Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XX (1919)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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HHNllMtilli halbjährig . . t Krone« 126 6 ׳ gamüähria . ........ , K««en 24׳— DeulMan^^MjShri- . . , , . . Ma^ iS - '! - .'!!! S««iä 24׳- Herausgeber : Max Hlckl. Wien—Brünn. 1. Ißnasr tSIS. 26. ÜMh 5679 HaEm und «tzMnifirr^. WHfTgftff# f1 *\ Buchhändlerische Cetitetunc: vtts Älra«, KG-tz JüsevM: dsv 6-sMtige ZentrmscsLovrramnS K Unverlangte redaktionelle Beiträge werLO» nicht yones . riett. - MaquLkripte« ist Rückporw beizufLgen. Prag—Lemberg. Sin wahrhaft jüdisches Blatt, von keiner Partei abhängig ist die ״Jüdische VolkSstimme", Westen Herz noch für jüdisches Volkstum schlägt, wer treu zuyr Glauben seiner Väter hält, wer sich mit dem großen jüdischen Problem beschäftigt, wer jeder« -eit orientiert sein will über den Stand der jüdischen Fragen, abonniert die ״Jüdische. Volksstimme"! Der Leitartikel behandelt ein aktuelles Thema aus der Woche in prägnanter Form. Daß Feuilleton bringt Novellen, Skizzen, Erzählungen, Gedichte usw., aus der Feder talentierter und bekannter Autoren. Auch junge Kräfte kommen zur Sprache, denen wir Gelegenheit geben in die große Öffentlichkeit zu dringen. Ein buntes Allerlei vereinigt die Berichte über Theater, Kunst, Gesellschaft usw. Ferner. erscheinen in jeder NumWr: Interessante Aufsätze vö« heÄoMgenden WKW zisten. Literaturverichte hervorragender Kritiker. Illustrationen, Reproduktionen hervorragender jüdischer Künstler, Bilder aus dem jüdischen Leben usw. LergilbteBlätter. Unter dieser Rubrik sollen Dokumente über Juden und Judentum aus vergangenen Tagen der Öffentlichkeit zugängig gemacht werden. Unser Nachrichtendienst ist bestens organisiert? Korrespondenten aus aller Welt berichten über die Vorgänge der Politik, des Gemeinde-, Vereins- und gesellschaftlichen Lebens usw. Frei vom Partei-Fanatismus wird die «Jüdis ch e B o l k S st i m m e" zu allen Fragen Stellung nehmen, die das Judentum vom nationalen, religiösen und wirtschaftlichen Standpunkte betreffen, aber auch zu allen großen Fragen des Tages. In der' ״Jüdischen Volks stimme" soll fremhen Anschauungen Raum gegeben werden, sofern sie gut und ernst gemeint find. י Die ״Jüdische Volk Sstimme" ist ein Spiegelbild deS jüdischen Lebens! Wer die «Jüdische Volksstimme" abon-' niert, bleibt im ständigen Konitakt mit dem jüdischen Volke. Die Jugend, das Alter, der jüdische BaLtt, die jfe dische׳ Hausfrau finden einen treuen Freund an fiet ״Jüdischen-Volks stimmet Die ״Jüdische Bolksstimme" ist ei« Helfer der Bedrückten, SH ü tz e r d et - Schwachen, eine Tribüne für Jedermann! M. Scherlag. Gegen die Getaufte»!! In dieser schicksalsschweren Zeit, einer der schwersten Zeiten, die wir Juden durchmachen, erleben wir das Beschämende und empörende, daß sich Juden finden, die ihren Brüdern in den Rücken fallen oder dem jüdischen Volke den Rücken kehren. * Leibliches Wohl,rwenn fie lesen, daß irgend" ein absichtliche Zurücksetzung Bei der Beeidigung von Beamten begeht. Was? Sollen die Juden wirklich vorn Staatsdienst ausgeschlossen werden, flüstern die bleichen Nochjuden. Als ob sie es bisher gar so gut gehabt und die besten Staatsstellen besetzt hätten! Wer ist schuld daran, rufen sie. Die Nationaljuden, selbstverständlich. Als ob die Wolf, Teufel und Kemetter auch ohne die Existenz des jüdischen Nationalrates dieses Kunststück mit dem Nichtbeeidigen von Juden zuwege zu bringen nicht versucht hätten. Daß im Gegenteil gerade der jüdische Nationalrat manches Unheil verhindert hat, wollen die um ihre Weide^ zitternden Juden nicht einsehen. Und was tun sie in ihrer Einsichtslosigkeit? Sie protestieren gegen den jüdischen Nationalrat und drohen mit der Taufe. Jawohl. In dem frechen verlogenen Aufruf verweisen die bemittelten und betitelten Jude« auf Pas einigende׳ Band der mosaischen Konfession und im geheimen wülen ihre Spießgesellen und Kiebihe und reden das Wort der Taufe. Fahnenflucht in dieser ZeH wo wir rings' bedroht werden, ist bequem und ach, so . stied^trächtig. Was find has für Menschen, dir bei deL Lektüre üSerdie -Pogrome zum Pfarrer oder Pastop ' laüfej? Md fich taufen? 