Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVII (1916)
- Issue
- Heft 7 (11.5.1916)
- Date
- 1916-05-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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"ü»'i" »,in»»«»«* 911 Leopold Reiß, Kadett eines InfanterieMeg.! .'steht seit November 1015 im Felde mivb hat sich vielfach aus^zeichnet. Beim! Sturine auf Osla- Visa führte er einen Fug an, der .gl einem; bleibenden Erfolge beigctra,gen hat. Kadett Reiß wnrde schlver an Schulter und Oberschenkel verwnndet und bekanl für sein tapferes und mntiges Vorhalten vor den! Feinde die silberne Tapferkeitsrncdaille 2. Klasse. Fähnr. N. M. Gelber, stud. Phil, aus Brody, Mitglied der ״Techijah" Brody und ״Hatechijah" Wien, ist mit der silbernen Tapferkeitsmedaille 2. Klasse ausgezeichnet worden. Sanitäts-Fähnrich Nuchim Maier Braun aus Brody (״Techijah"), erhielt die bronzene Tapferke i tsmedaille. Die belobende Aiierkepnung des Armeekon;- nlandos für die mit eigener Lebensgefahr b» wirkte Rottung eines Kindes vom Tobe des Verbrennens wurde ausgesprochen dein, Sanitäts- Fähnrich d. R. Hermann Fried, I.-N. Das Kriegsmimisterinn; hat den lltabbiner Dr. Abraham Morgenstern in Leitnwritz zum Feldrabbiner i. N. des k. u. k. Heeres ernannt. Kunllfckau. Bürgermeister Dr. v. Weisselberger beim Kaiser. Der Kaiser hat den in den Adelsstand erhobeinetl Landtags-Abgeordneten und Bürgerineister von Czernowi'tz Dr. S. v. Weisselberger anl 20. v. M., in! besondowr Audienz einpfangeu. Der Kaiser, der sich sichtlich der besten Gesundheit erfreut, zeigte das lebhafteste Interesse für die Vorgänge in Eze-rnowitz während dar Nllsseninvasion. Der Monarch erkundigte sich mutcr Ausdrücken warmer Anteilnahme nach alte!: Einzelheiteil der Verschleppung und der vierzehn Monate Währenden Gefangenhaltung des Bürger- 1n,eisters in Rußland, bozw. in Sibirien, und sprach seine Befriedigung sowohl über die gutösterreichische und mutige Haltung des auf seinem Posten ausharrenden Stadtoberhauptes, als auch über den bewährten Patriotismus der Bukowinaer Bevölkerung ans. Nach halbstündiger Audienz entlief? der Kaiser Dr. v. Weisselberger in Huldvollster Wist. Keine englische Hilfe für die galizischen Inden. Die englische Negierung hat beschlossen, das; di,e ans Galizien nmch Rußland entführten Juden nur die Rechte von Kriegsgefangenen basitzen at.nb ihnen durch die siidischeu Unterstühnngskoini tees nicht geholfen lverdeu braucht. Wie nun die ״Iewish Chronicle" sagt, wird das in England für indische Kriegsopfer gesammelte Geld nicht für dile Inden aus Galizien verwandet werden. Generalversammlung des Hilfsvereines der deutschen Inden. Die Generalversam1nlu!ng des Hilfsvereines der deutschen Juden wurde׳ in Berlin obgehalten. In seiner Eröffnungsansprache teilte der Vorsihende, Dr. Janus Simon, mit, ans Anregung des Vereines sei bei der englischen Negierung in London! verau iaht worden, daß diese bei der russ. Regierung wegen der Mißhandlungen dar russ. Inden vorstellig werde. Das Kapitel der Miß- Handlungen der Inden durch die russ. Regierung wäre eines der düstersten Kapitel der Menschenggschichte und bleibe ein ewiger Schandfleck für die russ. Negierung. — Dr. Paul Nathan, der stellvertretende Vorsitzende, gab dan/n einer; Bericht über die Tätigkeit des Vereines im 2. Kriegsjahr. Besonders ausführlich schilderte Dr. Na- Han die Tätigkeit des Hilfsvereines in den behetzten russ. Gebieten. Insgasamt befanden sich irr den besetzten russ. Gebieten gegerr 700.000 unterstützungsbedürftige Inderr, derer; Fahl sich von Tag zu Tag vergröszere. In der; fonunenbeu Monaten werde der Betrag von monatlich einer halben Million Mark notwendig sein, mir rmr dem größter; Elend entgagenzutreten. Frrrzeit würde!; 225 Städte;׳,nd Ortschaften unerstützt. Besonders hoch zu schätzen sei die grandiose Hilfe der arrreri kan i scherr Glauberrsg-a.