Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVII (1916)
- Issue
- Heft 13 (23.8.1916)
- Date
- 1916-08-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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SdH 6. a.iiit ■ו mt 1 WIIUGWIMMU» Rk. 13 Stadt rates ei.n Schreiben, das folgenden Wortlaut batte: ״Dia Zionistische Organisation in Warschau, ,die sich an die in der Deklaration der Ratsmänuer der Residenzstadt Warschau ausgedrückte Forderung eines freien Polens, die anch ihre innigste Forderung ist, an sch!!egt, drückt, ihre feste Zuversicht aus, da st ,das freie Polnische! Volk die gerechten bürgerlichen und nationalen Rechte der Inden sichern wird. Im Namen dep Zionistischeil Organisation in. Warschau, die' Ratsmäuuer H. Farbstein, S. Seidema-nn." WW»»»»»»>MS (Vermißt). Bendet Sabine aus Sadagora, derzeit Brunn Sterngasse 4 »vohnhaft, slicht ihre Eltern Berl und Rosa Bernfeld aus Sadagora. sBermißt Berta Walter aus Sadagora, der- ׳eitBrün.n Sterngasse 4 wohnhaft sucht ihre Elteril Moche und Scheindl Walter und Bruder Hirsch Walter ails Sadagora. Der Vorsitzen,de, Rektor Tr. Brudzinsky, der diese Erklärung verlas, fügte unter dem Beifall eines Teiles der Ratsmänner hinzu, daß auch er die Hoffnung der Zionisten völlig teile. Korrefponllcnzcn. Wien. (BeförderiUMT Der Leutiiant Julius Zellnik, Sohn des Herrn Josef Zellnik Chordirigeilt. Stadttempel »vnrde zu»! Oberleutnant befördert. Baden. Freitag, ,deil 18. August, 1LS Uhr Abends fand ein Festgottesdienst aus Anlast des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers in der Synagoge der hiesigen Gemeinde statt. Zu demselben hatten sich, ,nebst den Honorationeil der Kultnsgewemde, Vertreter der k. k. Bezirkshanptmaunschaft und der Militärgarnison eingefnuden. Es nahnlen an deniselb'en auch viele Offiziere und Soldaten teil.׳ Ter Gottesdienst verlief in solenner Weise. Nachdern Herr Oberkantor Jura mit seiner sehr geschulten Prachtvollen Baritonstimme den rituellen Teil in hervorvageuder Weise erkutiert hatte, bestieg Sr. Elirlviirdeii Herr Oberrabbinev Reich die Kanzel und hielt in gewohnter meisterhafter Weise die Festpredigt, und vor offener Bundeslade das stimmungsvolle Kaisergebet. Mit Absingen der Volkshynme von einem Kinderchors unter der Leitung des Heran Oberkantors fehlost,die Herrliche Feier, die dev patriotischen Gesinnung entsprechend dem Auditorium einen nicht »genug hervorzuhebenden Geluist bereitete. K. Böslan-Gaiufarn, 14. August 1016. Die Frequenz unserer Sommerfrische wurde durch den zweijährigen Weltkrieg wenig beeinträchtigt. Was die Residenzstadt und nahe Proviiiz an Gästen weniger entsandte, haben die Flüchtlinge aps Nord und Ost beinahe »vettgemacht. Letztere wohnen z. T. schon seit dein Winter hier, so dast die Fremdensaison dahier fast gar keine llmterbrechunig zu erfahren hatte. Hand in Hand .damit erwächst wol eine erhöhte Approvisiouierung der Bevölkerung, die aber, Dank der behördlichen Mastnahinen, unserer Feinde zunii Trohe, lange nicht zu hungern braucht und durchzuhalten vermag. . Trost und Stühe in dieser ernsten Zeit bilden die Andachtsstätteu, deren jede Konfession hier eine besiht, die mehr denn je Zielpunkte religiöser Gemüter sind. Für die jüdische Bevölkerung ׳erweist sich das Bethaus in der Mühlgasse, zumal an Sabbaten, als viel zii klein. Am lehtverflossenen Sabbat Nachamu mussten viele Andächtige sich darin, vor den Pforten des Bethauses stehen zu bleiben nm> der geistvollen Tara schab zn lauschen, die Se. Ehnv. Herr Rabbiner Jakob Hofniaiiii ans Radauh über Einladung des hiesigen Bethaus- Vorstandes unter besonderer ufmerffamfeit des Anditorinms gehnlteil hat. Der geistliche Redner, selbst als.Flüchtling hier lebend, sprach in beweg!