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Jüdische Volksstimme · 1919-08-08 · Heft 22 (8.8.1919) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 22 (8.8.1919)
Date
1919-08-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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*■■''' ■•'• ■ יי' v' ׳ ־י, י1״ ’ '•'*״ ״ ' ' ■ ’ ‘ ‘• ״■■• - •' ' . "־'. " ' ׳ '■ ■■־ # 1 Gern 0 *9KI<f* V»tt»stim«e- Nr 22. Wortung für diese Vorfälle von sich abzuwälzen. Die Ereignisse in Friedrichsstadt über die zu berichten die lettische Presse bisher nicht Platz gefunden hat, weil fie ständig -^er die angeblichen Räubereien deutscher Truppen spaltenlange Klagen veröffentlicht, sind so ungeheuerlich, dass selbst der lettische BolkSrat veranlaßt gesehen hat, eine UntersuchungSkommiffion mit Ermittlung über die Vorfälle zu betrauen. Gründung einer Talmud-Thora. Hannover. Am 6. Juli hat sich hier eine Talmud- Thora konstituiert, die den Zweck hat, unter den Kindern der hiesigen Juden Thorakenntnis, speziell Talmud und Poskim zu verbreiten. Die Sammlungen für den Grundfonds belaufen sich bis jetzt auf mehr als 7000 Mark, der Ankauf eines Hauses ist in Aussicht genommen. Die höchst dankenswerte Gründung geht auf die Arbeit des durch seine in gleicher Richtung liegenden Tätigkeit aus Frankfurt a. M., Braunschweig und Leipzig bekannten Herrn Schneider-Frankfurt a. M. zurück. Eine Nordau-Stadt in Palästina. DaS Verwaltungskomitee des Jüdischen National» fondS im Haag veröffentlicht folgenden Aufruf zur Gründung einer ״Nordau-Stadt": Seit Monaten ist der Blick unseres Volkes nach Paris gerichtet, wo nach Jahrhunderten bitteren LeidenS über weitere Jahrhunderte seines Erdendaseins entschieden wird. WaS der Traum unserer Väter war in Nöten und Verfolgungen des Mittelalters, WaS unsere Brsider im Osten und Westen mit heißer Inbrunst herb.eisehnen, das soll nun Wahrheit werden. Auf freier Scholle soll ein freies Volk leben und fein Schicksal nach eigenem Willen und den Bedürfnissen seiner Eigenart formen. Wenn dieser Traum zweier Jahrtausende Leben wird, so vetdanken wir das in erster Linie neben Theo- -or Herzl unserem Max Nordau, der am 29. Juli 1919 sein 70. Lebensjahr vollendete. WaS Nordau dem ZioniSmuS gewesen ist, WaS er für die Heimkehr, seines Volkes nach Erez Israel gewirkt hat, gehört der Geschichte an und wird aus unserer und unserer Nachkommen Erinnerung niemals schwinden. Wenn Herzl, ein neuer MoseS, dem Judentum wieder den Weg Wied, aus der Wüste des Galuth in die sonnige Heimat, so war Nordau der Rufer zum Streit, der sprachgewaltige Meister der Rede. Mit weisem Rat hat er Theodor Herzl und seinen Nachfolgern zur Seite gestanden, als ein Mann von weitem Blick und starkem Willen, und in unermüdlicher Treue hat er sein Können und sein persönliches Ansehen für die Wiedergeburt seines VolkeS eingesetzt. So stützt er vor uns als der große Volksführer und als der opferfreudige Sohn des JudentumS, das ihm unendlichen Dank schuldet. Wie könnten 'wir Nordau besser ehren als durch eine Schöpfung im Lande unserer Zukunft, alsivenn wir einen Teil deS uns treuen Bodens, in dem die Geschlechter unserer Vorfahren ruhen, mit seinem Namen verbinden! Dieser Boden, der für alle Zeit nationaler Besitz bleiben wird, soll uns aber nicht nur Erinnerungen an eine große und unvergeßliche Vergangenheit geben, sondern er soll eine neue Blüte unseres Volkstums erzeugen. Deshalb wollen wir die neuesten Errungenschaften europäischer Lebensführung nach dem Osten tragen in die neue alte Heimat, nach Altneuland. * Unsere Volksgenossen, die in engen Gassen und düsteren Stadthäusern verkümmerten, die bleich und engbrüstig während der Zeiten des Exils heranwuchsen, sollen wieder die Fühlung mit der Natur finden. Ihre Häuser werden in grünenden, lachenden Gärten liegen, umrascht von Bäumen, unter denen eine ktäftige und gesunde Jugend aufwachsen wird. Sonne und Licht sollen blaffe Wangen röten, und gesundes Blut in den Adern der Bewohner pulsieren lassen. Das Heimatgefühl muß mächtig erblühen durch die Liebe zur Scholle. Und diese Liebe wollen wir nicht nur den Söhnen der Bauern einpflanzen, sondern auch den Kindern der Städte, die lebendigen