Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1920-02-12 · Heft 7 (12.2.1920) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 7 (12.2.1920)
Date
1920-02-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
83% known words query
IRI
…/2621806-2622069-2622076--4239-2625516
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

12 entity mentions

Seite 5. „JCMSCHE VOLKSSTMIMfi.' Nf. 7. gabe bat nar dann einen Zweck, wenn sie auf efnraal geieistet wird, wenn sie alle Vermogensobjekte erfaBt und wenn sie gleichzeitig die ohnedies eingeengten Barmittel der ^teuerpflichtigen im Interesse tier Ermoglichung der Aufrechterhaltung und Entwicklung der Wirtschaft nach Tunliehkeit nicht einengt. Die Industrie leidet heute in zweifacher Hinsicht: Ein Teil ihrer Barmittel ist in unverwertbarer Kriegsanleihe angelegt, die Verteuerung der Rohstoffe und Arbeitslohne und die fortschreitcnde Erhohung der Steuern bringen es mit sich, dafi sie, nocli so begiitert, mit eigenen Mitteln nicht auskommen kann, um den Betrieb in halbwegs angemessenen Grenzen aufrecht halten zu kdnnen. Wenn die Industrie noch eine einmalige groBe Vermogensabgabe zu Ieisten hatte, wåre sie in ihren Barmitteln so eingeengt, daB die Volkswirtschaft unter dieser Einengung die schwersten Wnnden erleiden ufiiBte. Deshaib ist die Anregung, die bestehenden Aktiengesellschaften zur Herausgabe von Oratisaktien gesetzlich zu verpflichten, mit denen die Vermdgensabgabe zu Ieisten wåre, eine gesunde und nicht auBerhalb des Interesses dør Industrie gelegene. Nach den bestehenden Vorschlågen soli die Grofiindustrie, soweit sie nicht auf aktiengesellschaftlicher Grundlage aufgebaut ist, . verhalten werden, sich auf dieser Grundlage neu zu konstituieren, um die Vermogensabgabe in der gleichen Weise Ieisten zu kdnnen.Die Besitzer von Grund und Boden sollen nach den bestehenden Vorschlågen verhalten werden. die Vermogensabgabe .in der Weise zu leistén, dafi sie fiir diese ein gesetzliches Pfandrecht an erster Stelle ob ihren Objekten einråumen und auf diese Weise die Mogltchkeit geben, unter Beniitzung dieser Schuldtitle Schuldverschreibungen zu emittieren, die ebenso zu Geld verwertct werden konnten, wie die dem Staate zur Verfiigung gesteliten Gratisaktien. In dicsen Vorschlågen, die in diesem Rahmen nur gestreift j^erden, liegen abgesehen von den bereits erwåhnten Vorteilen zwei Vorteile allgemein wirtschaftlicher Bedeutung: Die Moglichkeit fiir den Staat. sich unter Beniitzung der Gratisaktien und Schuldverschreibungen auslåndische Valuta beschaffen und so teihveise zu einer Milderung der Wahrungskrise beitragen zu konnen, andererseits die langsame Angewohniing der Industrie an die Mitbeteiligung des Staates und auf diese Weise der erste Ansatz zur Fortentwicklung der bestehenden Wirtschaftsordnung zu einer hoheren Styfe. .Vom rein sachlichen Standpunkte aus betracjhtet liegen in diesen Vorschlågen gesunde Ansåtze zu einer Verbesserung der Finanzlage und der gesamten Wirtschaft. J.1. KORRESPONDENZEN. Prerau. Am 28. Jånner ist in Prerau einér unserer tiichtigsten Gesinnungsgenossen, Dr. Heinrich Man dl, im jugendlichen Alter von 32 Jahren gestorben, nachdem er sich als aufopfevungsvolier Sohn hel der Pflege seiner kranken Mutter den Todeskeim geholt hatte. Sein Wirken ist hauptsachlich in den Stadten Mahrens bekannt, wo er unserer Bewegung viele Anhanger zugefiihrt