'IStünt MüischM?ihüdern Rechenmaschinencherzlofe Egoisten, Feiglinge. Ferne bleibt mir, auch nur einen der bedeutenden Männer, die' den famosen Aufruf unterschrieben haben, zu verdächtigen, aber die Kreise, die ihnen nahestehen, sind mehr als je verseucht. Plötzlich mehren sich erschrecklich die Austritte aus dem Judentum. Die Schlauen. Erst jetzt haben sie ihr Herz fürs Christentum entdeckt. Aber die Wolf und Teufel werden dem Massenhaften Zustrom der maskierten fremdrassigen Schleicher zur Krippe des Staatsdienstes bald einen Damm setzen müssen. Sie sind ja nicht mit Blindheit geschlagen, die Herren Antisemiten. Stoßen fie den Juden durch die eine Türe hinaus, so kriecht er als Getaufter zur anderen Türe herein. Wenigstens versucht er ein- Feuilleton. Menachem Frostig. Lemberg. Trotz der Depression, die sich eines Jeden bemächtigt, und der schwarztristen Stimmung in der man getaucht ist, kann man sich, wenn man die polnischen offiziellen Enunziationen liest, eines Lächeln nicht exwehren.. Das Herz blutet, die Seele krümmt sich — und man lacht . . . Seit jeher waren die Polen im Prozentrechnen ungemein gewandt, aber diesmal haben sie ihren Meister gestellt. «Bis nun gelang es", heißt es in einem fvlchen Bericht, 1600״ Pogromverdächtige dingfest zu machen. Davon find 60 Proz. Ruthenen, 40 Prozent Polen und 10 Prozent Juden". Verdient etwa nicht diese Aufstellung verewigt zu werden? . . . Bon den in Lemberg verhafteten Kanibalen, waren eS genau 160 Juden die ihre Brüder gemordet, ihre Schwestern geschändet, ihre Gotteshäuser gebrandschätzt und ihre Thorarollen, jenes Reliquium, für welcheS die Juden immer und allerorts freiwillig in den Tod gegangen sind, profaniert haben . . . Genau 160 Juden! Juden — deren angeborene Abscheu und Eckel vor Blut, ein Folge der höheren ethischen Konstitution ihres Charakters ist, wie es Popper-Lhnkeus behauptet; Juden — von deren Füreinander- und Zusammenhalten soviel herumgefabelt wird, dieselben Juden also, waren Mrtfeierer der bestialischen Orgien, waren Trunkene einer blutigen Bachchanale, haben daS Lemberger Ghetto -eingeäschert und sich am Anblick des grausamen Massenmordes und unsäglichen Jammers geweidet! . . . Fühlen die Verfasser dieser Berichte di.e absurde Unmöglichkeit, den lächerlichen Unsinn ihrer Lügen nicht? Wie naiv müssen sie sich die Welt vorstellen, wenn sie sie mit solchen blauen Farben abspeisen wollen!- — Und man lächelt! — ein Lachen das Daumenschrauben anlegt und ohnmächtige Resignation derrät. . . . Die Veranstalter der Pogrome haben ihre vom frischen Blute rauchenden Finger zum Himmel empor und schwören, daß sie unschuldig sind — und Europa glaubt es ihnen und schweigt. Selbst der aus Erden horumgehende Gott der Gerechtigkeit scheint ihnen glauben zu wollen. Wenigstens schweigt er. . . Die Polen sind die Stärkeren. Das Morden ist auch ihr gutes Recht. . . . Und warum wollen sie sogar die Majestät des Todes nicht achten und die unschuldig hingeschlachteten Märtyrer, um wenigstens die- Zurückgebliebenen nicht zu begeifern und sie öffentlich nicht zu beflecken? Warum durch unnütze Brutalität die seelischen Qualen noch vergrößern? Warum, weil wir die Schwächeren sind? weil wir Verlassene, Herumirrende, Machtlose sind? . . . Und ein seelisches Weh, daS man physisch fühlt, ergreift von unserem Inneren Besitz. Ach, wie schmerzt das Gefühl der Ohnmacht! . . . Seit jenen traurigen Septembertagen hat sich ein Gedanke in mein Gehirn eingefressen und seit damals komme ich nicht zur Ruhe. Wie bei TituS, der talmud. Sopa nach, hämmert es bei mir im Kopfe . . . Immer! wieder, wie wenn einer schweren und fremden Macht, irgend einer «vis occubta", gezwungen, fange ich den einen Gedanken, dersich meiner bemächtigte und der bei mir zu einer Art Idee fix ausartete, immer vom Neuen an, ohne in der Lage zu sein, ihn bis zu Ende bis zu seinen letzten Konsequenzen ausdenken zu kön» nen. Ich möchte nur wissen, was der letzte, aber wirklich der letzte Gedanke eines in der brennenden Synagoge sich befindenden Unglücklichen, gewesen ist . . . Also: Die Türe wird verrammelt. Von draußen hört man ein wildes Johlen und Schreien, ein brausendes Gehen und Kommen, ein schauriges Durcheinander! Und da wird plötzlich Rauch verspürt, dicker stickender, würgender Rauch. Plötzlich wird man auch der roten Flammen gewahr. Wie ein Blitz fahrteS nun durch das Gehirn desjenigen, dessen letzten Gedankengang ich verfolgen will: «Die Schul brennt! Angezündet!" — und nun will er sich retten. Schnell, im Himmelswillen, sonst wird er wie eine Henne gebraten... Aber schon schlagen von allen Seiten die Flammen empor, die furchtbare Glut wird unerträglich und der schwarze Rauch beißt sich in die Augen ein, packt bet der Kehle und würgt, und würgt, und würgt. . . Ihm wird furchtbar kalt, in diesem Feuermeer stehend . . . Das Schreien und jämmerliche Hilferufen betäubt ihn ... Immer größer wird der Haufen der rauchenden Toten die ihm den Weg zur Türe verram» meln. Diese Herzlosen! Warum haben sie ihm nicht oorgelaffen? Er hätte sich doch bestimmt gerettet . . . Und immer näher rückt das Ungeheuer an ihn heran ... er zappelt, schlägt mit den Händen und Füßen, seine Augen Wollen aus ihren Höhlen springen . .. eS Utrbrtittt «e «Winde Oollnrtimme".