Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIX (1918)
- Issue
- Heft 6 (26.3.1918)
- Date
- 1918-03-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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י' Jahrg. XIX. Nrunmer 6. ZL-islht NolksjiillNlle. Vez«S»»reile׳? ^Redaktion und Administration: Brün«, Adle Vez«g»»reile: Für Oesterreich-Ungarn, halbjährig . Kronen 720׳ ganzjährig . . ..Kronen 14 - Deutschland, ganzjährig. Mark 12 — Rußland, ganzjährig.Rubel 6 — Balkan, Frankreich - Frank- 11׳— V # . Redaktion: Wien VIII. Lerchengafse 6 a. Redaktion und Administration: Brün«, Adlergatze % Buchhändlerische Vertretung: Ott» Kle««, e!pzl- Inserate: die 6׳spaltige Petitzeile 60 d. Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht m» riert. — Manuskripten ist Rückport» deizufügen. Wien—Brünn. LS. Mär* 1918. 13. Nissan S67S. Prag—Lemberg. KriegMeildttü HicklsHidischer Ms-Neilder 16. Jahrg. Preis!< 350׳. Bi oü Max. 111 der Fabrik . . . Heuedikt Clotilde: Aus der weibl. Armenpflege . Heu Josef: Kriegswaisen. Cohn Dr. Carl Altona: Judentum und Freiheit tcuchttvang Dr.: Brüder ganz Israel 5 :];•bei׳ <Jr. R.: Unsere Israel. Militärscelsorge Giinzl;: Dr. l.: Die Philosophie des Rabbi Beer Me/.eritsdi . . ... Imbcr S. Frihling 1915. Koh *ut Dr. Ad.: Allerlei Geschichten v. König Salomo König Eisig: Kriegspassah ... Kurrein Prof. Dr. A.: Rabbi Israel Baal-Schein Müller Dr. E,: ('roplietemvorte .... Neusser Regine, Breslau: Faimv von Arnstein: Rothblluni Dr.: Großvaters Tod. Rawitsei« Moilcclr. Aufotmcu .... Reifer M.: l'ravos/.itel.Uwo . . ... Schach Fabius, Mamburg: Weltschmerz, Sei!ach Fabius. Hamburg: Jiid. K1 iegsapliorismen Scherlag Lorenz : Der Tod geht um Schmäht Grete. Wolf: Militärzug an der Grenze Schreiber Hein!. Dr.: Die Kultussteuer uiul der Krieg Zluclsti Theodor: Das Heilmittel Zu beziehen d״n;!j dein Jüd. Buchvaria* Wi:m, VW., Lercfteng. 6a. <feui!tchm Quer durch Tirol. Bon Dr. Th. H. I. Trient. So befand ich mich denn nach monatelangem Verweilen an der unwirtlichen Gebirgsfront der Dolomiten, nach den unausgesetzten Gefährdungen durch feindliches Feuer aller Art, durch Minen und Gase, Steinhagel umtb Schneelavinen, wieder i׳n einer Gewohnten Stadt, Mensch unter Menschen. Trient, die von den Italienern so heiß begehrte Hauptstadt Südtirols, hat mich in ihren, allerdings unsichtbaren Festungsmauern anfgenommen, und lieblich breitet sich die von dominierenden, felsigen Höhen umschlossene Stadt am linken Etsch-Ufer vor miir aus. Der Charakter der Stadt ist italiowisch, so- Wohl die Bevölkerung, die wenigen Männer, die ׳noch in Civil zu sehen sinid, die Frauen und Kinder mit ihren feurigen Augen, s-chwarzgelockten Haaren und rotbackigen Gesichtern, als auch die Bauart der Häuser mit ihren Laubengängen und Erkern, insbesondere die vielen stattlichen, Peffach, das Fest der Freiheit. Unter allen Festen, die die Inden feiern ist das Pesfachfest unbedingt das wichtigste, weit es sowohl in die Geschichte des Judentums als auch in die der Menschheit sehr tief cinschnridet. Midemselben beginnt die Zeit-, Jahres- und Monatsrechnung und es ist das Fest der Feste, weil -es alle späteren Feiertage bedingt und vorwegnimmt. Auch die Natur steht nicht zurück. Ber-j schwunden ist das Eis, wärmere Lüfte wehen uns an und Knospen wagen sich nach und nach aus der Erde hervor. Der Mensch und die Natur feiern ihre Auferstehung. Besonders ist das Pessachfest dass ein-ge, da r das Menschenschicksal m-it demjenigen der Natur verknüpft und harmonisch verschmelzt. Die Propheten, Psalmisten, Tanaiten und alle Denker und׳ Dichter bis auf die heutige Zeit haben stets an diese hohen Tage gedacht, die die Geschichte der Menschheit erschließen und ihr gewissermaßen Wert und Sinn verleihen. Es fallen die Ketten, -die einst den Sklaven so sehr bedrückt haben, es schwinden der Zwang und die Hörigkeit und an deren Stelle tritt die si'lße, wonige Freiheit. Moses, die weitaus übertragendste Persönlichkeit der Weltgeschichte schreikt uns mit leuchtendem Beispiel voran: er schasst Gesetze, die die Knechtschaft, Untertänigkeit. Bedrückung ins Reich der Märchen verweisen und verkündet die Freiheit allen Menschen. 