Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIX (1918)
- Issue
- Heft 17-18 (9.8.1918)
- Date
- 1918-08-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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W 17*18 ״Jüdische Dv1^.,.mme" S r 0. konntsn, sie sich mit ihrn in keiner Sprache verständigen. Da kam der Hilfskommiffar Lobkowski herein. Dieser fragte ein Mitglied׳ der Deputation ״ttsKbrj -attiajh" (Bist Du ein Hebraer?). Er antwotrete: Kein׳! (Ja!) Nun machte L. den Dolmetscher und sie konnten in der Sprache der Heiligen Schrift ihr so schwer be- ~ drücktes Herz erleichtern. geben darf und daß es ungeheuerlich wäre, in unserer Zeit, die!das Schlagwort vom Rechte der kleinen Völker geprägt hat, die Tatsache der Exi>- stcnz ׳des jüdischen, Volkes in Mrede stellen zu wollen. Dasselbe Problem des neuen Vexfassungsaufbaues, das Seidler zu lösen versucht hat, hinterläßt er> ungelöst seinem Nachfolger. Da hierbei die galizische Frage von ausschlagge-!bonider Bedeutung ist, so wird es auch jede künftige Regierung nicht unterlassen dürfen, sich | über die Forderungen des jüdischen Volkes, das in Galizien eine nichtunbeträchtliche Minorität!bildet, zu informieren und diese Forderungen |3u berücksichtigen, wofern eine gerechte Ordnung der Dinge ungebahnt werden und nicht neue! Herde des Unfriedens in die neue Wohnung eingebaut werden sollen." Der Oberbefehlshaber Ost' und die Juden. ״Letzte Neis" in Wilna schreibt: Am 12. Juli brachten wir eine Unterredung des kaiserlichen Kommissars General v. Falken- Ahausen mit einem Vevtreiier des Berliner jüdischen ״Komitee des Osten" Mer jüdische Fragen in Litauen. Falkcmthausen betonte die Geneigtheit beit Deutschlands den jüdischen Wünfchen und Interessen gegenüber und die Bereitwilligkeit der deutschen Negierung, nicht nur die Gleichberechtigung!der jüdischen Bevölkerung Litauens zu wahren׳, sondern ihr auch bei der Durchführung ihrer nationalen Bestrebungen und der Erreichung einer national-kulturellen Selbsiverwaltung zu helfen. Zum Schluß! drückte Falkenhausen die Hoffnung aus, daß die Wunden des Krieges allmähsich vernarben werden. Gleich ,nach dieser Unterredung zeigte der Oberbefehlshalber Ost den Gruft dieser Worte. s nach Hause zu befördern. Von den 6000 Flücht- Da nämlich das amerikanische jüdische Hilfskoj liugen, die sich in Alexandrien aufhalten, leben mitee kein Geld mehr infolge Verboties seiner! 1600 in zwei Baracken, in ״Shoma", einem Negierung schickt — gehört es doch zu der Politik, Warenhause am Hafen, und ״Gabbari", einer der Entente, Deutschlands friedliche Bevölksrung: früheren Quamntäne. Die anderen haben Arauszuhungern, so hat sie auch die Bevölkerng' beit gefunden und brauchen die Hilfe der Regieder von Deutschland besetzten Gebiete in diese >mng nicht anzurufen. Auch nicht alle Flüchtlinge Politik mit embszogen —, so hat der Oberbe-!in den Baracken sind arbeitslos. Viele von ihnen ' gehen täglich in die Stadt arbeiten. Die Knaben lernen, zimmern -und liefern Liegeftühle und Tische für das Rote Kreuz. In dieser Weise wer- Regierung Schutz vor den schrecklichen Mordtaten j Propagandaaktion dieser Aktien ist von London der Pogromisten zu erbitten. Als sie dem Volks-!as in die Wege geleitet worden, kommiffar Tschitscherin vorgestellt wurden, Jüdische Filme. Jakow Lerner. In Jekaterinoslaw verschied im blühenden Alter von 36 Jahren der bedeutende junghebräische Dichter un!d angesehene Pädagoge Jakow Lerner. J׳n, allen besseren hebräischen Zeitschriften der letzten 16 Jahre sind seine Lieder und Idyllen zerstreut, die einmal gesarmnelt, einen stattlichen Band bemerkenswerter Lyrik und Epik darstellen werden. Der Verstorbene wirkte als Oberlehrer für hebräische Sprache und Litevatur im Gynumfiimi- Krinsky in Warschau und später im jüdischen Politechnikum in Jiekaterinoslaw. Die jüdischen Flüchtlinge in Alexandrien. Wie man si bruch des Krieges zwischen der Türkei und der Entente Zehntausende