Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 10 (4.3.1920)
- Date
- 1920-03-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Selrt « 4tmSCIK VOfcKSSTMME.' Nf. iO. Sektionen ihre Vertreter. Der neugewåhlte AusschuB erklårte die Annahmé der Wahl und versprach, sich nach wie vor fiir die Ziele und Zwecke des Makkabi mit ganzer Kraft einsetzen zu wollen. Endfich wurde noch nebst diversen anderen Augelegenheiten iiber die Hohe der Einschreibgebuhren und der Mitgliederbeitråge beschlossen und die Einschreibgebiihr mit K 6.—, der monatlich zu entrichtende Beitrag mit K 4.— festgesetzt. Kultusgemelndewahlerversammlung. Mittwocii, den 10. d., um halb 8 Ubr abends, findet in der Schwechater Bierhalle eine Kultusgemeindewåhler- Versammlung statt. Tagesordnung: Wahlen in den erweiterten AusschuB. Referenten: die Kandidaten. Volksvereln „Theodor Herzl“. Sonntag, den 7. d. M., Café Margaretenhof, wochentliche Zusatnmenkunft. Jiidischnationale Verelnlgung. Samstag, detk 6. d. M., 6 Uhr nachm., im Lokale des Volksrat AusschuBsitzung. Makkabi, Briinn. Am Sonntag, den 22. v. M., vormittags, fand ein Auswahlwettkampf zwecks Einteilung und Uebersicht der Mannschaften auf dem Sportplatze der S. K. M. Slavia, Schreibwald statt, der mit 8:3 endigte. Samstag den 6. d. M. findet im Café Thonet, um 8 Uhr abends, eine Spielerversammlung statt. Sowofil der AusschuB, als auch die Mitglieder werden um vollzåhliges, rechtzeitiges Etscheinen ersucht. Zur einfacheren und schnelleren Er ledigung der lauf enden Vereinsangelegenheiten werden ieden Samstag im Klublokale Café Thonet von 6 bis 8 Uhr abends Geschåftsstunden abgehalten. Bei denselben gelangen auch die neuen Mitgliedskarten und Legitimationen gegen Erlag von K 1.— zur Ausgabe. Die alten Mitgliedskarten verlieren mit heutigem Tage ihre Giiltigkiet und sind bei Ausfolgung der neuen, abzugeben. Zuschriften werden erbeten an Sekretar Walter Fabian, Briinn, Na ponavce 58. . * Verband judischer Frauen im fis. Staate in Prag und Judische Frauenorganlsation fiir Måhren in BrUnn veranstalten am 13. und 14. Mårz in Prag eine Frauentagung. Tagesordnung: Eroffnung am Samstag, den 13. Mårz, um 8 4Uhr abends, im Saale des JUdischen Rathauses. L åegrilBung durch Frau Laura Singer (éechisch), Frau. Johanna Tauber (deutsch). 2. Die jiidische Frau und die Politik: Frau Ernestine Rotter (Briinn). 3. Judische soziale'Frauenarbeit: Fri. Bertha Pappenheim (Frankfurt); Frau Irma Pollak, Prag (fiechisch). — Arbeitstagung am Sonntag, den 14. Mårz, 9 Uhr 30 Min. vorm. im Saale des jiid. Rathauses: 1. Arbeitsbericht des Briiiwer Verbandes: Frau Olga Hansi (Briinn). 2. Arbeitsbericht des Prager Verbandes: Fri. H. Gellner (Prag). 3. Die judische Frau im Wahlkampfe: Frau Gisela Feldmann (Briinn). 4. Vorschlåge fiir soziale Arbeit: Frau E. Ehrenfeld und Kl. Thein. 5. Kulturfragen und die judische Frau: Frau Nelly Engel. 6. Jugendarbeit: Fri. Trude Neveicluf. 7. Allfållige weitere Referate und Generaldebatte. Frauenarbeit in Palåstina: Dr. Arthur Felix. — Sonntag, 5 Uhr nachm., findet in den Sålen des „Buei Brith“ ein Five o’Clocktea mit kiinstlerischem Programm statt, zu welchem såmtliche Delegierte und Gåste eingeladen werden. Literatur. Selbstanzeige. f DaB. ein Autor sein neues Buch in der Presse sachlich anzeigt, ist beim jtidischen Schrifttum noch weniger håufig als anderswo. Obgleich es ineiner Ansicht iiacli wiinschenswert ist, daB die Neuerscheinungen nicht erst auf die Gelegenheit, die Laune oder Gnade eines Rezensenten warten mussen, damit deren Inhalt dem Zeitungspublikum bekanut werde. Jedenfalls ist dies eine reinere, ehrlicnere Art der Anzeige als die des gebråuchlichen anonymen sogenannteti .