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Jüdische Volksstimme · 1916-07-06 · Heft 11 (6.7.1916) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVII (1916)
Issue
Heft 11 (6.7.1916)
Date
1916-07-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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«Ms. JBMfoi •»ffÜhMRI.» ken pflegten zu schlagen, zu stechen und zu brenletzten schweren Kri!e?gKwhren die Tränen u!cn; jetzt^süld sie gMz freundlich \mfo zwingen vieler Witwen und Waisen getrocknet hat, so hat Mtö zur Freundschaft . . . Aber, aber — :nein die re^c und unermüdliche Mitarbeit der Verbli- Gott! —ich kan«n es nicht schreiben! chon«n A,wi,ß daran einen ganz bedeutenden An- Vor dreizehn Jahren, ehe Friadele zur Welt teil- Jur Dienste der Men Wohltätigkeit war ihr kam, war ich hoffnungsfrendig. Jetzt, o Gott, keine Arbeit zu ntül^evoll, kein Weg zu weit, keine nichts als Elend und Tod- Ich habe kaum die Vitt.! ויד׳ die. Besitzenden zu schtrer, um den Ziele .graft, Miter zu schreiben. Das Leben wird von znzustwben, die Leiden der Armut und Krank- Tag zu Tag schwerer. , , , , heilt verlassener Frauen und Kinder zu lindern. Ich bin Erlassen, ich bin ctlftm Friedele ist So betmuemr in de.r Dahingeschiede׳nen ׳nicht nur n'icht inehr dne alte. Sie Pflegte mir zu helfen, Wege! für rnich zu nmchen ihre All gehörigen die treue Gattin und Mutter, lachen- Jetzt tut sie es Nicht die Annen ihre Wohltäterin, soilderit auch die, mehr. Aber, mein Lieber, soll ich Dir die Wahr- Ost rauer Olesellschaft ein allczemein beliebtes' hert sagen? Unsere!einzige Tochter! Sie ist mir fei>nsin>u׳iai0s Mitglied, ,dem c׳i׳n stetes gutes Gedasselbe liebe Kmid wie bisher, doch sie kaum >Uir. denken gesichert bleibt. N'icht helfen. O, mein Gott!?s.n!ch ihr wird das! Leben täglich schverer zu ertragen. Ihr Elend Obcrhollabrunn. (Allerhöchste Auszeichnung.) ist merneril glelch! Dein Kantor und Neligionslehrer der Jsr. Knl- ,Mein Lieber, hadere nicht mit Gott . - . . tusgememde OberhoNabrunii Herrn Sigin. Gott ist gilt, er ist gerecht. s Jelliuek wurde für dessen Huinaoitärern Wirken Am Jonl-Kippur komdte ich nicht beten, denn, j.״ der Jntertli-ernnas-Station Weyerburg, wie nh hatte fern richtiges Machsor. In mofeuem allen' Mich, für das, anläßlich des daselbst mit Gottes- Machsor stud all die Gebete fürs Leben geschrie-, dienst und Predigt abg.-haltenen Schüle.rfestes, ben. Aber was können uns diese Gebete nützen? * (Lag-Boemer) an die' Allerhöchste Kabinetts- Mr fleheit?>u Gott Nils eines fa.ufton Todes sterben zu. lassen. Betet zu Gott für mich und unsere toure Friede le, datllit er barmherzig ist uiid un^- ser Flehen erhört; das; Mutter Erde imsere Schande bedecke und unsere unschuldigen Seelen zilin Himmel zurückkehreu, wo wir einst vielleicht nns Uuederfmiden -...." Uiid mit dieser Ar11l׳ee, deren Soldaten solche kanzlei im Naincn der ifrael. Schiiljugeiid abgcsaiudta HilldiguiMtelegrainni, der Allerhöchste, Dank im Wege der H. N. Oester- Statth altere!, dto. 15. Jun'i a c. Pr. Z. 1140 bekannt gegeben.' tivrrelponllenzcn. Wien. DoNliierstaig, den 15. v. M., U>urbc der ini hohen Alter verstorbene Professor I. Bern- Lemberg- Der iueuevnalrnte Statthalter für! ',Galizien, General Baron Dilleir, empfung gele-j r-x״ c. . . T<t> . •.... . c c. - qentlich seines erstell Besuches in Lenlberg eine. ,tau. 