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Jüdische Volksstimme · 1917-12-14 · Heft 18 (14.12.1917) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVIII (1917)
Issue
Heft 18 (14.12.1917)
Date
1917-12-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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S fit f. f«*״W vimpiiii״ *r 18 An Miffimnären, Geschäftsleuten und Forschern. Gegen ein Goldpfuno zeijgen sie die Stelle. Und man gibt das Goldpfund: ein Risiko, denn manchmal findet man gar nichts. Aber oft findet man Krüge, Lampen, Münzen, goldenes Gefchmeiide, schlohweiße, fein geschnitzte Miniatur-!sarge auS weißem ״Judenstein," sogenannte Offarten, in denen die Gebeine Verblichener gefam Welt wurden. Esche! Abwham handelte im OMordamkand .Gebeiine ein und kam viel mit Beduinen zusammen. Sie zeigten ihm ein Grab. Er gabein Pfund. Grub bei! Nacht. Und fand die große Rarität> die m keinem Museum der Welt (meines Wissens wenigstens) zu schen ist: den Teraphim. Er wickelte ihn in seinen Kaftan und trug Dn nach Hause, einen Schah kostbarer als Gold und Diamanten. Denn — wußte man nur den Spruch — so löste sich die Zunge des mysteriösen Kopfes und sagte die Weisheiten der Zukunft. Der alte Eschel Abraham verriet keinem Menschen, daß er den! ״Götzen" habe — er als einziger auf der Welt. Er versteckte ihn in seinem Häuschen, einem hundemisevablen Häuschen, 1i<n den finsteren Gründen des altstadt-Labyrinths einem düsteren, baufälligen Häuschen, dessen Parterre bereits eingestürtzt war, aus dessen Keller es vorn Müll und Abwässern heraufstank, und desien erster Stock eiinen Fußboden hatte, schwankend Wie eine impwvisierte Plankenbrücke über einen Bach. Dort droben versteckte er seinen Schatz, ein gewickelt in Lumpen, geborgen in ein!er finsteren alten Truhe. Und lange Wochen hin durch durchforschte er Bibel und Talmud und Kab bala nach dem Spruch, dem Zauberspruch, der des Zauberkopfes Weissagende Kraft auslösen sollte. Er fand den Spruch. Welcher es ist, rveiß ich nicht. Niemand weiß ihn außer den Alten. Und weil er so weise war, konnte er ihn finden. Es war vor dem Kriegs Da machte er das Experiment. Er schob dem' Pergamentkopf mit den starren EmaAeaugen den Spruch unter die Zunge. Und siche — der Kopf schrie. Er schrie entsetzlich, daß sich der Alte die Ohren zuhielt vor Grauen. Trotzdem hörte er, was der Kopf schrie: ״״Morgen wird ein Krieg ausbvechen, so furcht- Lar, wie ihn die Welt -noch nie gesehen hat. Der Weltkrieg! Und er wird die Erde arm fressen und vertilgen, Was schon und fein und zart war und wird sie prasseln lassen von Eisen und prasseln von Feuersbrünsten...." Der Kopf schrie so, daß man draußen §lau- Lei׳, mutzte, hier werde stn.cmd erdrosselt. Mc.n klopfte draußen schon on die Haustür. Da ver-- stopfte Eschel Aöcai-m: dem Kopf das Maul, zog Kn Spruch zw schen de»׳. Götzenzähnen hervor. 1 nd da schwieg er. ss'chel Abraham wickelte oe - Kopf m große Tücher, legte ihn in die Truhe und öffrr'b׳ den KlopstuKn. Wurunr ich so geichrien hab?<.. Wer sonst ^... Ich habe einen surchlbaren Traum gehabt." ״So, so. Dann wimschen wir ihnen einen ruhigeren Schlaf, Meister. Gute Nacht. Und er hütete seinen Schatz und erzählte niemanö davon. Aber er wagte es nicht, mehr, den Kopf zu befragen. Seine alten Glieder schlotterten schon, wenn er nur an den Schrei des Teravhim dachte. Was er allein >veitererzählte, war die furchtbare Weissagung des Kopfes. Und sie erfüllte sich. Seither betrachtete man den alten Eschel mit scheuer Ehrfurcht und fast mit Angst. Man sagte, mit der Zeit habe der Alte es nicht mchr vermocht, das Geheimnis des furchtbaren Kopfes bei sich zu behalten. Er erzählte es seinem ältesten Sohn. (Und das soll in diesen Tagen gewesen sein.) Der Sohn, der bisher von Vermittlungsgeschäften mit europäischen Handelshausern gelebt, und den der Krieg, wo dis Verbindungen mit dem Auslam-de abgebrochen waren, arm gemacht hatte, bestimmte nun seinjen Vater, ihm den Kopf zu zeigen und das Orakel zu befrage;!. .