Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVII (1916)
- Issue
- Heft 19 (2.11.1916)
- Date
- 1916-11-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Aabra. XVN. Nummer 19. Olslht -—-ב «e-«sspreise: If&c Oesterreich-llngarn, halbjährig . Kronen 6*20 ganzjährig. . Kronen 12 — Deutschland, ganzjährig. . Mark 12 - Rußland, ganzjährig ...... —׳16 Rubel . Balkan, Frankreich. t ■ ... . .. .... ■■ .. —׳4 «Frank . T- Redaktion: Wien VIII. Lerchengaffe 6 a. mm. W------- - W Redaktion und Administration: Brünn, Adlergaffe 9. Buchhändlerische Vertretung: Otto Klemm, Leipzig. Inserate: die bspaltige Petitzeile 90 h. Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht honoriert. — Manuskripten ist Rückporto beizufügen. %---0 Wien—Budapest. Brünn, *;״c^”SS*i956* * * * * 677 Prag—Lemberg. ■HB■■■■■■■■■■■■■ Der heruigen Nummer liegen Posterlagscheine bei. Die P. T. Empfänger werden um gest. umgehende Bezahlnng des Abonnementsbetrages ersucht. Die Admi »istration. BBBBBBBBBBBBBBBBB Iudenschiüsal. Bon D. Feuchtwang. (Alis Hickls ״Jüdischer VolkskUl-:-1tdc.r" 1916-17.) Ueberhebung spricht atts dom Midrasch- Wort:: ״Die Welt ist Israels wegen geschaffen worden". Ueberhebmmg!ist dio Schviftdentumg: ״Eure Not -ist Gottes Not". Ueberhebung die Amficht: ״Die Welt wäre nicht erschaffen worden, wenn ׳nicht ihr Werk und Ziel die Befolgung der Thora wäre und die Erfüllung ihrer Ideale". — Trotzig klingt dos Wort: ״Die Welt karrn! zerstört werden, die Thoraträger nicht." — Ist das mattt wirklich nur Ueberhebung rlud Trotz? Liegt da-vim/ nicht tieferer Sinn umd Wille? Ja: den Trümmerhaufen mi!:derger!issem׳rr Mora-ltheorien, in!de!n rauchenden Ruinen zerschmetterter Kulturen der Weltenvölker liegen auch diese selbstbewußten Sätze begraben. Oder nicht? Wemin das Jammern itnb Kiage>n über den Untergang der Civilisatiom!, Kultur, Moral höreil und das Einstimmem im diesen traurigen Chorus auch vom! führenden! Juden vernehmen, dam׳!: lnüßtein wir an der Zukunft verzweifeln llird ander Prophet!schon! Verheißung: ״Es ist eiinje Hoffnung. für Israels Ziel und Zukunft". Der gerechte Beurteiler unserer wunderreichem .Geschichte wird das Gefnhl der Verzweiflung -nicht aufkonlnlien lassen, wemm uns allem auch der geschichtliche Maßstab für die furchtbare Gegonwart fehlt. Dem: keime Ze.it der Vergangenheit bietet diesen Maßstaib. Das Uns lück der Gegenwart ist eb:n unermeßlich. — Und wenn nicht alle Zeichen trügen,, dam: wächst auch aus den Flammemnteere des Völker-Krieges ein ung-ehettres Jttdenschicksal empor, dem gegemüber wi,r vorläufig nackt und ungerüstet dastehen. -- Hundertmal ist es gesagt worden und doch nicht oft g-emug. Auf Jndenriicken Pflügt der rote Dflstger, er zieht die blutige Furche meilenweit und übgrundtief. In den Judenreichsten Landgebieten Europas wütet das Schwert xmb heult .der Hunger, würgt der Tod und schreit die Not. Humderttausemde Galuthgewohnte Inden Wandern u n st e h t und f l ü ch t:i gvon Haus und Hof, weinen und wehklagen über Hab und Gut und Blut. Nicht genug daran. In der Tiefe der wogenden Blutslut regt es sich gefährlich vteilt, sich nicht Gläubige dafür gefunden daß die Juden Schuldträger am! Unglück der Völker wären. — ״Brummen vergifter, Kindermörder, Wucherseelen, seid ihr", so schrieen, taufende Wpnn und Ivo lim Men Zeiten uüd 9iäumen hat- Stimmrn im Mittelalter. Nur iuh Mittelalter? Wamm begimmt es, wo hört es auf? Ein Tag ruft es dem andern, zu,!eine Nacht rannt es in's Ohr der anderen Nacht. Wie die :imgepreßte Flamme die Fessel sprengt u. prasselnd emporloht, wie Dampf alle Ventile hochschlendert, so sucht die -nieder!