Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVII (1916)
- Issue
- Heft 19 (2.11.1916)
- Date
- 1916-11-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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F'p ■..־.*fc» י... ....~ ,M — — ■■!AiSs-f■/—^^.^.,,8^1««^!■■ «-■;sMiaasrg&sss Flüchtling; in uns>evn> Bezirk. Viele haben schon zmn 2ten und 3ten Mvl den Jamm-er miterlebt, Mn .Haus und Hof fliehen zu müssen, und als Bettler der Mildtätigkeit fremder Menschen überlassen zu sein. Es ist in diesen! Teil des Landes für die Bedauornslverten besonders schwer, da n׳nr die wenigen ansässigen jüdischen Familien wirklich hilfsbereit sind, denen es aber trotz aller Anstrengung nmnöglich ist, der Not zu steuern. Daruin meine li-erzliche Bitte: Helfet für die Armen zu sorgen, damit sie vor dem Schlimmsten vor Hunger und Kälte bowahrt werden können. Helfet damit sie ׳nicht!ganz dem Elend anhei in fallen. Habt Mitleid mit unseren armen, schwerbetroffenen Glaubensgenossen, in deren Namen ich i>:n< Vorhinein für jcb;, auch noch so kleine Spende vom Herzen danke. Engenie Geßler, geb. Goldreich Freiwaldan, Oest. Schlesien Spende!: bitte an oben stehende Ad rohe zu senden. Eine Umschau über eßbare Pilze. Der Talmud über Schwämme und Pilze. Die eiserne Zelt des Krieges nötiigt uns, mit den vorhandeinen Nahrungsmitteln sparst mer umzugehen als bisher und darauf zu siuueu, mit Hilfe der Wissenschaft neue zu schaffen oder bisher weniger beachtete geeignete Stoffe mehr für die Zwecke der Volkseruährung hevanzuzie,- Heu und ihre Erzeugung zweckmäßig anszubauen. Das ״Fleisch des Waldes", die Pilze oder Schwämme, die Wohl geeignet sind, unsere?iahrnngsvorräte zu. ergänzen, vermöchten diese Aufgäbe Wohl mehr zu erfüllen, wenn es gelänge, sie so leicht und sicher zu züchten, wie etwa unser Gartengemüse. Die Natur hat über das Werden vieler Pilze einen so dichten Schleier des Geheimn-i-sses gehüllt, daß es bisher weder der Wissenschuft, ׳noch Praktischen Kulturversnchen gesungen ist, alle Vorgänge der Lebensentwicklung dieser Pflanzen Praktisch anwendbar klarzulegen. Um so mehr dürfte es aus realen und idealen Grün- ׳den ersprießlich und voraussichtlich n!it Erfolg begleitet seiu, wem! sich der eigentlich recht naheliegenden Aufgabe der Züchtung wertvoller Speisepilze möglichst weite Volkskreise nnterziehen würden,!md in den Ergebnissen, die aus!nöglichst zahlreichen Beobachtungen und Erfahrangen wirklich Praktischer Art hevorgegaugen wären, dürfte'ehestens Gewähr auf Erfolg liegen, eiuzudringeu ln die Werkstatt des Pilzlebens u!ud dir Bedingungen zu erfahren, die zu einer erfolgreichen Aufzucht dieser Pflanzen unerläßlich sind. In welcher Weise eine Züchtung von׳ Pilzen möglich ist und welche Arten sich dazu am׳ besten eignen, das beschreibt Johann Rueiß vm ״Kosmos", Hicmdweiser für?Naturfreunde, H. 7 (jährlich 12 Hefte mit 5 Bnchbeilagen Mk. 4.80, Stuttgart, Frankh'sche Verlangsh-andln'ng) m einen! längeren Aufsatz ״U!uschau über eßbare Pilze, eine Anregung zu deren Züchtung!", den! Nur