״Wann das Elend ein Ende Habs? Wann Friede sei?" Der Alte Weigerte sicht. Der Sohn bat ihn imwer eindringlicher. Da erboste sich jdev Alte: «Verflucht, wenn du den Teraphim anrührst!" Heimlich aber, als der Alte einmal fort War, erbrach der Sohn die Kammer, im der bie my- R Truhe stand. Er erbrach die Truhe, in der fteriöse Kopf lag. Wickelte den Kopf aus den Tüchern und schob ihm den Zauberspruch zwizwischen die Zähne. «Wann — wmn wird Friede kommen?" fragte er ihn. Und die pergamentene Zunge kegamr zu reden. Sie schrie, diese Zunge, daß man es in der gangen Nachbarschaft horte. Sie gab Auskunft über den Forcen. Und sprach:... -— Ja, niemand weiß, was sie sagte. Niemand weiß, was jetzt geschehen ist. Die einen erzählen dies, die anderen jenes. Was aber auch erzählt wird, ein düsteres Mysterium starrte einen an, wie die reißen! starrendem Emailleaugen des Kopfes, der jetzt nicht mehr existiert. Die einen erzählen, als der Sohn Eschel Abrahams die Stimme des Teraphim gehört habe, sei es eine so furchtbare Antwort auf sÄne Frage gewesen, daß er die Sprache verloren habe. Eschel Abrahams Sohn ist verstummt seit dem Augenblick, da er den Schrei des Götzen gehört. Und er kann es niemandem! verraten, was er gehört hat. Als der alte Eschel Abraham nachhause kchn u»nd fand, ׳daß sein Sohn verstummt war, erinnerte er sich an seinen unseligen Fluch: ״Verflucht, wenn ou den Teraphim anrühvst" — raufte sich die alten, -baumelnden Ringellocken und vernichtete den furchtbaren Kopf. Dieser Bericht scheint mir der wcchrschsiinlichere. Denn man hat mir den Stummen gezeigt, wie er miit verblödetem Blick ängstlich über die Gasse schlürfte. Es muß schon etwas Furchtbares geschehen, wenn eijner vor Schreck verstummen soll. Aber — was hat er gehört? Daß laer Krieg noch Jahre dauern soll? Oder, daß er nie aufhören, sondern, Dauerzustanid werden soll, bis sich die ganze Welt aufgefressen hat? Oder, daß das Weitende nahe be vorsteht?-- Die anderen erzählen: Eschel Abrahams Sohn hat es nicht gewußt, ,böf} man den Götzenköpf nur bei Nacht befragen!dürfe. Am hellichtem Tag schob er ihm den Spruch zwischen die Zähne. Denn nur am Tage war der Alte außer dem Hause. Und sein Sonnenstrahl kam herein, strahlte aus dem mumifizierten Schädel —!und per weissagende Kopf hatte noch nicht die ersten Worte geschrien, da zerschmolz er i!n der Sonne und zerfiel in Staub. ״In nichts," sagen sie sogat. Er verschwand. Jedenfalls: der einzige Teraphim, der wie durch ein Wunder i!n diesen Tagen den Menschen aus ׳dem finsterem Indern der Erde kam ist wieder verschwunden. Welcher Mensch könnte die Wahrheit, nackt, kahl, kraß und schaurig, vertra gen? Er ist zu schwach für so Ungeheuerliches. Mise eines welherfahremen Mannes, her sich den Glauben an die ursprüngliche Güte des Frauen- Herzens nicht rauben läßt. Wir möchten das Buch, welches dauernden Wert verbürgt, allen denken-״ den jungen Leuten wärmstens empfehlen. L. Gr. Kalender der ״Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" für das Jahr 5678. Zum 26. male ist Heuer dieses Jahrbüchlein erschienen, ein jedesmal ein willkommen begrüßter Gast im jüdischen Amte und Hause, dem es nicht -nur Wegweiser durch alle Kultusgem!ei!mden der österr.-ung. Monarchie ist sondern auch Informator über das stetig anwachsende Vereinswesen und die verschiedemartigen segensreichen Stiftungen. So stellt dieses -Handl-M Bändchen einen Connex innerhalb der Judeimschaft dar, aus dem oftmals Bescheid gesucht und gefunden wird. Leider >habm die Kriegsjahre dieses N-achschlqgebüchleins ilnfoferne beeinträchtigt, als Viiele Orte mit einem Sternchen bezeichnet sind, was sagen will, daß׳, die Daten von früheren Jahren!her stammen, da die alljährlich seitens der ״Union" aLgerichtetett Anfragen unbeantwortet blieben. Hüerm mögedie Friedenszeit im Interesse der allseits erwünschten Authentizität Wandel schaffen- und die ״Oestr. Jsr. Union" in -ihrem lobl. Bestreben ausnahmslos Unterstützung finden lassen. Mit Bedauern vermissen wir nun schon zwei Jahre den literarischen Anhcma, der infrüheren Jahren so manche jüdifch-Wtorlsche Erzählungen und Jahvesbegebenheiten beinhaltete und vielfaches Interesse auslöste. Nachdem dev KalenÄerpwisdurch die allerdings verteuerten Herstellungskosten' eine mäßige Erhöhung (K 2.