor, ein starkes, månnliches, låndliches Judentum. Wieder werden Wiesen grimen, wieder werden die wunderbaren'Rosen erglfihen, satte Felder mit goldigen Aehren werden uns begriiBen, die uralte hebråische Sprache wird uns in verjfingten Weisen entgegentonen, jfidische Lieder, jiidische Schreie uns entgegenbrausen. wie alle Volker, die rings um mich sind, dann magst du fiber dich einen Konig setzen, den der Ewige den Gott dir erwåhlt. Aus der Mitte deiner Brtider solist du fiber dich einen Konig setzen.“ Daraus låBt sich zunåchst klar ersehen, daB die Einsetzung eines K6nigs durchaus nicht zu den Pflichten zåhlte, die ihnen nach dem Einzug ins gelobte Land obliegen soilten. In der Tat standen an der Spitze des Volkes nach der Besitznahme eines groBen Teiles des gelobten Landes durch Josua geraume Zeit hindurch nicht Kbnige, sondern die sog. Richter. Aber man wfirde fehlgehen, diese Zeit der Richter etwa mit unserer heutigen Republik vergleichen zu wollen, wenngleich der als Gelehrte und Staatsmann gleich berfihmte Abarbanel einen solehen Vergleich fiir nicht unangebracht finden mochte. Zunåchst schon deshalb nicht, weil die Richter in den meisten Ffillen aus eigenem Antriebe in Zeiten der Not und Gefahr an die Spitze des Volkes traten, ohne vom Volke hiezu die Ermåchtigung erhalten zu haben. Sodann zogen sich jene Månner, wenn sie ihre Aufgabe, die Zurfickschlagung bezw. Zurfickdrångung der Feinde aus den bedrohten Gebieten, erledigt glaubten, zumeist wieder in ihr Privatleben zurfick. Und was das Ausschlaggebendste ist, den Richtern kam eigentlich keinerlei offlzielle Macht zu; denn wie auch Gråtz bemerkt, hatte dieser Name „Richter11 seine Bedeutung, „strenge verfahren, strafen, zfichtigen“, mehr dem Feinde gegenfiber, und sind sie dårum zu Unrecht mit den karthagiseben Suffeten verglichen worden, mit welchen sie hfichsttne den Namen gemelnsam haben. Das ist Hapoel Hazair. Keine Partei, welche den Ehrgeiz håtte, zu den bestehenden jiidischen sozialistischen und nicht sozia. listischen Organisationen, eine neue zu schaffen. Kein Verein, keine Vereinigung, keine Partei, sondern wirklicher, wahrer Zionismus, der Uber alle Kluft hinweg, fiber alle Hindernisse sein Heil sieht, nur in werktåtiger Arbeit in Palåstina. Ein Zionismus, der seine Anhånger beglfickt, wenn sie im sengenden Brande der palåstinensischen Sonne, schweiflgetrånkt, zu jener Arbeit zurfickkehren, der wir durch Jahrhunderte entwohnt sind. Hapoel Hazair, in Deinem Lager ist Israel. Ma tauwoh auholecho Jaakauw! Wahlschanzen. Kaum, daB sie die politischen Wogen ein wenig geglåttet haben, stehen wir wiederum mitten in der Wahlarbeit und vor dem Beginne neuer politischer Kåmpfe. Wenn nicht alle Anzeichen trfigen, werden sich die Wahlen in die Nationalversammlung nicht in. den die,Wa}ileti IrT deri Oémdhderai'^^’ll^ierø^reir selblt der kleinsten Partei die MSglichkeit der erfolgr^ichen selbståndigen Wahlwerbung gegeben, ist dies bei den Wahlen in die Nationalversammlung nicht der Fail. Denn durch die Unmoglichkeit der Koppelung der einen Partei mit einer anderen Partei und durch die Aufnahme der Bestimmung, daB eine Partei nur dann ins zweite Skrutinium gelangt, wenn sie im ersten Skrutinium entweder die im allgemeinen recht groBe Wahlzahl oder mindestens 20.000 Stimmen in einem Wahlbezirke auf sich vereinigt hat, werden die kleinen Parteien von der Wahlwerbung von Vornherein ausgeschaltet. Daher das Streben aller Parteien nach einem moglichst starkem, die Viel zutreffender ist die zweite Bezeichnung fiir sie „Mauschiim“, ,„H e 1 f e r“, da sie mannhaft und unerschrocken dem Volke aus Drang und Not heraushal-! fen. Nur von der Prophetin Deborah Und Eli, besonders aber von Samuel, låBt sich sagen, daB er Richter in der vollsten Bedeutung des Wortes gewesen, dem es auch als ersten nach Moses, gelang, die aus den Fugen gegangene Volkseinheit wieder herzustellen und eine Gehorsam erzwingende Autoritåt allenthal-. ben zu besitzen. Denn die Zeit der sog. Richter kann im Allgemeinen als eine Zeit der Anarchie, gånzli-* cher Unordnung hingestellt werden, jade dies ja auch im Buche der Richter zugestanden wird mit den Worten: „Ein jeder tat, was gutdtinkte in seinen Augen“. Auch in der rabbinischen Ueberlieferung kommt diese Zeit nicht ganz gut weg: Der reine Got-> tesglaube erfuhr vielfach eine Trttbung und mit der Untergrabung der reinen Lehre Moses ging eine Un-, tergrabung jeglicher Autoritåt Hånd in Hånd. Sagte der Richter zum Angeklagten: „Entferne den Split-* ter von deinen Zåhnen", so erwiderte ihm der An-» geklagte: „Und <Jji, entferne den Balken aus deinem Auge!“ Und hatte ein Richter jemanden zur . Strafe verurteilt, so wurde er hieffir nicht selten verprfigelt. 2s war, wie es in den rabbinischen Schriftwerken heiBt, kurz gesagt, eine Zeit, die fiber ihre Richter selbst zu Gerichte saB. Die starke, fibejrragende Persdnlichkeit eineS Samuel hatte hier, wie gesagt, nur vorfibergehend Ordnung geschaffen, und so ist der Wunsch des Vol« ces nach Herbeiffihrung geregelter Zustånde, zu wel«* chen es nur durch Einsetzung einer festen, dauernden Autoritåt in Qestal.t eines Kdoigs gelangen zu kOnnea

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