Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XX (1919)
- Issue
- Heft 18 (11.7.1919)
- Date
- 1919-07-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Ctitt 6 Theodor Herzl. Von Israel Zangwill. Fahr wohl, mein Fürst, fahr wohl, du Held der Qual; Du träumtest einen Traum und zahltest den Tribut. Ein Voll erlöst allein der Führer Blut: So Gunst wie Hatz schleppt fie zum Marterpfahl. Dein Leib nur war-, der zog ins dunkle Tal. Der hehrste Geist in Juda wurde Glut, Die brennt in uns, entflammt zum heiligen Mut, Der uns verjüngt und uns erlöst einmal. So sehen wir dich, Feldherr, vor uns stehn: Ein stolzer Sieger noch im Untergehn, Die Fahne hoch, das Kampfhorn rufbereit: Dich krönt der Tod mit ew'gem Diadem. Wir aber schrei'n inbrünstig auf, im Leid: Im nächsten Jahr in Jerusalem! Brünner Nachrichte«. Der jüdische Bottsrat in Brünn. Wir wollen nicht die gewiß anerkennenswerte Arbeit des jüdischen BolkSrateS seit dem Umsturz hier breittreten. Jeder bewußte Jude weiß, was derselbe geleistet Hat zu einer Zeit, als sich in Brünn keine jüdische offizielle Stelle gefunden hat, die damals gewiß nicht sehr rosige Lage des jüdischen Volkes in Brünn zu׳ einer besseren gestalten wollte. Dem jüdischen Volksrat ist es in vielen einzelnen und,auch allgemeinen Judenfällen gelungen mit bestem Erfolge zu intervej nieren. Die Gemeinderatswahlen, deren Ergebnis für die jüdisch-nationale Sache einen vollen Sieg ■i sind vom Volksrat mit voller. Energie und Anspannung aller Kräfte geleitet worden. Auch den Einzug von 6 Zionisten in die Kultusstube hat der Volksrat ermöglicht. Nun ist aber die Zeit vorüber, wo dieser illegale Volksrat noch immer sich als legaler Vertreter des jübischen Volkes aufspielt. DaS ist ein Mißtrauen, wenn von vielen Setten nach einer Legalität des Volksratcs gerufen wird. ES geht nicht an, daß das jüdische Volk,' das selbst nach dem demokratischen Prinzipe der allgemeinen Wahlen schreit, sich selbst einen nationalen Vertretungskörper schafft, der aus ernannten Mitgliedern besteht^ Wenn wir reines HäuS verlangen, so müssen wir vor allem bei uns Reinheit fordern und deshalb müssen wir vor allem den in-den ersten Revolutionszeiten entstehenden BolkStat rasch wählen. י Man wird einwenden, daß das nicht so schnell geht, es mühten verschiedene Vorarbeiten gemacht werden, Wählerlisten angelegt werden u. dgl. mehr. Dann sei der MoöuS der Wahl noch nicht bestimmt. Alles recht schön. Aber wir haben ja hier eine national-jüdische Vereinigung, Mitglied derselbenkann nur ein volksbewußter Jude sein, die Propaganda zum Eintritte in die nat.-jüd. Vereinigung hat oder hätte schon längst ansetzen sollen. Mögen die Proponenten dieser Vereinigung die. konstituierende Versammlung einberufen und den Ausschuß wählen und dieser Ausschuß kann mit der Leitung der Angelegenheiten des VolksrateS betraut werden und vor allem müßte er den Auftrag bekommen, die Wahlen u. zw. alles was damit zusammenhängt, auszuarbeiten und die Wahl des gesetzmäßigen Volksrates in die Wege zu leiten, so daß zu Beginn des Herbstes der neue, aus den allgemeinen, gleichen, direkten Proportionalwahlen hervorgegangene Volksrat dastünde. Man konnte jetzt scheinbar mit Recht einwenden, warum eigentlich der alte Vol^Srat die Sache nicht ma- .chen soll. Nun aber scheint mir die Zusammensetzung des