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Jüdische Volksstimme · 1918-09-25 · Heft 21-22 (25.9.1918) · page 1

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIX (1918)
Issue
Heft 21-22 (25.9.1918)
Date
1918-09-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Iahrg. XlX. ■ ■ז$ " -W«?- -dflMWMW Nummer A-22 0l|R|lMtifl$ Für Oeftmerelch-UnD««, havjtchri- . Krone« 7*20 _ ....... Kronen 14 — jitantb, SRätt 12*— " T.Rubel ü - Balkan, Frankelch ........ Frank» 14*— Redaktion: Wie« VIII. Lerchengaffe 6 a. RebaMon und Ad»inistratton: BrÄ«. Ldla-affe Ü Buchhändlerische Vertretung: Vit» Klein«» Keitzzlg Inserate: die 6-spaltige Petitzelle SO h. Unverlangte redaktionelle Beiträge lverde» nicht hono« rlert. — vranuskripte« ist Rückporto bei-ufü-en. Wien—Brünn. 2k. tntmbw 1918 19. TlMhrl 5978. Prag—Lemberg. Soeben erschien: HICKL’s Jüdischer MM. Aas dem Inhalte: Behn Dr. Fried!־.: Jüdische Grabdenkmäer in Galizien Benedikt Clotilde: Weil sie Jüdin war Bergmann Dr. Hugo: Ein jüdisches Märchenbuch Birnbaum Dr. N.: Kein Schabbes mehr Bloch Chalm: Die Gemeinde der Chassidim Cohn Dr. Carl, Altona: Was sollen wir tun Dienemann Dr., Rabb.: Judentum u. Friedensidee Fahn Rüben: Das alte Flußbett Freudmann Dr. G.: Belgrad im Kriege Gelles Dr., Rabb.: Messianismus und Weltkrieg Joseph Ma\: Jüdische Politik König Eisig: Zwei Gedichte. Moser Benzian: Kinderlos Müller Ernst, Dr.: Psalm 23 Neuburger, Universitäts-Professor: Zwei Wiener Aerzte jüdischer Abkunft als Pioniere der Wissenschaft im Orient Rawitsch Meilech: Gott gloiben Schach Fablus, Hamburg: Das neue jüdische Leben. — Jüdische Aphorismen Scherlag Lorenz: Ruhlose Zeit Schering Marek: Drei Gedichte Tag Bernard: Stehen wir im Judentum vor einer religiösen Erneuerung? Zuckermann Hugo: Ich hab ein Ziel Ehrentafel der auf dem Felde Gefallenen JWiöctim Sabbath. 2. Von B. Nippel. Diesmal war!dar Sohn schon Abiturient. Doch führte -er noch immer mit seinem Vater Diskurse über ihre abweichenden Ansichten in Bezug auf Judentum, Religion und Gebräuche. Der junge Mann hatte das Bestreben, die engen Grenzen der Religion sich, nach eigenem Maßstabe zu erweitern. Er wollte sich der Mode fügen, der Gesellschaft anpassen. Die Bestimmung der Grenzen für seinen Freiheitsdrang, das wollte er seiner Uejberzeugung überlassen. Wieder war es der Sabbath. Und der Marktfahver hielt seinem Sahne eine Strafpredigt. ״Es ist unbegreiflich" sagte dev Alte, ״sobald Einer ein Studierzeugms erlangt, oder wenn sich Einer aus irgend welcher Weise Vermögen schasst, sofort wird die Religion beiseite geschoben. Mit einem Male, sozusagen über Nacht, reift bei falschen Lciuten die Erkenntnis, daß die Quelle, aus der sie die ganze Zeit hindurch, ihren Muth, ihre Kraft und Hoffnung geschöpft, nun plötzlich überflüssig wird. Das Kloild oder gar hie Tinte ändert aber nicht den Juden, wenn Das Laubhüttensest. Eine Sukkoth- und Kohelethbetrachtung. Das Fest der Ernte ist ein. Fest, das sich einerseits durch überschwängliche Freude, an!- derevseits aber ldjurch ein Däjmjpfen derselben auszejichnet. Die ׳ganze Gefühlsskala wird heraingezogen, um gewissermaßen die Höhen, und Tiefen des mienschlichen Lebens, dessen Spaninuugeu und Kontraste zu umfassen, und die sich infolgeldessen ergebende Reizbarkeit zu ergründen. Das ganze Volk und die Individuen treten zueinander in ein gegenseitiges Verhältniis, und ein nuanciertes Leben, wo alle Diskrepanzen und Dissonanzen verschwinden, kommt zum Vorschein. Das Laubhütten fest ist ab er and ererseits, wie schon־ der Name, besagt, ein Fest der Demut, ,ein Rechnen, mit den Mögl-i'chkeliben und Unmöglichkeiton des Lebens, den Wahrscheinlichkeiten und UnwaWcheiulichkeiitein!, und ein gegenssitkgos Abwägen macht sich bemerkbar. Wenn wi>r es aber gut charakterisieren wollen, io müssen. Wir es mit dem Pessach- und Schebuotfeste vergleichen, um seine Jndividualitat festz-ustellen,. Das Pessach fest ist lustig, dd«r Mensch ist freudetrunken, ergeht sich in Hymnen und Liehcwn und läßt die Reize unjd den Zauber der Natur auf sich wirken. Auch das Volk im allgenteinen stimmt das Hohelied an, jenes Lied, in dem die Natur und ׳ii)1ic! Schönheiten den Mcinschen sich mitteilen. Da beherrscht der Optimismus alles, weil die Dinge sich noch nicht hajvt im Raume stoßen. Man befindet sich im Reiche der unbeschränkten Möglichkeiten. er festen Charakter besitzt. Dem