- ten und ergreifenden Wiorten von dem Schiieksal der Zeit iiiid träufelte Trost in die Gemüter seiner Glaubensgenossen, diesen aus Wer laufenden Haftara schöpfend und theologisch erläuternd. Die segensreichen Verheistiingen Jesaias werden aster nur voll und ganz von demjenigen Juden empfunden und gewertet werden, der mit seinem religiösen Geinüte in den heiligen Geboten der jüdischeil Religion wurzelt 11nb fest mit ihr verknüpft bleibt. Mit denn Wunsche, dast der Menschheit das Heil der prophetischen Weissagung bald teil werden möge, schloß der mit schöner Diktion und tiefer talmndischer" Gelehrsamkeit begabte Redner seinen dveiviertelstüudigen eindrucksvollen erhebenden Vortrag. A. L. Gesucht wird׳: Ruche! Engel oder Rosenhek aus Berhomed (Bukowina) von ihren Söhnen Wolf und Feilvei Engel wohnhaft in Brünn., Ottgaffe 30 a. — Nathan Engel ans Berhomed »vohnhaft i׳u Brünn, Ottgafse 30 a, sucht seine Frau Chase, und drei Kinder (Jetti, Fanny und Israel). ׳ BBBBBBBBBBBBBBBBB üiicficrbcfpi'ccfumgon. Israels Kriegsgebet, für Sopran Solo und Orgel komponiert von Otto Wenicke, Dirigent (Wiesbaden Bismarkring 10) Der rührige nnd strebsame Dirigent au der Hauptfpuagvge zu Wiesbaden der es sich zur Aufgabe machte durch Vervoltkommuuug die gottesdienstlichen Gesänge auf jene Höhe zu bringen, wie es die Ausgestaltung eines nioderneu Teiupelchoves erfordert, hat der grosten Oeffentlichkeit ein interessantes Heft unter obigen Titel vorgelegt. Wir ,!missen Herrn Wernicke dafür dankbar sein, dast sein Eifev ihn dazil angeregt, der edlen Helden deutscher Abstamnulng in diesen» Wjeltenringen in einer Komposition zu gedenke»! und diese vom tiefsten Gefühle getragenen Töne, aufgebaut auf so siilnreichen Dort, beginnend mit den Worten: ״All!1!ächtigev höre Israel" dem Vaterlande und insbesondere unserer heiligen Sache zu weihen. Israels Kviegslied wird gern in das Nepertoir jeder isr. Chorgemeinde eiuverleibt werden, denn es ist hier Gelegenheit gegeben einer hohen Sopranstimme im Sologesang sich auszeichueu zu lassen und deil begleitenden gemischten Chor vor eine interessante Aufgabe zu stellen, die zu lösen!nicht schwer u. äußerst dankbar sich erweist. Die Koinpositiou ist dem Präsidenten des Wiesbadener Synagogen Gesangsvereiues Herrn Benedikt Straust gewidmet. Gew ist ei»n Zeichen von Hochverehruug die ein Förderer der edlen Musik im Reiche der heiligen Tradition in besam deren! Maste verdient. Jnngbunzlau in! Juli 1010. .j B. Singer Oberkanten.. Niels Heyer: Aval Mertens Heimat. (Literarische Anstalt Rütte!! nnd Loening,) Frankfurt a. M. Wie in Karl Hanptmgnins Jsmael Fr>i,e»dm!-11׳׳!n »vmd auch in» diesem stiminnngsvollen, bilderrsicheu Ron!a!n ein Halbjude vorgeführt: Arel Merten. Dort war der Vater Jude, die Mutter eine Deutsche, hier ist die Mutter Jüdin, der Batvr ein Deutscher. Jsmael Friedmanu labte in Ote'chtnm, Arel Merten in. Armut. Beide sind rnbelvs, verträumt, tmv/Mi ׳nliicht fürs Leben, ,grübeln und dichten, sehnen sich nach Rstihc lmd suchen eine Heimat wie verflogene Vögel ... J!n beiden schlägt das jüdische Blut irgendwie durch. Mertens Grostvater, Lew! Frank war si!n> fronnner und doch freisinniger Maine!. Als seine Tochter Ha״na von einen! Christen Merten sich Mutter fühlte, rist er sie aus der Eilige des kleinen westfälischen Dorfes und schickte sie nach Narwalgen wo sie eine Heiuiat für sich und ihr una>׳.