hat. Wegen seiner vorziiglichen menschlichen Eigenschaften hat er es gewufit, sich lauter Freunde zu verschaifen und seine Wahl als Vertreter der bewufiten Juden in den Gcmeinderat der Stadtgerneinde Prerau wurde nicht nur von den Juden, sondern aueli Nichtjuden mit voller Befriedigung aufgenoinmen. Ehret Alle, die Ihr iliu gekannt, das Andenken des Verstorbencti und leiste jeder einen Beitrag zur Schaffuug eines Dr. Mandi Haines! Mensa academica Judaica, Prag. Die konstituerende Generalversanunlung der „Mensa academica Judaica11 in Prag fand am 27. Jånner 1. J. im Hotel Bristol statt. Nach den einleitenden hebråischen BegriiBungsworten des phil. cand. Nathaniel Tlion ,erstattete namens des vorbereitenden Ausschusses JUC. Ernst Lebenhart den Tåtigkeitsbericht. Die jiidische Mensa ist ein Selbsthilfswerk der judischen Studentenschaft, die sie sich in opfer- und miihevoller Arbeit selbst geschaffen hat. Dem einnriitigen Wunsche der jiidischen Studentenschaft folgend, hat vor wenigen Monaten eine kleine Schar von Akademikern seine Erfullung sich zur Pflicht gemacht, und heute, nach kaum 3monatlichem Bestehen, sind bereits alle Vorbedingungen dafiir geschaffen, dafi die Mensa ihr Ziel erreiche, ein zweites Heitn der Parger iiidischen Studentenschait zu werden. In ihrem organischen Aufbau wird sich die.Mensa wesentlich von den ubrigen Institutionen dieser Art nnterscheiden: der Studentenschaft ist eine weitgehende Anteilnahme an ihrer Verwaltung gesichert. Die hinere Administration, die Beschwerdeerledigung, Benefizienverleihung an die Mitgliedschaft liegt in ihren Hånden. Der von U. U. C. Frieda Hirsch erstattete Kassabericht bewies, dafi auch die finanziellen Grundlagen der Mensa gegeben sind. PohrlHz. Montag. den 2. d. veranstaltete der hiesige Volksrat im Winterbethause eine Wåhlerversammlung. Herr H. S c h n a b e I eroffnete die zahlreich besuchte Versammlung und begrilfite den als Referenten erschienen Dr. Gustav K o h n aus Brunn. Nachdem Herr Adler zum Vorsitzenden und H. H iit n e r zum Schriftfilhrer gewåhlt worden waren, erhielt der Referent das Wort zu seinem Thema: Stellung der Juden zu den komrnenden Wahlen. PreSov. (Eperjes.) Atn 4. Jånner fand die konstituerende Generalversammlung der hiesigen zionistischen Jugendgruppe statt und am 11. die der „Debohrah“-Frauengruppe des Presover Zionsvereines. Dieser junge Verein zåhlt schon mehr als 300 Mitglieder. Obmann des Vereines ist Dr. Karl Ferbstein, Sekretår Isidor Schwarz; Vorstand der Jugendgruppe: Dr. Alexander Reifi, Samuel Laufbahn; Vorstand der Debohrah-Gruppe: Frau Sigmund Glucksmann und Fri. Ilonka Ungar. BRUENHER NACHRICHTEN. Die „Vereinigung ostjudischer Hochschiiler" trat am 25. cl. M. zum erstenmale vor die Oeffentlichkeit, indem sie zu Gunsten des Unterstiitzungsvereines får mittellose jiid. Techniker in der Turnhalle Zeile, einen Kostiimtanzabend veranstaltete. Es war, um es gleich vorwegzunehmen, ein Abend, wie er nur selten den Brilnnern geboten wird, und der massenliafte Besuch ist wohl der beste Beweis fiir die Beliebtheit, deren sich diese junge Vereinigung hier bereits erfreut. Der von Tannenduft erfiillte pråchtig geschmiickte Saal, die vorziigliche Musikkapelle und das aus feinsten Leckerbissen zusammengesetzte Buffet waren gewiB geeignet, die Anspriiche auch der Verwohntesten zu befriedigen. Es war eine herzerquikende Augenweide