Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIX (1918)
- Issue
- Heft 27-28 (29.11.1918)
- Date
- 1918-11-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrg. XIX, 9hunm« 27-28, ♦ BtimlKtiff; Für Oefterr«ich-SnWlnm, halbjährig!:!:! 720 Kronen . —׳14 Kronen , - 12 Mark . —׳6 Rubel , -׳14 «Frank , y/4^7£\ m Herausgeber: Max Hickl, ׳Redaktion und «bministration: BrSm», Ablergag« »^^ Buchhändlerische Vertretung: Otto Me««» AstP-kg Inserate: bie 6׳spaltlge Petitzeile 60 d. Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht hsnoriert. — Manuskripten ist Rückporto beizufügen, m—-----־־■ Wien—Brünn 20. November 1918. 28. Klslew 8679 Prag—Lemberg. Ein Friedensfest. Von Professor Dr. Adolf Kurrein. Chanukka, ist ein Siegesfest, eiin Freuden-, ein Fviedensfest. das vor! mehr als 21 Jahr* Hunderten auf dem heiligen Boden Palästinas von dem jüdischen Volke begangen wurde und seitdem Jahr für Jahr bis zum heutigen Tage von uns gefeiert wird. Dieses Fviedensfest vor-- kündet der Prophet Secharia mit den Worten (2, 14): ״Juble uinSd freue dich, Tochter Zions, denn ich, der Friede, bin gekommen, und ich wohne fortajn unter! dir, ist ein Spruch des Herrn!" Dar Frieds ist dem hochgemutsten Sieger, wie dem in den Staub getretenen Besiegten eine Freude, eine Erlösung von den Beschwerden des Krieges, eine Befreiung von! den vielen Leiden und Entbehrungen und den nicht zu verschmerzenden Verlusten von Menschenleben. Wer rann dieses Friedensfest, dieses Freudenfest, dieses Aufatmen, von dem schmerzlichsten Mpdruck unserer SeAen und 1 §r!ssrr^, Lebens-LessM WDfÜhlerr, als unsere Zeit, welche nachten unerträglichen Bedrängnissen eines fast fünfjährigen ungeheuerlichen, noch nicht dagewesenen Weltkrieges.endlich ob Sieger oder besiegt erleichtert aiufatmet Lei׳ dem Rufe, ״Der Friede ist da, das Ende des gräflichen Menschenmordens ist gekommen!" Dieses Friedensgefühl wird trotzdem nicht dasselbe ideale Geidächtims, nicht ein solches erhebendes Andenken weder bei! der Gegenwart, noch bei der Nachwelt zurücklassen und verewi- Menorah. Ein kleiner, schlanker Silüerbaum, Der!ist von wunderbarer Art: Im Sommer träumt er den Wintertraum, Doch kommt der Winter streng und hart, Dann treibt das Bäumchen Blüten. Es blüht der bunte Kerzenglanz Acht Tage lang im Silbergeäst. Menorah wird dev Baum genannt, Chanukkah heißt das schöne Fest, Da die Menorah blühet. Die Blüten sind gar lieb und hold In ihrem bunten Farbenspiel; Ein blauer Kelch, ein 3tcmd van Gold, Das wiegt sich leicht auf schlankem Stiel. Es sind acht strahlende Lichter. Es mahnet dieses Fest uns heut' An eine große Heldenzeit. Den Makkabäern ist's geweiht. Die da gekämpft in heißem SirrM Für Judas Sieg und Ehre. Theodor Herzl. gen, wie das Sieges- und Friedjensfest, das wir Juden nach mehr als 2 Jahrtausenden feiern. Wir Juden kämpften mit dem! Syrervolke nicht, um ihm einen Teil seines großen Gebietes zu entreißen, uns am fremden Gute zu bereichern. Wir kämpften nicht aus Habsucht, Neid, Haß und Eifersucht gegen das überreiche und machtig,e Syrerreich. Wi!r begannen die Feindselig; keiten nicht einmal, um uns von der Oberhoheit der Seleuciden zu befreien. Wir beschießen uns genügsam und zufrieden mit unserem kleinen Ländchen, wir besaßen für ׳unsere Lebensainsprüche genug, schielten nicht neidisch nach dam, Reichtum des mächtigen Nachbaren, hatten nicht einmal das heimliche Verlangen, di'e Fvemdherrschaft abzuschütteln, hätte nur der Syrer nicht uns uiniser kostbarstes unveräußerliches Gut, unfern Gott und -unsere Religion mit tyranischer GrMstWtzi^MMUw^wjSllen^Noch fofomat könnten wirMuMM^MMdies Friedens, die Bekenner der Wsoenslchre, uns nicht zum offenen Kampf gegen den Tyrcmen Antiochus entschließen. Wir wollten dulden, leiden, ertvagen und auf diesem Wege die Tyranei besiegen. Unzählige fielen dem Märtyrertode zum! Opfer. Nicht ׳erschöpft ist die Zahl, wenn die Volkserinnerung uns nenjnt den greisen 90jährijg!en Eleasair, der auch nicht einmal zum Scheine cm dem Götzenopfsrmahle teilnehmen wollte, um nicht der Jugend ein schlechtes Beispiel zu gem₪Bsrns₪smmmmsimpmmmm—figaga Chanuka 1812. lieber die endlose, schneebedeckte Fläche jagt ein Schlitten. Den drei! Pferden, die nach russischer Art vor das leichte Gefährt geschirrt