Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1920)
- Date
- 1920-02-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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StWt i 40IH8C(ffi V8LKS8TIMME." Nr. 8 Unser Programm. (Auszug; nas (tein in der Wtihlerversajmnlung vom 18. Feta^ d. J. erftattøten Referate unseres GgTDr. Artur Feldmann.) die Oeffentlichkeit mJt uftiefe ptøitiscne Tatig. Wir wolien itu Naehstehendei ienen LeitsDféii bekM^niaéffen, dit kelt bestirafttøl werdpr' I. UNSER VERHALTNIS ZUM STAATE. Wir néhmen flir die Juden dieses Staates die Rechte, die nach den Gesetzen den Staatsburgern zustehen, voll und uneingeschrtinkt in Ansprucb. Demgegentiber haben wir die selbstverstandllche Verpflichtung, diesem Staate gegentiber alle Pfllcbten eines Staatsbiirgers yoll und ganzt ohne jedweden Vorbehalt, loyal zu erftillen. - II. UNSER YERHALTNIS ZU DEN UBRIGEN NATIONEN: Wir stehen durchaus nicht auf dem Standpunkte eines Hurrahnationalismus, wir wolien wohl unser Volsktum erhalten, pilegen und vertieien, wir wolien aber durchaus nicht lede Elnzelheit nur mit der Brille eines iibertriebenen Nationalismus betrachten und wåren gltickllch, wenn allgemein die Uebertreibungen des Nationalismus beseitigt waren. Aus diesem unseren Standpunkte ergibt sich eine klare und unzweideutige Stellungnahme zu samtlichen nationalen Parteien: Der erforderliche Takt und die gebotene Zuriickhaltung in allen rein nationalen Fragen. Wir miissen alles vermeiden, was zur VerschSrfung der nationalen Gegensatze beltragen konnte und diirfen, ohne uns irgend vorzudrangen, keine Gelegenheit vorubergehen 1 assen, wo es glit, die einander befehdenden Nationen einander naherzubringen. Wir diirfen aber auch, ohne Riicksicht auf das elgene Parteiinteresse, nicht abseits stehen, wenn wir auf eine krasse Verletzung der Rechte nationaler Minoriteten stoBen, um auf diese Welse unsere vollståndlge Unbefangenheit in nationaler Hinsicht und unser Gerechtigkeitsgefiihl zu bekunden. III. UNSER WIRTSCHAFTLICHES PROGRAMM: Wir haben in wirtschaftlicher Hinsicht nach 3 Fronten hin unsere Tatigkelt zu entfalten: 1. unsere Tatigkeit in den Vertretungskorpern, 2. im Innern und schlieBlich 3. im Hinblick auf den Aufbau unseres Neulandes und auf das wirtschaftliche Leben dortselbst. 1. IN DEN VERTRETUNGSKORPERN: ad 1. Die uns in den Vertretungskorpern obliegenden konkretén wirtschaftlichen Aufgaben miissen vom Standpunkte sozialer Gerechtlgkeit aus gelost werden. Es Ist unmdglich, im Rahmen elner programmatischen Erklarung diese Aufgaben einzeln mit unserer gleichzeitlgen Stellungnahme zu diesen anzufiihren. Wir miissen uns daher auf die ganz allgemeine Erklarung beschranken, daB wir, ob es sich nun um Juden oder Nichtjuden handeln wird, iiberall dort zu treffen sein werden, wo es gift, das wirtschaftliche Niveau aller wlrtschaftli;h Schwachen zu heben. Wir werden insbesondere daaruf achten miissen, daB den iiidischen Angestellten, den Beamten und Lehrern, kurz allen Fixbesoldeten, welche unter elnem doppelten wirtschaftlichen Drucke leiden, nicht nur Arbeltsgelegenheit, sondern Arbeitsgelegenheit unter solehen Bedingungen ge- Doten werder., welche ihnen ein menschenwiirdiges Dasein sichern. Wir werden zur Erreichung dieses Zieles uns jederzeit