Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIX (1918)
- Issue
- Heft 4 (14.2.1918)
- Date
- 1918-02-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4. ״Mische S-tttstim«e* Öfti* 5 krachtet nämlich i»m Lainz die Ankunft von jüdihen Pfleglingen als Gelegenheit, der katholi- M Kirche neue Gläubige zuzuführen, obwohl ie sicherlich nicht gerade auf den Zuwachs aller ' anker Pfründner angewiesen ist. Namentlich die Frauen werden sofort, nachdem sie im Versorgungshaus angelangt sind, mit allen möglichen Mitteln bearbeitet, um sie zum Uebertritt zu bewegen. Daß die Schwestern die Bekehrungen von Andersgläubigen als ihre hei-, ligste Pflicht ansehen, will uns nicht weiter wundernehmen. Ihrem frommien Glauben entspricht dies und gewiß meinen sie,damit ein gottgefälliges Werk zu perrichten. Was soll man aber dazu sagen, daß Aerzte solche Mißstände ruhig dulden, ja sogar begünstigen? Denn auch in den Kranken und SichenabteiluiNgen werden eifrig Bekehrungversuche gemacht. Wir waren bisher der Meinung, daß es Aufgabe der ärztlichen Kunst sei, Leben und Gesundheit van Kranken zu retten, nicht aber die Seelen. Offenkundig ist diese unsere Meinung falsch, denn Aerzte in Lainz hegen da, wie gesagt, eine ganz andere Ansicht. Aber noch ein ganz anderer Umstand kommt dazu: Hier, wo lauter Schwerkranke liegen, bedeuten diese Bekehrunaisversuche eine schwere Schädigung der Leidenden. Zu den körperlichen Schmerzen gesellen sich noch seelische Qualen und die Kranken geraten in die heftigsten Aufregungs- Zustände, die geeignet sind, ihre Gesundung auf Und statt des gefürchteten Fiebers fand er bald Ruh', Und da der Morgen graute, die Zeit fürs Gebet, War cm Menschendasein aus der Tiefe erhöht Und froh und fromm in andächtiger Scheu Dem Herrn nun Dank ward für Liebe und Treu' Und statt des Schmäh jisroel in, der Sterbestunde Dieses jetzt erscholl aus des Lebenden Munde. Tiroler Front, Oktober 1916. Feldrabbiner Dr. Altmann. itundfdmu. Chacham Baschi Michael Papo. Unter ganz außerordentich starker Beteiligung wurde am 1. d. Mts. der Seelsorger der türkischen Jsraelitengemein.de in Wien Rabbiner Chacham Baschi Michael Papo zu Grabe getvagen. Vom Sterbehause 2. Novaragasse 27. wurde die Leiche um halb 10 Uhr vormittags in ,den türsich auch der freiwillige Jäger Hilsbach, ein Jsraelit. Cr hatte in der Hitze des Gefechtes zwei Schüsse in den Arm erhalten, hatte jedoch nach Empfang des ersten Schusses d. Gefecht noch nicht verlassen wollen und ging dann erst zurück, als er durch den zweiten Schuß völlig kampfunfähig wurde. Beim Soutien angekornmen, äußerten diele feiner Kameraden ihr Bedauern über seine Verwundung. Der Brave entgegnete jedoch lacbenden Mundes: ״Brüder, es schmerzt nicht, dsn! dort (nach dem Gefecht zeigend) geht es gut unser Sieg wird mich schon heilen." Er war dieser Hilsbach der erste freiwillige Jäger des Gardesägerbataillons, welchem das von seiner Majestät Friedrich Wilhelm III. für das Detachement verliehone Eiserne Kreuz einstimmig von seinen Kameraden zuerkannt wurde. Die Zionisten undie Friedensverhandlungen. Das Jüdische Korrespondenzbureau im Haag meldet, daß einem Reuterbericht zufolge, Zionist Review, das Organ der englischen Zwnistenfederation über die Friedensverhandlungein u. a. folgendes schreibt: ״Die Zionisten wünschen nicht, daß ihreswegen der Krieg auch nur einen Tag länger geführt werde, als die Allierten zur Erreichung der vom! ihnen erstrebten Situation für notwenkischen Tempel getragen, der schwarz verkleidet' ... moe rup rwmnpt 1«™» ihre ispiutmiiTm aur mXt ^de sie vor dem Ullerheiligsten! dig erachten. Aber sie verlangen, daß bei der Efgebahrt. Im Tempel hatten sich außer der Schaffung der jüdischen Siedlung in Palästina ff?., j gatnUie emaefunben: in Vertretung des Bür-! dem )Wischen Volk Recht und Gerechtigkeit Aerzten aber können die Gefahren solcher Bekehrumigsversuche am allerwenigsten verborgen bleiben, und von diesem! Gesichtspunkte aus betrachtet, bedeutet ein solches Verhalten eine Pflichtverletzung, die nicht streng genug gerügt werden kann. Aus Seelenmachtswelten. (Nach eigenem Erlebnis.) Fiebrig schlug sein Puls und matt das Herz, Schwer ging sein Atem als sie abwärts Ihn trugen auf der Bahre vom Krankenzug. Keiner wußte und vergebens man frug Den Ohnmächtigen, wie woher und wannen, Der Kopfzettel fehlte, so ins Lazarett von dainnen Sie ihm!getreulich gaben das Geleit. Dort war die Schwester Oberin und der Prr mar bereit Sie betteten ihn stille. Mit viel Liebe nach Wunsch und Wille Die Barmherzige ihn vergeblich forschte Indes der Leidkundige behorchte, Befühlte und Prüfte und sann, Was Wohl in dem Falle seine Kunst nach kann. Und traurig er ward und finster sein Blick Und zur Samariterin er sprach: ״man schick' Und hole den Feldkuraten her. Die Nacht durchmacht er Wohl nimmermehr." Und der Priester kam und ins Ohr Flüsternd er fragte den Fahlen ob zuvor Das Sakrament er ihm soll reichen. Die Wegezehrung vor dem Erbleichen; Er sei der Pfarrer und brächte Kreuz und Segen. Da riß der Totgesagte angstvoll und verlegen Auf das Augenpaar und machte mit dein Kopfe : nein! Und bewegte die Lippen mühsam und mit vieler Pein Sich ihm entrang das Wort: — Rabbiner! Ein Jude war also der Wunde Kaisersdiener Und überrascht und ebenso ergriffen ’ Die Umstehenden den Begehrten eiligst Berte־ fen, Der Kranke indes verfiel immer wehr, Doch, oWunder, er erholte sich sehr, Als der Tröster seines Glaubens erschien. Dieser betete und wirkte auf ihn Nicht mit Hinweis auf Sterben und Tod, Nein, mit der Lehre vom Hoffen auf Gott Auch wenn alles schon scheint verloren. Drauf horchte der Leidende und spitzte die Ohren Und strammte ׳den Lebensgeist und raffte sich Und wie der Rabbi benedeiet, siehe! sagt er Amen drauf. Und man wusch ihm die Wunden, nähte sie zu germeisters Stadtrat Dr. Oskar Hein, Oberrab-! widerfahre bin,er Dr. Güdemann mit den Mitgliedern des'; Rabbinatskollegiumms, der Polizeibezirksleiter der Leopoldstadt Polizeirat Brandhuber von' Etschfeld, für die israelitische Kultusgemeinde die Herren: Dr. Wilhelm Pappenheim, Sekretär Dr. Emil Adler und Amtsleiter Freistadt, Tempel- Vorsteher Regierungsrat Wilhelm, der Präsident der ״Chswra-Kadischa" Landesschulrat Dr. Markus Spitzer, die Rabbiner Dr. Grunwald, Dr. Feuchtwana!, Dr. Nosenmiann und Dr. Funk, Oberkantor Morgenstern, Erster Kantor Jurberger, Chordirigent Hcimann. Als Vertreter des Verbandes der Religiönsprofessoren der Mittel- Zionistische Bewegung in Oesterreich. (Ein. Friedensscheck auf 250.000 Kronen.) In Wien errichtete Frau N. N. eine Stiftung in der Höhe von 250.000 Kronen, die sie innerhalb der ersten 6 Monate nach Friedensschluß voll einzahlen wird. Als erste Rate wurden bereits 10.000 Kronen erlogt. Professor Israels 70. Geburtstag. ™ ™ w ׳,™ c s c. cv, > Aus Berlin wird geschrieben: Am 2. d. M. schulen Rabbmer Dr. Reich (Baden), dre Vor-! stierte Professor James Israel, das geistige Oberstandsnntglieder der Wiener Bethauser, dann: Haupt der deutschen chirurgischen Urologie, seinen Sofrat Dr. Julms Schlag, Präsident des Ver-j 70. Geburtstag.'Schon frühzeitig, vor fast 46 Iahbandes ״Einheit. Bernhard Hofbauer. Religi-j ren, wandte er sich, an den Kliniken Trnubes und onsmspektor Kanrtz, sämtliche Vorstandsmügliej Langenbecks gründlich vorgebildet, den mani,g^ der der türkischen Gemeinde und zah reiche an-׳faltigsten chirurgischen Problemen theoretisch dere Trauergaste. Nach den Trauergesangen foie, und praktisch arbeitend zu. Seit dem Jahre 1887 Oberkantor Bauer, Kantor Altavas und Kantor befaßte er sich mit der Nierenchirurgie; das ino- LöwiL mit dem Tempelchor an,gestimmt hatten, sprach Chacham Ovadia, die Trauerrede. Namens des Präsidiums der türkischen Gemeinde nahm Vizepräsident Leon, Haim Abschied von dem Verblichenen. Nach den rituellen Gebeten wurde der Sarg von den Vorstehern der türkischen israeli- Haussuchungen bei Lemberger Poale-Zionisten. tischen Gemeinde zum Gallaleichenwagen getranumentale Werk ״Chirurgische Klinik der Miecenkrankheiten" aus dem Jahre 1910 legt für die meisterhafte Beherrschung dieses Gebietes der Chirurgie das glänzendste Zeug,ms ab. gen und auf den Zentralfriedhof überführt, wo die Beisetzung in einem von der israelitischen Kultusgemeinde gewidmeten Ehrengrabe erfolgte. Am Grabe sprachen für die Kultusgemeinde Dr. Markus Spitzer, für die Angestellten der Sephardimi Oberkantor Bauer, für die Rabbiner Wiens Dr. Funk und für die türkisch-israelitische Schule Herr Arditti. Die starke Beteiligung an der Leichenfeier legte Zeugnis von der allgemeineu Wertschätzung ab, die Räbbinsr Papo allenthalben genoß. Rückkehr des Abgeordneten Breiter aus russischer Gefangenschaft. Der sozialistische Abgeordnete Ernst Breiter, der zur Zeit der russischen Invasion im Septemöer 1914 in Lemberg weilte und beim Abzug der Russen im Jahre 1915 nach Kiew verschleppt wurde, ist nunmehr aus der Gefangenschaft zucückgekehrt. DaS erste Eiserne Kreuz 1813 vom Gardejäger- Bataillon. Die ״Parole", das Organ der deutschen Kriegervereine. brachte unter dem Titel ״Kleine Epi>- sod-.m aus den Befreiungskriegen", folgenden Bericht in seiner Nummer 38: ״In den mörderischeu Gefechten am 2. Mai 1813 war auch das preußische Gardejägerbataillon engagiert und derlor viele Leute. Unter den ersten, welche als Verwundete vom Detachement zrückkamen, befand Aus Lemberg erhält die Jüdische Arbeiterkorrespondenz die Nachricht, daß dort der jüdische Arbeiterverein ״Poale-Zion" und der ״Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter" von der Polizei plötzlich mit Haussuchungen beehrt und die Loöalitäten Polizeiamtlich versiegelt wurden. Von zufällig anwesenden Mitgliedern wurden mehrere verhaftet jedoch nach Feststellung ihrer Identität entlassen. Ueber die Gründe dieses Vorgehens gegen die beiden Arbeitervereine ist nichts bekannt. <§s ist auch unbekannt, ob die vorgenommenen Verhaftungen als Vorspiel strafrechtlicher Ver> ,olgungen anzusehen sind.;_ Eigenartiger Patriotismus. Am 5. Tischri 5678 starb im Kriegsgefangenenlager zu Hammerstein (Westpr.) der Kriegsgefangene Nathan Joseph Sour. Seine letzte Bitte war, auf einem jüdischen Friedhof (Kewer Jisrael) beerdigt zu werden. Da ich zur Zeit als Unterarzt am dortigen Lazarett tätig bin und mit den Gefangenen hm und wieder Fühlung habe, setzte ich mich für die Erfüllung dieser Bitte ein und erreichte dank dem freundlichen Entgegenkommen der Vorgesetzten Kommandanturbe- Hörde, die bei der Inspektion in Danzig um die Erlaubnis auf schnellstem Wege einzukommen versprach, daß der Tote auf dem Friedhof der jüdischen Gemeinde zu Hammerstein beigesetzt werden dürfe, unter der Bedingung, daß ich von dem Synagogenvorstand eine schriftliche bündige Erklärung beibrächte, daß er die Leiche auf dem Gemeindefriedhof bergen wolle. Der Wunsch des To-