sind, steht der Schaum vor dem Maule, aber unermüdlich schwingt der Bärtige auf dem Bock die Peitsche, so will es der kleine, im Pelze gehüllte Mann auf dem Rücksitz, der ernst und schweigsam in die Landschaft hinausblickt. Krächzend fliegen Raben auf, denen unter dem losen Schnee ein reiches Mahl bereitet scheint. Dann lassen sie sich mit schwerem Flügelschlag wieder nieder. Das Schellengeklmgel verstummt in der Ferne. Dunkelheit breitet sich weit über das Land! Immer noch jagt der einsame Schlitten über!den Schnee, jenen Lichtern zu, die dort am Ho» rizonte blitzen. Bald sind sie erreicht, ein paar elende Hütten, wie sie der polwische Bauer! bewohnt, ungastlich, häßlich. Durch die Fenster wirft die Flamrno des Kienspans purpurne Lichter auf den Weißen Schnee.. Prüfend blickt der Bärtige u-n sich, dann lenkt er die Rosse vor die Tür einer Hütte, die sauberer wnJb ansehnlicher aussieht als die übrigen. Cr klopft. Die Tür öffnet sich. In ihr erscheint «ein Mann im Bauernwmns, ,groß und stattlich, mit schwarzem Haar und Bart, den Eichenstock iu> der Hand. Der Bärtige weist auf den Mann im Schlitten. ״®e&t uns Quo«- Der Hausher e Beiden Prüfend an. Der Mann itm P ein Goldstück hervor und zeigt es. ben und lieber eiinien grausamen Tod erlitt. Unvergessen bleibt die fromme Heldenmuttsv Hanna. Sieben herrliche Söhne sah sie unter den Martern des unmenschlichen Henkers schrecklich enden. Mit ungebeugtem, ungebrochenem» Mute ermunterte sie noch im letzten Augenblicke jedeD der Kinder mit dem Schema-Bekenntnis auf den Lippen unerschrocken in den Tod zu gehen. Die bswunderungswiirdige Mutter, idiie gerne ihren Kindern in den Tod n!ach folgte und die Wenigs ihresgleichen in der Geschichte findet, gibt uns mit ihren Kindern das unvergängliche VoGild' des Gebotes (Denternom. 6, 5): ״Lieben sollst du Gott deinen Herrn mit deinem ganzen Herzen und mit deinem ganzen Leben", selbst wenn du für deine Liebe dein Leben opfern mußt, denn die Liebe zu Gott muß die Liebe zum Leben überwinden. Als jedoch die Zahl der Märtyrer eine unbegrenzte Wurde, da!erkannte die Priesterfamilie der Hasmoner, daß das gnd» lose Dulden und Ertragen das ganze Volk nutzlos aufreiben werde u!W man vielmehr mit dem Schwerte in der Hand den Selbsterhaltungskampf beginnen müßte. Auda, dev Makkabäer, dop mutigste und tapferste der "'fünf Brüder sammelte eine Schaar, die ohne. Bedenken bereit war, ihr Leben für Gott und Religion ׳eii'nzusetzen. Juda griff -den Feind, der mit vielfacher Uobermacht und זד׳# einer den Juden ganz unbekannten Waffe, mit den gefürchteten Kriegselefanten heranrückte, an und mit Gottes. Hilfe gelang es ihm nach mehreren siegreichen Treffen in der Schlacht bei! Bethzur das größte, bestcms* gerüstete Heer des Königs Antiochus so zu schlagen, daß die Syrer vollends aus dem Laubs vertrieben wurden. Juda zog als Sieger in Jerusalem eiin!, reinigte den Tempel von dem darin ״Wir haben Geld." ״ יSuwalskis Hütte ist kein Gasthof. Sein Haus steht Euch offen, seid willkornmen!" Der Mann im Pelz tritt sin. Ein junges Weib und zwei Kinder sitzen am Herdfeuer. Dis Hausfrau erhebt sich und sieht ihren Manu f»r!agend an: ״Unser Gast." ״Seid willkommen." Der Mann hat sich einen Stuhl zum Feuer gerückt. Cr knöpft den Pelz auf, aber er nimmt ihn nicht ab. Ein bleiches Gesicht ist zu sehen mit zwei tiiefen Augen, denen man es Mvmerkt, wie zornig sie blitzen können. Was das Haus birgt, bas wird gebracht, um ihn zu laben. Er ißt nichts, ttimlt wenig, setzt sich nieder und brütet vor sich hin. Der Hausherr geht Mm, Fenster. Acht kleine Näpfe stehen dort, in jedem etwas Oel und siu Docht. Am Kienspan im Ring an der Tür zündet er einen zweiten an. Sein Weib und seine Kinder treten hinzu. Und während er einen Satz in einer Sprache spricht, die dem Mann am Feuer fremd ist, zündet er die Lichter an, bis acht Helle Flammen hmausleuchten in die Wintevmcht. Und während sie emporzüngeln, klingt aus vier Kehlen ein Lied, dem den Jubelnden es ausdrückt, Wohl a ach der Fremde anmerkt: Das ״a/tuuu» . Der Fremd auscht dem׳ Sans. Er erhebt sich, sein Pelz verschiebt sich etwas, drunter blitzt es wie ein Orden, hastig knöpft er den Mantel zu. Als das Lied zu Ende ist, fragt ev: ״Was für eine Sprache war das?" «tmtet ״M UM, MM«