Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVIII (1917)
- Issue
- Heft 1 (10.1.1917)
- Date
- 1917-01-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2621806-2621995-2621996--3538-2624741- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
l-——-- ve-ugSpreife: Für Oesterreich-Ungarn, halbjährig 20׳6 Kronen . ganzjährig.: . —׳12 Kronen . Deutschland, ganzjährig. . Mark 12 — Rußland, ganzjährig ...... Balkan, Frankreich....... —׳16 Rubel . -׳4 «Frank . Redaktion: Wien VIII. Lerchengafse 6 a. Redaktion und Administration: Brünn, Adlergaffe 9. Buchhändlerische Vertretung: Otto Klemm, Leipzig. Inserate: die Sspaltige Petitzeile 30 h. Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht hono. riert. — Manuskripten ist Rückporto beizufügen. W— Wien—Brünn. ,0• Jänner 1617 16. Tebeth?677 Prag—Lemberg. Der heu.igen Nummer liegen Post« Der hen.igen Nummer liegen Post, erlagscheine bei. Die P. T. Empfänger werden um gest. umgehende Brzahlnng des Abonnementsbetrages ersucht. Die Administration. Wer wird Sieger sein? Chanuka 5677. Von Professor Dr. Adolf Kurrein. Die ganze Aoche merden int Gotteshause und zu- Hause in d״u Wohnungen die Siegeslichter des Lhannukahfestes.-angezündet. Wie die Sage und Dichtung sich dieser schtvachcn, zarten Lichtlein bemächtigte u. sie nur durch ein Wunder zum erstenmale 8 Tage im Heligtum brennen ließ, so lounderbar leuchten sie uns durch, alle Zeiten, sie leuchten uns nicht allein zwei Jahrtausende zurück, sie leuchten auch aus dem Zeitraum von zweitausend Jahren in die Gegenwart und in die Zükunft hinein. Sie wiederholen unausgesetzt den Zuruf, den^dÄs Engel Gottes an dem schüchternen Erben der Davidskrone, an Scrubabel, richtete, als er unentschloffEmstt- und tatenlos vor der sich ihm erschließenden Zukunft stand, mit den Worten (Secharja 4, 0): ..Nicht die gewaltige Heeresmacht, nicht die außergewohnliche Kraftentfaltung bringt den Sieg, wenn nicht der Geist Gottes mit im Bunde ist." Noch nie konnten wir auf die Wahrheit dieses Ausspruches so verständnisvoll eingehen, nie so richtig und zutreffend die Leistungen und Schicksale unserer Väter > in jener Zeit verurteilen, nie so ן )t das Walten Gottes I und seiner Gerechtigkeit aus den Tatsachen des Lebens und der Geschichte erkennen als in unserer Zeit des ungeheuerlichen Weltkrieges. In maßlosen, fast nicht denkbaren riesigen Berhüllnissen bringt uns Iss Gegenwart eine Wiederholung der MakkgbäeHäßtPfMm gelvisscn Sinne und das nicht genug betormd.eO»-Wrd angestaunte Ergebnis: ״Die Hebern,aA f«W durch die Minderzahl, die sich der stets erneuten -AnAiffe von allen Seiten zu erwehren hat und fs aber nicht einzig allein durch die Berecknnng^'de^ Wahllosen Kampfer und der Ilebermacht -er HWWMrndern durch die Macht des Geistes, be i GotHoem^Renschen verleiht, und der jedem den unumliößlich'MÄWeis l!efert (Exod. 15, 3): Gott ist der Herr Krieges! Nicht Mcnschenwille, nicht Menschemraft gibt dem Krieg und dem Sieg Ziel und Richtung. Worin also besteh^ dieser Geist Gottes, der zum Siege, die vor zwei Tausend Jahren erfochten wurden, fragen wir voll Wißb^er. Darauf antwortet die Lhanukahgeschichte durch die Makkabäerkämpfe und — Siege, die vor zwei Tausend׳ Jahren erfochten wurden. Diese lehren uns: Sieg ״wird nur demjenigen zuteil, der zum Schwerte greift, weil er in seinem Leben, in seinem- Bestände, in der Betätigung seiner Lebensaufgäbe bedroht ist. Ern