Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XX (1919)
- Issue
- Heft 35 (21.11.1919)
- Date
- 1919-11-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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״Mische VeLkiü««* Seite & Nr. 35 Untersuchung über das Geschehene angustellen und die Schuldigen der Strafe zuzuführen. Die englischen Huden und der Friede. Dr. Werh, der Oberrabbiner vbn England, hat an alle Rabbiner Englands die Bitte gerichtet, an dem Samstag vor dem 11. November, dem Fricdenstage, spezielle Gebete und Predigten der Völkerliga zu widmen. Dieser Schritt erfolgte auf Veranlassung des englischen Verbandes ״Völkerliga", der in allen Stadtcn Englands am 11. November Demonstrationen abhalten wird. Vom Jüdischen Nationalfonds. Bei! den kürzlich in London stattgefuiidenen Sitzungen des Großen A. C. bildete die Situation und die Tätigkeit des Jüdischen Nationalfonds in der nachsten Zeit Gegenstand eingehender Beratungen. Bon dem BerwaltungSkomitee des I. N. F. im Haag nahm an den Sitzungen außer den A. C.-Mitgliedern Jean Fischer und I. H. Kann, Herr Nehemia de Lieme teil. Herr de Lieme referierte über die stcgenwärt. Lage" des Nationaifonds und wies auf die Notwendigkeit hin, daß der I. N. F. sich vornehmlich auf seine Ursprünge liche Ausgabe des Bodenerwerbes und die Aufforstung in Palästina konzentriere. Nach einer eingehenden Beratung, an der sich besonders die amerikanischen Zwnisten mit Herrn Brandeis an der Spitze beteiligt-״ wurde einstimmig eine Resolution angenommen, die die Zionistische Gesamtorganisation und die einzelne,, J Föderationen verpflichtet, die Tätigkeit der I. N. F־ Organisation zur Schaffung der Mittel für die ilu, in nächster Zeit zufallenden großen Aufgaben mit allen Kräften zu unterstützen. Im Anschluß an die A. C.-Sitzungen wurde, zum ersten Mal seit Ausbruch des Krieges, eine außevordentliche Generalversammlung des Jüdischen Nationalfonds in den Räumen der Zionistischen, ^rganisation in London, abgehalten, an der folgende Mitglieder des I. N. F. unter dem Vorsitze von Mr. Keßler sich beteiligten: M. Ussischkin, I. Rossoff״ Dr. Victor Jacobson, I. Simon, I. Naiditsch, Professor O. Warbürg, A. Hantke. Der Vorsitzende legte die Gründe dar, die cs verhinderten, während des Krieges eine ordentliche Generalversammlung^, einzuberufen und widmet sodann Worte des Gedenkens den verstorbenen Direktoren Wolffsohn und Tschlenow, die sich so unvergängliche Verdienste um den Zionismus Und . um den Nationalfonds im besonderen erworben haben. An Stelle der genannten wurden auf Antrag der Herren Keßler und Rossoff, die Herren Boris Goldberg, zur Zeit London und Nehemia de Lieme, Haag in das Direktorinm des Nationalfonds gewählt. Die General» Versammlung sprach sodann dem Hauptbüro und dem für die Kriegszeit im Haag eingesetzten Verwalturtgsksmitee seinen tiefen Dank für die wertvollen Dienste aus, die sie dem I. N. F. während der kritischen Kriegsjahre geleistet haben. Für die Folge wurde beschloffen, daß an Stelle des Komitees wieder ein Direktor des I. R. F. dem Hauptbüro vorsteht, mit welcher Ausgäbe Herr Nehemia de Lieme betraut worden ist. Lehrstuhl für Jargon. An der philosophischen Fakultät der Straßburger Universität wurde auch ein Lehrstuhl für jüdischdeutsche. Dialekte errichtet. Verein zur Wahrung der religiöse» Interessen in .Westfalen. Das durch Berufung des Herrn Dr. Michalski nach Burgprcppach freigewordene Rabbinat des Vereines zur Wahrung der religiösen Interessen des Judentumv in Westfalen ist von neuem besetzt worden. Die Delegierten der westfälischen Gemeinden, welche sich dem' Verein angeschlossen haben, wählten einstimmig Herrn Dr. Hermann Klein aus Eisenstadt zum Vereinsrabbiner. Ihm geht der Ruf eines hervorragenden Kanzelredners und tüchtigen Organisators voraus, dessen Tgjkraft es sicher gelingen wird, mit Gottes Hilfe im Geiste der Orthodoxie segensreiche Wirksamkeit in den westfälischen Gemeinden zu entfalten. Er hat seinen Wohnsitz in Gelsenkirchen, Hindenburgstr. 