'fe» d,«^UÜÜ.rbei ku׳ti״ ״״JMchcn HiifLk-mi- Ulf'ii ©u{1ton׳b 11. ^v11111E1\'!d) WM» dir .dvutscheil lx-stchciid ans >dcn Harr» Pmf. Brmnbcrg, ״Lxrroareil . Dr. Nin!cpl, David?tubeltzahl -und Prof. Schorr. Der Sprecher, dieser Deputation schilderte einigehelld die trostlose Lage der jüdischen BevölkerlMg ׳i,n> Galizien und di>e großen Ausgaben, die des Komitees harreil. Er wies auch aus die bisherigeil Leistungen des Koiuitc|c§ hiln, das bislang n iit Pvi-vatmitteln arbeite, uild betoilte, daß es hard Strasser auf dem -isvaelitischen Friedhof' die Pkiicht des Staates sei, diesemj Koiniitee, ,gt. Der Verstorbene tvar ׳e!i!n Sohn des be-'dessen Mittel bere beevdi,! rühmten Nabbiners El-easar Straffer aus Vag- Ujhely, de!r als erster Prediger ■iin Ungarn! vor etwa 100 Jahren in beutscher Sprache von der .Kanzel zu seiner Ge׳m-oi!nde sprach und solcherart bahnbr!ochcnd wiirkte. Strasspr war unve-rnlählt, doch tvaliovn lull ihn! sehr Zahl,reiche Bettva׳ndte, insbesondere die Familien Weiner, Geilvinger, Winter, Kanfiilanin und Straffer. Se. Ehrw. Herr tll>obbi!nigv Dr. Follchtwallg hielt dem Vorblichenen.e>i׳n׳e eiiudrncksvotle Gedenkrede, in Mleher er das hohe Wissen des Berstorb>ouen auf dom 0!«ebi׳eke dizr jüdischell l!nd Weltliteratur hervor-- hob. Sodionill sp-rach ei1׳r alter Freund des Verelvigteu, der Knltusvertreter und Lalldesschulvat Herr Dr. Markus Spitzer tiefeulpfundene Wor״te dps Abschiades -und Pries ben Verewigten Tils Mllster des Idealismus. Am Grabe gab sein ältester Neffe, Herr Josef Winter, namens der Familie mit einigen Abschiedsworten deul herben Schiimrz über den schMpcn Verlust Ausdruck. its erschöpft seien, zli Hilfe zu koulnlen. Die Deputgtivn übergab dann dem Statthalter eiin umfangreiches Memorondlinl, .das eine g>ena!l!c Schilderung der Sachlage und bc'r schwierigen Aufgaben des Komitees enthielt und die Wtü>nsche desselben stimulierte. Ju Erledigllng dieses MemoraildNiNls erhielt das Jüdische Hilfskomitee! ueultch die Verständiguug seitells der Stotthalterei i׳n! Biala, wonach die Lelllbeyger Stabtvorwaltmlg angoviieisen wurde, den!» K0lnit.ee den Betrag von. 50.000 Kronen aliszuza^hlell- Ferner erließ jetzt der Statthalter zwei Perordlluugell, die eine offizielle! Anerkenn,l1ug des Jüdischell Hilfskomitees und dessen Leistungell bede'llten und die Wünsche der jlidischell Bevölkerung teilweise befriedigen. Krakau. Es konliilt die erschütternde Kunde vom Ableben des Herrn Juda Biruballm, des Seniors der Krakall-er Orthodoxie und dies Vorsitzeudeil der dortigeil Aglwas Jisrool-Ortsgruppe. Schon in seinen! jungen Jahreil lvurde Biru- Mähr.-Ostrau. (Frml Alvine Spira! gieistor- 'bell.) Eine TrmlierKunde ergriff treite Gesellschaftskwi.se und ualuentlich die Nethen unserer ״״ jüdtscheu Mttbürger aufs tigfste, der Tod der Frail Alvi-ue Spira, der Gatti-u Setiler Ehrwürden des Herrn Nabbtners Dr. Jakob Spira., die u.ach nur uiehrstitudigell Leidell iul Alter voll- 42 Jahrell ans dom Leben geschieden ist- Alle, die die blllhendle, FriMl kallutell l»ld schätztell, köun׳en es kmull fassell,!das; sie, der wir -noch tu! der lebten Fett täglich, uns freundlich begrüßeild, wie es ihre Art war, begegneten, sich an dem Frühlingsbilde erfrollend und salbst e'ineill neuen Leil.ze frohgeiluit eiltgegensehend, 1 in«inlehr mit all ihroili Hoffen voll