alter ewig, giltiger Grundsatz lautet (Berach 82): ״Bedroht jemand dein Dasein, so. ist, je schneller du ihm darin zuvorkommst, desto größer' dein Verdienst". Die Helbsterhaltung ist das erste und^ oberste Gebot der Religion für jeden einzelnen Menschen, wie für jedes Volk. (Deutern 4, 15): ״Habet besonders Achtung auf euer Leben" schärft die Schrift zu wicderholtenmalen uns ein. Wer also einen Krieg führt zu seiner Selbsterhaltung, zur Verteidigung seines! geistigen und materiellen Besitzstandes, der führt einen! Krieg im Geiste Gottes und wird als Sieger aus dem! Kampfe hervorgehen Das beleuchtet uns die Geschichte.) Das kleine, seinerzeit kaum nennenswerte Völkchen der Juden in Palästina ist dein großen mächtigen Seleucidenreich ein Hindernis, um seine Herrschaft bis über Aegypten auszudehnen. Die Juden hätten nicht eine Hand erhoben, um den König Antiochus daran zu hindern. Ec wollte aber ein großes, einheitliches Reich von Kleinasien bis über Aegypten hinaus, und da stand der Name Jude und das jüdische Land ihm Wege, und sollte darum vom Erdboden verschwinden. Griechische Sprache, griechische Sitten und Unsitten, griechischer Götzendiest sollte im Lande herrschen und die Einheit schaffen. Einige, besonders die reichen, leichtlebigen, gedankenlosen Juden waren bereit, die Vätersitten zu verlassen und sich den Griechen anzuschließen. Noch aber war der alte nationale Geist aus dem Volke nicht entschwunden. Die hebräischen von Gott gesprochenen Worte der Thora redeten zum jüdischen Herzen eine viel eindringlichere, überzeugendere Sprache als die schönsten Lieder u. Gesänge d. Griechen.Die Gottesworte flößten den Glaubenstreuen Mut u. Stärke ein, für die Erhaltung des Volkslebens, für die Rettung der heili- - gen Volksgüter alles zu wagen, alles auf sich zu nehmen, weder die Zahl, noch die Macht die Feinde zu fürchten, sondern tapfer u. unerschrocken zu kämpfen u. zu siegen/ denn wer im Geiste Gottes den Kampf aufnimmt, muh siegen. So siegte auch Juda Makkabäer, bei Beth-Zur, befreite das Land von den feindlichen Syrerscharen. Gottes Geist, jüdischer Geist, jüdisches Leben blieb Sieger im Lande Auch wir in unserem Vaterlande können mit Zuver sicht der Zukunft entgegensehen, daß wir und unsere treuen Verbündeten im Kampfe gegen die Millionen- Heere unserer Feinde, der sechs feindlichen Reiche, nicht unterliegen können, nicht unterliegen werden. Wir kämpfen im Geiste Gottes, mit dem Geiste Gottes den Kampf der Selbsterhaltung, führen wie Juda Makkabüer, einen Verteidigungskrieg nicht aber einen Raub- und Vernichtungskrieg. Der Geist Gottes bringt uns auch den Sieg, wenn wir den Rat des weisen Königs in seinen Sprüchen beachten (11, 14): ״Ohne reifliche Ueberlegung fällt ein «leuiüetvn Chanukah. s Von V. Nippel. Im Hause Rafaels herrschte diesmal frsudige Stimmung. Die drückende Schwermut, ob der unerträglichen KriejgMeiden, die bange Besorgnis über das Schicksal ihres Vaters, welche, über der armen Familie lastete, waren wie von weicher Hand weggeglättet. Vergessen waren mm auch die freudlosen Chanukatage vergangener Jahre, da es keinen strahlenden Lichterschein, keine weihevollen Lob spräche gegeben. Ein erhebendes Gefühl, eine dankbare Empfindung schwellte die Herzen der Verwandten. Denn diesmal war auch oatet in ihrer Mitte. Nach nahezu Leinhalb dauernder Sehnsucht, war nun auch er aus dern Felde heimgekehrt, nmiseiue tveuie Gattin