Erdgeruch atmen werden. Der Jüdische Nationalfonds kann NordauS Namen nicht besser ehren, als wenn er ben Boden für eine solche Gartensiedlung, die ״Nordau--Stadt". erwirbt, auf dem Wohnungen für eine große Menge von glück-?ich nach Palästina Heimgekehrten sich erheben sollen. Ooreefponäepzen. V. K. ״Makkabi", Brünn. Unser verdientes AuSschußmitglied 1. Schriftführer Herr Alfred D r u ck e r hat beide SchiedSrichterprüfungen Mit besonderem Erfolg absolviert und ist hiemit der 1. jüdische Schiedsrichter im mährisch-schlesischen Gau des tschechoslovakischen Fußballverbandes. Hedad! Eibenschitz. (Achtzigster Geburtstag.) Am 8. August 1919 feiert Rabbiner Dr. Hermann H a n d t seinen 80. Geburtstag. Mögen dem Jubilar, der seit 37 Jahren in der genannten Gemeinde wirkt und sich allgemeiner Beliebtheit erfreut, noch viele Jahre ungetrübter Gesundheit und rüstigen Schaffens beschiß den sein. Pretzburg. Hier wurde eine MiSrachi-Gruppe, die den Namen מזרח אגורה הציונים הארטהאדאקסים בפרעסבירנ trägt, gegründet, welcher bis jetzt 160 Mitglieder angehören. Der Ortsgruppe ist eine misrachistische Jugendgruppe angegliedert, welche weitere 100 Mitglieder umfaßt. ES sind Bestrebungen im Gange, eine gemeinsame Basis zur "Zusammenarbeit mit dem hier bestehenden Verein Jschub Erez Israel zu schaffen. Ueber daS Resultat der Verhandlungen wird noch berichtet werden. Weitere Misrachi-Grüppen bestehen in Galanta, Neutra. Auch in der Nordslovakei herrscht über.7 reges misrachistisches Leben. Wien. Am Sonntag, den 27. Juli, verschied hier der allgemein geachtete! Herr Moses Th um in, Sohn des berühmten Rabbiners Abraham Thumin, Berfas, ser des ״Cheffed le-Abraham", Rabbiners zu Buczacz, Bruder des Herrn Jsak I. Thumin, Präsidenten der galizischen ״AgudaS Jisroel". DaS Leichenbegäng fand Dienstag nachmittags unter großer Beteiligung statt. BreSlau. In wie weitem Maße sich Prof. Dr. B r a n n der Achtung und Wertschätzung seiner Mit- Menschen erfreut, war wohl am besten aus der großen Anzahl der Gratulanten,und der Fülle der Geschenke ersichtlich, die ihm an seinem Ehrentage zuteil wurden. Schon am zeitigen Vormittage fanden sich Freunde und Bekannte ein, um ihre Glückwünsche zum Ausdruck zu bringen. Es folgten alsdann die Vertreter der vielen Vereine und Korporationen, denen es zur Ehre gereicht, den hochverdienten Gelehrten zu ihrem. Mitgliede und Mitarbeiter zu zählen. Neben dem. Kuratorium der Fränkelschen Stiftung sprachen für den Vorstand der Synagogengemeinde die Herren Handelsrichter Mugdän und Max Markus, für die Nepräsentantenversammlung die Herren Studienrat Doktor Wohlauer und S. W. Meyer vor. Für die Gesellschaft der Wissenschaft des Judentums gratulierte Herr Gemeinderabbiner Professor Dr. Guttmann, der eine Festnummer der ״Monatsschrift der s- Judentums" überreichen konnte; ferner sprach eine Deputation der Unterstützungskaffe des Vereines israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen, die dem Jubilar einen Fonds von nahezu 6000 Mark zur Berfü« gung stellen konnte; dann gratulierten die Haushaltungs- und Industrieschulen für israelitische Mädchen durch den Mund des Herrn Justizrat Hirschberg, SchriftleitrOrg und Verlag der «Jüdischen Polkszeitung", die Lessingloge durch ihren Präsidenten und viele andere Korporationen. Von den übrigen Gratulanten seien noch Herr Gemeinderabbiner Dr. Rosenthal und die beiden stellvertretenden Gemeinderabbiner, die Herren Dr. Simonsohn und Dr. Sänger, erwähnt. Am Mittwochabend fand auf Veranlassung der ״Amicitia", deren Gründer Prof. Brann ist und die ihn gleichfalls in herzlichen Worten durch eine Abordnung gefeiert hatte, in der Leffingloge ein Kommers statt, der einen angeregten Verlauf nahm, und auf dem immer und immer wieder der Wunsch zum Ausdruck kam, Prof. Brann noch recht lange zu den Unseren zählen zu können. DavoS. Am 19. Juli hat, zum erstenmal in DavoS, in der jüdischen Heilstätte «Etania" im Anschluß an den Gottesdienst, eine Herzlgedenkfeier stattgefunden. In hebräischer und deutscher Sprache haben die Herren Rabbiner Dr. Krämer und E. ^Grünspan die Bedeutung des Tages und der großen Zeit, die wir erleben, gewürdigt. Israelitische KultuSgemeinde in Wie«. Z. 