BolkSrateS unzulänglich, denn wenn wir einen spezielle jüdische Volksvertretung schaffen wollen, so ist nicht das 'Augenmerk hauptsächlich darauf zu lenken, daß alle politischen und religiösen Gruppen des JudentumS darin vertreten sind, sondern der ganze Volksrat wäre in Sektionen zu teilen wie politische, kulturelle, Handels- Rechts-, Gewerbe-Sektion, an der Spitze der׳ selben Hüfte ein bewährter Fachmann zu stehen, dem einige Mitglieder des BolkSrateS als Mitarbeiter beizugeben wären. Denn der Volksrat ist kein Verein, sondern eine Volksvertretung, die alle Interessen des jüdischen Volkes zu wahren hat. Also frisch ans Werk, der alte Volksrat ruft die konstituierende Versammlung der nationaljüdischen Vereinigung ein und übergibt vem neugewählten Ausschuß die Agenden de» jüdische BolkSrateS in Brünn. DaS wäre gut, um auch Verdächtipungen aus dem Wege zu gehen, die allerdings un. begründet -י sich langsam in Umlauf setzen. ׳ Dr. Grünfeld. Tal«rrd*LH«ra, Adlergasse 13. Knaben und Mäd. chen vom 6.—16. Lebensjahre erhalten in der öklaffi- V VNlipiüRf gen Bibelschule Unterricht im Hebräischen, Schreiben, Bibel, Lenach, Gemurah, Talmud. Anmeldungen im Sekretariat Adlergasse 12. » » « Donnerstag, 6 Uhr abends, findet im Sitzung?- saale der Kultusgemeinde, TheresienglaciS 11, eine Besprechung der Palästina-Interessenten statt. Zahlreicher Besuch wird erwünscht: ^orrespoaüeozea. St. Pölten. Am 22. Juni d. I. fand die Neuwahl des Kulturausschusses der israelitischen Kultusgemeinde St. Pölten statt, bei Welcher drei Parteien zur Wahlurne schritten und mit allen Mitteln ihren Kandidaten zum Siege verhelfen wollten. Den Sieg hat davongetragev die Liste des bisherigen Vorstandes, bis auf einige geringe Aenderungen. Die am 29. Juni stattgehabte konstituierende Vorstandswahl ergab folgendeS Resultat: Leicht Albert, Vorsteher; Samuel Mandl, Vorsteherstellvertreter; - Schwarz Siegfried, Beirat und Schriftführer; Placzek Simon, Kassier und Beirat; AuSschußmitglieder: Karl Frank, Bernhard Wulkan, Heinrich Spitz, Moritz Frischmann, Moritz Schanzer. Reichenberg. Bei der am 26. Juni 1919 erfolgten konstituierenden Sitzung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde Reichenberg zum Vorsteher Herr JUDr. Wilhelm Fleischer, Rechtsanwalt, zum Vorstc- Herstellvertreter Herr Ernst Sohka,Fabrikant, zum Tempelvorsteher Herr Siegmund Meller, Kaufmann, sämtliche in Reichenberg, gewählt wurden. Klattau. Die hiesige Chewra-Kadischa hielt dieser Tage ihre Generalversammlung ab, die von 66 ordentlichen Mitgliedern besucht war. Den Vorsitz führte der Obmannstellvertreter, KultuSborsteher Herr Josef F e i g l. Der Schriftführer, Herr Ignaz P 0 l l a k, erstattete einen ausführlichen Bericht über die Tätigkeit der Brüderschaft in der verflossenen Periode und gedachte der Verdienste des unlängst verschiedenen langjährigen Obmannes, Herrn Simon Hahn; auch weihte er den für das Vaterland gefallenen Mitgliedern, sowie den hier beerdigten polnischen Flüchtlingen Worte innigen Gedenkens, die stehend angehört wurden. Die Namen der Mitglieder, die auf dem Felde der Ehre geblieben, werden laut Beschlusses der Versammlung durch ein besonderes Erinnerungszeichen auf dem Friedhofe verewigt werden. DaS Vermögen der Chewra beträgt außer einem wertvollen reichen Inventar K 22.400.19. Kultusvorsteher