„Waschzettels", der ia leider fast immer auch nur vom Autor verfaBt wird. Wie man sich aber auch im allgemeinen zur Frage der Selbstanzeige stellen mag, ich hof fe keinen Tadel zu finden, wenn ich hiemit auf ein jetzt von mir erschienenes Schriftchen, das keinen literarischkiinstlerischen, wissenschaftlichen od. dgl., sondern lediglich einen .tendenzios-propagandistischen Aspekt hat, aufmerksam zu machen, mir gestatte. Es heiBt: „Von der Schande euerer Namen. Ein Ruf an die zionistische Jugend“ (mit einem Anhang: „Eine Auswahl biblischer und einiger nachbiblischer Namen“) und ist als „F^lugschrift des Wiener Arbeitskreises fiir hebråische Sprache und Kultur, Gruppe fiir die Propagierung hebr&ischer Namen", im Verlage von M. Hi c kl, Wien, erschienen. —■ Die Haupttendenz derselben ist ungefåhr in dem Vorwort folgendermaBen ausgedruckt: „Nichts aber ist so augenfållig bezeichnend fiir die Unzulånglichkeit, Unwahrhaftigkeit und Unwertigkeit angeblich zionistischer, antiassimilatorischer Gesinnung als die unjiidischen Vorn&men, die Zionisten weiter tragen und ihren Kindern geben — dieses nach innen und auBen markanteste, aufdringlichste Kennzeichen israelitischer Unjiidischkeit, i^raelitischen Sichnichtzuerkennengebens, diese vorderste antiliidische Mimikry. Gerade weil der Name an sich eine Bagatelle ist, „Schall und Rauch", und im direkten Sinne åu- Berem Zwange nicht unterworfen ist, bleibt die unjiidische Ostentation, die er ausdrilckt, eine ebenso symptomatische wie beschåmende." In den 21 langen und kurzen Kapiteln wird die „Schande" von yerschiedenen Blickpunkten aus oeleuchtet, wobei vielerlei gegnerische Ansichten gebrachf und widerlegt werden. Die Ueberschriften der Hauptkapitel lauten: „Entscheidet Euchl", „Werden wir durch den hebråischen Namen jiidischer?", „Traurig-Heiteres", „Von der Hohe des Westens -- Von den Fortschritten des Ostens", „Aus gesetzgebenden Korperschaften" usw. Nochmals: Mir liegt gar nichts daran, ob die Schrift gut, schon usw. ist. Man schimpfe iiber sie, man „reiBe sie herunter" — und hebraisieren sich und den Kindern die Namen! Dr. Abraham Schwadron. Dr. Oskar Donath: „Aus Th. G. Masaryks Leben." Mit Proben aus seinen Werken. Unter Zugrundelegung des Werkes „Th. G. Masaryks Lebensweg" (Masarykova cesta zivotem von Dr. J. Dole-?,al), 1920, Druck und lerlag Polygrafia, B r il n n. Die vorliegende Broschiire, zum 70. Geburtstage des ersten Pråsidenten der fiechoslovakischen Republik verfaBt, wird als dankenswertes Geschenk begriiBt werden. In liebevoller Weise låBt der Verfasser das Leben und die Entwicklung des „bedeutendsten Cechen" unserer Zeit, wie ihn kein GerThgerer als Tolsto] schon vor 25 Jahren nannte, vor uns voråberziehen. In der Tat, dieses an Erfolgen so reiche Leben, stellt einen Aufstieg dar, dem wir unsere Bewunderung nicht versagen werden. Als Gelehrter, Redner, Soøiologe, 'als tatkråftiger Sohn seines Volkes, dem er die Selbståndigkeit errungen, erhebt sich das