׳ rechende Nölkerseele einen Ausweg-und fimjdet ihn im Schlagf Wort: Jude. Wo ein Jude sich versündigt am der Gemeinschaft werden Indem, und Judentnnt zur Veramtwortung gezogen im. furchtbarer Erfüllung des uralten Rechtsatzes, daß eim■ Jude für den andern bürg:. Eim Jude darf und soll michtsültdigem denn seine Sünde ist eineSünde an Gott umjd Neltgion. Könnten wir, wir würden jedem sündig««. Juden vor eigene!!׳.׳ Gerichtshofe selbst für ,geringes Vergehen furchtbar strafen, -ihm ausstvßen aus unserer Gemeinschaft, zu der er von dem Augenblicke am -nicht tuehr gehörte, i,n den er am unserer heiligem Religion, und Mvr!al gesündigt hat. Doch, wenn man alle Sünden znsatntnenhäuft, die Juden begehen:, dann, verschwinden sie wie Rauch vor dem en!tsetzlichen Unglück, das Juden trist und getroffen hat im! Verg-angeinjheit und Gegenwart. — Nicht berühmen wi.r >nns, daß! die Juden allenthalbenihre -heilig: Pflicht als Bürger und Krieger erfüllen, daß ihr Blut für Herrscher, Hei,timt und Vaterland itt. Strötnen fließt, ihre Geldopfer geradezu aller Maße spotten, ihre Werke der Liebe keime Grenze keimen und im Verhältnis zu ihrer Zahl!eine Leistung darstellen, für die es keine Worte gibt. Sie bedürfen dieses Lobes nicht .und heischen es tticht. Judentum ,ist Menschenideal und Ideale fordern Opfer, Opfer, Opfer. Wir bringen sie; bringen sie als freiwillige Geber; wir erwartenuichts. Doch da,rü!ber bräche uns das Herz, wann .nach wie vor Stimmen des Hasses laut würden. Es gibt eine Macht, die furchtbar im Verborgeneu schleicht, wie die Pest vergiftet, im Herzett u. Seelen Haß n. Zwietracht träufelt. Diese Macht ist,auf dent Wege. Wir Hören ihren Tritt, ihr verräterisches Flüsterm. Sie heM Judenhaß. Seien wir recht,zeitig berei.t. Wir fürchten ttichts. — Schreckliches haben wisr erlebt uttd immer wieder g-imgem wir gerettet -aus dem Feuerofen der Ge!- schichte hervor, weil uitsere Tugend immer die Schuld tausendfach überwog uttd Gott mit utts war, der unser Recht ans Licht führte.. Seien wir zuversichtlich, aber nicht sorglos. Es ist Pflicht der Indem, achtsam zu fein und alle Kraft zusatttmettzumehnten,!damit nicht die Verschuldnng -einzelner allem zur Last gelegt uttd das Judentum nach einzelnen Juden ‘beurteilt Werde; beurteilt matt die Gesamtheit der Christen ttach einzelnen sündigen? Wollen wir hoffen, daß aus tritt Unglück nur Okrechtigkeit und warnte Menschlichkeit erstehen. Die Juden im Kriege. Im ״Untertan Hebrew" unternintmt Borts Goldberg ׳eine Untersttchnng des Einflusses, den bis heute der Krieg .auf das jüdische Leben in den kriiegführettiden Ländern ausgeübt hat. Er hat dabei die Indemim Auge: 1. als Teil der Bevölkerung׳ der kriegführenden Länder: 2. als Teil der Bevölkerung jener Gebiete, die mnmittelbar von der Kriegsnot tMingesucht wurden: 3. als Teil der kämpfenden Heere, die tätigen Anteil am der Krijegführung nehmen. Vott der, wir können sagen, gesamten Indemh-eit, die im der gattzett Welt 13^/2Mi-lliomett Seeleut! zählt, leben nicht weniger als 10.299.000 in den kiegführettden Lattdern. Rund gerechnet gab es zu Beginn des Krieges im deitt! Ländern der Entente 6.948.000 und im den Ländern der Jon-t raut ächte 3.356.000 Itidem.