Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIX (1918)
- Issue
- Heft 23-24 (30.10.1918)
- Date
- 1918-10-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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iJahrg. XlX. Nummer 23-24. IS-lschk DolksSiMk. _._ - -JJ M- Ve»«s»preise: I 1 Re-aktisn und Adminiftr«tion: BrLmr, Ldler-asse L Für Oesterreich-Ungarn, halbjährig .Kronen 7-20 Redaktion׳ IBuchhändlerische Vertretung: Ott. Skt»»,? Witz ®־Ä «gw*: : ־ : : •י• *JB Ifl Wl.« VUl. L.rch-ng-ffe 6 I . 3״f״* *1? '»,'!*״״*t״L Rußland, gan-jöhri- ....... Rubel 6׳— -v s ״ Unverlangte redaktionelle Beitrüge Verden nicht ^jno> )Bauart, Frankreich Frank» 14 - | | tiert _ Manuskripten ist Rückporta betzufütz^. Wien—Brünn. 30. Oktober 1918. 25. Marchascltwan 5678 Prag—Lemberg. )Oesterreich vor der Entscheidung. (Dr. H. Kubisch, Büslan. (Wegen Raummangel verspätet.) Oesterreichs Juden und mit ihnen bie ׳an־ I deren Völker der Donaumonarchie stehen vor der schicksalsschweren Frage: Wird das Jahr 1918 uns den Weltfrieden, sowie weiiters den innen- | österrxßchischen NationalitätenfrieMn bringen?^ Zwischen beiden besteht ein enger Zusammenhaug. Sowie der!wlaß- und ziellose Nationalitätenha-der in der Habsburgermonarchie — das Produkt der dualistischen Dszemd erverf assung — nicht nur ibJen Antisemitismus sehr förderte, sondern auch zum Weltkriege ein Hauptmotiv bildete, ebenso würde eine zweckentsprechende östsmeichische Versassungsveivision nicht blos das österreichische Problem lösen — .das ja das euro- Patsche im kleinen bildet — es würde auch den Abschluß des Weltfriiodisns!gewaltig erleichtern. Tatsächlich ist gerade in den letzten Wochen das Verfassungsproblem mehr!als je %t den Vordsrgrund getreten und die Staatslsuksr, sowie Gesetzgebeiü ,djsr Monarchie stehen vorder Wahl, entweder, wie ich es seit fast 2 Jahrzehnten auch in der ״Jüdischen Volksstimme" fordere, Pas Donaureich in ׳einen gvoßösterreichischen Bundesstaa!t!national-autonomer Völker umzustalten oder aber die Lösung dieses Problems nach dem Wunsche unserer Gegner dem — FriMnscongvesse zu überlegen. Noch ist.es Zeit den ersteven Weg zu wählen, wenn es .auch gewaltig schwieriger, .als!noch vor wenigen Jahren, ja — Monaten — ist. Die Hauptschwierigkeit besteht darin, wi-e ich ja auch seit vielen Jahren immer von neuem Nachweise, Feuilleton Mychajlo Jackiw: Nuchim. (Nach -dem Ruthenischen von H. S.) Gr saß in der Dorfschenke neben idem Ofen zufammengekaueirt. E.iln zerrissener Kaftan hüllte dürftig seine Gestalt!ein, auf der Bank lagen Stecken und Bündel. Ein biblischer Bart wallte auf feine Brust nieder. Das Leben hatte in! seine scharfmarkiwte Gesichtszüge tiefe Furchen eingemeißelt, und das Alter hatte sie mit einer Winterlichen Kälte angehaucht. Er war in Hinbrüten versunken. Schon längst war er für diese Welt abgekühlt u. schaute innerlich auf eine anders. Der Schankwirt blickte eigentümlich .den Greis an und räumte einen Teller mit Barches weg.... — Gelobt sei. und euch, Krüger, guten Tag!.... Ein! Frost, dalß er kracht! Ein stämmiger, fremder Bauer im Schafpelz, stellte die Peitsche in einen Winkel und begainn mit -den Füßen zu stampfen und die Arme aneinander zu schlagen, ׳daß der Krug zitterte. daß die Nationalitätenfrage der Donaumonarchie im Rahmen des Dualismus unlösbar ist, daß sie nicht getrennt in beiden Rechtshälften, sondern nur üm Gesamtreiche gelöst werden, kann. Es ist dies natürlich ohne Ueberwindung der Wagyarischen Oligarchen durch Einführung Ms allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wiahlvöchtss in Ungarn vollständig unmöglich. Wenn also auch iw zisleithauischen Parlamente!eine derzeit allerdings noch unwahrscheinliche Verständigung zwischen den!einzelnen nationalen Gruppen zu Stande käme, die Forderungen!nach Vereinigung der Tschechen mit den ungarischen Slowaken nach Vereinigung .der Ukrainer sowie Südslawen beidgr Reichshälften, dem sich nun auch das Streben der Bukowinajer Rumänen nach Zusammenfassung mit ihren Connationalen in Ungarn—Siebenbürgen hinzugesellt, bleiben so lange unrealisierbar als nicht die Zweiteilung des Reiches d. h. die hör Menwärtigen dualistischen Verfassung völlig beseitigt. Das Nationalitätenproblem des gesamten Donaureiches ist also nur aufgerollt und Sache aller volkstrjeuen Juden ist es, dafür Sorge zu tragen, daß bei der!bevorstehenden NeuorÄnunjg sich ihre Politische, sowie Wirtschaftliche Lage nicht verschlechten, sondern daß sie als gleichberechtigtes Volk unter gleichberechtigtem Völkern anerkönnt werden unjd weiters auch in einem föderativen Staatswesen ihre nationale