Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVIII (1917)
- Issue
- Heft 11 (27.6.1917)
- Date
- 1917-06-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrg. XVHI. Nummer 11. Li»W DglKsßMM. »ez»«»»rrlje: Für Oefterreich-Vngarn, halbjährig . Kronen 6-20 ganzjährig.Kronen 12 — Deutschland, ganzjährig.Mark 12 — Rußland, ganzjährig ....... Rubel 16׳— BaÜan, Frankreich . ..Frank» 4•— «׳ Redaktion: Wien VIII. Lerchengaffe 6 a. «—-g I“ ' «-----B Wien—Brünn. Prag—Lemberg. 0fcfthtffßß SttÖÖßtt int ®arföttlßtlt! wählt wurde), eine glänzende, großangelegte'schubdigungen gegen die Juden durch den Mg. 1! (\יV O B *P I Rede gehalten, in der er die Mißgriffe der, S t rau ch e r der an die Bestrebungen zur Ver- Flüchtlingsfürsorge, das unbeschreibliche Elend, wirklichung des zionistischen Ideals anknüpfend in den Flüchtlings- und Jnternlertenlagern sovog der Regierung eine radikale Aenderung Wenige Sitzungen hat das österreichische Abgeordnetenhaus abgehalten. Groß und zahlreich sind die Klagen der Völker, Klassen und Parteien über die Verwaltung. Vieles ist in der verfassungslosen Periode geschehen, was nicht hätte sein sollen׳ und worauf die Vertreter der Völker zurückkommen müssen, bevor sie zu fruchtbarer Arbeit weiterschreiten können. Das auch das Unrecht und die zahlreichen Mißgriffe gegen die Juden gleich in den ersten Sitzungen zur Sprache gekommen ist, dazu in einem Momente höchsten Ernstes, bei der wichtigsten Debatte, bei der Beratung des Budgets, muß mit besonderer Genugtuung konstatiert werden. Die Flüchtlingsfrage, der materiell schmerzvollste Schlag des Krieges gegen die österreichischen Judenschaft, hat Abg. Reizes zum Gegenstände eines Antrages behufs Einsetzung eines Flüchtlingsausschusses zwecks Ueberprüfung der Maßnahmen für die Fluchtlingsfürsorgs gemacht, der auch die Zustimmung des Hauses gefunden hat. Daß auch der alldeutschradikale christtichsoziale - anttpapistische >. K. Wolf t wie die Zurücksetzung der Juden im Heere) und in der Heeresverwaltung zur Sprache brachte. Abg. Reizes verwies auf das Verbot der Jiddischen Sprache und auf die Behandlung dev Juden im! Okkupationsgebiete hin und forihrer Judenpolitik verlangte ,und wiederum auf die .jüdische Helden hinwies und die Leiden der Flüchtlinge ׳hervorhoib. Zum erstenmale hörte man im österreichn Den Parlamente solch kräftige und mutige derte die Berücksichtigung der jüdischen For- Worte nach einer langen Reihe von Jahren. Daß derungen bei der Sonderstellung Galiziens.! sie nicht nur der Verteidigung galten sondern Diese wirkungsvollen Ausführungen Habens in reale Forderungen ausklangen, läßt eine es den! Christlichzozialen angetan, die darauf günstige Wandlung in der jüdischen Politik ereinen Helden aus Rumburg mit dem ״echt hoffen, teutschen" Namen Jerzabek ins Treffen schickten. Herr Jerzabek weiß daß es reiche Juden gibt, die ihm und feinen Freunden bei Wahlen, bei SamMiungen für den deutschen Schulverein und ähnlichen Gelegenheiten unangenehm! werden können und mit denen man es sich nicht verderben darf. Darum! betont er, es gebe auch anständige Juden! Dann erging er sich in niedrigen Ausruf! Unter denk Zwange der Kriegsereignifse haben Tausende unserer Brüder und Schwestern Ln Palästina ihr in jahrzehntelanger Arbeit gefchaffenes Heim verlassen müssen. ^.,.3״ v* ... __VIÖW.V __ ״Jaffa ist evakuiert. Fast die ganze jüdische Hungen der galizischen Juden und jüdischen?^völkerung mußte^ der Stadt, deren stolzer Auf. H. K. ^olf von der ^Regierung Maßnahmen »ung ein unzerstörbares ZeuMis jüdifKv ־י י-"-""" “״״׳‘'**׳״־'״“•י*•• "״״״"* *S Schofftnskraft gewoMn ist. den Rücken fejten. gegen die ״Flüchtlingsplage" verlangt, wird wohl keinen Mißton in unsere . Befriedigung bringen. Abg. St rauch er hat Auskunft über die Vorgänge bei der,Evakuierung Jaffas und ׳der jüdischen Kolonien verlangt, während der als Freund der Juden und jüdischen Forderungen bewährte Führer der Ukrainen, Abgeordneter Wassilko, die Regierung über die Gründe für die Behandlung der vusmanischen Juden in Oesterreich befragt. Bei der Budgetdebatte hat Mg. Reizes, der auch als einziger Jude in den Verfassungsausschutz!