fur dementsprechende legislatorische MaBnahmen einsetzen, selbst wenn diese zu elner radikalen Aenderung bestehender Verhåltnisse fiihren soliten, soferne diese nur in der naturllchen Entwicklung gelegen und nicht eln Unrecht durch eln anderes Unrecht zu ersetzen bestimmt sind. Wir werden mit allen uns zu gebote stehenden Mittein gegen ieden Versuch wirtschaftlichen Boykotts ankampfen. Wir wolien der Stellungnahme zu kelner an uns herantretenden wirtschaftlichen Frage aus parteitaktischen Grunden aus dem Wege gehen und offen erklaren, daB wir iene Mittel und Wege, welche zur Beseitigung der vorhandenen Schåden ituierhalb der bestehenden Wirtschaftsordnung vort den radikalen Parteien yorge&chlagen werden, nicht flir geeignet balten, um' die ErfiiUiiug der erhobenen, auch von uns als gerechtfertigt anerkannten wirtschaftlichen Forderungen zu ermoglichen. Durch die Besteuerung der Industrie und desKaufmannstandes allein kann dieses Zlel nicht erreiebt werden. Unsere Industrie ist déalndustrtøi der tibrigen Lander kelneswegs so iiberlegen, unser Kaufmannstand kelneswegs so gekrMftigt, daB Beide Steuern tn grenzenloser Httbe ertragen kdnnten. Man kann die Industrie und den Kaufmannstand bis zum AeuBerstecu man darf sie abw nicht ble zum Wetfibluten besteuern, denn sonst geht der jeanze Wlrtschaftskdrper zugrunde. Der Hebel muB an elner ganz anderen Stelle angesetzt werden,.um die Gesundung der VerkSlilttsse herbeizufuhren. Durch Miseren beiderseltiger BemuhujSgen, miissen die Vorau&setzungengeschgffjWi werden, um dié ArbeltsUisi und Arbeitsfreud%zu hebervwell nur auf diese Welse die Produktion gehoben werden kann .und die Hebung der Produktion die erste Voraussetzung fiif »die ErscliiieBung neuer Steuerquellen und fiir die Befriedigung jener Forderuffgen ist, weictie ledes sozlalempflndende Gewlssen fiir berechtiit anerkennén muB. Handel und Wandel mtissen bliihen, 'damit all das geschehén kdnne, was unsere Zelt gebleterisch erfordert. 2. 1NNERHALB DES JUDENTUMS: rlrlUl ad 2. Wii stehen auf dem Standpunkte der Zusammenfassung alier juden zu einer Elnheit und wir haben infolgedessen die Pflichten immer das aile Juden Einigende zu suchen und die wirtschaftlichen Interessen alier Juden zu fordern. Dies darf uns aber kelneswegs bestimmen, an etwas, was wir als Unrecht erkannt haben; im Interesse der Erhaltung dieser Elnheit festhaiten zu wolien. Wir miissen vielmehr dieses Unrecht stets auf die Gefahr hin, diese Elnheit zu storen, im Interesse der Gesundung des Volkskdrpers durch rasches, zielbewuBtes und energisches Zugreifen zu beseitigen suchen. Wir wolien in allen Kreisen und Schichten des Juden - turnes durch Erziehung und Schulung jenen Gelst erwecken, welcher befåhigt sein soli, das bestehende Unrecht zu erkeunen und zu beseitigen. Wir wolien nur dort bekampfen, wo man sich dléser Erkenntnis verschlieiit, nicht aber dort, wo alle Dispositionen fiir diese Erkenntnis vorhanden sind. Soziales Einpfinden ist etwas urspriinglich Jtidisches, die Ausbeutung und Unterdriickung etwas, was dem iiidischen Geiste vollstaudig widerspricht, etwas Unjudisches. Diesem wird immer uuscr Kampf gelten, weil wir uuser neues Leben auf urspriinglich jiir discher, nicht aber auf unjiidischer Grundlage aufgebaut wissen wolien. Das