2149 ex 1919. Kundmachung betreffend die Errichtung von Minjanim für die hohen Feiertage 1. Der Vorstand beabsichtigt für den gegenwärtigen Bedarf an temporär« Bethäusern durch eigene Maßnahmen vorzusorgen und wird demgemäß nur im Falle tatsächlichen Bedürfnisses die Genehmigung für ein temporäres BethauS an Private erteilen. Hiezu ist im Sinne des tz 79 des Gemeinde-Statutes die Bewiüigung deS Kultusvorstandes vor Erlangung der behördlichen Genehmigung einzuholen und wurden hiefür folgende Normen festgesetzt: 2. Die Gesuche um Bewilligung sind bis lnägstenS 26. August d. I. im EinreichungS-Prowkolle der israel^ KultuSgemeinde, 1. Bez., Seitenstettengaffe 4, 2. Stock, zu überreichen. Später einlangende Gesuche werden zurückgewiesen. Auf nicht entsprechend belegte Gesuche wird keine Rücksicht genommen. 3. Die Gesuchsteller haben für sich und für die zu verwenden Vorbeter (die Namen derselben sind im Gesuch anzugeben) genaue Ausweise über Charakter, Moralität und Befähigung zu erbringen. 4. An weibliche Personen wird weder direkt, noch indirekt eine Bewilligung erteilt. 6. Die als Betlokale einzurichtenden Räume müssen sich für diesen Zweck vollkommen eignen und ist di5 Zustimmung des Vermieters, sowie des HauseigentümerS zur dieSfälligen Verwendung schriftlich beizubringen. 6. Wohnungen und andere Lokale dürfen nur dann zur Abhaltung des Gottesdienstes verwendet werden, wenn sie vollkommen ausgeräumt sind und an den Festtagen ausschließlich für den erwähnten Zweck benützt werden. 7. Für Lokale, in welchen während des Jahres Veranstaltungen stattfinden, deren Tendenz unvereinbar ist mit einer Stätte, an welcher ein Gottesdienst abgehalten werden soll, wird eine Bewilligung nicht erteilt. 6. Die Errichtung eines temporären Betlokales in der Nähe von ständigen Bethäusern wird in der Regel nicht bewilligt. 9. Ein Ankauf von Betsitzen seitens der KultuSgemeinde ist nicht zu gewärtigen. 10. Die Bewilligung wird den Betlokal-Jnhäbern nur unter der Bedingung erteilt, daß dieselben der Kultusgemeinde für unbemittelte Personen (Männer und Frauen) zusammen den zehnten Teil der von der Behörde genehmigten numerierten Sitzplätze unentgeltlich bis längstens 14. September 1919 zur Verfügung stellen. 11. Zur Sicherstellung der Einhaltung dieser Verpflichtung, sowie aller für die Erteilung der Bewilligung zur Errichtung eines temporären BethauseS gestellten Bedingungen ist eine Kaution zu erlegen, welche bei Nichteinhaltung auch nur einer dieser Ver- Pflichtungen für wohltätige Zwecke der Kultusgemeinde verfällt. Die zu leistende Kaution wird auf Grundläge der seitens der Behörde bewilligten Anzahl von Sitzplätzen mit je K 1.— für den Sitzplatz bemessen. 12. Der Text einer etwa beabsichttgten Annoneie» rung oder Plakatierung ist dem Gesuche zur Genehmigung anzuschließen. 13. Unmittelbar nach den hohen Feiertagen ist an den Vorstand der israel. Kultusgemeinde Wien ein Verzeichnis der beim Aufrufen zur Thora. erfolgten Spenden mit Namen und Adresse des Spenders, sowie genauer Bezeichnung des Zweckes einzusenden. ES ist Pflicht einer jeden Partei, für eine entsprechende Polizeiaufsicht auf eigene Kosten zu sorgen. Als ״HauSandachten" werden nur jene gotteSdienstlichen Uebungen betrachtet, welche! ohne jenl' Entgelt und lediglich Familienangehörigen zugänglich sind. Wien, im Juli 1919. Der Vorstand der israel. KultuSgemeinde. Josef Bendow: ״Der Lemberger Judenpogrom." November 1918—Jänner 1919. Aus dem Inhalt: Die Lage der Juden in Polen. — Ukrainer und Polen. — Die jüdische Neutralität. — Dies irae. — Wer hat den Pogrom angestiftet? — DaS Verhalten der polnischen ״Mitbürger". — Nach dem Pagrom. — Statistische Tabellen. — 28 Orig.-Aufnahmen. Preis Kronen 15.50* Jeder Kulturmensch mriß diese grauenvdlle Marthriologie gelesen haben t Eine erdrückende Fülle von Anklagematerial! Zahlreiche Originalaufnahmen aus der Zeit der Schreckenstage. Zu beziehen: Brünn, Adlergasse 9, sowie durch sämtliche Buch- Handlungen. Notkz. «labaster.Zahnereme macht die Zähne gesund und schön. — In Apotheken, Drogerien und Parfümerien in Tuben und Würfeln zu haben. ״Hick'ls jüdischer Bolkskalender"

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