gewaltige Bild dieser - eigenartigen Personlichkeit, welche alles, was die Gegehwart in ihrem Ringen nach Freiheit und Wahrheit, nach Bildung und Erkenntnis umfaBt, in sich verkorpert. Was diesen Mann groB gemacht, ist aber nicht allein seine Liebe zit seinem Volkstum, in dem er seine starken Wurzeln sucht und findet, sondern auch sein stetes Eintreten fur die „Ideale der Humanitåt", sein Kåmpfen fiir die unterdriickte Menschheit und niedergetretene Menschlichlceit. Fiir diese Kåmpfe zeigen wir Jttfen ein besonderes Verståndnis. Masaryk, der Wahrheitssucher auf dem Gebiete der Literatun seines Volkes, er ist der heldenmiitige Wahrheitskåmpfer fiir Recht und Gerechtigkeitf wenn es gilt, unschuldig Verurteilte zu befreien, gleich seinen gro- Ben Vorbildern in dieser Richtung: Voltaire und Zola. So soli ihm denn unvergessen sein, wie er fiir die Wahrheit eingetreten in der beruhmten Polnaer Affaire. Bewunderungswtirdig ist auch die vialseitige literarische und wissenschaftliche Betåtigung des Mannes nicht mindej, wie sein weitumfassendes politisches Wirkeu. Ein Volksmann steht vor uns, aber auch zugleich ein wahrhaftiger, aufrechter Mensch, dem nichts menschliches fremd ist, ein Mensch, der viel Aehnlichkeit mit dem Geistesverwandten Pråsidenten Wilson zeigt. f— Auf 66 Seiten, in knappen; und doch vollståndigen Ziigen, schildert der Verfasser den Cliarakter und das ganze Wesen Masaryks. Durch die der Broschiire hinzugefiigten Proben aus seinen Werken, leruen wir auch dessen Vielseitigkeit auf literarischem Gebiete und seine Redekunst kennen und schåtzen, dem die Wahrheit iiber alles steht, der, nach dem Worte von Hus, sie sucht, auf sie hort, sie lernt, sie liebt, sie spricht, an ihr festhålt und sie vert^idigt. Wenn man die Besten aller Zeiten nennen wird, kannf in ihrer Reihe auch der Name Masaryks nicht fehlen. Dies erwiesen zu haben, ist nicht das geringste Verdienst der iiberaus fleifiig gearbeiteten, dem 70- Geburtstage, 7. Mårz, gewidmeten Schrift Dr. Oskar Donaths. — Dr. M. G. Der Wolf in‘Purpur* Ein Salzburger Roman von Ludwig Huna. Geheftet M. 8.—, geb. M, 11.—. Verlag Grethlein & Comp., Leipzig. — In der Zeit schwerer volkischer Not greift der Dichter und Denker oft zur Geschichte, um sich an vergaugener GrfiBe der Zeit und des Volkes Ersatz fflr gegenwåri tlges Leid und Erniedrigung zu schaffen. Ludwig Huna, der deutschdsterr. Dichter, namentlich durch die „Harmonie im Hause Sylvanus" allen Freunden 1 schoner Naturschilderung und feiner seelischer Erlebnisse bekannt, hat, nachdem er in „Monna Beatrice" die Farbenpracht venezianischen Rinascimentos geschildert hatte, das dsterreichische Rom zum Vorwurfe seines historischen Romanes genommen, und entwirft im „Wolf im Purpur" ein grandioses Biid von der historischen Personlichkeit des Erzbischofs ' Wolfgang Theodor von Raittenau in Salzburg. DaB der Dichter der Frau Historia manch’ Schnippchen schlågt, — er entschuldigt es selbst mit einigen Worten — miissen wir dem Dichter Huna zugute halten. Er will ja nicht Historiker, sondern Dichter sein, will sein Volk an der Vergangenheit Pracht erheben, und das ist ihm gelungen; man wird auf einige Stunden der tristen Gegenwart entriickt und findet Trost und Labsal im Vergangenen. VOLKSWIRTSCHAFTLICHES. Die Notwendigkelt der Aiisgestaltung des iiidischen Kreditwesens. Zu