Palästinischer Juden, die sich nicht ottomani.siciren lassen wollten, nach Ägypten gegangen. Die meisten hatten, in der Hoffnung, bald nach ihrer Heimat zurückkehren zu können, ihre Zelte in Kairo und Alexandrien aufgeschlagen. Die Palästinakommission betrachtet als eine ihrer Hauptaufgaben, diese Flüchtlinge wieder Die jüdische Filmgesellschaft ״Misrach"", der der beliebte Film ״Das jüdische Leben in Palästina" gehört, bringt jetzt iw vielen Städten der Ukraina mit großem Erfolge drei neue Filme jüdischen Inhalts zur Aufführung: ״Die Kantonisten" (die zur Zeit Nikolaus ]. zum Militärdienst entführten Kinder), ״Die Juden in Rmnänien" und ״Der blutige Spaß" (nach den! bekannton Roman von Scholem-Aleichom). Bekämpfung der jüdischen Sprache in Amerika Die ״Voffische Zeitung" meldet aus Bern: J!u einigen östlichen Städten! Amerikas setzte ein Kampf gegen das Jidisch ein. Man verlangt die Ausschaltung dieser Sprache aus de!r, 'Öffentlichkeit der Vereinigten Staaten, Weil sie bekanntlich zum größten Teil aus deutschen Worten besteht. Bekanntlich leiben in New Aork allein anderthalb Millionen Juden, von denen 0i!n<e Million sich «nur auf jidisch verständlich macht. Es gibt mehrere jüdische Zeitungen in New Aork, die eine Auflage von 600.000 erreichen. Die Tauf-Epidemie. Die Tauf-Epidemie in erinnert, sind beim Ausder! ungarischen Judenheit hat während des Krieges noch zuapnommen. Der i«m vergangenen fehlshaber Ost, Rabbiner Raben stein mitgeteilt, daß er dem Zentralen Jüdischen Hilfsfomütec 200.000 Mark zur Verfügung stellt. Das -Ausbleiben des jüdischen Geldes aus'! den sie auch für ihr späteres Leben vorbereitet. Amerika. — zum größten Teil von. litauischen Das Leben i׳st, so weit es nur möglich ist, in, Juden Aamerikas stammend — hatte wie eine! häuslicher Art eingerichtet. Jedes Lager hat eine schwere Last auf den Herzen der Vertreter der! Synagoge, eine Schule undeine Badeanstalt. In Judenschaft Litauens gelegen; —die hochherzige! ,.Gabbari!" gibt es ein Spital für Kinder, eine Gabe des Oberbefehlshabers Ost hat ihnen ihre cm“־״ ri~T1־ as'“' Sorgen genommen. Die Spende hat aber auch i׳n der Judenheit Litauens die Hoffnung gestärkt, da Wie deutsche Regierung auch in anderen, Fra« een ihre Interessen fördern! witrd. Moskau. (Der Beilis-Prozeß vor dem! Re״ volutionstrtbuual.) Vor dem hiesigen Revolutioustribunal wird in nächster Zeit eine Reihe von Prozessen! gegen die früheren Minister des zaristischen Regimes beginnen. In erster Reihe wird der frühere Justizminister Schtscheglowitow als Angeklagter erscheinen. Die Hauptcmschuldigung lautet auf Ei!nwirkun!g auf die Richter im Kiewer Ritualmordprozeß gegen Beilis. Die orthodoxe Konferenz in Kiew. Die Konferenz der orthodoxen Organisation ״Nchdus Jisroel", über die wir bereits vor kurzem berichtet haben, dauerte 6 Tage. Den größten Teil der Verhandlung nahm die Palästinafrage ei׳u. Es bildete sich ein rechter Flügel, der eine schaivfe Grenze zwischen der orthodoxen und zionistischen Tätigkeit i׳u Palästina ziehen wollte. Es wurde jedoch eine Resolution angenommenin dem Sinne, daß die ״Achdus-Jisroel^ das alte wie das neue ״Jischuw" unterstützen soll. In bezug auf den jüdischen Niationalvat und das Vorparlament wurden ebenfalls bedeutsame Beschlüsse gefaßt. Als Sprache der jüdischen Gemeinschaft wurde Hebräisch Proklamiert. Die Partei wird von, nun an nur den Namen ״Achdus" (unter Weglassung des ״Jisroel") führen. Die Konferenz wählte ein Zentralkomitee von 25 Mitgliedern. Jüdische Deputation aus Turkestan. Die Juden von Turkestan haben eiire Deputation nach Moskau geschickt, um bei der boschowikifchen Musteranstalt dieser Amt. Die hygienischen Einrichtnngen sind ausgezeichnet. Im Lager herrscht große Reinlichkeit. Im Lager findet man jüdische Typen aus allen Weltteilen: bucharische Inden. kaukasische, jemenitische, marokkanische, ofteuropäische usw. Die Schulen, die von der Anglo- J!ewish Association ׳erhalten