Einheit nicht verlieren. Als Minorität müssen sie daher den Schutz allier nationalen Minderheiten fordern. Die Entwicklung vom Dualismus zum Föderalismus läßt sich nicht mehr aufhalten. Der beste Beweis dafür ist, daß selbst die Deutschnationalen sich insofevnie auf den Boden dies Födevalismus stellen, als sie Men ״doutschösterreichischen Staat" fordeign. Obwol!die njational-jüdUche Demokratie wein! Gebt mir irgend einem starken Brannt- Er fetzte sich an dem Tisch, entnahm seiner Umhängetasche ein Stück Brot und Käse. Er zerschn/itt das Brot und blickte sich das Wirtshaus und die Leute, die schweigend saßen untd kurze Pfeifen rauchten, am. Am ,meisten aber intoressierte ihn Mr> alte Jude beim Ofen. Der Bauer hielt das Brot in der Hand und vergaß an sich. Irgend eime Erinnerung stieg in ihm auf. Er legte Ms Brot zur Seite und näherte sich dem Alten. — Eh, seid IW!es nicht, Herr Nuchim? Der Jude ermannte sich und öffnete weit die Augen. Dann streckte er die zerfetzten Aermel aus und folgte: -Hm, Was für Herr bin ich? — Aber Ihr seid Nuchim Goldbom? -Hm, WM ich, ob ich «es bin), oder nicht .. Und war seid Ihr? — Lesch Zwarycz. Der Jude hob die Hand über die wehen Augen. -Ihr seid Lesch Zwarycz? Nu, nu, Wer hatte das erwartet! Man sagt treffend: ein Berg kommt mit eiluejm zweitiestr nicht zusammen, ein Mensch mit dem anderen aber ja. Sie reichten sich herzlich die Hände, wie Freunde. Losch nahm neben ihm Platz und konnte sich nicht genug verwundern. Silo unterhielten sich mit halblauter Stimme, um keine Aufmerksamkeit aus sich zu lenken. keineswegs eine Anhängern des dualistischen Doppelzentralismus ist, vielmehr stets für eine nationale Selbstverwaltung ,aller Völkesv dev Monarchie eingetreten ist, daher natürlich im Prinzipe für eine natidnal-fädorative Umigestaltung des Donauvoiches auch heute entschieden e!intritt, so fordert sie doch für die allen Vökevn und allen Rechtsteillen gemeinsamen Angelegenheiten 1. eins gemeinsame Ne-ichAregisrung und 2. ern> gemeinsames Reichsparlament, 3. für die specifisch jüdischen Angelegenheiten eine nationale jüdische Kammer (siehe Rede des Mg. Dr. Straucher im Parlamente). Die Erfahrungen, die sich für die Juden der Monarchie an die Zweiteilung des Reiches unld an die Sonderstellung Galiziens feit 50 Jahren knüpfen, lassen es keineswegs für uns wünschenswert.erscheinen, daß der Föderalismus solche Foympn annehme, daß das Reich in Me Reihe ohne Zusammenhang mit einander bestehender Nationalstaaten ,aufgelöst werde, in welchem alle nationalen Minderheiten, daher auch dile Juden der Willkür der herrschenden nationalen Mehrheit ausgeliefert sind. Wir erkennen die Natiiional-tevrt-toriiale Zusammenfassung aller Reichsvölker im Rahmen dies Donaursichss für berechtigt, sowol der Deutschen, wie der Tschecho-Slowaken, der Polen und Ukrainer, her Rumänen und der Südflawen, fordjevn aber!glleichzeiitig Line starke Contralge- Walt, die ,alle Minderheiten, also auch die jüdische gegen Uebergri.fse schützt. Nur ei/nje solche Combin!ation von Föderalismus und Centralismus bedeutet, Wie ich in!einem späteren Artikel zeigen werde, eine Lösung des österreichischen Problems. Alle andere Lösungsversuche würden realisiert nur neue Kämpfe zeitigen. — Herr Nuchijm), was ist mit euch geschehen? Ihr wäret doch solch' em reicher Mann, solch' ein mächtiger Gutsbesitzer. -Nu, nu, seht Ihr nicht? Er streckte die Hände .aus und zeigte die zerrisfeinen Kleider. Gott sei!auch dafür dank. — Ha, Nuchim, Nuchim. Ihr habt das nicht verdtsnt. IW seid eines besseren Schicksals wert. Ihr wäret!ein Mensch. Solche muß man heute unter Christen mit Licht suchen. -Hm, können denn nur Bekenner eueres Glaubens Menschen sein?.Nu, und wie geht es euch? — Ich danke. Gottlob gut. Als ich von euch aus dem Dienst twt, hjabe-ich geheiratet. Ihr seid mir dvch an die Hand!gegangen. Möge Gott euch in Glück und Frieden« ein hohes Alter «erreichen lassen. Ihr habt mich gut ausgesteuert. Ich habe bei auch etwas Geld lerübriigt, und von der jungen Kuh, die Ihr mir gegeben, bin ich zu solch einen Viehstand gekommen«, wie ich ihn allen guten Menschen wünsche. Die Leute beneiden mich sogakr und sagen, ich fei ein reicher Mann, ha, ha. Nuchim begann mit Mm Haupt zu schütteln. -Nu, nu, Gott sei Dank, für alles. Und bei uns ist seit euerem Austritt alles verkehrt gegangen. Die Lieferanten haben wähvsnidi einer ungünstigen Zeitltage Getreide zu halben Preisen zusammengekauft, und haben es daher billiger, als ich, verkaufen können. An Wald, an der Gerbereii, -an den Ochsen habe ich verloren׳, überall Mttitri iitfi Mi« MSfultito".