(und damit als einziger Jude in allen, Ausschüssen überhaupt ge- Feuilleton Waisenmädchen. Von I. L. Pevez. Außerhalb der Stadt gehen zwei Die eine groß und stark, mit festen und zornigen Augen, die andere klein, blaß, mit gesenktem Haupte. «Wohin führst du mich^" fragte die zweite. was man in Rußland die »glorreiche Revolution" nennt, wird sich das Volk gegen ganz andere Elemente richten als dort." Diese. Pogrom - Drohung müssen wir uns merken,. .Dier Seelenausschwung der Christlich Auch aus den jüdischen Kolonien mußte sich ein Teil der jüdiischen Bevölkerung in die Fremde begeben. Heümios in der Heimat, dem Flüchtlingselend und verheerenden Krankheiten preisgegeben. Sozialen im!dritten Jahre des Krieges, in dem H!frJan®T '^1e ludische Bevölkerung, die fast -vor! Juden so sehr für die Mittelmächte geblutet 2afe:e unverzagt ausgeharrt hat, unseren haben, zeigt von einer unübertroffenen Roheit ״voiistano. und Borniertheit und die Verhetzung der SSölfcr| Kinder und Frauen, Alte und Kranke erdurch Abgeordnete kann leicht für ihre Urheber, Karten unsere Hilfe. Eine große, schnelle, umgefährlich Wehden. Eine sehr kräftige Zurück-' fassende Hilfsaktion tut not. Wir wenden uns Weisung erführen alle Verdächtigungen und Bean die biewährto^Wohltätigkeit unserer, jüdischen ter sich kümmern" Die blasse Grüne wurde weit bleicher bei diesen Worten. Ihre Augen blitzten, die Nase und ihre blauen Lippen gitterten.׳ ״Chane!" schreit sie auf. »Du weist, Grüne, daß ich dir gut bin, ,über die Wahrheit muß ich dir sagen. Wie werde ich . Grüns schweigt" ״Warum schweigst du denn dazu?" ״Mir ist alles gleichgiltig!" »Nicht alles gleichgiltig!" schreit Chane. »Sie sollen, sie müssen Segen bringen, hörst du?" Frauen. Schritten ״Ich höre, aber ich weiß, dajß sie mir keinen fopsi einst vor Gott erscheinen können? Durch gebracht..." Beide Frauen schauen einander an. »Der fromme und brave Soifer hat nach seinem Tode eine Witwe und drei Waisen zu. mich wirst wirst du keine Schande erleben; was ich dir erzählen will, wird unter uns bleiben." ״Spann mich nicht auf die.Folter!" ״Nun höre! Kurz und bündig... Gestern rückgelassen. Seine Frau hat ,nicht wieder geabenid, spat am Vorabend, bin ich vom Bahn- ... . . , ,heiratet, um den Kindern nicht einen Stiefvater W ״ach Hause gegangen, und am Hügel dort ״Warte noch einige Minuten. Laß uns ms bieten zu müssen. Sie hat allein für sich und habe ich deine Tochter, deine Mirel, sitzen ge- C\1'irtrtT ^«״>׳ " וזמו»ו .!a׳ t ״ 1t . 1 ׳ . j . t ׳י. ״.׳ n n (afia« ״ zum Hügel kommen. ״Ja, aber wozu?" fragt wieder die zweite mit einer ängstlich schüchternen Stimme die Furcht verriet. ״Wirst es noch rechtzeitig erfahren.." Endlich haben sie den Hügel erreicht. »Setze dich," sagt Chane in befehlendem Tone. Die anders läßt sich .!gehorsam nieder. Chane setzt sich ebenfalls, und weit entfernt vom Lärm der Stadt, in der lauschigen Stille entspinnt sich ein Gespräch: ״Grüne, weißt ׳du, was dein jetzt bei Gott weilender Mann war?" ihre Kinder gearbeitet, nur der Segen ist ausgeblieben." ״Und weißt du, warum, Grüne? unterbricht Chane dieeingetretene Pause. ״Warum?" ״Deine Sünden lassen dir kein Glück zu Grüne springt wie angeschosfen auf. »Meine Sünden?" ״Paß auf, Grüne, Sünden hat jeder Mensch und du um so mehr... «Ich mehr? «■» NW <«-, «4 mit zusammengeprMen Lippen murmelt sie: ״Soifer." ״Ja", bestätigte die erste, «und noch dazu ein frommer, braver und ehrlicher.: »Ich weiß es," sagte Grüne mit Ungeduld. Chane läßt sich aber nicht beirren und fährt fort: «Peine fromme Handlungen werden uns "*ונ«60&נ&1110^יibiinaen.. " Wiese?. . Gute Lust brauchen wir, Gotr sei Dank nicht... SieMGrüne, die Pflicht einer Mutter und noch dazu der Witwe eines solchen Soifers muß... »Mas muß sie?" «Eine solche Witwe mutz frömmer, Vesser sehen/ ״Allein?" »Nein!" ״Mit wem?" ״Ich weiß nicht, mit einem Hute.. Ja sogar mit einem Zylinder.... Er küßte sie am Nacken, während sie lachte und Bonbons aß. ." Grabesstimme. »Es ist nicht zum erstenmal.. ״ ״Du hattest davon also Kenntnis? Ist das ihr Bräutigam?" «Nein»»" ״Nichts« Und du hast das stillschweigend geschehen lassem!? ״Ja!" - ״Grüne!" schreit Chane aufspringend. Grüne ist indes ganz ruhig geworden und sagt mit schneidender Stimme: «Jetzt sei du stW und höre, was ich dir erzählen Werve. Sie packt Eham, am Arme und zwingt sie, sich nie-