auch får den unbeteiligten Zuschauer, die graziosen und rythmischen Bewegungen der in den buntesten und geschmackvollsten Trachten erschienenen chicken Tånzerinnen zu beobachten. Ueber Allem schwebte ein Hauch trauter warmer Herzlichkeit und der in grofien hebr. Lettern entgegenlenchtende Willkomniensgrufi: „Schalom" verstårkte noch das Empfinden, dafi man sich in einem von wahrhait judischem Geiste durchdrungenen Milieu bewege. Die andauernd gehobene Stimmutig erreichte ihren Gipfelpuukt, als von 8 Paaren ein im Osten sehr beliebter Volkstanz, „Mazurka" genannt, ausgefåhrt wurde. Dies bildete fiir die Briinner eine Neuigkeit von origineller Schonheit und es wurde auch den Tånzern u. Tånzerinnen hiefur der lebhafteste Beifall gezollt. Es folgte spåter eine Damen-Schonheitskonkurrenz, bei welcher das liebreizende Fri. Måhrischl jun. den ersten Preis clavontrug, ferner eine Konfetti- und Koriandolischlacht und schlieBlich eine amerik. Versteigerung. Der Abend nahm einen glånzenden und wiirdigcn Verlauf und fand um halb 4 Uhr friih auch einen dementsprechenden AbschluB. Alles in Allem war es ein urgemutlicher, genufireicher Abend, dessen Delingen nur der weitgehendsten Unterstiitzung des Damenkomitees, dem Frau Czuczka, Frau Dr. Feldmann, Frau Hansel, Frau Dr. Lewy, Frau Schallinger, Frau Schnabl und Frau Weisskopf angehorten, sowie der unerniiidlichen und aufopferungsvollen Tåtigkeit des Herreffkomitees, an dessen Spitze die Herren Blumenthal und Jortner standen, gutzuschreiben ist. . — m — Die Vereinigung der ost-iiidischen Hochschiiler hat am 25. v. M. zugunsten des „UntersUiziingsvereines fiir mittellose jiidische Techniker" einen Kostiim-Tanzabend veranstaltét. Von dem Reinertrågnis, das armen jiid. Technikern zugute kommen soli, wurde fiir den „Jiid. Volksrat in Briinn“, den „Jiid. Nationalfonds11, den „Palåstina-Arbeiterfonds" und den Reservefonds der Vereinigung der Betrag von 1000 Kronen gespendet. Allen, die zu dem schonen Erfolge der Veranstaltung durch Spenden und tålige Mitarbeit beigetragen haben, sei auf diesem Wege der wårmste Dank ausgesprochen. — Die „Vereinigung der ost.iiidischen Hochschuler". Hapoel - Hazair - Briinn. Von nun ab werden allwochentlich Vortråge mit anschlieBender Diskussion. Recitationen aus der neuhebcåischen Literatur* in hebrålscher Sprache abgehalten werden. Sonntag, den 15. d., Vorfrag des Chawer Abraham Frischer iiber: Moscheh Leib Lilienblum. Ort: Vereinslokal der „Mirjåm", Freiheitsplatz. Zeit: halb 5 Uhr nachm. Zum 50&emestrigen Stlftungsfeste der „Verltas". 25 Jahre sind in der Entwicklung einer Bewcgung, welche die Geister so revolutionierte, wie der Zionismus eine kurze Spanne Zeit, doch aber ein Moment, das gefeiert zu werden verdient. Die Brunner zionistische Verbindung „Veritas", welche am 7., 8. und 9. d. M. Ihr 25j&hriges Bestandmbilåum begehen konnte, kann auf ein Stilck zionistischer Arbeit nicht nur in Briinn, sondern in ganz Måhren zuriickblicken. Månner wie, Berthold Feiwel. Robert Stricker, Otto Abeles und der leider zu friih verstorbene Rudolf Nassau haben an dem Ausbaue der zionistischen Idee und Organisation den regsten Anteil, und die Geschichte des Zionismus wird es einstens der „Veritas" danken, daB sie solche Månner hervorgebracht hat. Berthold Feiwel heute einer der Fuhrenden unserer gro- Ben Bevvegung, Robert Stricker, der einzige Vertreter der