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Jüdische Volksstimme · 1920-03-04 · Heft 10 (4.3.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 10 (4.3.1920)
Date
1920-03-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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JUDISCHE VOLKSSTIMME. Bezugspreise: Redaktion u. Administration: BrUnn, Krapfeng. 19. halbjåhrig . . . . . . . Buchhftndlerische Vertretung: Otto Klemm, Letpzig. sanzjåhrig ....... . „ 40.- zmW Inserate: der 6rspaltige Milimeterraum C. K — 30. Deutschosterreich. Kronen 50.— Unverlangte redaktionelle Beitrftge werden nicht ' Deutschland, ganziåhrig .... honoriert. Manuskripten ist RQckporto beizufQgen. Jahrgang XXI. BrOnn, ^Ær'lno Nummer 10. Sieg der Jildisch-nationalen Briinns. Bei der am 29. Februar 1920 stattgefundenen Gemeinderatswahl wurden aus unserer Liste gewåhlt: Dr. Artur Feldmann, Ing Max Singer. Dank an unsere WSiiler GroB-Brilnns., Wir stehen unter dem nachhajtigen Eindrucke des am 29. Februar errungenen Erfolges. War im Sommer die Situation die, dafi von den beiden wahlwerbenden Listen die beiden Listenflihrer je ein Mandat erlangten, so stehen wir heuté vor dem Resultåte, daB die iiidischnationale Liste: Dr. Artur Feldmann nun beide MandatsaUf sieh vereinigte. Unsere Liste hat einen imponierenden Stimmenzuwachs erhalten, was um so hfther anzuschlagen ist, als ein grofier Teil der Kaufmannschaft und der Gewerbetreibenden von anderen nichtjiidischen Parteien gekodert wurde. Unsere Liste vereinigte auf sich 1776 Stimmen, wir sind also um fast 450 Stimmen gewachsen. Wir danken nun allen, die uns zum Siege verholfen hatten. Allen unseren Mitarbeitern in den verschiedensten Schichten des jiidischen Volkes auis herzlichste. Wir werden stets den Kontakt mit unserer Wåhlerschaft aufrecht erhalten, wir werden ihre Wiinsche und Anregungen stets gerne entgegennehmen, sie wird immer unseres Rates teilhaftig werden, wenn sie sich vertrauensvoll an uns und unsere Gemeindevertreter wenden wird. Wir verkennen die GrdBe der Forderungen nicht, die wir an unsere jiidische Bevolkerung infolge der Wahlen gestellt haben. Es gehort schon sehr viel Disziplin und Ueberzeugung dazu, dreiviertel Jahre hindurch stets von Wahlen in Atem gehalten zu werden. Wir k&nnen nicht einmal versprechen, daB nun mit vollzogenen Wahlen ein Ende gemacht sei, denn wir stehen knapp vor zwei weiteren wichtigen Wahlen: Vor der Wahl in den erweiterten KultusgemeindeausschuB, der uns das demokratischeste Wahlrecht bringen soli, und vor den Wahlen in die Nationalversammlung. Wir hoffen und erwarten, daB unsere jiidische Bevolkerung in Grofi-Brfinn auch hier das richtige treffen wird. Heute aber allen, allen vielen Dank! ZentralwahlausschuB der liid.-nat. Verelnlgung. Mnerkennung der JUdisehen Nationalitet. Seit der Aufstellung des Krakauer Programmes durch den Parteitag des osterreichiscben Nationalvereines kåmpfen wir Zionisten um die Anerkennung unserer jUdischen Nationalitåt. Im alten Oesterreich waren wir die einzige Partei, die sich riickbaltlos ^un Prlnzlpe der nationalen Autonomle bekannte. Dies sei an die Adresse alter der gerichtet, die un$ JUdischnationalen vorwerfen, wir bfttten unsere Na* tionaUt&t erst am 38. Oktober entdeokt Jahrelange Miihen und Arbeiten sind nun vom Erfolge gekront. Die Nationalversammlung der Cechoslovakischen Republik hat als erster der neuentstandenen Staaten die jiidische Nationalitet anerkannt, und wir wissen ihir hiefiir Dank. Wir danken aber auch dem Prasidenten unserer Republik PrOf. Th. G. Masaryk fiir seine werktåtige Mithilfe bei der Erreichung unserer Rechte. Wir fassen die Anerkennung nicht als Toleranz auf, als Geschenk einer Regierung, sondern als die KrOnung unserer Arbeit. So heiBt es den nauch im Motivénbericht der Regierung-zum Verfassungsgesetz: „Von der Aufzåhlung der nationalen Minoritaten wird in der Verfassun'gsurkunde Abstand genommen. Es wird nur darauf hlngewiesen, daB die Juden in det; dechoslovaklschen Republik nicht gezwungen werden kdnnen, sich bei Volkszåhlungen, Wahlen und anderen politischen und åmtlichen Handlungen, sowie in Angelegenheiten, die sich auf kulturelle und soziale Institutionen gemåB der internationalen Minderheitsvertråge J»eziehen, ferneX bei religiosen .Handlungen und sozialer FOrsArge -zu eftier anderen ethnischen oder nationalen Mlnderheit, als zur jUdischen zu bekennen, und dies olme Riickslcht auf die Umgangssprache. Der Berichterstatter filhrt zu dieser Stelle noch aus: Die Frage der jiidischen Nationalitåt ist wissenschaftlich strittig. Wenn sich jemand in nationaler Beziehung als Jude fiihlt, hat er das Recht, sich zur jiidischen Nationalitåt zu bekennen, auch wenn er z. B. in konfessionelelr Hinsicht konfessionslos wåre und ohne Riicksicht darauf, ob er sich der deutschen oder Sechischen Muttersprache bedient. Die Juden konnen nicht gezwungen werden, sich bei Volkszåhlungen, Wahlen und anderen politischen und åmtlichen Handlungen zu einer anderen als zur jiidischen Nation zu bekennen.** Das wichtigste in diesem Gesetze ist fiir uns die Bemerkung, daB Juden nicht gezwungen werden kdnnen, sich zu einer anderen Nation zu bekennen. Eine ganze Reihe von jUdischen Offizirene hatte Schwierigkeiten bei der Anmeldung zur dechoslovakischen Xrmee, weii sie sich zur jUdischen Nation bekannte. Immer betonten die Militårbehdrden in Beziehung auf die alten osterreichischen Gesetze, die jiidische Nation wåre nicht anerkannt. Jetzt fåilt dies Argument weg. Jetzt entfallen alle, die Argumente, die uns vorgehalten wurden. Einen groBen Fortschritt nach vorne haben wir gemacht. Der Jtidische Nationalrat in Prag kann fUr sich den Anspruch erheben, daB er durchgesetzt hat, was weder in Wien, noch in Bukarest oder Warschau erreicht wurde. Die Erlassung dieses Gesetzes hat nicht nur groBe Bedeutung fur die Juden in der Cechoslovakei, sondern hauptsåchlich auch in Polen und Rumånien. Das Gesetz wird sicherlich auch groBen Findruck bei der Judenheit Englands und Amerikas: hervorrufen. Unser nationales Schulwerk, durch den Kulturauschufi gewåhrleistet, wird auch durch das Verfassungsgesetz gestUtzt. Denn auch in kultureller Hinsicht wird auf die Eigenart des jUdischen Volkes hingewiesen, ohne RUcksicht auf die Sprache, die wir sprechen. Denn fUr den Gesetzgeber war und ist die Sprache kein Kriterium des Volkes. Das haben nur assimilatorische Journalisten und GescbichtklftUer entdeckt, um ihre Abstammung zu bemånteln. Nun gibt e« keine Angst mebr und kein Ver* stecken spielen. Nun kdnnen wir offen und aufrecht unser Volkstura bekennen. . Nun die Gesetze uns dies Recht gewåhren, ist es an uns Juden gelegen, uns auch dieses Gesetzes wUrdig zu erweisen. Gesetze sind wirkungslos, wenn nicht lebendige Menschen dahinter stehen, die Anerkennung ist illusorisch, wenn sich nicht in Praxis umgesetzt wird. Unsere Studentenschaft, der das Bekenntnis behOrdlich nicht gestattet war, kann nun unbehindert das vSlkische Bekenntnis ablegen. Jeder Verein, jede Organisation, jedes Individuum muB nun das Judentum dadurch stårken, daB sie alle bei allen Gelegenheiten ihre jiidische Nationalitåt frel und offen bekennen. Jetzt tut uns eine groBe und starke Organisation auf nationaler Grundlage not. Jetzt ist es notwendig, alles was national fiihlt, zusammen zufassen, auf daB wir alle die groBen Aufgaben erfiillen kdnnen, die nun in Konsequenz der Aner.kennung der jild. Nationalitåt an uns herafitreten werden. Zu den beyorftøi^^ in den erweiterten Vorsiand der Kultusgemeinde. Am 14. Mårz d, J. finden die Wahlen in den erweiterten Vorstand der Kultusgemeinde zum Zwecke der Beratung der Wahlreform statt. r )Venn nicht alle Zeichen triigen, wird anlåBlich dieser Wahl ein erbitterter Kampf zwischen den beiden'schroff «r»einander gegeniiberstehenden Lagern entbrennen, ein Kampf, der Von unserer Seite umso planiriåBiger zu fiihren sein wird, als in dem gegnerischen. Lager, welches sich selbst gelegentlich der im Vorjahre durchgefiihrten Kultuswahlen in richtiger'Beurteilung seiner fiir jiidische Fragen erkannten und eingestandenen Bedeutungs- und Teilnahmslosigkeit einen „zusammenhanglosen Haufen** bezefchnete, eine von HaB gegen uns Jiidischnationale erfiillte Wiihlarbeit eingeleitet wurde. Als nach dem Umsturze unsere Forderung nach .Ausschreibung der Wahlen in den Vorstand der Kultusgemeinde nach langwierigen Kåmpfen endlich durchgesetzt wurde und ein der Revolutionszeit angepaBtes Wahlrecht die Plattform bilden solite, auf der sich die Wahlentéx vollziehen håtten, da knBpfte die Gegenseite mit uns KompromiBverhandlungen an, die schlieBlich unter dem Einflusse der fiir die Juden damals noch allgemein ungønstigen Verhåltnisse auf Grund der von der Gegenseite gegebenen Zusicherung, ein der modernen Zeit angepafites Wahlrecht sofort einfiihren zu wollen, zu einem Kompromisse fiihrten. Acht Monate verstrichen, ohne daB diese Zusage erfUllt worden wåre. Erst infolge des energischea Eintretens der der judisch-nationalen Partei angehbrigen Kultusvorstånde wurden die Wahlen in dpn erweiterten Kultusvorstand zur Beratung der Wahlreformvorlage ausgeschrieben und die Plattform, auf der die gegnerische Seite in den Wahlkampf ziebt, ist nur aus Konventikeln bekannt, welche diese Herren untereinander abhalten. Das Wahlrecht, das diese Herren der jUdischen Bevolkerung BrUnns, die, wie die letzten Oemeinderatswahlen zeigten, in ihrer Uberwiegenden Mehrheit jUdisch-national ist und auf den Forderung des aUgemeinen und gleichen Wablrechtes fUr Manner und Frauen stebt, zugestehen woUen, ist von einem derartigen Geiste erfUllt, daB man sich ein solches Wahlrecht wobl vor dem Aushrnche des Krieges als elgen Fortschritt im Verhftttnisaa zu dam biaberlgeu

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