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Jüdische Volksstimme · 1919-05-16 · Heft 11 (16.5.1919) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 11 (16.5.1919)
Date
1919-05-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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MW 4 * ,♦"י - S^^WWWWWWMVW mtaUU tL vTWU "• Zechlrriche Inden haben ihre Wohnungen verlaßen und flüchten au» der Stadt. Vertreter der jüdischen Kultus, gemeinde sandten eine Deputation an die SicherheitSorgane «1t der Bitte, um Schutz für die jüdische Ge. vSkkerurH. Kropp»». Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde richtet einen für alle Mitglieder der Kultusgemefnde zugänglichen Lesesaal ein, in welchem die gelesenfte« jüdischen Zeitungen aller Richtungen aufliegen. Der Lesesaal Kudttchgasse 3) ist geöffnet jeden Frei-- tag nachmittags von halb 8 bis 7 Uhr, jeden Sonntag vormittag» von 10 bi» IS Uhr. Teoppa«. Ein Zeugnis von dem regsamen geistigen Leben unserer jüdischen Jugend gibt die künstlerische Veranstaltung, die im Rahmen einer Jugendakademie am 8. Mai der hiesige FrauenwohltätigleitS-Verein in Szene setzte. — Nach einem gefühlvoll vorgetragenen Prolog (Herta Klauber) zeigte daö Jugendorchester sein wahrhaft bewundernswertes Können in der Ouvertüre zu »Orpheus". Unter der temperamentvollen Leitung u. der vorzüglichen Organisation des schon von der letzten Festakademie in guter Erinnerung stehenden Bernhard Grün wurde dieses Glück mit Bravour absolviert, wozu nicht wenig Herrn Nichthausers Sologeige beitrug. — der zu Herzen sprechenden Rezitation von Boruchowitsch ״Traum" durch Leo Breda fanden SchmeidlerS Vortrag ״Die Hexe von Endor" (Münchhausen) und daS wohlklingende Duett (Erna Jelix—Leo Haas) des Mendelsohnschen Liedes ״Maiglöckchen und die Blümelei" die gebührende Anerkennung. Viktor Steuer im Dialog mit Grete Möller (als Sulamit) erwies ebenso wie seine Partnerin bei der von Zuckermann stammenden Nach- Lichtung doS ״Hohenliedes" sein reiches Talent für lyrischen Vortrag und freute später noch einmal bei dem im Melodramform gehaltenen Gedichte Zuckermanns ״Eine Kugel kam geflogen" und durch Münchhausens ״Rachab die Jerichomitin" mit seiner anpaffungSfähigen Stimme die Zuhörer. — Eine hervorragende Virtuofität im Violinspiel (Klavierbegleitung: Frl. Hilda Weinreb) offenbarte der durch seine Kunst schon bekannte Fritz Herlinger, der seine sichere Bogenführung in Dvorzaks ״Humoreske" und in der ״Polonaise" in daS hellste Licht setzte. — Die schönste und letzte Ueberraschung aber bot wohl das ״Schaferspiel", dessen Libretto von Leo Haas und dessen Vertonung von Bernhard Grün stammt. In diesem kapriziösen, reizenden Singspiel, dessen einfache und anspruchsvolle Art der Form an Mozart erinnert, tritt GrünS Begabung für schöne melodiöse Linienführung in der Komposition deutlich hervor. Eine angenehme Feinheit der Jnstrumentation erleichterte daS Verständnis der wohlklingenden Musik, welcher Gracie und Humor nachzurühmen find. DaS Spiel der Personen, welches sich äußerst sicher bewegte, war dann geeignet, eine gute Form des schönen Inhaltes zu bieten. Olga Felix als schalkhafte Schäflein sttimmte mit Herta Singermanns (als Schäser) angenehmen Organ harmonisch überein. Leo HaaS als Wanderbursch zeichnete sich durch Natürlichkeit aus und konnte mit Alfred Grüns humorvollen Baß Heiterkeit erregen. — Zum Schlüsse sei noch erwähnt, daß die Vignette des Programmes von Leo HaaS auSgeführt wurde. — Betrachtet man die Darbietungen des ganzen Abends, so kann man ruhig behaupten, daß sie weit hervorragend über gewöhnliche Dilettantenleistung waren; aus diesem Grunde wünschen wir die Wiederholung derartiger Veranstaltungen. IVITISIGITISISISISIGlsIslTlDlGlGiS׳ MH«rb.Her. LWS: Vertreter für vornehmes jad. Familienblatt ge• sucht Zuschriften unter: ״Mitarbeiter11 an die Admin. d. BL EISISISISIDISISISIDISISIDISISIGI Notiz. vejährize» Best»»dfest. Die autvr. Privat-Handel»- schule Ruprich in Brünn, begeht im heurige« Schul« stchre ihren vüjährigen Bestand und veranstaltet a» AL Juni L I. eine öffentliche Schulfeier. Ehemalige Schütc* und Schülerinnen werde« ersucht, an der Feier recht zahlreich teilzunehmen und ihre Adresse» der Direktion dekanntzugeben. »Miipnwr Ich habe die alte« Bücher. . . Ich habe die alten Bücher durchblättert und durchsucht Und fand deine großen Thaten verzeichnet und gebucht. Ich habe die alten Lieder gesungen; ich sang manch Lied, DaS einst au» deiner Ritte gewachsen und erblüht Und als ich die dämmernden Wege der tiefen Denker betrat. Traf ich von deinen Söhnen so manchen auf meinem Pfad. Und als ich hinauf zum Himmel der Kunst den Blick gewandt, Hab' ich unter all den Sternen auch deine Sterne erkönnt. Ich habe die Erde durchwandert, durchwandert und durchreist Und allerorten fand ich den Stempel von deinem Geist. Ich habe die Erde durchwandert, durchwandert kreuz und quer, BiS an die ragenden Berge, bis an das rollende Meer. Ich habe die Erde durchwandert, durchwandert, soweit daS Licht Der Sonne reicht und leuchtet: Dein Land — ich fand eS nicht. Berlin. Martin Friedlaender. Gorki über de« Antisemitismus. Unter dem Titel ״Ein Jahr russische Revolution" bringen die ״S. M.-H." aus Maxim Gorkis Zeitung ״Nowaja Shisn" auch folgende Aeßerungen des russischeu Dichters über den Antisemitismusu: .... Der Antisemitismus lebt aber fort. Er lebt allmählich, vorsichtig sein garstiges Haupt, zischt, verleumdet und spritzt den giftigen Speichel des Hasses um sich. — Was ist denn los? Man bedenke nur: unter den anarchistisch gesinnten Bolschewisten befinden sich zwei Juden. Ich glaube sogar, drei. Manche sprechen von sieben und find überzeugt, daß diese sieben Simons den von 170 Millionen Menschen bewohnten Tempel Rußlands niederreitzen werden. Das könnte man dumm und komisch nennen, wenn es nur nicht so gemein wäre. Der rachsüchtigeGott der Juden wollte eine ganze Stadt verschonen, weil sich in ihr unter lauter Sündern ein einziger Gerechter befand. Und Menschen, die sich zum milden Heiland bekennen, glauben, daß für die Sünden von zwei oder sieben Juden das ganze jüdische Volk büßen muß. Dann müßte man auch sagen, daß für den reinrassigen russischen Sünder Lenin alle Bewohner des Simbirsker Gouvernements sowie der angrenzenden Gebiete aufzukommen haben. Unter den Menschewisten gibt es sehr viel mehr Ju° den als unter den Bolschewisten; aber meine Korrespondenten stellen sich unwissend und tun so, als ob sie überzeugt wären, daß alle Juden Anarchisten seien. Das ist eine sehr üble Verallgemeinerung. Ich bin überzeugt, ich weiß, daß die Juden in ihrer Masse - zu meinem Erstaunen — viel mehr vernünftige Liebe zu Rußland zeigen als viele Russen. Die meisten merken eS nicht) obwohl es sehr in die Augen fallt wenn man die Artikel jüdischer Journalisten liest. Die ״Rjetsch", eine Zeitung, die man auch nicht lieben darf, die aber trotzdem Achtung verdient, hat sehr viele jüdische Mitarbeiter. Auch unter den Mitarbeitern der ״Nowoje Wremja" gibt eS Juden, aber diese Zeitung nannte vor nicht langer Zeit die ״Rjetsch ein ״Judenblatt". Die Mitarbeiter der ״Rjetsch" zeigen auch nicht die leiseste Spur von Sympathie für die Bolschewisten. ES gibt noch taufend andere Beweise dafür, daß die Gleichung: Jude — Bolschewik, eine dumme Gleichung ist, die von zoologischen Jnstintten gereizter Russen auiaettellt wurde. Ich werde die Beweise natürlich nicht anführen: anständige Menschen brauchen