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Jüdische Volksstimme · 1919-05-23 · Heft 12 (23.5.1919) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 12 (23.5.1919)
Date
1919-05-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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WES Aßm* **mm*? Nr. 12. Vettochtung über da» Wesen de» Zionismus, das in bim Erstreben zur radikalen Lösung des Judenprabrlms sowohl in politisch-wirtschaftlicher alS auch rrti- -ÄÜultureller Hinsicht bestehe, ging der Referent zur Kritik der Haltung der Orthodoxie gegenüber dem ZioniSmus über und versuchte die von ersterer geltend gemachten religiösen Bedenken gegen ein, Eingliedern in die zionistische Organisation zu zerstreuen. — In der ׳-״ttsfioir öGG H«e Zahnarzt Shrmann den St 7 punkt der Orthodoxie klar. Frankfurt a. SJt Ei« gegearevolulionSr-antisemitifches Komplott in Budapest. - Zeitung«« VeröffenMchen eine kensationelle Enthüllung eines groß angegelten Putsche» der gegenrevolutionären Kreise unter Führung des Oberstleutnants Dormandh. Die Gegenrevolutionäre wollten mit einem großen Pogrom beginnen. Tatsäch-!ich waren bereits seit einigen Tagen an vielen Straßenecken Plakate erschienen, die zu Pogromen gegen die Juden aufreizten und fälschlich mit dem Namen der Arbeiterpartei unterzeichnet waren. Die Führer der Verschwörung rekrutieren fich fast ausschließlich aus antisemitischen Kreisen. Die meisten Führer der Verschwörung find verhaftet.- Die Erhaltung Altjerusalems. Auf Anregung des gegenwärtigen- Gouverneurs von Jerusalem ist ein umfassender Plan für die Erhaltung von Altjerusalem und die Erweiterung der neuen Stadt geschaffen worden. Der Pla^ teilt, nach dem «Neuen Orientdie heilige Stadt 'in vier Zonen ein. Die erste Zone schließt die Stadtteile innerhalb der Stadtmauern in fich, innerhalb dieser Zone wird jeder Neubau׳ streng verboten. Die zweite Zone umschließt das frühere Hotel Kaminitz, das HauS Bogorry, das HauS -er syrischen Katholiken, däs St. PaulShospiz, den Bau Gottfrieds von Bouillon, den GethsemanSgarten, die Gräber deS Kidrontales, den christlichen Berg Zion und einen Teil östlich der Straße von Bethlehem nach dem französischen Notre-Dame-Hospiz. Auch in dieser Zone wird nicht mehr gebaut werden. Die Gebäulichkeiten, die die alten Wälle berühren, wird man niederlegen. Die dritte Zone umschließt das französische HauS Notre-Dame, die Siedlung der Dominikaner, daS Haus Grey Hill, den Oelberg, den Berg der Aergerniffe, den Bahnhof, einen Teil von ^rkophonrie, die Niederlassung der Rosenkranzschwestern, der Lazaristen, der Gariteschwestern. Um,innerhalb dieser Zone batten zu dürfen, muß eine besondere Ermächtigung eingeholt werden, die unter bestimmten Anordnungen erteilt wird. Die vierte 30ne| endlich ist das Gebiet von Neujerusalem. Für diese Neustadt ist ein genauer Plan entworfen mit dem ganzen Straßennetz, öffentlichen Gärten usw. Diese Zone erstreckt fich gegen Norden bis zu den Biothergräbern, gegen Westen bis an die St. JöhanneSstraße und, Len westlichen Rand des hl. Kreuztales, Catamon inbegriffen, gegen Süden zieht sich die Zone bis 1200 Meter südlich des Bahnhofes. I Antisemitische Freiwilligenwerbung. Zu der bereits gemeldeten