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Jüdische Volksstimme · 1919-06-20 · Heft 15 (20.6.1919) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 15 (20.6.1919)
Date
1919-06-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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WWWMIW» wNwp1Hlt Nr. 15 ■ i mm 0 / meist Satiren, doch fehlt es auch nicht an ernsten De. trachtuntzm. Für uns Juden liegt in den Sichtungen Immanuels ein doppelter Wert, da er uns echt JüdifcheS gibt und dabei in seiner Form ein Vertreter der italienischen Renaissance ist. Sin Vesehl des Generals Haller. Krakau. General Haller trat gegen die antijüdi. schen Exzesse mit folgendem Befehl auf: »Soldaten l Zu meinen Ohren gelangten Klagen der jüdischen Bevölkerung, -atz polnische Soldaten ihnen gegenüber in einer Art und Weise auftreten, die dem Mute und der Ehre des polnischen Soldaten nicht entsprechen: zum Beispiel, daß fie (die Juden) von euch geschlagen werden, daß Wehrlose verwundet und misshandelt, wobei auch das Hab und Gut vernichtet wird. Solches Vorgehen ist unwürdig eines polnischen Soldaten, welcher einer heiligen Sache dient. Alle diejenigen, die sich die Verfolgung irgendwelcher Bevotterung zuschulden kommen lassen, werde ich strenge be. strafen und dem Feldgerichte ausliefern. Der polnische Soldat soll sich immer durch gutes Verhalten auSzeich« neu, bei jedem Bürger des polnischen Staates, jedweder Nation und Konfession, soll er immer und überall den Eindruck eines Soldaten hinterlaffen, der einer grossen Sache ergeben und nur von einem Gedanken des WiederaufbaueS seines Vaterlandes belebt ist. Obiger Befehl ist allen mir unterstehenden Abteilungen vorzulesen." t Aus der ״AgudaS Ji8roel"-Bewegung. > Die Palästinabank. Bekanntlich hat die in Zürich stattgefundene Weltkonferenz der jüdisch-orthodoxen Verbände die Gründüng einer Palästinabank .beschlossen. Als Hauptsitz waren London oder Newhork gedacht. Der Bankrat, dem u. a. Salh Guggenheim (Basel), Julius Holländer (Kopenhagen), Leo Wreschner (Frankfurt a. M.), A. Hornstein (Kiew), Nachum Rosenfeld und I. Rosenbäum (Warschau) angehören, hat zwecks schneller Orgänisierung der Bank beschlossen, die Zentrale nach der Schweiz zu verlegen. Gleichzeitig sollen in den derschiedenen Ländern Filialen gegründet werden. Die Bank wird den Namen »Jüdische SiedlungS- und Handelsbank für Palästina" führen. Zweck der Bank ist:׳Unterstützung aller Unternehmungen in Palästina, die sich bestreben, Palästina im Geiste der Thora zu entwickeln. Das Aktienkapital besteht aus 100.000 In- Haber-Aktien zu Fr. 100.—. «nitta Müllerin -er Schweiz. Frau Anitta Müller hielt am 7. Juni in Zürich -yn überfüllten Saale des Glockenhofes einen Lichtbildervortrag über jüdische Gegenwartsfragen. Der Vortrag wird in Bern, Basel und St. Gallen wiederholt werden. Den Bemühungen Frau Müllers dürfte es voraussichtlich gelingen, bei den Behörden die ErlaubniS zu einem zweiten jüdischen- Kindertransport, welcher Ende August stattfinden soll, zu erhalten. Die Tagung der jüdischen Lehrerschaft findet am 29. Juni 1919, 10 Uhr vormittags im Kasinosaale in Olmütz statt. Tagesordnung: Begrüßungsansprachen. Wahl des Präsidiums. Tätigkeitsbericht der Schulkom- Mission des jüdischen Nationalrates. Referate über pädagogisch didaktische und wirtschaftliche Fragen. Freie Aussprache. — Zur Lehrertagung sind alle jüdischen Lehrer, Religionslehrer und Professoren, die Vertreter der Kultusgemeinden und politischen Judengemeinden wie die jüdischen Volksräte geladen. In WohnungSangelegenheiten erteilt Herr Ing. A. Spitzer, Olmütz, Straße der Tschechoslovakischen Legionen 106, bereitwilligst Auskünfte. Märchenschlösser.