fie nicht, für die anderen find fie aber nicht überzeugend. Idiotie ist eine Krankheit die fich durch Suggestion nicht heilen läßt Kür diejenigen, die an dieser Krankheit leide«, ist e» klar: da e» unter den Juden sieben, nudeinhalb Bolschewisten gibt, so ist da» jüdische Volk an allem schuld. Folglich... Folglich beginnt der anständige und gesunde Russe wieder AnO und qualvolle Schande für sein Rußland Kt. 11. und für den russischen Dickschädel zu empfinden, der in schwierigen Lebenslagen seinen Widersacher immer außerhalb seiner selbst, nicht im Abgründe seiner ei genen Dummheit zu suchen pslegt Ich hoffe, daß meine zahlreichen Korrespondenten mit dieser Antwort über die ״Judenfrage zufriedengestellt find. Und ich füge noch hinzu, daß es für mich Liefe Frage überhaupt nicht mehr gibt. Ich glaube nicht an einen Erfolg der verleumderischeu Propaganda der Antisemiten. Ich glaube an die Vernunft des russischen Volkes, an sein Gewissen, an die Aufrichttgkeit seines Strebend nach Freiheit, die jede Vergewaltigung von Menschen ausschließt. Ich glaube, daß ״alles vergeht und nur die Wahrheit besteht." Jüdische Sprichwörter. ״Hab' müh wenig lieb und Hab' mich lang lieb." Erklärung: Prüfe, wem Du Deine Liebe zuwenbest, sonst bis Du im Anfang zu überschwänglich und erkaltest dann vielleicht bei näherem Kennenlernen. * O * ״Lieber von einem Chochem (Weiser) einen Patsche als von einem Schote einen Kuß." Erklärung: Eine Zurechtweisung von einem Wersen hat mehr Wert, als ein LiebeSbeweiS von einem Narren. * *• * ..Was ißt Du zu Nacht? Antwort: Aeppel und Rofinen wie alle Kinder." Erklärung: Soll zeigen, daß die Kinder wohlhabender Leute meistens gar keinen Begriff davon ha» ben, daß es auch Kinder gibt, die es nicht so gut haben wie fie. * * * ״Schänd ich meine Nas', schänd ich mein Gesicht." Erklärung: Wenn ich jemand, der mir verwandtschaftlich nahesteht, heruntcrsetze, setze ich mich dadurch׳ selbst herunter. * * * ׳.Eine Memme (Mutter) ist eine Memme, und eine Gitel ist eine Gitel." (jüdischer Frauenname) Erklärung: Die Mutterliebe kommt keiner andern gleich, niemand kann sie ersetzen. * * * ״Klags der Wand." Erklärung: Kein Mensch ist so verschwiegen, daß man darauf bauen kann, daß er das ihm Anvertraute nicht weiter erzähle. Die Wand ist stumm. * * »Schmus (rede) ihm die Jiroh (die gute Absicht) ein!" * •!,!•י Erklärung: Wenn man manchen Menschen einte* bet fiq seien gut, werden fie es auch manchesmal,- weil die gute Meinung ihnen schmeichelt. ״Ein Esel friert km SrädtH*!(Jüdischer: «o,״ ׳ fällt meistens mit Juni zusammen.) Erklärung: Wer im Tamus fich bei kühler Witterung nicht warm anzieht, weil es Sommer ist, ist ein׳ Esel. Lustige Ecke. Berl der Schreiber besorgte dem Rabbiner fett virlen Jahren sämtliche schriftlichen Arbeiten, ohne dafür auch nur mit einem Heller entschädigt zu werden. Sein Weib und Kind aber mußten daheim Hunger leiden. Ein mal sagte ein Bekannter zu ihm: ״Ich verstehe nicht, Berl, — Du bist doch a großer Narr. Zu Wa8 baruchst Du zu schreiben für den Rabbiner, wenner Dir nicht bezahlt?" — ״Nu", erwiderte Berl, ״und werirr ich werde nicht schreiben, wird er mir dann ja zahlen?" * Awrohom Steinbock läßt fich von einem bekannten Professor untersuchen und drückt ihm darauf ein Fünf- Markstück in die Hand. ״Da» genügt nicht mein HerrV bemerkt der Arzt und Awrohom bittet um Verzeihung: ״Entschuldigen Sie, Herr Professor, ich Hab gemeint, e» kostet nur 5 Mark und Hab mir deswegen nicht «ehe eingesteckt^ — ״Merken Sie sich'» für die Zukunft", sagte der Professor, ״daß ich für eine Konsultation stet» SO Mark liquidiere." — ״« so?" rief Lwrvhom, ״und׳ mir hat man gesagt: nor zehn." #

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