osterreichischen Judenschaft in der Wiener Nationalversammlung, und Otto Abeles, der feinfåhlende und feingeistige Poet. Ein Hauch der Feierlichkeit iiberzog die herrlich geschmåckte Zeiler Turnhalle als beim Meeting — Prof. Chajes und Robert Stricker waren leider am Erscheinen verhindert -- Herr Paul H e i n das offizielle Stlftungsfest eroffnet. Die massenhaft besuchte Versammlung erbebte unter den wuchtigen Worten des ersten Redners Ing. Ernst Frischer, ward erhoben durch die wahrhaft glånzenden Ausfiihrungen des bewåhrten Dr. G o 1 d s t e i n und ersehåttert durch die tiefempfundene Rede Otto Abeles. Tosender Beifall ward allen Rednern zuteil. Sonntag abends fanden sich zahlreiche Gåste beim Stiftungsfeste ein, das von der Beliebtheit der Verbindung zeugt. Von Nah urid Ferne waren die „Alten Herren" herbeigeeilt, um an ihrem Feste teilzunehmen. Alle studentischen Organisationen waren vertreten, sowie auch das zionistische Zentralkomitee durch Herrn Dr. Goldschmidt, der Jttdische Landesvolksrat fur Måhren durch Dr. Sonnenfeld, der J. N. R. Prag durch Dr. Goldstein. Otto Abeles sprach als A.-H. der Verbindung die Festrede; versetzte uns in die Zeiten der Anfånge unserer Bewegung, liefl uns wieder alle jene Freuden und jenes Leid fåhlen ,daB wir alle, alle hatten. Im Namen der nichtstudentischen Organisationen Briinns åberbrachte Dr. Feldmann die Gråsse der Verbindung, får das Z. K. Dr. Goldschmidt (ProBnitz) hebråisch, fur den J. N. R. Prag Dr. Goldstein; får die israel. Kultusgemeinde Brunn Dr. Schreier. Rabbiner Dr. L. Levy sprach seine Freude daruber aus, dafi die Jugend in ihrem Judentume immer mehr erstarke. Namens der zionistischen Verbindungen Wiens sprach Herr Weiner (Kadimah) und dann kam die grofie Reihe der studentischen Ubrigen Sprecher. Eine Bieroper „Rinaldo- Rinaldini", von den Veriten aufgefåhrt und Fri. Lotte Rotter als Råuberstochter, ergotzte das Publikum. Einen wårdigen AbschluB fand diese wårdige Feier durch einen glånzenden Ball, der tiber die Erwartungen hinaus gut besucht war. Der „Veritas" viel Dank fur Ihre Veranstaltung und der herzlichste Wunsch zur fleiBigen Arbeit. Vivant sequentes! Kultuswahlerversammlung. Sonntag, den 15. d., findet um 10 Uhr Vormittag eine Versammlung der Kultuswåhler statt. Referenten die jiid.-nat. Kultusråte. Verein „Theodor Herzl". Sonntag, 8 Uhr abends, Café „Margaretenhof",. I. Stock, Zusammenkunft. Schule fiir hebr. Sprache und iiid. Wissen (Stådt. Volksschule, Salzamtsgasse, I. Stock). Am 16. d. M. beginnt ein neuer Lehrgang fur Erwachsene (beiderlei Geschlechtes) iiber: Moderne Erklårung der Bibel, und zwar Hest Herr Prof. Dr. Schornstein jeden Montag von 7—8 Uhr abends aus dem I. Buch Moses. Dauer des Lehrganges drei Monate. Collegiengeld 20 K. (Befreiungen fi'tr Mittellose.) Einschreibung in der ersten Vorlesung. Jtidischer Nationalfonds. Sammelbuchsen: Rosenfeld 7.11,* Lbw 4.18, Fischer 1.28, Willheim 1.84, Lowy 3.—, Frischer 6.—, Singer 6.90, Piowaty 0.45, Kohn 6.50, Rischawy 3.30, Tintner 3.-^, Laufer 1.—, Dr. Grånfeld 12.—, Bruck 3.54, Moser 6.—, Dr. Reichert 5.—, Abeles & Seiler 1.94, Skutezky 4.—, Allerhand 2.50, Czuczka 28.50, Schulz 13.—, Hannak 1.51, Drucker 18.60, Bock 10.—, Klinger 22.60, Bogad 23.44, Rosenzweig 3.—, Fischer 1.36, Volker 3.20, Frisch 9.32. Uertøtittt die Jiidiscbe Uollaitiimne”

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.