41 genommen. Untertunnelung Jerusalems. Ein großartiger Jngenieurplan für Palästina, der auch die Untertunnelung Jerusalems einschließt, ist von einem norwegischen Ing. Albert Hiorths ausgcarbeitet worden. Er verfolgt das Ziel, das Mittelländische Meer und das Tote Meer durch große Kräftestaturnen miteinander zu verbinden. Der Plan sieht einen Tunnel von etwa 60 Kilometer Länge vor, der von Osten nach Westen läuft und unter Jerusalem durchgeht, um Wasser zu dem tieferen Ende des Jordantales zu führen. Bon dieser Stelle aus soll das Wasser durch Röhren bis zum Niveau des Toten Meeres geleitet werden, und dort soll eine Kraftstation mit elektrischen Maschinen die Wasserkraft in Elektrizität umwandeln, um auf diese Weise Licht und Kraft dem ganzen Lande zuzuführen. Die Kraftftation soll auch dazu verwendet werden, um die Wafferzufuhr um den See Genezareth zu regulieren und damit die Bewässerung von einigen Hunderttausend Acres Landes in die Wege zu leiten. Sodann soll die dadurch erlangte Kraft zum Betriebe von Asphaltminen in der Gegend ded Toten Meeres und in den Ebenen von Sodom und Gomorra benutzt werden. Chanuka! Wir empfehlen passende Chanukkageschenke für Kinder und Erwachsene in allen Preislagen. M. Hickl'S Verlag- Brünn, Ablergasse 9 und Wien, 8. Bezirk, Lerchengaffe Sa. Eine nene Misrachi-Zeitfchrift. Ende Oktober erschienen in Zürich die neuen Monatshcfte ״Misrachi", yerausgegeben von der Misrachi-Landesorganisation irr der Schweiz. Aus dem Inhalte der ersten Nummer sei erwähnt: A. I. Nom: Unser Ziel, Spektator: Politische Ilmschau, Dr. S. D. Steinberg: David unter den Mägden, Ingenieur Ginsbürg: Zionismus und Emigration, Dr. David Strauß: Der Weg zum Glück (Novelle), Prof. Da Fano: Indentum und Naturwissenschaft, Jugendbeilage, Partei- -Nachrichten, Mitteilungen aus aller Welt usw. Wir machen unsere Gesinnungsgenossen auf diese Monatsschrift aufmerksam. Abonnementspreis:: 9 Fx. pro Jahr. Einzelheft 75׳Ctm. ׳ \ Eine Channkkahfestgabe für, die Jugend. Die jüdische Jugendzeitschrift ״Barkochba" gibt zu Chanukkah unter dem Titel ״Al hanissim" eine Sondernummer heraus, die in besonders geschmackvoller Ausstattung eine große Anzahl Bilder und textlicher Beiträge vereinigt, in deren Mittelpunkt das Channkkahereignis steht. Diese, Chanukkahausgabe ij^ ab 1. Dezember durch Max Hickl'S Verlag, Brünn, Adlergaffe 9, zum Preise von Mk^ 2.— 311 beziehen. Verschiedene Nachrichten aus Palästina. Der Vecwaltungschef von Jerusalem wollte die jüdischen Soldaten, Polizisten und Beamten nicht für beide Tage des Neujahrfestes vom Dienste befreien. Die betreffenden Beamten haben aber au diesen Tagen keinen Dienst geleistet, weshalb die Verwaltung ihre Entlassung angeordnet hatte. Doch sind auf Jntervention des Oberrabbiners die Beamten wieder eingestellt und ihnen Dienstfreiheit für den Versöhnungstag sowie den ersten und letzten Tag des Laubhüttenfeftes gegeben worden. ' In׳ Jerusalem sollen, da bis zur Eröffnung der Universität noch einige Jahre vergehen dürften, auf zwei Jahre berechnete .Hochschulkurse eingerichtet werden, und zwar für Mathematik, Naturwissenschaften und historisch-philologische Wissenschaft. Dadurch soll der studierenden Jugend die Möglichkeit gegeben werden, weiter in Palästina zu verbleiben. Es sollen v: sen Kursen auch Seminare angeschlossen werden. Die Hebräisierung Palästinas schreitet fort. E!> tverden Telegramme in hebräische^ Sprache, mit lateinischen Lettern geschrieben, angenommen. In den Kinos in Jaffa und Jerusalem werden die Erlänterungen nicht nur in arabischer, sondern auch 'in hebräischer Sprache gegeben. > Vom Kriegswaisenfond der Agtzdas-Jisroel. Für den Kriegswaisenfonds der Agudas-Jisroel wurden bisher durch die jährliche Selbstbesteuerung u. durch Spenden in Deutschland 880.000 Mark und in der Schweiz 50.000 Frs. aufgebracht. Die Sammlung ist noch nicht, abgeschlossen. Im Hinblick auf das unermeßliche Elend der Juden Osteuropas, zu dessen Linderung rasche Hilfe und reichliche Mittel dringend