Herr Josef Feigl toiuta einstimmig zum Ehrenmitglieds des Vereines ernannt. In den Vorstand der Brüderschaft wurden gewählt die Herren: Leopold Schleißner, Wilhelm Bruml, Eduard Löwy, JonaS, Steiner, MUDr. Nathan Reiser, Friedrich Frankl und Ludwig Kraus, als Ersatzmänner die Herren: Friedrich Flusser, Sigmund Benesch und Ludwig KrauSkopf. ' Die hiesige Kultusgemeinde hat mit Rücksicht auf die noch immer herrschende Teuerung abermals die Gehalte ihrer Beamten und Angestellten entsprechend erhöht. — Da keine einzige der politischen Parteien für die am 15. d. M. stattgehabten Gemeindewahlen einen Israeliten kandidierte, einigten sich die hiesigen Zionisten und die sogenannten tschechischen Juden dahin, einen eigenen Kandidaten, und zwar den Herrn Franz Lanner, Brauhausbesitzer, zu wählen. Obwohl einige Jsraelitey fahnenflüchtig wurden, ging Herr Lanner mit 219 stimmen siegreich aus der Wahlurne hervor. Bei dieser Gelegenheit bemerken wir, daß der Genannte schon vorher durch viele Jahre ein verdienstvolles Mitglied des Klattauer StadtverordnetenkollegiumS ge- Wesen. Jerusalem. Bei einer Konferenz der Rabbiner PalästinaS kamen verschiedene Probleme zur Sprache, die für den Aufbau deS Landes von Wichtigkeit sein werden. ES wurde die offizielle Anerkennung des Sabbatb als jüdischer heiliger Ruhetag postuliert, der allgemein durchzuführen ist. Ein Gerichtshof »Beth Din" zur Beurteilung religiöser Fragen soll errichtet und mtt weitgehenden Kompetenzen auSgestattet werden. Die genauere Festsetzung dieser Befugnisse bildet noch G׳> genstand der Beratung. Auch dem'Schulwesen und dessen Ausgestaltung wurde eine längere Aussprache ge- Widmet, besonders wurde eine tiefere, religiöse Erzie. hung verlangt, und das Hebräische soll überall die offi» zielle Erziehungssprache werden. Ein flammender Protest gegen die Pogrome im Osten Europas wurde am Schluß der Tagung entgegengenommen. Die AuSarbLitung der Anregungen wurde einem permanentru MabbinatS-AuSschUß übertragen, der sich au» allen Tel. -len des Lande- -usammensetzt. . Nr. rs .. .r--r-1 ,■■ווי.. .. ' .. I ■ 1 ., ,rr-tn -ר. r, ■T . nimm Vom tschechische« Nationalrat. Tschechische Rationalversammlung. Die Juden sollen Mitarbeiten. Prag. Im Verläufe der Budgetdebatke erklärte der Vorsitzende des Klubs der nationalen Sozialisten, Slavitschek, daß alle Parteien für das Budget sind und der Regierung also das Vertrauen auSdrücken. Tatsächlich sind aber alle Parteien vom Mißtrauen zur Regierung erfüllt. In Wien habe die Regierung fachliche Vorschlage, die i «^Plenum in einer anderen als der deutschen Sprache erstattet wurden, sich übersetzen lassen und die Fachleute dann sehr oft zu Enqueten herbeige» zogen. Bei uns ist das nicht der Fall. Der Redner hofft aber, daß die künftige Regierung den fachlichen Vorschlägen mehr Aufmerksamkeit schenken werde. Er weist auf die zielbewußte Handelspolitik Deutschlands, Englands und Amerikas hin. Wir werden,׳ sagt er, in die Welt gehen, wie ein neugeborenes Kind, das noch nicht gehen kann. Statt der Syndikate würde ich alle Juden in dev Provinz heranziehen, damit sie für die "Republik arbeiten, denn sie haben die Praxis und würden mehr leisten als die Syndikate. (Lärm und Widerspruch.) Slavitschek: Denken Sie darüber, wie Sie wollen. Ich habe meine Erfahrungen. Vor einer jüdischen