werden, werden von 600 Knaben und Mädchen besucht. Die Unterrichtsprache ist Hebräisch. Alle leben in der Hoffnung, bald nach Palast,na zurückzukehren,. Ein sehr großer Teil ist in die Heimat zurückgekehrt. Der griechische Erzbischof in Jersalem über die jüdischen Palästinabestrebnngen. Der griechische Erzbischof in Jerusalem Porphyrions hat an den britischen Gouverneur von, Jerusalem ein Schreiben gewichtet, in welchem er seine und seiner Landsleute Sympathien mit den jüdischen Palästinabestrebungen zum Ausdruck bringt. Die Juden als Träger moderner Zivilisation und als eines der vorgeschrittensten Völker der Welt werden in Palästina bei der Entwicklung des Landes ihre Fähigkeiten voll zur Enfaltung bringen und in allen׳ seinen Einwohnern ein! w'tteiferndes Bestreben zum Fortschritt in der Kultur erwecken. Christen, Mohammedaner und Juden werden in der heili׳ gen: Stadt in voller Eintracht zusammen leben, und die alten prophetischen Ideale Israels werden in Palästina zuerst verwirklicht werden. Bon der jüdischen Koloinalbank. Jahre begründete ״Verband der ungarischen Juden" ließ deshalb anläßlich seiner General- Versammlung en Reichstagsabgeordüeten Paul FNrkasz in einem Vortrag dieses Thema behaudeln. Eine Abhilfe freilich! wußte der Redner «nicht anzugeben-, denn den einzigen gangbaren- Weg zur Änderung — Rückkehr zum Judentum der Tradition, der die Verpflichtung! dies Thoragesehes und die Anerkennung d!es jüdischen Volkstums fordert — mögen Farkasz und seine Gesinnungsgenossen selber nicht:gehen. Gegen. eine Behauptung des Redners muß aber scharf Stellung genommen werden. Cr tat nämlich den folgenden unglaublichen Ausspruch: ״Es ist Pflicht der ungarischen Juden,heit, geglen׳ die Einwianderung der ׳aus Galizien stammendenJuden, diie weder der Raffe nach noch in moralischer Beziehung!, n,och hinsichtlich ihrer Weltanschauung zur Judenschaft Ungarns gehören, mit den strengsten Maßnahmen Stellung zu nehmen. Denn es ׳ist Aufgabe der ungarischen Judenheit, die ungarische Nation vor solchen: Erscheinungen zu bewähren, an die zu rühren andere nicht imstande sind oder nicht den Mut besitzen." Es muß sehr schlimm, um die ungarische Judenheit bestellt sein, wenn ihre führende Kreise solche Worte ruhig anhören konnten und nicht ,'ihrer Empörung lautesten- Ausdruck gaben. Der Abgeordnete Farkasz möge dessen gewiß sein, daß mit derartigen Anschauungen gerade eine Entwicklung gefördert wird, die letzten Endes zur Taufe führt. Schärfer konnte er! nicht fehlende jüdische Selbstachtung und׳ fehlendes jüdisches Solidaritätsbewußtsein dokumentiereu. Auf seine Worte näher einzugehen,. erübrigt sich ja, ׳denn es hieße die Leser dieser Zeitung beleidigen, wenn man es für nötig halten würde, Farkaszs Worte einer Widerlegung zu würdi gen. Förderung ritueller Speisehäuser in Hamburg. Die Generalversammlung des Vereins zur Förderung ritueller Speisehäuser fand unter Vorsitz von Hermann Gumpertz statt. Dem Bericht für 1917 ist zu entnehmen, daß den Einnahmen an Beiträgen, Spenden usw. von 7684 ' Mark Ausgaben für Subventionen und sonstige Vereinskosten von 6760 Mark:gegenüberstehen. Die Einnahmen sind erheblich zurückgegangen, in der Hauptsache ׳durch den Ausfall an Jahvesbeitrügen und Spenden infolge der Kriegsverhältniffe. Die bewilligten Subventionen sind! sämtlich zur Auszahlung gelangt, doch hat sich der Verein in anderer Beziehung Einschränkungen,auferlegen rnüffen, so daß der Ausfall an Einnahmen dadurch einigermaßen ausgeglichen werden konnte. Ende Dezember 1917 betrug die Die Jüdische Kolonialbank (Jewish Coloi Mitgliederzahl 998. Die turnusmäßig ausscheimal Trust) in London erhielt, wie das ״Kopen-! denden Mitglieder des Direktoriums wurden Hagener Zionistische Büro" berichtet, vom Bri-j durch Zuruf wieder gewählt: neu gewählt wertischen Schatzamt die Erlaubnis, 100.000 neue!den Carl Bing-Hamburg und Jacob Levy- Aktien, zu 1 Pfund hcimuszugeben. Eine lebhafte Berlin.