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Jüdische Volksstimme · 1917-03-07 · Heft 4 (7.3.1917) · page 1

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVIII (1917)
Issue
Heft 4 (7.3.1917)
Date
1917-03-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Jahrg. XVIII. Nummer 4. ■-m Vez»,»preise: Für Oetterreich-llngarn, halbjährig . Kronen 6 20 ganzjährig.Kronen 12 — Deutschland, ganzjährig.Mark 12 — Rußland, ganzjährig ....... Rubel 16׳— Balkan, Frankreich.Krank» 4 — b-a stlksßilkm. Redaktion: Wien VIII. Lerchengaffe 6 a. >p ■■■■■— ׳..־ ״■ — —. . «Redaktion und Administration: Brünn, Adlergaffe S. Buchhändlerische Vertretung: Ott, Klemm, Leipzig. Inserate: die Ospaltige Petitzeile 30 h. llnverlangre redaktionelle Beiträge werden nicht hono- ן rtert. — Manuskripten ist Rückporto beizufügen. 9---0 Wien—Brünn. 7. März )917. 13. Adar 5677. Prag—Lemberg. Jüdische Politik. Große Veränderungen und Neuerungen in unserem innerpolitischen Leben stehen uns bevor. Die Aenderung der Verfassung, die Regelung der Nationalitätenfrage und vor Allem die Sonderstellung Galiziens bilden die brennendsten Fragen der zukünftigen österreichischen Politik. Der Wiederaufbau des Ostens und die amerikanisch-jüdische Volksanleihe sollen von jüdisch-politischen Fragen besonders hervorgehoben werden. Allein wer ist berufen im Namen der Juden zu all diesen Problemen Stellung zu nehmen. Die Assimilanten gewiß nicht. Ihre bisherige Existenz verdanken sie einer unerhörten Korruption und dem einzig dastehenden Cliquenwesen. Ihre ״Tätigkeit" während des Krieges wird ihnen ganz gewiß den letzten Boden unter den galizisch-bukowinaer Juden nehmen, allein sind die Jüdisch - Nationalen die Vertreter der jüdischen Massen? Auch diese Frage kann nicht bejaht werden. Vor allem wer sind sie, die eine bewußt — jüdische Politik zu vertreten angeben? In Galizien ist cs die zionistische Partei, die in ihren Nebenreföraten auch(l) die ״Landespolitik"" betreibt. In Westösterreich und Bukowina sind es die ״jüdischen Nationalvereine.- Aber auch die letztern haben als ersten Programmpunkt ״die öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina". Ist schon die Verquickung dieser grundverschiedenen Fragen ״Palästina" und «Landespolitik" unbegreiflich, so ist es geradezu unentschuldbar die Frage der ״Landespolitit׳ die ja die Nächstliegende primäre ist, von Tagungen abhängig zu machen, deren Schwerpunkt ganz anderswo liegt. Und so verrät auch die Stellungnahme der zionistischen Parteitage ein eigenartiges Bild; der eine macht die Landespolitik zur ersten und wichtigsten Aufgäbe der Partei, der zweite schiebt dieses Tätigkeitsgebiet den angeblich azionistischen ״Nationalvereinen" Feuilleton. Der bleiche Jossele. Eine Purimgeschichte aus den Kinderjahren. — Nach dem jiddischen Original von Moriz Hacke. Frau Feige klagte ständig Verwandten und Bekannten gegenüber wegen ihres Sohnes Jossele. — Was soll ich mit ihm anfangen? Ich füttere und füttere ihn mit den besten Sachen, stecke ihm die gebratenen Tauben in den Mund, und er sieht aus —. meinen Feinden gesagt. Er wird immer blasser und sieht bald so aus, wie ein Mensch, der von schwerer Krankheit genesen ist. Wie oft habe ich schon den Doktor um Rat gefragt! Der hat mir aber gesagt, daß alle Eltern zufrieden sein sollten, wenn sie ein so gesundes Kind hätten. ״Ihr Jossele ist nun einmal von Natur auf so"— schließt dann stets der Doktor seine Antwort auf meine Fragen über Josseles Gesundheit. Aber trotz dem Urteile des Arztes.. Wenn Jossele aus dem Cheder kommt und sie sich mit ihm den überzärtlichen Augen der Mutter prüfend anschaut — dann gibt es ihr doch einen Stich ins Herz.. Trotz der Beruhigungsversuche des Doktors. Und sie fragt ihren Sprößling: — Was ist denn mit Dir mein Kind? Schlägt Dich der Nebbe im Cheder? »Nein, Mutter, der