antisemitischen Freiwilligenwerbung wurde in-derPressekonferenz von der zuständigen Stelle folgende Mitteilung gemacht: Der Mit- Unterzeichneter des Werbeplakats Potthof hat sich wieverholt an LaS Kriegsministerium gewandt^ man möge ihm mit Werbungen beauftragen, was jedoch jedesmal abgelehnt wurde. Auch die Anträge Potthofs, ihm Geldmittel zur Verfügung zu stellen, sind abgelehnt worden. ES kann sich bei den fraglichen Werbungen nur um eine bewußte. Irreführung handeln. Dem Unfug wird gesteuert werden. Das Presieamt deS Kriegsministeriums teilt noch mit: Der Aufruf ist eine willkürliche Arbeit des VerfasserS. DaS Kriegsministerium hat mit diesem Aufruf nichts zu tun. Ritualmordhetze. Der famose »Ausschuß für VolkSaufklärungmacht nicht nur in unbefugter Gründung antisemitischer FreikorpS, sondern er sucht auch gleich daS Feld für Pogrome zu ebnen, die wahrscheinlich von seiner Freiwilligentruppe militärisch geleitet werden sollen. Im «Berl. Tagebl." wird ein Aufruf dieses Ausschusses wiedergegeben, der in blödester Form das Ritualmordmärchen aufwärmt. Da wird erzählt, daß 100 Kinder in Berlin ermordet und zu Ziegenwurst verarbeitet worden wären. Im Anschluß daran, heißt es: Ist e» denen unter solchen Umständen auSgeschlosfen, daß Tausende von Kindern noch weiter abgeschlachtet werden und schon geschlachtet find? Seht ihr denn nicht, daß auch euren lieben Kindern das gleiche Los droht?! Wir wissen ja alle, daß bestimmte Sekten zur Auffrischung ihre» minderwertigen Blutes aus rituellen Gründen ihre« Opfern unter den grausamsten Qualen das Blut abzapfenk Ist es nicht sonderbar, daß so viele Kinder zur Zeit der Ostern verschwanden, zur Zeit, da gerade die altem Opfer gefeiert wurden? Deutsche Vater! Wollt ihr euch und euren Kindern ein gleiches Schicksal bereiten? Rafft euch auf und schafft wieder Ordnung im Reiche! Vernichtet und tötet alle» die fich gegen die göttliche Ordnung erheben! ES ist höchste Zeit! Fort mit den Verbrechern! ES ist unseres Erachtens höchste Zeit, daß dieser Gesellschaft gründlich das Handwerk gelegt wird. Diese Hetze zu Gewalttätigkeit von rechts übersteigt alles, was je von spartakistischer Seite geschrieben oder geredet worden ist. »Vorwärts-. Schwei». Vom Zentralbüro der «AgudaS JiSroel" erhielten wir folgenden Aufruf mit der Bitte um Veröffentlichung. Rettet Jerusalems Lhorastättenl Wir erhielten folgendes Telegramm aus Jerusalem: Zionistische Kommission suspendierte jede Unterstützung der Jerusalemer Talmud Thoraschulen und JeschiwauS. Vollständiger geistiger Zusammenbruch droht. Beschleuniget Propaganda für Befreiung orthodoxer Erziehung. Rabbis Sonnenfeld, DiSkin und Waad Harr Aschkenasim. Die Autoritäten, die das obige Telegramm unterzeichneten, verbürgen vollkommen die gemeldete Tatfache. Nicht um wegen dieser Tatsache mit ihren Urhebern zu rechten, sondern um ihre erschreckenden Wirkungen zu beheben oder wenigstens zu mildern, wenden wir uns hiemit an die Oeffentlichkeit. Wer nicht will, daß die Pflegestätten der Thora aus Jerusalem, ihrer Urheimat, neuerdings verbannt, daß die bisher Jahr- Hunderte unter so schweren Opfern in der heiligen Stadt aufrecht erhaltenen Jeschiwaus und Talmudthora-Schulen gerade jetzt