zu umarmen, seine hoffnungsvollen Sprößlinge liebevoll an das väterliche Herz m drücken. Zur Feier des Chanukafestes wurde auch das Haus durch die üblichen Lämpchen erhellt. Aber nicht wie der gewöhnliche Schein niedlicher Flammen erschien ihm deren Glanz. Dein Manne, der an die Finsternis der Nächte im Schiitzengraben und in der Berglandschaft gewöhnt, dem alle Augenblicke der finstere Tod drohend ins Antlitz sah, dem Menschen, der für jede Gefühlsregung wie abgestorben, indem nur der härmende Gedanke an. die Seinigen zeitweilig im Herzen aufleuchtete, dem kühnen Krieger, der mit Todesverachtung im wüsten Schlachtengetummel gerungen dem Juden, ihm erschienen nun die Strahlen der unansehnlichen Lämpchen an seingm! Herde, umgeben voir seinen Lieben, wie der blendende Schimmer der unvergänglichen Sonne im weiten Raume des unendlichen Weltalls. Für ihn waren diese Tage Freudenfeste in des Wortes wahrster Bedentung. Aus der Mitte seiner Familie, gleichsam aus ihrem Herzen, war der Vater an einem traurigein Tage entrissen, an dem unheilvollen Jahrestage, da die jüdische Herrlichkeit von roher Hand zerstört, die heimatliche Stätte der Söhne Israels erbarmungslos verwüstet .und deren Heiligtum mit Füßen getreten, am neunten Ab, zog Rafael aus seinem Hause.; Kummer, Weinen, Schmerz, die blieben daheim. Und nun kehrte er an einem Freudentage wieder. Jener herrliche, denklvürdige Tag brachte ihn den SeinMN, da jüdischer Heldenmut über brutale Gewalt den Sieg dalvongetragen, da srevlerisckier Hochamt gedemütigt und jüdischer Ruhm wieder erglänzte. Zur ChanukM feier kam er in sein Halls, da zunl bleibenden Andenken an wmM wolle Heldentateil Makkabis in jedem jüdischen Heinl Freudenfeste begaugell werden. Und welche Wunder haben sich vor den Augen des jüdischen Soldaten zugetragen! Ml che kühne Heldentaten hat er selbst vollbvacht! Wie oft stand sem Leben auf der Wagschale! Ein Loth und es wäre um ihn geschehen. Doch in dem unerschüttert ichen Bewußtsein, für das Recht einzutreten, durchdrungen voll dem erhabenen Gefühle für die Ehre des Kaisers, für den Bestand des Vaterlandes u. für das Allsehen des Judentulns im Kampfe zu stehen, brachte der jüdische Soldat, lvie jeder gllte Jude, sein Leben zum Altäre. Mutig hielt er stand. Mit der Kraft Simsons zu der sich die Weisheit Salomos gesellte und durch den Heldenmut Juda Makkabis rang sich der jüdische Held durch, Unvergängliche, rühmvolle Eigenschaften der alten Juden hatten sich in diesem Zeitalter verjüngt und zeitigten den Erfoto Denn der wohlverdiente Lohn lvard Rafael von Allerhöchsten Stelle zuerkannt. Und mehrere Zeichen anerkannter Tapferkeit schmückten seine Brust. ״Wunder haben unsere Ahnen erlebt? Heldentaten vollbracht?" sagte Rafael im fragenden Tone zu seinen Freunden, die bei ihm zur Channkafeier erschienen waren; ״Das wird sicherlich bei jedem Juden Selbstbewußtsein l>ervorrufen. Aber auch heutzutage erblicken wir Wunder; Glückliche Fügungen spieleil sich vor unseren Allgeil iiil Felde ab, wo wir vor Staunen fast das Bewußtsein verlieren." — Nafael schöpte tief Ateill. wie wenn er sich zur weitepen Schilderunz -anschickte. Er hielt aber mne, wodurch die Aufmerksamkeit und Neugierde seiner Zuhörer nur noch lilehr gespannt wurde. DHwn fuhr er fort: ״Welln ein Soldat seine Erlebnisse in der Front erzählen wollte, wie oft er W den Krallen des Todes entwinden, wahrlich, es gebe zu viele