Sohne des auserwählten Volkes obliegt die Befolgung aller Gebote der heiligen Schriften uni» die Beachtung aller jüdischen Gebräuche. Ob reich oder arm, gelehrt oder nicht, er muß Jude svijn mit seinem ganzen Herzen, feiner unendlichen Seele und seinem völligen Wesen. Wenn er auch nur ein Gebot Willkührlich überschreitet, oder die heilige Lehre mutwillig verletzt, hat er sich gleichsam gegeu alles Judentum versünidigt." ״Siehst diu, lieber -Vater, schon in diesem Punkte gehen unsere Ansichten auseinander Nach meiner Meinung besteht das Judentum beim Menschen, auch wenn er die Religion nicht immer beachtet; wenn er sich -aber freimütig zum Judentum» bekennt, alles Jüdische födhert, Wohltätigkeiit übt, undi seinen Mitmensichen hilfreich Beistand leistet. Dann damit ist dem Ewigen, seinem Volke und!der Welt mehr gedwnit, der menschlichen Bestimmunjg auf Erden, zur Vorherrlichung der Allmacht mehr beigotragen, als als das fromme Beten, Fasten und Verachten der ״Aufgeklärten". Wo einer die» religiösen Gebote einhält, heilige Schriften studiert und sich der Frömimiigkeit befleW, da hat Wohl für sich selbst er /dies getan. Er hat seinem persönlichen Hange Genüge geleistet, seinem Gewissen Beruhigung verschafft. Dies betrist also nur ihn allein. Für die Welt, der Menschheit hat er aber ebmsowefniig genützt, wie einer, der eine köstliche Speise sellbst verzehrt, ohne daß auch andere sich am Gemusst dieselben gütlich tun." . entfernt und der vollständig gereifte Mensch tritt in ein intimes Verhältnis zu der Natur, und auch das Geschlechtsleben WM ernstlich aufgefaßt. Im ״Ruth" und אקדמות vernimmt man das Lob der Gottheit, der Natur, der jüdi» scheu Nation, des Gottes in! djer Geschichte. Das Snkkothfest ist bereits ganz ernst, man sammelt das Getreide ein und man muß dessen eingodenk sein» daß Me Fvöude M üblichen Anstamidsschvanken nicht durchbrechen dalvf. Diese Lebens- und Weltanschauung, die teilweise des Düsterennicht entbehrt, kommt im Buche Koheleth zum Ausdrucke, wo der Verzweiflungsruf הבל (Eitel- Seiten der Eitelkeiten) wie ein schriller Dissonanzton des Lebens Freude durchhallt. * * * Die jüdische Geschichte war bis zur Zerstörung des ersten TewjPels der griechischen kongrient. Beide waren lebenslustig und ließen auf sich in starken Strahlen die Lebensfreude wirken, wenn sie auch von Pessimistischen- Anschauunigen nicht ganz verschont geblieben sind. In beiden dokumentiert sich der Pessimistische Zug, der in einem Kontraste zu djelr sonstigen. Lebensfülle und LebeNsbeziehung steht. Sol-on, Pythagoras, Heyaklit, Dheognis und' andere geben ihrer Verzweiflung, Resignation und Pessimismus Raum, so daß man sich kaum vorzustellen vermag, wie dg -noch die so bekannte griechische Lust (Hedon-e) Platzgreisen׳ konnte. Apollinische und dyonisischc Weltanschäuung lösen nicht nur einander ab, sondeirn gehen Er hat aber durch seine Frömmigkeit Gott gedient. Wtzr sich zum Judjentume bekennt, wer seinem Volke dient, für die Menschen Gutes stiftet, der hat das Glück der Welt vermehrt, zu,nt Ruhme pes Schöpfers, zum Nutzen der Menschen beigetragen. Bei Außerachtlassung der heiligen Lohren ist wohl sein eigenes Ich m den Hintergrund getreten. Dafür hat er aber «greifbare Tugenden gezeitigt. Durch ihn habein! Menschen Gutes, Göttliches erlangt. Es löst sich in ihucim aus,. ein Gefühl der Dankbarkeit gegen den allmächtigen Schöpfer, dem Urheber alles Guten. Sie empfinden die göttliche Allmacht und preisen sie- Daher erklärt sich auch dev Ausspruch unserer Weisen: ״daß schon die Gastfreundschaft, bereitwillig ausgeübt, verdienstvoller ist, als der fleißige Besuch des Lehrhauses und als die Begrüßung der Herrlichkeit Gottes. An wessen Tisch fremde Menschen speisen, dem wird er zum Altar der Vergebung .der Sünden." Es ist zwar nicht unrichtig, aber ein solcher Jüd-d, wie du ihn schilderst, mein Sohn, hat gleich einen: minderwertigen! Gefäß blos seine Pflicht erfüllt, unid nachdem es seines Inhaltes entleert, doch nur als Scherben zurückbleibt. Er ist nicht mehr als das unbewußte Werkzeug des gütigen Welteuherrschers und bleibt auch weiter ohne Bewußtsein.Solche Juden, auch wenn sie Gutes stiften, die heikiigen Lehren und die religiösen Bräuche aber unbeachtet lassen,bleiben nur unvollkommene Geschöpfe. Ihr Leben ist nicht gott- MM SMS WM »Sk««

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