zerstört werden, helfe uns, sie erhalten. Schnelle Hilfe tut not. Steure jeder nach seinen äußersten Kräften bei. Zürich-London, im Nissan 6879. Für Histadruth Jeruschalajim (London) Oberrabbiner A. I. Kuck, Chief-Rabbi Dr. M. Uoung. Für Zentralbüro der AgudaS Jisroel Dr. T. Lewenstein. Zangwill-Anekdoten. Mit Bezug auf die Tatsache, daß zu allen Zeiten der Jude als Typus einer heruntergekommenen Raffe galt, während man sich eine Jüdin als schön und xomantisch vorstellte, fand Zangwill eine Aehnlichkeit in folgender Anekdote über einen Löwen und seinen Jungen. Ein alter Löwe, aus dem Walde kommend in Begleitung seines Stammhalters, .näherte fich einem Wirtshause, darin ein Bild an der Wand hing, auf dem ein Mann abgemalt war, der einem Löwen mit seinen Zähnen den Garaus machte. Der junge Löwe fragte den Vater, was das Bild bedeute. O, sagte der alte Löwe, das ist das Bild eines Mannes, der einen Löwen auffrißt. Aber, daS ist doch verkehrt; warum malt man denn nicht ein Bild, auf dem der Löwe den Mann verzehrt? Ja, meinte der Alte, wir Löwen haben keine Maler. Eine Dame von sehr impertinentem Charakter fragte den Novellisten, ob nicht eine der Hauptgestalten in den «Kindern des Ghetto" ihn selbst darstelle. Er gab keinen Bescheid darauf, um die Dame im Glauben zu lassen, daß seine Personen nicht nach der Natur gezeichnet seien. «Gut", platzte die Dame heraus, «ich gebe Ihnen die Versicherung, ich bin kein/ Heldenverehrer-. «Und ich kein Held-, war die prompte Antwort. * * In einem Hause des Chicagoer Ghettos wurde ein Schnorrer beim Stehlen eines silbernen Löffels betroffen. Bor Gericht gebracht, verteidigte er sich wie folgt: Indem ich den Löffel nahm, verletzte ich das achte Gebot «Du sollst nicht stehlen-; hätte ich aber de« Löffel nicht genommen, so würde ich daS zehnte Gebot verletzt haben, das da lautet «Du sollst nicht begehren-. In dieser Zwanglage nahm ich den Löffel, ohne ihn zu begehren. Ein Schnorrer flehte zum lieben Gott, er möge ihm 100.000 Dollars schicken, dann würde er davon 80.000 den Armen geben. Wenn der liebe Gott ihm das aber nicht glaube, so möge er ihm 80.000 senden und die an« deren 80.000 selbst den Armen schenken. » ' - Cinrat anderen Schnorrer, erzählt Zangwill. war eine Mitgift für die Tochter versprochen. Sie starb aber vor der Hochzeit. Einige Zeit nachher kam ersterer zu dem Banquier und verlangte das Geld. «Aber Eure Tochter ist ja gestorben", sagte der Banquier. «Das-, antwortete der Schnorrer, «wollen Sie au» ihrem Tode Nutzen ziehen?- Im Londoner Ghetto wohnen durchschnittlich vierundvierzig Parteien in einem Hause. «In manchen"» bemerkt Zangwill, «bewohnen bis vier Familien ein einziges Zimmer; wollen sie fich einen Scherz machen, so unterhalten sie sich über beabsichtigte — Aftervermietung.