auch die obigen Ausführungen entnehmen. In! Talinud (Berachoth 40b) wtrd die Frage erörtert, welchen Segensspruch (Brochoh) miain vor dem Genuß von׳ Schwäimnen spreche. Man sagt nicht die Brochoh: Baure Pri. hoadoinoh (der erschafft die Frucht des Erdbodens), sondern schehakanl uihjeh bidvorau (durch dessen Wort alles entsteht). Schwämme und Pfifferlinge saugen ihr Wachst!!!!! nicht ans der Erde. Wer ein Gelübde tut, kei'ue Erdfrüchte zu genießen, darf Schwämme und Pfifferlinge geniesten, weil diese die Kraft ihres Wachstums nicht aus der Erd: ziehen. ׳In! Midrasch Rabbal) (Breschis 60, 1) wird zu der Stelle ״Und siehe über ihn! (bei. der Jakobs leiker) stand der Elvi ge") bemerkt: Es schnmchtet dem׳ Schvamme gleich (komah)!nein Leib nach Dir in! dürren Lande und müde ohne Wasser". (Ps. 63, 2.) Wie der Schwamm keinen festen Boden unter sich hat, so Um Jakob -in die Fremde gezogen, seinen! heimatlichen Boden entrissen. Darum schmachtete er besonders nach Negen. Die Schwämme wachsen nicht von der Kraft der EM׳, sondern von der (wässerigen) Luft. Nach den! Regen wachsen die Schwämme, sie fassen nicht Fuß in ׳der Erde. Darnn! sagt inm! nicht die Brochoh: Banre Prt hoadoinoh. ׳ Die Inden im russischen Okkupationsgebiete Schon vor dem׳ Durchbruch von! Gorlice und Tarnow, der die in wenigen Wochen durchzuführeu de Räunumg des von den?tussen besetzten Teils von Galizien erzwainjg, machte sich in der russischen fortschrittlichen Presse eine lebhafte Belvegung gegen die Verwaltung des Okkupationsgebietes geltend, die dorthin die schlimmsten Mißbräuche der russische Bnreaukratie übertragen hatte. Auch in -englischest! Zeitunge!! beluerkte!non׳ den Widerhall dieser Klagen, die nur zu begründet waren. Die Räumung Gali ziens entzog -danndiesen Erörterungen den Boden der n,um! ittelbar ei! Politischen Aktualität, sie wurden aber noch einige Zeit fortgeführt. Gewiß ist es kein- Zufall, das; nach der abermaligen Besetzung einiger Teile Ostgaliziens in diesen! Som-mor nicht mehr Graf Bobrinski׳, der in Lemberg als Statthalter׳ des Zaren Wirtschäftete, in sein früheres An!t eingesetzt wurde. Man schien in Petersburg entschlossen zu sein, die Mißstände der ersten׳ Okkupation 74! ver-!neiden, und die liberalen Blätter machten kein .Hehl ans ihrer Befriedigung darüber, weil sie vor dc!n lvestlichen Rußlands gern bk Nolle des Kulturträgers spiele!!!1!ächte». Wie es null aber während!der zweiten Besetzung m Galizien unter russischer Herrschaft anssieht, geht!aus erneu: Bericht des berüchtigten russischeu SeuOlvobundes hervor, deren Hilfswerk in׳ größte!!! Stil orgauisirt ist uud dessen amtliche??Mitteilungen, die jede Politische Polemik vermeiden, sich Vau jeher durch streu ge Sachlichkeit ausgezeichnet habe». Wir entnehmen bi׳efcm Berichte, der uns von den ״Jüdischest!?Nachrichten" zur Verfügung gestellt wird, folgende Einzelheit-e׳n über die Lage der Juden in! russischen Okkupationsgebiete, eins denen auch scharfe Lichter auf die dort herrschenden allgemeinen Zustände fallen. Die ma׳ter!i,elle