uns gegangell und jäh in das Grab saut. Die Verstorbene schloß vor 22 Jahrell mit ihwiil Gatten einen in-uigeu Soolenbund und tvar -ein Mliste.r einer edlen Gattin und aufopfernngsvolleil Mutter. Deil Traditi!onen ihres Ettevnhaillses — sie war die Tochter des laugjährigen Gc!mein-derabb׳i>uers von Preuostl, Herrn Dr. Tauber — getreu, hat sie über ben Nahmen ihres trauten Hei nies hina-lls das sw!sorgende Wirken ihres Gotteu ans dom! tzjebiete der Mellscheu!te!be in schön.ster 1!t!11b aufopferndster Weise unterstützt lind gefördert. Seit ihrer Verlllähllrng gehörte sie -dem Alls schuß des israelitischell Frauenwohltätigkeitsl.>ewin!os voll! Mähr.-Ostrau 1t;n»b Umgebung au ii-n-b toar dessen Vizelpräsideutiu durch volle 15 Jahre. Wellil diese edle Vereintgung seit Jahr mfc Tag unb namentlich m ben bannt ztuil Stadtrat in Krakml gewählt ulnd ge^- hörte denl Gemieinderate dlirch fast 50 Jahre an. J!u! früheren Jahreil lvar Birnbatlm auch Mitglied des Israelitischell Klütusrates, und war bei dar Schaffung des Gomeindostatutes hc!rvorr,a«gender Mitarbeiter. Auch in seinen letzteu Lebensjahren war es ihm wieder beschiedeu, als Kultusrat zum Wohte der Orthodorie zu lvirkeil. Seit der Kattowitzer^ Konferenz war Birt׳.!,ball-1u< ein. brgeisteter Anhailger der AWlda- ׳Idee lind gründete in Krakau die erste galizische Gruppe, die leider durch die eingetretollen Verhältniss.1 vorläufig ruhen lllllß. Sein Alldeuken lvird l!ns lebetldig bleiben mtd als An-spovu zunt Segen gereichen. Nürnberg. (De.r Kaiilpf gegen das Schächtetl-) Trotz des Vnrgfrtodelis schellt sich der ״Bayerisch.׳! Volksfwund"!licht, ben Kmupf gozen das Schächtetl m schärfster Weise allfztmehnlell. Dies-es Blatt bedatlert es, daß!das Schächtverbot für Müilcheu dllrch Eingreifeil des Mi!1liste.riüms lliNiterbliebell ist, lind es begrü!!׳!dot seinen Stand- Pliilkt durch die ׳afften längst widerlegten Vevdächtigltngeil. Man scheint in gewisseil Kwisen nicht zu begreifen,!daß die Gewissensfroitieit zt! den olemeutarsteil Forder-ungeu der Kultur lind des Nechtos 'gehört. Frankfurt a. Nt., ttz'a-hozll vierhmldiLt Persotlell, zimmist dont .christlichen Beken-nt-ms a!l- M. LI gehörend,!nahmen am vergangenen SonM'Üag vornlittag an einer BesichtiMng des alten isvaelitischell Fliiodhofcs ant Böviteplatz, die der Bdztrksverem Sachsenhansen ver-anftaltete, teil. Herr Professor Hülsen hatte -die Führung übernommell .ufltd schilderte in einorn fesselnden Vortrag in der gMgrenzellden llerten Synagoge nicht nur düe Geschichte d-iests ״Mten Ortes", der oinjejs der schönsten Knnsttmid Naturdenkmäler unserer Stadt in seiner Art ist und hinter hohen Stei.lllllauevn vergessen und abseits voltl Getrietbe der Großstadt liegt, son!dertl auch die Goschichte der Frankfurter Juden scilbst, die im Jahre 1150 zum ersten-nmle urkundlich igrwähnt Moden. Ullter den Gr-abstoinen ׳des Friedhofes befinidetl sich solche Nltt Nmiten und Zeichen der ältestell lvlld boVanntestetl jüdischen Geschachter wie der borühilltesten jüdischen Gelehrten, so die Nochschilds, die beiden Rabbiner Hlkrwitz usw. Der Friedhof wurde 1828 .geschlossen, .desscll Grabin-- schriften sind diurch den früheren Genleinderab!