Jrrcdenta brauchen wir uns nicht zu fürchten, wenn wir den Juden die Möglichkeit geben, sich auf dem Bo» den der Republik zu betätigen. Wenn hier gesagt wird. Sparen, Sparen, Sparen, so frage ich, wer sparen soll. Der Arbeiter von seinem Wochenlyhn, der Gewerbetreibende, wenn er die letzten Stiefel hat? Oh! Die werden die Republik nicht Herausreißen. Ich bin der Ansicht, man lasse sie verdienen und bezahle sie ordentlich und schicke sie dann frisch-fröhlich in die Welt hinaus.' Nach depi Abgeordneten Dedic sprach der Vertreter der Volkäpartei, Dr. Mazanec, der sich mit den Verbältnissen in den einzelnen Industriezweigen ' beschäftigte und auf die Rede SlavitschekS reflektierte. Ick׳* ׳' dafür, sagte er, daß unsere Leute den Juden das Gute abgucken und dann selbst die Arbeit übernehmen. Bezüglich der Minderheiten müssen wir uns auf den Standpunkt stellen, daß alle, die für den Staat fühlen, die volle Gleichberechtigung haben müssen. Danksagung. Für die mir anläßlich meiner Ver- ,lobung erwiesene Aufmerksamkeit spreche ich hiemit meinen herzlichsten Dank auS. — Rabbiner Dr. E. Landau, Strakonitz. SSWS8SS»WS»sSS«S»Mi»SS«SSS^MSM Lustige Ecke. Hersch Ostropolsker im Streite mit seiner Gattin. Einst geriet Hersch mit seiner Gattin in Streite Und da sprach er zu ihr zornig: »Du bist mir schlimmer als 10 Meschumodim (Täuflinge)!" Auf Befragen eines- Freundes, der dies' hörte, warum er sein Weib gerade als Meschumodim schlimmer hält, erzählte er ihm folgende Geschichte Einst ging ich durch /'ein Dorf und da ich hungrig war, ging ich zum Dorfsjuden und bat ihn mir essen zu geben. Meine Bitte wurde willfahrt. Beim Mittagmahl stellte mir der Jude den 'Antrag seine heiratsfähige Tochter zu ehlichen, indem er mich als einen Junggesellen hielt. Ich widersprach nicht und ging, darauf ohneweiters ein. Der Jude verpflichtete sich außer eines entsprechenden Heiratsgutes, Aussteuer für seine Tochter, auch 5 Jahre für den Lebensunter, halt des jungen Paares zu sorgen. So'wurde die Verlobung geschlossen. Indessen traf der Mann alle Vorkehrungen für die Hochzeit, es wurde rasch die Aussteuer für seine Tochter bestellt. Bald kam der Hochzeitstag. Es wurden Verwandte und Bekannte geladen und für die Feier viele köstliche Eßgerüchte vorbereitet. Mir war es ganz recht: an dem Mädchen hatte ich nichts auszusetzen, und schließlich wäre es mir gut und vollkommen sorgenlos ergangen. Aber ich entsann mich bald, daß ich ein Leid, ein Weib daheim habe und ich mußte auS der Klemme heraus. Am Hochzeitstage sprach ich zum Brautvater: Es ist Gepflogenheit in meiner Familie, daß der Bräutigam, bevor er unter dem Trauhimmel kommt, alle Mackel mit die seine Familie behaftet ist, dem Brautvater zu gestehen, um für sich eventuell später Vorwürfe ersparen. Daher sage ich euch: ich habe einen Bruder, der seit Jahren in einem- Irrenhaus ist. Der Brautvater machte eine ärgerliche Miene, schließlich aber sprach er: »macht nichts!" Nur: sagte ich ihn: wisset, daß meine Schwester keinen moralischen Lebenswandel hat. Aber auch diesen Fehler nahm der Mann mit halber Kaltblütigkeit zur. KenntntS. Ein Bruder meiner Mutter, sprach ich weiter, hat׳ sich «n eine christliche Magd verliebt und hat sich ihr zuliebe taufen lassen. Der Brautvater zeigte sich darü»- her sehr gekränkt, doch sprach er: »macht nichts". Nun: