Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIX (1918)
- Issue
- Heft 4 (14.2.1918)
- Date
- 1918-02-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2621806-2622015-2622018--3728-2624961- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nummer 4. Wische DoWmm. JdtMOiHi: Redaktisn uni Administration: Crü.m, Adle it-rr-ich.Un«°rn, halbWri, . *mm T20 Redaktion- Bnchdändl-rischv-rtr-tung: 0«. ttmm, t—i — A4144.A•• 14• - .. Vez»s»vreNe: Für Oetterreich-Nngarn, halbjährig . Kronen 720׳ ganzjährig.Kronen 14 — Deutschland, ganzjährig.Mark 12 — Rußland, ganzjährig ....... Rubel 6׳— Balkan, Frankreich ........ Krank» 14'— Redaktion Wien VIII. Lerchengaffe 6 a, Redaktion und Administration: Brünn, Adlergasie t Buchhändlerische Vertretung: Otto K5emm» Inserate r die 6-spaltige Petitzeile SV h. Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht .,!nor riert. — Manuskripten ist Rückporto beizufü-^.- a. Wien—Brünn >4. Fabruar 1918. 2. Adar 5678. Prag—Lemberg. KnegMen-ttü Hickls Jüdischer M-Kcklliler 16. Jahrg. Preis K 3-50. Brod Max. In 6er Fabrik. Benedikt Clotilde: Aus derweibl. Armenpflege Ben Josef: Kriegswaisen. Cohn Dr. Carl Altona: Judentum und Freiheit . Feuchtwang Dr.: Brüder ganz Israel Färber Dr. R.: Unsere Israel. Militärseelsorge Gfinzlg Dr. I.: Die Philosophie des Rabbi Beer Mezeritsch . .... Iniber 8. J.: Frihling 1915 . . . . . Kohuut Dr. Ad.: Allerlei Geschichten v. König Salomo König Eisig: Kriegspassah .... Kurrein Prof. Dr. A.: Rabbi Israel Baal-Schem Müller Dr. E.: Prophetenworte . . . Neusser Regine, Breslau: Fanny von Arnstein: Rothbllum Dr.: Großvaters Tod . . . . . Rawitsch Meilech: Aufotmen .... Reifer M.: Pravoszitelstwo .... Schach Fabius, Hamburg: Weltschmerz Schach Fabius, Hamburg: JUd. Kriegsaphorismen Scherlag Lorenz : Der Tod geht um . . Schmäh! Grete, Wolf: Militärzug an der Grenze . Schreiber Heinr. Dr.: Die Kultussteuer und der Krieg Zlocisti Theodor: Das Heilmittel Zu beziehen durch dem JUd. Buchverlag Wien, VIII., Lercheng. 6a. Juda L. Magnes und Stephan Wise. Bon S. Bettelheim. Ohne eine biographische Paralelle im Style Plutarchs -beabsichtigen zu wollen, drängt sich ei'ne vergleichende Gegenüberstellung dieser zwei markantesten Vertreter der jüdischen Renaissance i׳n Amerika zur Federzeichnung auf. Zwei prächtige Pendants, welche dem Pantheon! der jüdischen Gegenwartsgeschichte zur Zierde gereichen, wenn es auch unter der Blume beklagt sein soll, daß die beiden Bilder falsch postirt sind, sie stehen sich nämlich mit dem Rücken gegenüber. Freilich sind die beiden, wie von Dichter- Hand geschaffene Gegensätze der Wesensart die in ihrer äußeren Erscheinung, im Ausdrucke und im Schaffen zur charakteristischen Kundgebung gelangt. Beide sind Rabbiner von der moderigsten Art, mehr geistigen als geistlichen Aufgaben gewidmet, beide sind von den alten Methoden der Vervollkomnung des Individuums, aufgestiegen zur höheren -Aufgabe, der Bildung und Entwicklung des jüdischen Volksganzen. Die Geschehenisse des Weltkrieges, welche das Newyorker Judentum in das Landen licht der Geschichte gerückt haben, verlieh den Beiden das Gehör und die Aufmerksamkeit der ganzen Diaspora. Sie traten beide in das Prosoenium als Vorkämpfer für die Freiheit, für die Würde und die Wohlfart des Gesammtjudentumes. Beide sind sie gleich wirkungsreich in der Erscheinung und der Rede, doch in den wie grollender Donner einherrollenden Sätzen des hohen breitschultrigen, düster dreinblickenden Rabbi Stephan Wist, wohnt der schammaitische Geist der Intoleranz. Er dient der Freiheit, indem er gegen die Unterdrücker tödtliche Felsblöcke seiner wuchtigen Rede schleudert. Rabbi׳ Magnes der fein gegliederte, schlanke Liebling der Massen von fast m'ädchen- Hafter Zartheit ist der Repräsentant der Hillelschen Schule, die ihre Wirkung mit Mitteln der Concilianee sucht. Beide sind hervorragende Zion-istenführer. Jon er will alles aus den! Bannkreise der weisblauen Fahne verwiesen sehen, Was nicht seine radicale jüdisch-nationale Auffassung teilt, bie* ser begnügt sich mit der Hillel'schen Förmel: ״Liebe dein Volk, liebe Zion, wie dich selbst, alles Uebrige ist Beiwerk". Stephan Wise hat'vor zwei Jahren, im Augenblick als die Einigkeit des New- . Yorker Judentumes eine Lebensfrage für die jüdische Zukunft bedeutete das Schisma gepW digt, während der Andere die unermüdlichen׳Er- Mahnungen zur Eintracht und Duldung erschallen ließ. Jener predigt den Hatz gegen die Autokratie, dieser verkündet die Liebe zur Demokratie, jener rottet das Umkraut der Assimilation aus, dieser Pflegt die Liebe zu Zion. Merkwürdig .genug, daß die Schammai- Schule bei uns zu allen Zeiten den ersten Platz erringen konnte, während der Geist der Duldung sich von jeher mit der Dornenkrone der sittlichen Superioritäd begnügen mußte, daß die Verkün- -der des Einigkeit-Ideales stets Gegenstand von heftigen Angriffen gewesen sind, der Prediger des Zwiespaltes aber auf die Schultern des Golusvolkes gehoben wurde. So hat auch hier Stephan Wise die Leitung des zionistischen, Provisorischen Komitees in den Händen, während dem zu den ersten Begründern des amerikanischen Zionismus zählende Dr. Magnes oft selbst der Titel des einfachen Zionisten streitig gemacht wird. Dr. Stephan Wise, der Enkel der trennungsorhodoxen Führer Moriß v. Fischer und Rabbi Weiß, hat von seinen Ahnen den Geist der Trennung, aber gewiß nicht den Geist der Orthodoxie geerbt. Er stellt den radicalen Flügel der Reform dar, er ist der Seelenhirt einer Sonntagsgemeinde. Dr. Magmes, der im Geiste der Assimilation erzogen ist, hat bekanntlich auf den hohen Posten im Reformtempel ״Emamuel" resigniert, weil er Feuilleton. Bon Dr. N. Steif. I. Die ״Gasse". Sing' unsterbliche Muse den Sang der heilkgen Khille, die gleich funkelndem Sterne durch Glanz ihres Namens hervorstrahlt, wie durch ihr ruhmvolles Alter von fast dreihundert Jahren, jener Inschrift zufolge, die man kann lesen am Tempel, der mit der schiefen Gestalt an den Turm von Pisa erinnert. Auch die Häuser der ״Gasse", die etwas waklig vom Alter, könnten so manches erzählen, wie viele der Generationen aufgewach-- sen darin und nun für immer entschwunden. — Wenig mag freilich erinnern an all' das einstige Leben; denn wo Reb Perez einmal sich ins Meer des Talmuds versenkte, klopft jetzt eifrig drauf los der Meister der Schuhe, Pan Vojtech, und durch die niedrigen Fenster hindurch kann heut man erblicken nur die zerrauften Köpf' der Gesellen, die Pfeifend und lachend flott die Sohlen benageln, oieweilen Schaaren von Kindern lärinend im Staube sich balgen und im Steinewerfen sich üben. Einzig nur Srule, der Minjonär? hält hoch noch das Banner, als ein lebendiges Zeugnis verschwundener, einstiger Größe; er, der als Held und Märtyrer zugleich sich jedesmal zeiget, wenn durch die ״Gasse" er gehet, wo alles sich feindlich verschworen gegen Srules Person, das Leben ihm zu verbittern, weil sein! Hut und sein Rock nicht ganz ׳nach neuester Mol^, beide vor etlichen Jahren von mildtätiger Hand ihm gespendet, sicher als erste ״Matone,?,die etwas zu groß ausgefallen: denn in den Rock geh'n zwei Srules hinein und der Hut auch er findet nur an den Ohren noch Halt, um nicht noch tiefer zu rutschen. — Dennoch er tauschet mit Keinem,weil stolz bewußt seiner Würde als ״Minjonär" er sich fühlet,, als Mann, den die Khille benötigt: denn daß im Tempel gehörig des Morgens und Abends man bete, daß zur ״ Fahrzeit" den ״Kadisch" ein jeder mit Mmjan hersage, dies hängt alles von seiner Person mit ab und kleinlich wär's, dagegen zu halten, daß hiefür er bezahlt wird,wo nicht hoch genug zu bemessen ist solch' eine Leistung.— Gleichwohl mußt' er erfahren einmal eine Kränkung des Herzens, damals, als man gefeiert das Fünfzig-Jahr-Jubiläum der Renovierung des Tempels und zur Erhöhung der Feier alles zum Festmahl sich einfand, und er in "cherster Hoffnung, gleichfalls geladen zu wer-!n, den ganzen Tag lang gefastet. Spät dann am Abend, als nichts mehr zu hoffen, er bitteren! Gemütes fast unter Tränen daranging, nun doch hinunterzuwürgen all' das kalte und elende Zeug, das Brot und die Bohnen, anstatt der Braten und Kuchen, statt Bieres und herrlicher Schnäpse, siehe, da klopft es ans Fenster und jemand ruft seinen Namen. Ach, er hats ja! gewußt, Gerechtigkeit gibt's noch auf Erden! Denn, was anderes sollts-sein, als ihn zum Mahle jetzt holen, wo man in letzter Minute sich seiner doch noch erinnert! Aber o Jammer! jetzt hat er den Magen sich voll angestapfet, daß kein Plätzchen darin für all' die leckeren Dinge, die dort seiner!nun harren. — Doch findig wie unser Srule einmal nun ist, so weiß er auch hier sist schnelle zu helfen: steckt kurz entschlossen hineinsich tief in den Schlund seinen Finger, und von dem schlechten Ballaste im Nu befreit ward sein Magen. So, <nun rasch hingeeilt und keine Minute gezaudert! Und schon läuft er die ״Gasse" entlang, da schreit's ihm entgegen: ״Wo du so lange nur steckst! E' Ewigkeit warten schon alle — auf den zehnten, auf dich, ״mekadesch zu sein die Left>0ne"!3-Ja, damals schien er mit sich und der Welt entschieden zerfallen, und nur schwer ward geheilt durch die Zeit die klaffende Wunde. In der ״Gass" außer ihm noch residieret Frau Schmalzer, die einen Ruf genießt weithin im Mästen der Gänse. Nirgends so prächtig gedei» Verbreitet kt ״Ms Wislhe« Mskcku-er".