benötigt werden, erläßt, wie wir dem am 6. Nov. erschien nenen ״Haderech" entnehmen, das Zentralbüro der Agudas-Jisroel Zürich einen Aufruf, bei jeder Gelegenheit des Waisenfonds der Agudas Jisroel eingedenk zu fein und für diesen Zweck in ausreichender Weise zu spenden. Brünner Nachrichten. Maz Brod-Abenv. Mittwoch, den 12. d. war der preisgekrönte Prager Dichter, unser hochgeschätzte Gg. und Vizepräsident des ״Jüd. Nationalrates" in Prag, Gast der jüdischen Frauenorganisation. Max B r 0 d las im dichtgefüllten Saale des Künstlerhauscs aus eigenen Dichtungen. Einen Akt aus seinem ungedruckten Drama. ״Unter Banknotenfälschern". Die feine psychologische Charakterisierung des Präsidenten der Republik Berka, der nach kurzer Zeit seiner Regierung durch die Korruption seiner Partei zur Abdankung sich gezwungen sieht, der als makkellos, rein und intezer dasteht und trotz dem der Liebe zur Gattin feines Freundes nicht widerstehen kann, ist ^bctn -Dichter Brod glänzend gelungen. Ein Meister F l a u b e r t'sche Seelenkenntnis wird Brod mit jedem Werke größer. Eine große Wirkung übte sein Kapitel aus ״Das große Wagnis". — Unvergeßlich bleibt seine Uebertragung Frischmanns. Hoffentlich ist es uns bald vergönnt, wieder etwas von feinen Werken zu hören. — a — Brünn, . (Versammlung zionistischer Akademiker.) Am 12. November .1919 . fand im Sitzungssaal der Kultusgemeinde eine Versammlung der zionistischen Akademiker statt: Der Vorsitzende Cand.-Jng. Abeles führte aus, daß in einer vor Kurzem stattgefundenen /Versammlung zion. Akademiker ein Entschluß angenommen wurde, in welchem der Wille der Versammelten, sich gruppenweise zionistisch zu organisieren, zum Ausdruck kam und eine Zusammenfassung der bestehenden zion. Akademikerorganisationen und der zu bildenden Gruppen zu einen Zentralorganisation der zion. Akademiker, angestrebt tourde. Der seinerzeit gewählte vorbereitende Ausschuß hat seine Aufgabe zum Teil gelöst. Es wurökn nächstehende Gruppen neu gebildet: eine südslawische, eine «Hapoel Hazair", eine slowakische und eine Gruppe der Ferialverbindungen. Das vorbereitende Komitee arbeitete auch die Statuten der zu schaffenden Zentralorganisation aus. Die Stellung der Gruppen innerhalb der Zentralorganisation ist eine solche, daß jede. Gruppe vollständig selbständig ist. Der Zentralausschuß setzt sich aus je zwer Vertretern der Gruppen zusammen. Der Vorsitzende wird zu Beginn eines jeden Semesters von der Versammlung aller Gruppen gewählt. Allmonatlich wird eine Versammlung der Gruppen stattfinden, in der Diskussionen, Borträge und Stellungnahme zu den verschiedenen Tagesfragen erfolgen wird. Die von dem vorbereitenden Komitee vorgeschlagcnen Statuten wurden ohne Debatte einstimmig angenommen.Zum ׳ Obmarm wurde Cand.-Jng. ÄbeleS gewählt. Hierauf sprach Herr Cand.-Jng. Hein über die zionistische Weltorganisation und erstattete das Reserat über den Distriktstag. Nach kurzer Debatte wurden die Ailsführungen des Herrn Hein mit Dank zur Kenntms genommen. Es gelangten dann noch einige Fragen, die neugeschaffene Organisation betreffend, zur Sprache. Herr Cand.-Jng. Freund beleuchtete die Brünner Verhältnisse und schlöß seine Ausführungen mit einem Appell ^ur Arbeit an die Studentenschaft. Die 'Versammlung war von 70 zion. Akademikern besucht. <Koeresponäenzen. Bratislava. Am 28. Oktober fand hier unter dem Vorsitze des Herrn Markus Fürst eine Konferenz des Jischuw Erez Jisroel-Berbandes statt, die sich mit der Frage des Anschlusses der Jischuw-Bereine an die orthodoxe Weltorganisation Ägjjdas Jisroel befaßte. Es wurden auch die gegen den Anschluß bestehenden Bedenken in Erwägung gezogen. Die Konferenz faßte den Beschluß, den hiesigen Oberrabbiner zu ersuchen, die führenden Rabbiner der Slovakei zu einer Beratung nach Bratislava einzuladen, damit sie zu dieser wichtigen Frage Stellung nehmen. Im übrigen wurde auf Antrag des Pabbiner- Aron Satz (Neutra) der Anfchlutz an die Nguda unter dem Vorbehalt ausgespw- Uerbreitet die Jüdische üolksstimme".