׳- boreues Kind fan»d. S׳a »vollte gut sein um Gutes zu tun, u!u gut umchen zu könne!!. Oft gl,auchte sie, ihr Wilb׳! veiche nicht aus. Dann las sie im den Bi'uborn, die ihr Vati»׳- ihr mitgageben. Salonios tzprüche, Davids Gesänge und Ruth, die lvundlervolke Ruth waren ihve Freunde. Sie labte sich gevu an der Süsst d׳/r orientalischen Bilder. Sie »Var dann ganz Tochter ihres Volkes. Silq »var keine gesehestreue Jüdst!, aber sie war t׳ve׳u ihren! Glauben, dam -ihr Vater inüüi'g ergeben lva!r. Sie ftwv still in ilMn! Gotst׳. Aber sie war den Gedanken an Karl Merten nicht los. Und sie ba>ngte um ihr Kind. Alle TapsenkeA verlor sie bei den! Gedanken, es könnte vielleicht Zwiespalt in die׳ Seele ihres Ki.n^des koinmen, wüi'l es sich nicht znvechtzufM.den vorn!achte in den! Glaubei! von, Vater und Mutter. Auch uricht in dem Glguben, »veil es sich nicht zumchtzufiinden vernwchte in den Seelen von. Vater und Mutter. Sie ahnte, dast sich ihre! Seelen n»ie!!!als zn eii-neu! Gleichklang i>n der Kindcrseele ineinanderfiinden kön'nten, sonder!» n!i,t!einm!der ringen und des Kindes Seele zerschinde!» würden. Da si»e> gleich -nach dar Geburt d».׳!s Kindes verschied, und dieses -ein gar schlvaches Fläunnchen war, erhielt es von! Ortspsarrer die Nottause. So wurde Hanna Franks Ki-n»d Christ, denn kiainar von der kleinen fremden Tanfgen!e14!de hatte es gcwustt, daß Hanna ei!n»e. Jüd!,n gewesen. Lev׳!- Frank, ׳der nach einer Woche!1! 14 Karel Merten ins Dorf kam, holte das K1'!!!d zu sich, beliest ihm abicir Religion ,n!!1!d Namen dies Vaters. Fü>1!f Jahre brachte Arel in den sti!llen Grastvaterstübchen zu, dann kanz er zuiu Pastor, wollte wicht lernen, wurde Bootsjüi'Nge wie s!e׳:m> Großvater von väterlicher Seite, hielt es nicht lange» bei׳ dieser Arbeit aus, stnldijzrte!md träulute und dichtete. Kain als Nedlaktionssekretär nach Weiauart. Hier tvarf ihn! der kontser.va.tive Verleger »vcgen!eiines dithyrmnbischen mit biblischen Zitaten geschrnückteu Ansfades unbewußt seine serultische Abstamrnuug vor. Und Axel verläßt den Dienst des Mannes, der sei»!!׳ Blut, sei>ne Abstauunung seine Mutter boschinipft hat. Zu dem» Redakteur, der ihm zurodete, zu bleiiben, sagt er: ״Wieder S!»e» noch der Bc!rlegcr wulstten, daß n!M!e Mutter einje! Jüdi׳n w<a»r. llnd doch wüßte ׳de׳r Vevlegqr kcl׳n!en kuscht!!- scheu Hohn für mich zu finden als jenen, daß »vir hier keine Semiten seien. Er protzte danrit, daß er ein Arier s»e»i. Mein Vater war auch ein Arier. Aber das Kind steht doch der Mutter naher. Und drun! habe ich nichts dagegen, für einen Semiten angesehu zu werden. Aber »venu es ei»u Schimpf -ist, tvie der׳ Verleger »»»eint, ein Semit zu sein, so hat er!!!ich eben beschimpft und er »Nuß froh ssm, ei'uen solch schtinpflicheu Menschen los zu werden". Von. 7»un an ist Arels Leben ein Suchen. Die letzte Heimat seiner Mutter sucht er. Als ieir sie ganz verändert findet, ist er enttäuscht, »vaiüdermüde, zern»ürbt u»»d— stirbt. Notiz. Privat-Handesschule Ruprich, Brüiln. Aus den! Jahresbericht entnehmen »vir, das; an der Schule neben dem Leiter 15 Lehrkräfte tätig »raren. Die Schule war im abgelaufenen Jahre nahezu von 500 Schülern besucht. Die U!!terrichtsergeb!»isse »varcn durchlvegs recht befriedigende. Für Kriegsfürsorgezwccke wurde!» durch Sanuulnugeu u. eine Schulfeier K 1310,08 aufgebracht. An. Kriegsanleihe »vnrden K 45.000 gezeichnet. Für das rote Kreuz »vnrden an 40.00!» Zigaretten hergestellt, zn denen das Material vom Raten Kreuz bei gestellt »vurde. Für die Soldaten im Felde »vurdcn zu Weihnachten 85 Pakete mit Liebesgaben von den Schülerinnen gelvidinet. Den einjährigen Fachkurs haben 20 Kriegsiuvalide unentgeltlich besucht. Die N»!terbriiignug der Absolventen und Absolventinnen hat sich auch im heurigen Jahre sehr günstig gestaltet. Viele fanden gute Stellen in öffentlichen Anstalten und Ae!utern. Zahlreiche Schüler und Schülerinnen »vnrden schon vor Jahresschluß benrla»1bt, um Posten antreten zu könnsn. BBBBBBÜSWkZ^üILIWBBBB Danksagung. Die Flüchtlinge fühlen sich »oevpslichtet dien» verehrten Herrn Stationsvorstand Weiß u»»d den! Bahnpsnsonal in Biala für dis mlsterordentliche humane Behandlung t-erzinnigen Dank, st! saWN. In!?tarnen der Flüchtlinge aus Delatyn. Jakob Schein, Lehrer aus Delatyn.