*) Geschloffenen Auges all den Glanz genießen. Den sanft des Mondes Schale auSgegoffen, Auf Baum und Busch, die ineinanderfließen Zu seltsamen Gestalten, traumentsproffen. Und träumen: in des Abends Waldverliessen Sinh Märchen, blütenholde, eingeschlossen . . . \ Wie tut das wohl: die Wirklichkeit ließen Uns nie so träumen, süss und unverdrossen. — Und während unsre Träume sich auf Düften Wie Kähne auf beglänzten Wellen wiegen, Entwirren sich zu Schlössern in den Lüften Die Märchen, über denen Kronen liegen ... Da rauscht e» in den Höhen . . . Dunkle Hände Erschüttern unsrer Märchenschlösser Wände. *) AuS Marek Scherlag: »In der Fremde" bei Axel Juncker, Berlin. Opfer. Bleiche Sterne sind in Traumen Freudeloser Jahre, Wie verwelkte Blumen säumen Sie des Glückes Bahre. Auf Altären Qualm und Flammen, Müder Herzen Reste, Wirft ins Feuer deiner Trauer Früh verdorrte Aestel Schreite aus den Dämmernissen Lichtbereit zum Feste! Rosen, Lilien und Narzissen Sind willkommne Gäste. Kaum erklingen die Fanfare«, Wirst du tief erbeben. Lange wahrt kein Fest auf Erden, Opfer heischt' LaS Leben. \ Opfer bringe seelengerne, ' ' Und des Herzens Flammen *! Werden jene bleichen Sterne ' Mächtig neu entflammen. Und wenn deine lichten Träume Dämmersanft versinken, ' Wird ihr Abglanz deinen grauen Nächten tröstend winken. י ־־־־ hgbriteehe Monatssahrift. Homfpondengen, Wien. (Trauung.) Sonntag, den 1b. Juni 1919 fand die Trauung des Fräulein Mhriam Mayersohn, Tochter des Herrn Rabbiner Mayersohn, mit Herrn Dr. Markus Grohfeld statt. Israel. ReligionSlehrerstelleu. Für das Schuljahr 1919—20 dürfte sich voraüSsichtlich im Wirkungsbereiche der israel. Kultusgemeinde Wien Bedarf an Lehrkräften für den ReligionSunterricht an Volks-, Bürger- und Mittelschulen ergeben. Für geeignete Bewerber empfiehlt es sich dringend unter Vorlage des Lebenslaufes, der Studien- und Verwendungsnachweise usw. ihre schriftlichen Meldüngen beim Vorstände der israel. Kultusgemeinde Wien, 1. Bez., SEHrstettengaffe Nr. 4, sofort einzubringen. Köln a. Rh. Das hundertjährige Bestehen des Jsr. Frauenvereines, vereinigte Damenund Herren der jüd. Gemeinde Kölns zu einer festlichen Versammlung. Frau Geheimrat Auerbach gab. in der einleitenden Festrede ein Bild des Wirkens-des Vereines in der Fürsorge für arme, kranke und hilfsbedürftige Israeliten. Die Geschichte des Vereines fällt mit der Geschichte der Juden in Köln seit ihrem Wiedereinzug nach der französischen Revolution zusammen. Das ursprüngliche Arbeitsgebiet, Unterstützung und Pflege armer Patienten und Wöchnerinnen und Verrichtung der vorgeschriebenen frommen Handlungen bei sterbenden Glaubensschwestern, hat sich nach und nach erweitert. Im Jahre 1878 wurde die erste Anregung zur Gründung einer Waisenstiftung gegben. Der Gedanke, zum Jubelfeste dem Verein die Mittel zum Bau einer Lungenheilanstatt mit streng ritueller Verpflegung zur Verfügung zu stellen, wurde einmütig ausgenommen. Geheimer OberregierungSrat von Hobe überbrachte die Glückwünsche des Regierungspräsidenten, Beigeordneter Dr. Billstein betonte im Aufträge des Oberbürgermeisters, wie dankbar sich die Stadt Köln der Dienste erinnert, die ihr der Verein in den langen Jahren seines Bestehens geleistet habe. Herr Siegfried Simon entbot die Glückwünsche des Vorstandes der Synagogengemeinde, Herr Feilchenfeld die des Israelitischen Unterstützungsvereines. Weiter begrüßten den feiernden Verein Pastor Fritze als Präses der evangelischen Gemeinde Kölns und eine Vertreterin der Ortsgruppe Köln des deutsch-evangeliicyen Frauenbundes. Marienbab. (Be r s ch i e d e n es.) Der Vorstand der hiesigen isr. Kultusgemeinde hat in seiner letzten Sitzung des verstärkten Vorstandes dem Herrn Rabbiner Dr. I. Diamant in Anbetracht seiner großen Verdienste als Rabbiner, Religionslehrer und Seelsorger unserer Gemeinde einstimmig und debattelos das De» finitivum verliehen, und wurden ihm in einem überaus schmeichelhaften Begleitschreiben für seine .,besondere achtunggebietende Tätigkeit im Dienste unserer Gemeinde die vollste Zufriedenheit und Anerkennung des Gesamtvorstandes zum Ausdruck gebracht. Mit dieser Verleihung wurde dem Herrn Rabbiner, aber auch dem Herrn Oberkanteor und dem Herrn Kantor das Gehalt entsprechend erhöht und die Heuer bereits gewährte Teuerungszulage neuerdings um SO«/« erhöht. Diese