Lage der Juden hat sich sehr verschlechtert. Der Handel ist von jüdischen allmählich iu andere Hänpe übergegangen, die Steuerlasten sind bedrückend; vor alle!!! aber hak das unbedingte Verbot der Bewestnngsfreiheit, das die Juden verhindert, ihre Waren in Handelsstädten einzukaufeu , den jüdischen Hanhel ruiniert. (?lus dieser Bemerkung geht hervor, daß die Verodinmgen Bobrinskis, wo- -nach kein galizischer Jude seinen Wjohnort verlassen darf, nach jetzt in! Kraft sind.) Alle jüdische!!! Teehäuser wuMin׳ geschlossen- und diie Eröffnung uuer verboten, wodurch ein -bedöutender Gewerbszweig vernichtet wurde. Di!e Lage der Handwerker ist jämmerlich. In ei'uer Stadt lvetzboten!die! Militärbehörden den Juden den Hendel mit Brot, weil sie sich geweigert hatten -am Sabbat Handel zu treiben. Der Semstwobund unterhält überall in Gali-ien Speisehall c 11, der:!! Leiter und Angestellte!aber den Militärbehörden unterste- Heu. Da sie sich den Juden gegenüber offen feindlich verhalten, bleiben die Juden, auch wennsie das Recht zur Benutzung dieser Wohlfah-rts- -eiiarichtiingen hätten, ihnen fern. Die Speise- Hallen dürfen nämlich nur ihm der arbeitsnnsähi gen Bevölkerung benutzt loerden. Tatsächlich Wenden sich aber ׳nur sulche Inden au sie, die nnmittelbar vor den! Verhunigevu! stehen. Der Be!- richt fügt bei, daß gegenwärtig beabsichtigt fei (von lvem׳, wird nicht gesagt), die Speisehatleu ganz zu schließen und den notleidenden Greisen und Kindernj dafür eine tägliche Geldunterstützung von 15—18 Kopeken zu gewähren. Die Juden werden zlvar überall zur arbeitsfähigen Bevölkerung .gezählt, die . keine 1l1׳rterstützung erhält, tatsächlich sind sie aber von den meisten A r beit e n ausgeschlossen,??lau zwinO sie, wie der Bericht bemerkt, nach wi.׳ vor ohne?tücksicht auf Alter, Stand 1׳nd Gesundheit zu Arbeiten ans den Landstraßen, Eis.inbahnen, zur Straßen- und Kloakenreini,g!mg: aber dies e?lrbeiten werden nicht bezahlt. Bei solchen?lrbeiten, für die ein. Lohn gewährt wird, lehnt man die niassenhaft sich anbieten de, 11! Juden einfach ab. Der Sen!stwobnnd hat an einigen Orten?lrbeitsstellei! für Frauen errichtet, in denen auch Jüdinnen beschäftigt werden, doch droht tvegen?Nangels an?tohstoffen die Schließnng der Werkstätten. Alle dem Sen!stwob,nnd zugehenden Berichte bestätigen, daß die Inden keine?!Mit scheuen, -um ihr Leben zu friften. Der Bund ist aber ״aus Gründen rein örtlicher Natur" (d. h. des Antisemitismus der ansässigen polnischen und -ukrainischen Bevölkerung.) nicht in der Lage, den Juden Zlrbeit znu verschaffen׳. Der Somstwobn-nd hat in Galizien eine große Zahl sogenannter K o!! s n!!! g e s ch ä f t e ' zun! billige׳!!״ Verkaufe von Lebensniittel!! errichtet; die Verwalter sind überall Polen oder?tuthenen. Die Inden sind größtenteils von der Benutzung dieser Einrichtung ausgeschlossen. Einige Ver- Walter weigerten sich überhaupt, an Juden Waren zu verkaufen; an'dere verhi!!!derten durch Schikauen, z. B. durch -den Verkauf aller Wichtigen Lebensniittel nur am Samstag, die Juden am Eiinlkailf. 