(Rußland 6.060.000: England 246.000: englische Kolottien 170.000: Frankreich 100.000: französische Kolonien 19.000: Belgiett 15.000; Serbien 6.000: Oiesterreich-Umgarn 2.258.000; Deutschland 615.000; Türkei 445.000; Bulgarien 38.000.) Danach verbleiben iltt den ne-utralcn Län-. dern 2.984.000 oder kttapp 22.5 Prozent.*) Von dieser Gesamtzahl entfallen auf die Bewilligten Staaten 2.350.000. Es leben also drei׳ Viertel oder, geinau gerechnet, 77,5 Prozent der Jmdcnhoit 1-11 den kriegführenden Ländern, nmd diese haben eim tiefes Interesse atu -Ausgang des Krieges. 77.5 Prozent -aller Jmden sind vom Kriege i!tt Mitleidenschnft gezogen, 55 Prozent auf Seiten der Entente und 22,5 Prozent auf Seiten der Zentralmächte. Das Leben im, einen kriegführendem, Lande ist bestenfalls mit großen persönl-ichett und miaterielliem Opfern verbunden. Diese sindjedoch, am grüßten und stärkstem! in jenen Teilen der krieg,führendem! Länder, w:lche, die eigentlichen Kvilegsgebiete anstnachen. Alle Schrecken, -di-: mit einem Feldzug -verbnndeini sind — Bombar-!dement, Mord, Feuer, Plünderung, RK'qnisi- Wnen, Not und Krankheit, find das umveritteidliche Los der B-:völkerumg in diesen Gebieten. Und gerade im dieser Beziehung si!!td wir das auserwühlte Volk: gerade die Gebiete in denen die größtem- Massen des jüdischem Volkes vereinigt sind — Polen, Litt-anen, Galizien, Bukowima, Wolhynien — sind die Stätten der kriegerischen Vorgänge. So sind z. B. Sochacz-:w in Polen und Smorgott im- Littauen -:imfach vom CModem verschwuttden. Bezüglich Rußlands mtvge-n die folgenden Zahl-em die Lage verattschaulichon: Vom-.d:n 25 Gouvernetnents, die den jüdischen Ausiedlungsrayon bilden und wo 94 Prozent russischer Jud:n leben, liegen 1!) im Kriegsgebiet und nur 6 außerhalb desselben, ab-:r doch in nmmtittelbarer Nähe. Dagegen sind von den gesatntett 60 Gonvorinements, in die das europäische Ruß land eim-getcilt ist, nur 22 direkt vom Kriege betroffen, und hiervon! li!:.gen 19 ihn jüdischen Amsiedltmgsrayon u. n׳ttv 3 attßerhalb desselbett. Galizien und die Bukowina sind vollständig Kri-egsg-ebiet. In -einem Wort: Für mehr als di-e Hälfte der 10 Millionen Judeit, die durch ihre Staatszugiehöritzkeit zu den kriegführenden Ländern v. Kriege im! Mitleidenschpft gezogen sind, sind di-: Kireg-e in Mitleidenschaft gezogen sind die Schrecken um׳d Leiden des Kriegs durch ihtx'tt Aufenthalt ittt Kriegsge biet wesentlich verschärft worden. Bislier war nur von! dem passiven Anteil die Rede, de»tt! der größte Teil der Indem «m, Kriege hat. Sehr bedentend tst aber auch der aktive Anteil der Jrtdon als Soldaten uttd Ofsiziere in den kätttpfondem. Heeren. Noch läßt sich über diesen׳ aktiven Attte-i-l keime genatte *)Durch den Eintritt Rutnänions in den Krieg hat sich diese Zirer imzwischen noch verschoben. In Rumänien gibt es 400.000 JM׳>n. Soeben nlclnenen- .Sickls Mt,