GehalSregulierung tritt rückwirkend mit 1. Jänner 181» in Kraft. Diese Beschlüsse gereichen der Gemeinde ebenso* zur Ehre wie den Ausgezeichneten und kann dieses Bor» gehen gar mancher Gemeinde speziell in Böhmen als Muster gelten. — Dem demokratischen Zug der Zeit ent» sprechend hat der verstärkte KultuSvorstand seine Statuten dahin abgeändert, daß nunmehr auch dem OrtSrabbiner und den übrigen Gemeindebeamten nicht nur aktive, sondern auch das passive Wahlrecht zuerkannt wurde. — Zu der am 16. Juni d. I., stattgehabten Wahl in das GemeinderatSkollegium der hiesigen Stadtgemeinde haben die Juden eine eigene Liste aufgestellt und die Einmütigkeit unserer Glaubensgenossen hat eSbewirkt, dass ihnen drei Mandate, darunter ein StadtratSmandat, zufiel. ES ist dies somit ein Verdienst unserer Heranwachsenden Jugend, die schon im letzten Winter gar manche schöne Probe nicht nur ihres Missens und Könnens, sondern auch des .7-cl׳׳s.- bewußtseinS erbracht hat. Brümer Nachrichten. Die Mißwirtschaft in der Brünne» Gemeinde- Bibliothek. Möchte in Ihrem gesch. Blatte aufdie schrecklichen Mißstände in der hies. Gemeindebibliothek hinweisen. Ich benötigte ein Buch und sprach diesbezüglich dort vor. Aber da wurde mir mit Achselzucken bedeutet,- daß gerade ein Katalog angelegt werde, und auf Anordnung des Dr. Maatz kein Buch verabfolgt werden dürfe. DaS verlangte Buch sei übrigens entliehen. — Zufälligerweise hatte gerade dieser angedurye Entleryer mich veranlaßt, persönlich das Buch anzufordern, das׳ mir dann ohneweiters ausgefolgt wurde. DaS Buch lag - also oben, wie ich ruhig behaupten durfte. Da erklärte man mir wieder, Dr. Maaß wäre abgereist (merkwürdigerweise sah. ich ihn am selben Tage noch spazieren gehen!) und habe die Schlüssel zu der Bibliothek ber sich. Ich frage nun, weshalb hat Dr. Maaß die Schlüssel nicht einem Vertreter übergeben, frage ferner wozu eigentlich eine Bibliothek vorhanden sei, wenn nicht für׳ ihre Benützer! Es ist eben auch hier die echt jüdische׳ Schlamperei, die darauf hinausläuft, dem Publikum nur unnütze Schwierigkeiten zu bereiten, im Gegensätze zu anderen Bibliotheken, wo alles und ohneweiters zu haben ist, und sich nicht einer auf den anderen auszu» reden sucht. Ein BibliothekSbesucher. Ein FerialkurS zur Heranbildung jüdischer ReligionS-; lehrer. Die Auflösung der deutschen Schulen resp. die Pen-* sionierung der jüd. Lehrer, macht es zur dringenden Notwendigkeit einen Teil der KultuSbeamtex für diesen Unterricht schon für das kommende Schuljahr heranzu» bilden. Da eine Anstalt zur Heranbildung von ReligionSlehrern in Mähren, Schlesien und Böhmen nicht existiert, sieht sich die Schulkommission der - Thora, Adlergaffe 9, genötigt, einen FerialkurS zur Einführung in die Disziplinen deS jüd. ReligionSunterrichtes zu errichten. — Alles nähere hierüber in der nächsten Nummer dieses Blattes. < Die Leitungen der Kultusgemeinden werden auf» gefordert, den für den Religionsunterricht in Betracht kommenden Personen die Möglichkeit zu bieten an den kurzen Kursen teilzunehmen. Anmeldungen find zu rich» ten an die Schulkommiffion der Talmud Thora, Brüun. Adlergaffe 12. Erfolg der Jüdisch-nationale«! Die Gemeinderatswahlen ergaben für die Jüdisch-- nationalen einen glänzenden Erfolg. In Brünn erscheinen als gewählt: Dr. Artur Feld» mann mit 1365, Dr. Felix Loria, »Pökle Zion", mit- 1163 Stimmen. In Prag: Dr. L. Singer, Dr. E. Fischl, Dr. Sal^ Lieben, Prof. Artur Pollak, Poale Zionist, 1326. In Karolinenthal: Emil Rosenberg, Dr. Rudolf Beck, Ignaz Brba. In Sönigl. Weinberge: Norbert Adler, Ernst Pollak. In Pilsen: 1 Mandat. In Leitmeritz: Dr. Emil Margulies 246. In Komotau: Dr. Schlagmann. In Teplih-Schönau: Ernst Bechert, Dr. F. Seide» mann, Ludwig Steiner. f In Brüx: Dr. Stern. In Postelberg: Glaser. In Lrebitsch: Dr. Julius Subak, Alois Benesch^ Rax Putzker. In Visen-: Gerson Königstein, Emil Deschek, Adolf Löwy, Isidor Redlich, Leopold Herbatfchek, Bernhard Sommer, Josef Gross.

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