ist die Mission des Zionismus innerhalb des Judentums, wenigstens innerhalb des zionistischen Judentums, so fassen wir Zionisten unsere Aufgabe auf. Wir wolien nicht zuehen, wié bloB niedergerissen wird, wir konnen nicht die Hande in den SchoB legen und zuwarten, bis das neue soziale Gebaude uns beschieden sein wird; denn das jiidische Volk steht nicht nur unter einem nationalen, sondern auch unter einem sich immer mehr verstarkenden wirtschaftlichen Drucke, sodaB die Gefahr des wirtschaftlichen Zusammenbruches fiir das jiidische Volk besteht, bevor es sein politisches Ziel erreicht hat. Deshalb miissen wir auf die wirtschaftliche Zusammenschlietiung aller Kråfte hinwirken. Der Kaufmann leidet heute unter dem Warenmangel, der Industrielle unter dem Rohstoffmangel, beide unter der Valutamisere. Wir erstreben den ZusammenschluB der iiidischen Kaufleute und der iiidischen Industriellen auf genossenschaftlicher Basis zum Zwecke des Ankaufes von Waren, bezw. der Rohstoffbeschaffung aus dem Auslande und die Verbindung dieser Genossenschaften mit gesinnungsgenosslschen ad hoc geschaffenen Verkaufsgenossenschaften im Aulande, fiir deren Herstellung mit Riicksicht auf die Opferfreudigkeit unserer auslandischen Gesinnungsgenossen die ersten Ansatze bereits gegeben sind. Die Verteilung der Waren und Rohstoffe darf sich nicht ausschlieBlich auf Juden beschranken, um einerseits auch eine gleichmaBige Verteilung der staatlich bewirtschafteten oder zugewiesenen Waren und Rohstoffe moralisch zu erzwingen und andererseits zu manifestieren, wie wir uqsere Pflichten als Burger unseres Staates diesem gegentiber und den tibrigen Mitbtirgern gegentiber auffassen. Durch diesen ZusammensvchluB wird gleichzeitig ein wohltatiger EinfluB auf dem Abbau der Preise ausgetibt werden. Auf diese Welse wtirde auch das Valutaproblem viel von seiner Scharfe verlieren. Es werden wiederum Zeiten kommen, wo alles in einem. MaBe vorhanden sein wird, das tiber den elgenen Bédarf hinausgeht, wo der Absatz stocken und der Jude unter dieser Stockung vielleicht mehr zu leiden haben wird, als die tibrigen Bewohner dieses Staates. Durch einen ZusammenschluB auf genossenschaftlicher Grundlage und durch die Verbindung dieser Genossenschaften mit unseren Gesinnungsgenossen im Auslande kann zur Beseitigung, bezw. Milderung aller iener Schtiden belgetragen werden, welche mit der Ueberproduktion notwendigerweise verbunden sind. Auch das Kreditwesen lafit sich unter Ausntitzung gesinnungsgendssischen Kapitales auf eine ganz andere die Privatwirtschaft fedes Einzelnen starkende Grundlage stellen. Eine schwierige Aufgabe erwtichst uns in der Losuug der brennenden Frage der Berufswahl unserer Jugend und der damlt verbundenen Umschichtung der Berufe innerhalb des Judentumes. Wir mtissen trachteu das Heer unserer geistigeu Arbeiter zu entlasten. Wir mtissen den in Betracht kommenden jtidischeu Kreisen die groBe Bedeutung vor Augen fiihren, die ktinftighln der landwirtschaftlicben Laufbahn, dem Kunsthandwerke, dem Handwerke und den elnschlagigen Fachstudien inne wqhneu wird. Den elnschlagigen Fachschulen mtissen gleichzeitig Betriebe angegliedert werden, in denen die praktische Bptatigung ful den in Betracht kommendep Gebleten er- Ucrbrdtct die Jldiscbe Uon»$(imaieH