Nebbe hat mich noch nie geschlagen. Er hätte ja auch keinen Grund dazu, mich zu schlagen. ״Oder schlagen Dich die andern Buben? ״Wie meinst Du das Mutter? Es sollte sich nur einer von ihnen einfallen lassen, nur einen Finger gegen mich zu rühren. Den würde ich es nicht raten! > zu und ein anderer erklärt diese Frage als außerhalb der zionistischen ״Weltanschauung" liegend. Aber diese Unbeständigkeit sowie die Jntolleranz gegen nichtzionistische Nationaljundcn lväre noch verzeihlich, wenn nur das Wesentliche der zionistischen Politik entsprechend Wäre. ch Mit der Wahlrechtsbewcgung und den Wahlen hat die politische Arbeit der Zionisten begonnen. Und hier kann man ihr nicht eine gewisse Großzügigkeit absprechen, Mit viel Temperament und Energie hat da die zionistische Intelligenz die jüdische Massen zu Bewußtsein gebracht. Eine Unzahl von Versammlungen, Flugschriften und Broschüren haben das politische Verständnis de,- ,Massen wesentlich gehoben. Der Erfolg blieb auch nicht aus. Die recht ansehnliche Stimmenzahl, der jüdische Klub bildeten nur das ärßere, zählbare Resultat. Viel wichtiger war die Stimmung und Begeisterung der Massen. Bald kam die Enttäuschung und mit ihr der Abkehr der Massen. Der jüdische Klub, der ja nicht durch seine Zahl, aber durch seine programmmatische Stärke und einheitliche Taktik imponieren sollte, war ein Zerrbild jüdischer Politik. Persönlicher Ehrgeiz, ängstliche Besorgnis und Bedachtnahme auf die Stimmung der ״Arideren", und als Wichtigstes eine zügellose Programmlosigkeit schnitten ihm bald jede Beziehung zu den Massen ab, die er im Uebrigen auch nicht anstrebte. Die ״Repräsentanten" der jüdischen Nation hatten ein lächerliches Ende und gerieten bald in Vergessenheit. Die zionistische Partei hatte zumindest in landespolitischen Fragen eine Verständnislosigkeit gn den Tag gelegt, die ihr bald die Massen entfremdete. Die Programmlosigkeit zeigte sich besonders im Fehlen jeder Wirschaftspolitischen Arbeit. Eine großzügige Sozial- Politik, der Ausbau zahlreicher Berufsorganisationen, zu denen man die Grundlage in den zahlreichen huma- Ich bin viel stärker als sie.. Ein Riese bin ich gegen sie... Ja, und Angst haben sie auch vor mir.. Große Angst. Soll nur einer mit mir anbandeln.. Aber daran denkt ja keiner einmal..." So, von Kraft durchdrungen, spricht Jossele und stellt sich in kampfbreiter Stellung im Zimmer ans. «Aber ich bleibe dabei. Du siehst wie ein Kranker aus, der nur jeden dritten Tag ein Stückchen Brot ißt. ״Aber Mutter, ich bin doch nicht krank! Auf mein Wort!.. Aber ich habe gar nichts.. Ich bin ganz gesund..." Während Jossele der Mutter diese Antwort gibt, fuchtelt er mit den kleinen Fäusten in der Luft herum... um seine athletische Kraft zu zeigen. Das beruhigt aber aber gar nicht die besorgte Frau Feige. Es tut ihr im Herzen weh, wenn sie ihren blassen Jossele anschaut. Sie hatte auch andere Kinder geboren, Kinder mit lachenden, pausbackigen Gesichtern, mit runden Händen und Füßen. Jedes Kind das Frau Feige zur Welt bringt wiegt 12 bis 13 Pfund. Und wenn es das Tageslicht zum erstenmale erblickt, dann erhebt es ein so mordmässiges Schreien, daß mann es zehn Gassen weit hören kann. Und weshalb schreit es? Essen und Trinken, Trinken und Essen will der Neuangekommene Sprößling Feiges und nach kurzer Zeit hat er auch rote, volle Wangen, runde, gesunde Hände und Füße., und spaziert auf allen Vieren am Fußboden der Stube herum. Und Frau Feige war bi.her immer stolz auf ihre schönen und gesunden Kinder.. Nur dieser Jossele! Wie schwächlich er aussieht! Wie kommt sie. Feige, zu blassen Kindern?. Sie erinnert sich, daß auch ihr Jüngster, als sie ihn säugte und auch später, ein starker rosenwangiger, gesunder Bub war. Da im achten Jahre seines jungen Lebens fing es mit dem blassen Aussehen an.. Und