einer Zeit, wo die jiidische Landbevolkerung in Måhren dem groBten wirtschaftlichen Boykotte ausgesetzt war, entstanden die ersten Ansåtze zur Bildung von auf iiidischer Grundlage aufgebauten Kreditinstituten. Die Grilndung dieser Kreditinstitutc fiel iiberdies in eine Zeit, wo sich das wiedererwach te nationale Leben bloB auf einen kleinen Kreis von Idealisten erstreckte, der iiberdies in wirtschaftlicher Beziehung so schwach war, daB er zur Ausgestaltung der Kreditinstitute nicht herangezogen werden konnte. Infolgedessen waren diese Kreditinstitute nur mit schwachen Mitteln ausgestattet und die von ihnen gewåhrten Kredite gehorten nicht zu den billigsten. Trotz aller dieser widrigen Umstånde haben diese Kreditinstitute die Existenz so mancher. wirtschaftlich schwachen Juden, ins'besondere auf dem flachen Lande, giinstig beeinfluBt und sie vor dem Ruine bewahrt. Heute hatten diese Kreditinstitute ganz andere Aufgaben zu erfållen und diese Auf gabenwerden von ihnen nur dann erfullt werden konnen, wenn die Grundlagen, auf denen sie aufgebaut sind, eine radikale Aenderung erfahren haben werdpn. Es wird durchaus nicht geniigen, die bestehenden Kreditinstitute auszugéstalten, es wird vielmehr notwendig sein, neue Institute zu grunden und dieses Netz von Kreditinstituten éinem groBeren, ebenfalls auf judischer Grundlage aufzubauendem Kreditinstitute anzugliedern, welches den Reeskompt diesen zuineist auf genossenschaftlicher Grundlage aufgebauten Lokalkreditinstituten zu gewåhren haben wird. Die Ausgestaltung der bestehenden, bezw. die Schaffung neuer Kreditinstitute ist die Voraussetzuug fiir die AnknUpfung wirtschaftlicher Beziehungeu mit unseren Gesinnungsgenossen im Auslande, insbesondere in den neutralen Låndern und den sogenannten Siegerstaaten. Wir mUssen uns fiir absehbare Zeit mit dem Gedanken abfinden, daB unsere Valuta einer starken Krise ausgesetzt sein wird und daB infolgedessen die Produktions- und Absatzverhåltnisse im Inlande, sowie der wirtschaftliche. Verkehr mit dem Auslande im Zeichen dieser Valutakrise stehen wird. Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet werdsn unsere wirtschaftlichen Kråfte nur dann gehoben werden konnen, wenn wir den AnschluB an das Ausland finden und die dort vorhandenen Kråfte teilweise in den Dienst unseres wirtschaftlichen Lebens stellen Der Einzelne vermag in dieser Hinsicht nichts, die Gesamtheit hingegen sehr viel zu bewerksteliigen. Kredite im Auslande kann sich der Einzelne nicht besebaffen, dagegen werden Kredite får kreditwiirdige Institute durch die Verbindung mit unseren Oesinnunggenossen im Auslande leichter eizielbar sein. Auf diese Weise wird sich aber auch der Einkauf von Waren im Auslande får das Inland unter viel gunstigeren Auspizien vollziehen, weil die Uber- øtcht Uber die Marktlåge und die geltenden Preise im Auslande von einem nicht ausschlieBlich auf Gewinn sehenden, vdn Sympathien fUr uns erfUHten Auslånder leichter åberblickt und vorteilhaft ausgenåtzt werden kann. Auf diese Weise kann aber auch bei einer zweckensprechenden Aufteilung der Waren und einer sachgemåflen Kontrolle uber die Preisbildung ein wesentlichi giinstiger EinfluB auf den Abbau der Preise im Inlande ausgeåbt werden.' Die auszugestalténden bezw. zu schaffendeu Kre- Uitinstitute werden mithin nicht nur die Geidgebev,