211! einigen Orten trafen auch die Behörden derartige Maßnahmen; in Tarnopol, wo d.׳rSen!stwo׳bn!!d ein eigenes Konfmngeschäft für die Juden gegründet hatte, wurde'es aus!nilitävischen Befehl wieder geschlossen! Die eigentümliche Erschei-nung, daß der Semstwobu'nd gegen die Leiter seiner Hilfstverke in Galizien, also ׳gegen seine eigenen Beamten öffentlich Siellnng nimmt, erklärt sich davans, daß die Ver- Walter von der Militärbehörde angestellt werden und sich offenbar -der Semslwovertreter einfach -nicht fügen. Sie haben auch, wie dev Bericht beklagt, gegen die Kinderhei-medes Semstwvbundes, in dem überall chvi.stliche und jüdische Kinder mit gleicher Liebe gepflegt werden, Umtriebe angezettelt, um! ihre Schlieißung zu erzwi'Ugen. ׳ Es ist leider keine Hoffnung vorha!nden-, obgleich ja manchmal schüchterne Versuche seitens derVerbündeten ge!nacht werden, nn! di; Russen Menschlichkeit zu lehven, daß diese Z-nstä'nd;!sich besser!!.; das unnatürliche Bünjdnis der sogenannlen Knltnrstaaten mit einen! Barbarenreiche bringt die ersteren nicht zu der Erkenntnis, daß es 1'hve heiligste Pflicht wäre, diese Barbarei anfhören zu lassen,?luch hier können ioi׳r nur hoffen, das; Menschlichkeit un>d Aufklärnnig allmählich den Sieg über Gvausan!keit und Barbarei davontragen.. ilimdjcftau. Auszeichnung. Der der k. .u. k. Israel. Mi-litärseelsovge in Wien zngeteilto Feldrahbiinier Dr. Rudolf Ferda, erhielt von! Militärkommando in Wien für vor- .;!"!gliche Dienstleistung während der Kriegszeit ei.ne belobende Anerkennunig. Armin Wassermann gefallen. Dieser Tage ist.?lrmin Wasserlna!!!,!!, ein Bvuder des bekannten?iomandichters Jakob Wassermann, gefallen. Er war .unter Brahm und Barnolvsky Vtit-glied des Lessingtheaters und vor dem Kriege am Hoftheater in Darmstadt tätig. Er hatte sich auch schriftstellerisch versucht. Dr. W. L. Schereschewsky. Im?llter von- 60 Jahren verstarb in Odessa am 13.?tngnst ׳der verdienstvolle hebräische Schriftsteller Dr. W. LS-chereschewski. In seinen Hauptwerk ״Schischa Sidre Mada", das vor kurzen vom Verlage ״Moria "in der ziveiten Lluflage herausgegeben wurde, und in demi die Grundlagen ׳der?Necha,n׳i׳k, Physik, Chemie, Physiologie, Psychologie und Biologie in Wissenschaftlicher Form dargelegt sind, hat der Verfasser eine präzise Terminoloige für alle Fachbegriffe geschaffen und sich dadurch große Verdienste un! die Bildung einer nenhebräischeu wissenschaftlichen Sprache erloorben. Schereschewski! lvia-r auch der erste Uebersetzer -des Graetz'schen Geschichtswerkes i'n der russischen Sprache. Simon Samuel Frng. In der?äacht von! 20. zun! 21. September (23.Elul) ist der jüdische Dichter Simon Samuel Frng in Odessa in!?llter von 57 Jahren einem Nierenleiden -erlegen. Die jüdische (^׳meinde hat!ihn feierlich bei gesetzt,?lus einer?tei tue vo!! Städten lvaren Deputation!?!! lgekonnmen, von iiberall trafen Blumen nnd. Telegramme ein. Die jü-discheu Schulen Odessas tck!׳ren an! Beisetzungstage lpschlossen. . . _ Simon Samuel Frng Uhu der einzige Dich-