seitdem wird es nichtbesser.. Feige macht sich selbst Borwürfe. Es muß doch an ihr liegen. nitär-politischcn Organisationen (Jad Charuzim, Bauhandwcrkervereine usw.) gegeben war, eine energische und radikale Gemeindeu. Kulturpolitik konnten damals als das einmal gewonnene Zutrauen der jüdischen Massen erhalten. Statt dessen suchten die Zionisten durch eine (oft nicht sehr ehrenhafte) opportunistische Kompromißpolitik ״Erfolge" zu ergattern. Kaum waren sie am Ruder, vergaffen sie all ihren volkstümlichen Radikale mus und trachteten nur nach Sicherung ihrer Mandate. (Die Kultusherrschaft in Czernowitz und Tarnopol, die Kahalpompromisse in Lemberg und Wien). Schon bei der großen Volkszählungsbewegung 1910, wohl eine deii großartigsten und imposantesten Aeußerungen jüdischpolitischen Lebens und Bewußtseins in Galizien und Bukowina, verlor die Partei die Füherschaft der Massen an die proletarischen Parteien (Poale Zion und Separatisten). Die zionistische Partei hinkte nur schwerfällig nach, sie wand sich unter einem Schwulst von Erklärungen, war um die hebräische Umgangssprache der Zukunft, um die hebräische Universität besorgt und gefiel sich in einer haarspalterischen Stellungnahme, die ihr den ״Pelz waschen, aber nicht naß machen" sollte. Sie hatte jetzt den letzten Rest an Zutrauen verloren. Spärlich nur hals ihr, ihr frivoles Spiel mit der Schänkerfrage, ihre oft herbeigehalten radikalen Jugenderrinncrungen. Die Reichsratswahlen zeigten bald den Niedergang der Partei. Auch in der Bukowina und in Westösterreich gefielen sich die Zionisten mit einer platonischen Nationaltät, die jeder realen Forderung bar, auch bewußten Assimilanten (Weisselberger- Wender) den Anschluß an die Nationalpartei ermöglichte. Der jüdische Sprachenkampf (Volkszählung mtb Universität) stieß dort auf heftige Gegnerschaft der Jüdischnationalen. Man gefiel sich dort im Liebedienen fremden Nationen, im Leisetreten und Schweifwedeln um die ״Großen" und erstickte jede ehrliche Regung der Sie pflegt wohl ihren Jüngsten nicht ordentlich.. Ja, das wird es wohl sein. .. Und nun beginnt sie eine Mastkur mit ihm. Jeden Tag gibt sie ihm eigenhändig drei Löffel Lebertran, dazu Milch und alle sonst möglichen Sachen zum Mästen. Natürlich währt sich Jossele mit Händen und Füssen dagegen. Er will all das eckelhafte Zeug nicht in sich hineingießen und hineinstopfen lassen... Kerngesund ist er doch. Was will eigentlich die Mutter vo.n ihm? «Du weißt viel, antwortet ihm die Mutter. Und mit Befehlen und Bitten setzt sie es durch, daß er, ob er nun will oder nicht, seiner geliebten Mutter zulieb, all jene schönen Sachen zu sich nimmt, die so eckelhaft schmecken, daß er sich jedesmal darnach schüttelt. Außerdem bekommt er eine besonders kräftige Mittags- und Abendkost, und die Mutter steht selbst dabei, bis Jossele alles bis auf den Rest aufgegeffen hat. .. Und damit nicht genug, füllte sie ihm den Teller noch nach, bis Jossele, der ja ohnehin zu Mittag und Abend mit wirklichem Appetit ißt, schreit, er könne nichts mehr herunterbringen... Nach dem Nachtmahl bringt die Mutter selbst ihren Jungen ins Bett. Doch alles blieb vergeblich. Alle Anstrengungen Feiges blieben fruchtlos. Trotz der Mastkur und der verschiedensten Leckerbissen, die sie für ihren Sohn kochte und backte, war keine Besserung in dem Aussehen Josseles bemerkbar. Das Gesicht blieb blaß wie zuvor. Die Wangen waren eingefallen und er machte wirklich einen etwas kränklichen Eindruck. - Das war auch weiter kein Wunder. Denn alle die schönen, guten Sachen, die ihm die Mutter früh morgens in den Cheder mitgab — sie wanderten alle in einen andern Magen, nämlich Jasieks, der ihm morgens und mittags auf feinem Wege immer begegnete. » Sueken erstbienen: .ssickls Md ®rfcrtäfrtftmhet

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