- biner Dr. M. Horowitz veröffentlicht wordelt- Professor Hülselt, der seit Jahren Konsomator des Friedhofes i st, verstand es vortrefflich, dessell idyllischa Schönheit und die Bod!eiut,n>ng der vont großstädtischen Lebelt uinbrallidetcil alten Begrab- «msstätte zu schildern, die ein interessanites Stück pietätvoll gohüteteu Bergallgenheit ׳nnsiorjckr Vatorstadt ist. Budapest. Jlt c«nv;jm ffeitmuciiiben Ausruf an die lntM-rische Judetcheit regt Oberrabbiner Schretbor, Be.regsas, die Einberilsung einer größeretl Konferenz an, mtl über Mittel und Wege zt! beraten, wie der Vertvüstung der Thora,stättcn ei.il Danml geßatzt werden soll- Neben der Jidvo. der weitgehendsten Untcrstützling der Jeschiwoch, die durch die Not׳ der Zeit fast -verödet stehelt, soll!aillch di!e Fwge >ei»ngehend beraten werden, wie -es -ermöglichi worden sollte, das; alle int Kriegsdienst stehenden fronuilen jüdischell Soldatctl, solreit es nur irgend möglich ijst, rituell verpflegt und jüdisch versorgt werdetl. Die grandiese Hilfsakti-on am, P-essach zeigte, ivas -lmfjere Massetl leiisteu, wettn! die Fühwir den richtigen Ton׳ anschlagen. Czernowitz. Hier lebt etil Jude ilaulensSrlll Josfel Berkowitz, der int 110. Lebensjahre steht. Er hat jetzt twch die Schrecken des Weltkrieges llliterlebt, bei dem zweimal igelt Etttsall der Nusfett -i«ll>. diese Stadt. Der Greis, der sich körpclrlich ll-och gilt befindet, erinnert sich n-och dev Freiheitskämpfe van 1818, fcjelt Mit zeit Zeit des 10. Jahrhullderts uild der vielen Politischen Ereignisse seit der- Throllbeste-igullg Kai!s׳er Franz Josephs. Czernowitz. Hier lebt ein! Mann, dessen Gebllrtstag in die Regi>errm.gszeit Kaiser -Franz I. fallt: Srull Joss-el Berkowicz. Er -i!st im Jahre 1801 in dieser Stadt geboren und in seinem einhrundertsechzehnten Lebensjahre mußte er nun die Schwckilisse des Weltkrieges und der zM׳inl-aligen NKlsseuinvasion noch ltciterleben. Jetzt hat die Frage sgin-es 1l׳nte.rhalts seinen Geb-urtsscheitt atls ben vergilbten, fast zu Staub gewordenen Dokumenten auf den grülten Tisch gebracht, tutd so erst ist die Oesfentlichke-.it mit diesem Met husalem bekannt geworden; dettn er und seine Iltitgebt mg wissen kaullt, welchen Seltenheitswert ein! Alter voll Hundertfünfzehni Jahren bedetltet. Int Ghettovi-ertel -der Stadt, in de>r GrabeilMsse, tvohnt er ׳mjit seiner Fanlilie: ein hageres Manncheit, mit der üblichen Samtmütze des Orthodoren als Kopfbedeckung. Seine Tochter, ein, altes Mütterchetl int Alter vollmehr als achzig Jahrett versorgt ihn. Eiin Kreis van, Urenkelit hängt an -ihrer Schürze. Während die alte Fat! den Gebll>rtsschei,1l des Vaters int Kastelt sucht, unterhalten wir uns mit dem Einhundertfünszehnjährigen- Nachbarin nett, die hinzukoinnten und die Larmeil des Altett genaukennen, bringen ihtr zum Sprechen. Mancher Siebzig- und Achtzigjähri.g>e sieh>t in Bewegltng und Gesatnthaltung verfallener!ans als dieser Mamt׳. Sgiiu, Blick schwinüint lind Vcrnn nicht lltehr etllen Punkt festhalten, aber ttmuerfmi sieht er!nach ttlit freiont?luge tutd hat illiielltalZ ein Glas bett-utzt. Der 911 te hört schlecht, -aber die dolntetschellden Nachbarill!netl haben eine gewisse'Fertigkeit, sich ihm verständlich zu lttachen. Dts Geistesfrische des?Uten ist erstatmlich: Er erinnert sich an> Kaiser Fvattz I., an׳ die Freiheitskriege, gona-tler an die TronbesteiglMg Kaiser Franz Josefs,> an die 1848er Jahre, au die Kriege 1859, 1866 u. 1871

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