—) erfuhr, so dürften die Erwartungen auf eine! Entschädigung für die Zukunft Wohl Heiner Enttäuschung mchrbegegnen. A. L. Emil Lucka: Drei Stufen der Erotik, DaA Tragische, Stufen der Genialität. Preis je 6 Mk., Vertag Schuster und Löffler, Berlin. Man muß Literatur. Kol-Nidre und seine Entstehungsgeschichte von Dr. Jos. S. Bloch, miit «einem Vorwort von Dr. Alfred Stern, Verlag N. Lewit. Almanach Zydovski. Diesen! Titel trägt ein von Dr. Z. F. Finkelstetm redigiertes, überaus reichhaltiges Sammelbuch in Polnischer Sprache literarischen und wissenschaftliches Inhaltes, das demnächst!erscheinen wird. Der Preis des Buches beträgt K 4.—־ (Mk. 3.—). Es ist zu beziehen vom Verlag der ״Moviah", Wien, 1. Bez., Cbendorserstraße 3—13. Postsparkassenkonto 157.679. Aücberbejpreebungen. Johannes Müller, Beruf und Stellung der Frau, Verlag Oskar Beck, München, gob. 3 Mk. Wenn ein aus den Schrecknissen des Krieges Zurückkehrender das Ersuchen an uns steillte, ihm ein paar Bücher zu imenmen, an denen er Erhebung und Erholung finden könnte, wir würden keinen Augenblick anstehen, ihm das Buch über die Frau von Johannes Müller in die Hand zu geben. Denn trotzdem Müller die Schroffheiten und Haß lichkeäten des Lebens keineswegs zu leugnen versucht, verficht er es, von der sittlichen Entwick׳ Ä> und BeglückuimgLfähigkeit des wahren s ein so wunderbares Bild wufzurollen, das man erst daran die innere Armut unserer heutigen Frauen ermessen kann. Er behandelt tot ebenso seist- und gemütsreichen als formvollenbeten Essays dijo Probleme dev Frau in und außer der Ehe, Ms in einer knappen, sachlichen und!doch umgemem herzlichen und sympathischen gleichen könnte. Unseres Erachtens besitzt er einje weitgehende Mistigseelische Verwandtschaft mit Kierkegard. Denn gleich diesem durchdringt und beleuchtet ׳Lucka -das Ganze des geistigen Welt- Laues, des Weltgeschehens und des Weltlebens des Menschen i!m einer Weise, welche an kritischem Blick -und geistvoller Analyse schleDhin nicht Mohr Überboten, werden kann. Aber -ans dieser Zergliederung setzt Lucka ein neues Weltbild zusammen, bei welchem sich die Konturen in scharfem, grellem, wenn auch nicht!immer wohltuendem Lichte zeigen. Es Abt kaum ein Gebiet des menschlichen Geistes- und Gemütslebens, welches nicht von Lucka in feiner ausschließlich! der objekwird. Lucka geht -dabei von der Ausschaurmg aus, daß sich cvles Geistesleben in einer d!veistufigen Entwicklung vollzieht: 1) das Unbewußte und das absichtslose Streben, 2) das nach der Wahrheit und Klärung bewußt ringende Streben, 3) das Geistesleben ׳auf der Höhe der erlangten Erbeutimis. MMan könnte also sagen, daß Bethovens gewaltigeneunte Symphonie ein musikalisches Mbild -aus!innerstem ZwanM rastlos nach Erkentms strebenden Menschenlebens ist. Es ist hier unmöglich, den drei bedeutsamen Werken und den sich aus dieser Trillogie gipfelhoch abhebenden! Persönlichkeit Luckas gerecht zu werden und beschränken wir uns darauf, diese Merke zu ein-gehsndem Studium zu -empfehlen. Wir wollen nicht unterlassen, darauf hinzuwsisen, -daß Lucka -diese schwienAten Probleme in tdurchhaus -einfacher, anziehender und anregender Weise behandelt und es ohne technischem Mittel fertig bringt, si-ne Fülle von treffenden Aufklärungen Wer das Geistesleben zr veranschaulichen. Der Verlag hat sich bemüht, den Werken eine vovnchme, gefällige Aus» gäbe zu geben.. L. Grünhut. Ariestasten. Knttusangestellten, Wie«. Sie haben vollkommen recht. Der Wunsch «eines Verstorbenen soll respektiert werden-. Es -war «ein «Unrecht, beim Begräbnisse des Kats. Rat Lieben, einen Sänger in der ,,Kutte" fungieren zu lassen. -- Auhev Emes. Ihre Mitteilungen, Herrn Pinkas betreffend nehmen wir zur Kenatnis. Mir werden

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