- e Koreefponäeozea. MiHlnz. Am 1. Mai d. I. erfqlgte die Konstituier runy des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde Mödling. Gewählt wurden als Kultuspräsident Here Dr. Ernst Moser, Kultuspräsidentstellvertreter Herr Direktor Siegfried StranSkh, 1. Beirat Herr Leopold Stößler, 8. Beirat Herr Ferdinand Diamant (zum Friedhof- und Tempelverwalter), Stellvertreter Herr Direktor Emanuel Kraus; ferner die Beiräte Herr David Rosenfeld zum Tempelvorsteher, Stellvertreter Herr Josef Fischer, Herr Jakob Kaufmann zum Kassier, Stellvertreter Herr Oberrevident Bernhard Seiden, Herr Josef Fischer zum Armenpfleger, Herr Oberreoident Bernhard Seiden zum Referenten für den ReligionSunterricht, zum Schriftführer Herr Bernhard Seiden; Finanzausschuß: zum Obmann Herr Leopold Stößler; Mitglieder: die Herren Ferdinand Diamant, Emanuel Kraus, David Rosenfcld, David Langfelder; Organisationsausschuß: zum Obmann Herr Direktor Louis Donnebaum, Mitglieder: die *Herren Siegmund Hochstädt, Hermann Szmetana, Moriz Ehrenfeld. Sa» lomon Eisler; ReUgionsreferent für den Gerichtsbezirk Liesing: Herr Direktor Siegfried StranSkh. Aussig. In der am 11. Mai l. I. abgehaltenen Sit» zung der Kultus-Repräsentanz wurden an Stelle deS aus Gesundheitsrücksichten zurücktretenden Vorstehers OSkar Pick und Vorsteher-Stellvertreter Dr. S. Mahler folgende Herren gewählt: Moritz Glauber als Dorsteher, JUDr. Hugo Pick als Vorst.-Stellv., Sigm. Holub (Lempelvorst.), Semin Katz (Tempelvorst.-Stellv.), Hugo Epstein (Kassier), JUDr. O. Schanzer, Prof. Derthold Weiß und Adolf Weigl als Beisitzer. Preßburg. Von unserer Gemeinde kann, man mit Berechtigung von 3 Epochen. Mittelalter, Neuzeit und teuerster Zeit sprechen. Mittelalter war für Preßburgdiejenige Zeit, wo man von Preßburg sagen durste Ir woem bejisroel, damals wurde diese Gemeinde von . Männern, deren Namen weltberühmt sind, geleitet. So- Leiter und Führer der weltberühmten Rabbinatsschulen: Mefchulem Jasmenitz, Chazem Sofer, deren weltlichen Beiräte, Brüll, Bettelheim, Pappenheim, Theben, Lemberger, Jaffe, Klinger usw. Genannte waren die kom- Petenten Faktoren für das gesamte gesetzeStreüe Judentum, aber auch die Behörden anerkannten sie als die Vertreter des Gesamtjudentums. Nach dieser Aera kam d§r zweite Abschnitt Chtsam Sofer s. A. Der auch heute noch zu den Koryphäen der Geistesheroen des Judentums gezählt wird, dessen Jeschiva noch heute auf der seinerzeitigen Basis geleitet wird. Auch damals standen Preßburgs Männer vor u. z. Abkömmlinge der einstigen Mahadrin, BettlheimS, PappenheimS usw. zur Seite und halfen den Ruhm der Grotzgemeinde zu erhalten. Nachdem die Schranken des Ghetto gefallen, erwuchs das Bedürfnis sich den Verhältnissen der Zeit anzupassen. Es begann eine Abbröckelung. Nun erachtete man es gefährlich. Zeitgemäßes einzuführen. Eine׳ Spaltung in der Gemeinde war die Folgeerscheinung. Durch Schaffung eines entsprechenden Statutes sollten die Bestrebungen den Konservativen gesichert werden. Von dieser Zeit beginnt die Dekadanzperiode. An leitende- Stellen wurden bloß Leute gewählt, die die Garantie boten, erwähnten Anforderungen nicht Genüge zu leisten. DaS Erziehungswesen wurde geändert. Als einziger Rest blieb die RabbinatSschule erhalten und bewahrte bis nun ihren Charakter. Mit dem allgemeinen Umsturz steht auch die Preßburger Judenschaft vor neuen Ausgaben, die nun die ganze jüdische Bevölkerung aus ihrem Schlummer rüttelt. ES ist Pflicht eines Jeden, insbesondere der wahrhaften jüdischen Presse,׳ alle Hebel zur Erhaltung und Neubelebung de» Jude«« tums in Bewegung zu setzen.

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