'Deshalb kommt dem Pessachfeste solche Bedeutung zu, weil es an der Schwelle der jüdischen Geschichte steht,! sie inaugurirt und mit ihren Freiheitsstrahlen j beleuchtet.! Aber wie verschieden wurde das Pessachsesti zu verschiedenen Zeiten gefeiert! Ganz anders war es, als die Juden in ihrem! Lande wohnten und in der Blüteperiode ihrer Geschichte der vollsten Freiheit sich erfreuen ko nuten. Da hatten die Worte: ע::"־'" הייינו einen Einn. Als aber die Geschichte Israels sich Verdunzum Teil aus dem Mittelalter stammenden Palöste mit ihren Fresken und Marmorsäulen. Gleich beim Austritte aus dem Bahnhofe, erblicken wir ein Kennzeichen der dort zumin-!!best vor dem Kriege bestandouen italienisch-nati-, analen Gesinnung der herrschenden Gesellschafts-, kltassen: auf einem weiten, mit Garten-Anlagen! geschmi'ickton. Platze ragt das 18 m hohe Bronze-! stondbild Dantes empor, des ersten Predigers, des Jrrodentismus; der granitene Sockel ist ge-i schmückt mit allegorischen Gestalten aus seiner ״Göttlichen Komödie", dem Paradiese, dem Fegefeuer und der Hölle.! Die Stadt selbst trägt Spuren der bis ins graue Altertum reichenden Vergangenheit, Türme aus der etruskischen und der Römerzeit und die noch Wohl erhaltene Ringmauer, welche der ostgothische König Theodorich der Große, der Wieder- Erbauer der m den Stürmen der Völkerwanderung zerstörten Stadt, errichten ließ. Trient war bereits im 4. Jahrhundert Sitz von Bischöfen, denen der römisch-deutsche Kaiser Konrad II. im Jahre 1027 die fürstliche Würde und damit auch die weltliche Herrschaft über die! Stadt und Umgebung verlieh, welche sie, wenn auch später in Anlehnung an die Habsburger, bis zum Anfänge des vorigen Jahrhunderts innehatten. * feit hat und schwere Zellen herangebrochen sind, da war es nur eine Ironie, wenn man von Freiheit gesprochen hat. Zur Zeit, wo der römische Adler seine Kralleu tief ins Fleisch der jüdischen Nation ringeschnitten, zur Zeit, wo im Mittelalter die Jnquisition lodernde Scheiterhaufen errichtet hat und!׳.och in .der 'Neuzeit als Bohdan Clnniell.n'wi Hundert Tansende von Inden ni-ederschlachien ließ, konnte es nur als Ironie betrachtet werden, wenn wir uns frei nannten. So scheint es auf den ersten Blick. Trotzdem konnten auch die Inden damals, wo der Horizont van. Wolken umdüstert ivar von Freiheit sprechen, denn wenn sie auch körperlich nicht frei ivaren, aber im Innern habensie viel mehr Freiheit gehabt als die Bedrncker, die die Knechte verschiedener Vorurteile waren. In religiöser und ethischer Beziehunai waren die Juden auch im Mittelalter frei von Vorurteilen, ja, wir Juden hatten überhaupt in dieser Hinsicht kein Mittelalter. Dieses berührte und schädigte nur unsere K örper, aber nicht unsere Seele, unseren Geist. Derselbe knüpfte stets, mehr oder weniiger an die glänzende Vergangenheit an, schöpfte aus ihr Trost und Hoffnung und zog unbeirrt. seines Weges. Und weil das jüdische Volk an die Glanz- Punkte seiner Geschichte dachte, wo es in jeder Hinsicht frei war, deshalb sammelten sich in ihm Energiequellen an, die sich dann mit elementarer Gewalt entladen haben. Der scheinbare Sklave bat die Menschheit von ethischen und religiösen Vorurteilen befreit und ein unübersehbares Heer von Freihcitskämpfen hat das Judentum hervorqebracht, die die Welt voin den Fesseln der Sklaverei erlöst haben. Dem jüdischen Volke wurde das Pessachfest zum. Symbol der Freiheit, ja -des sich ewig Befreienwottens, also eines Befreiungsprozesses. Es hat sich iimmer vergegenwärtigen müssen, als ob es selbst aus Aegypten gezogen wäre. Die ehemalige bischöfliche Residenz, das Schloß Buon Cun-silio, ist jetzt in. eine Kaserne umgewandelt: Der aus den12 .׳. Jahrhunderte stammende bischöfliche Dom ist eines der interefsantesten Bauwerke der Stadt, und erinnert mit seinen hübschen Gallerien und den säulentragenden Löwen an den Portalen lebhaft an Venedig. Der Hochaltar aus afrikanischen Marmor wurde gemäß Gelöbnisses der Bevölkerung anläßlich der Belagerung der Stadt durch die Franzosen im spanischen Erbfölgekriege (1708) in Nachahmung des Hochaltars der Peterskirche in Nom errichtet. Der Platz vor dem Dome erhält ein malerisches Aussehen durch den inmtitten desselben sich erhebenden Neptunsbrunnen, den alten Stadtturm und den mit herrlichen Freskena,emälden verseheinen, jetzt militärischen Zwecken dienenden Palazzo Pretoria. Welthistorische Bedeutung besitzt die unweit gelegene Kirche St. Maria Maggiore, in welcher lnden Jahren 1562-8 die Schlußsitzungen des im Jahve 1545 nach Trient einberufenen kirchlichen Konzils abgehalten wurden. Um nämlich die durch das Auftreten der Refornmtion entständenen kirchlichen Wirren zu beseitigen, und um gewisse, die Reformativnsbewegu-ng, verursachende Mißbräuche auf manchen Gebieten!der Kirche Strkeitt ten ״Me »Uni ftMnkr‘.