׳.ossen, infolge deren Spenden es den; Hilfsverein rrröglich gewesen, seit Bginui des Krieges fast א Millionen Mark für das Hilfs- und Lchulwark verteilen zu lassen. — Fun; Schluß gab Dr. Paul Nathan noch einer; Blick irr die Fnkrmst, der jetzt gestattet sei, nachdam der Reichskanzler irr seiner letzter; Rede erklärt habe, daß das besetzte Polen «n׳icht wieder an Rußland znrückfalla. In diesen! besetzten Gebieterr Ivürden außer anderen Völkern allein zwei Millioitctt Inder; antz der russ. Tpranirei befreit. Hiedrrrch würde der; derrtschen Juden arrre große Ärrfgäbe zrrgewiesen. Künstliche Oelgewinnnng in einem rabbinischen Werke. Honte, wo rrns auf vieler Gebieter; der Volkserirährrnig die Kunst ersetze;; n;u!ß, was die Natur versagt, dürfte es interessieren, daß der; jüd. Gelehrten vor hundert Jahren ein Verfahren zur Gewinnung von Oel bekan!nt war, das sich viellaicht heutewieder verwirklichen ließe. In den Nesporrserr des berühmten Rabbi Mosa Schreibar irr Preßburg, der als Chasam Soser weltberührrrt wurde, findet sich folgende Stelle: ״In; unserer Gegerrd erfand ein talerrtvollar Man!», ,ein nvnes Mittel, um aus Kernen der Weiirtvaubeir ein wohlschmeckendes Oel zu gewinrren, das dem feinsten Olivenöl gleicht. Er entdeckte, daß die :Kerne dar Weintraube eine! Substanz enthalten/ 'die reich an Oelgchalt ist. Seine Methode ist folgerrde: Die Traubenkerne Werder;, wenn sie ans der Kelter kmnfnen, geputzt und von allen Hülsenrestcn gereinigt,!alsdann getrocknet umd zerrnahlen. Diese gewonnene Masse wird nach Art dar Kaffeebohnen über Feuer geröstet und zun; Schwitzen׳ gebracht. In diesen; heißen Fusta;;de 'wird die Masse durch eine Presse getrieben, bis aus ihr eine fettige Flüssigkeit kommt." Ein Bedenken wegen ״Jasin Nessach" liegt hier nach der Entscheidung dieser gewaltigen t!a!lmudischen Au-;torität!nicht vor. Es dürfte sich also heute, wo die Chemie und ihre Technik so gewaltig fortgeschritteu ist, ein Versuch dieser Fabrikation lohnen. Daß ein neugewonnenes Oel zu Kriegszaiten eine wahre Wohltat für das Volk wäre, braucht nicht erst gesagt zu werden. Ein jüdisches Freikorps geffklk Rußland. Fun; ersten in ale^haben!die Inden als Solbaten zur Zeit des Aufstandes der Polen gegen Rußland im Jahre 1704 an; Kampfe teilgenom- ,1n!en, als der General Koscinsko den Aufstand gegen Rußland organisierte. Der österr. Staatsbeamte, Anton Baun;, den vor; seiner Negierung zu allerlei geheinicn Missionen verwendet wurde/ berichtet an, das Staatsiniisisterinin in Wien, ״daß er;nit Staunen und Bewunderung den neuen Geist wahrnehine, welcher die Inden unter der allgemeinen nationalen Erhebung erfaßt hat. Seit den; Ausbruch des Aufstandes bilden die Juden ein Grenzkorps, in. Uniforn; nach jüdb schein Schnitt, mit Schwertern und Pistolen bewaffnet. Unter den; heftigsten Knrtätschenfeuer, zu Hunderten verwundet und gelötet, verloren sie gleichwohl die Geistsgegenwart nicht, stürzten sich dein Feind entgegen und eroberten mehrere Geschütze. In den Gräben arbeiteten sie zusammen mit Mönchen und Edelleuten in bester Eintracht. Sobald das Signal gegeben wurde, daß es galt, einer Attacke die Stirn zu bieten, versammelten sie sich bewaffnet an den; hierzu bestimmten Punckte". — Karl Wojba׳ in seinem ״Versuch einer (beschichte der letzten Polnischen RV'volntian" lobt wiederholt die Tapferkeit des Inden, ״Ivelche sich vorzüglich hervorgetan haben." sobald die Erhebung gegen Rußland losbrach, beschloß der bis dahin ganz unbekannte Berko Ioselewicz ans ׳der Warschauer Vorstadt Praga, ein reguläres jüd. Korps zu bilden. Beim Oberbefehlshaber Koscinsko fand er bereitwilliges Entgegenkomn;en. Berko Ioselelvicz erließ einen Aufruf an sei׳;.;!׳ Glaubensgenossen, in lvelchem er sie ausforderte, sich mn, ihn zu scharen. Unter anderen; hieß es dort: ״Warn;;; sollten wir Juden, die wir am meisten von allen Menschen in der Welt unterdrückt sind, nicht zur Waffe greifen, um uns zu befreien? Der einige Gott hat die Heimatlosen .aus viel schwereren Nöten befreit, so wind er auch jetzt uns seine Hilfe nicht versagen. Die Freiheit» das Recht frei zu atmen und den Kopf hochzuitragen, muß;;;an sich verdienen." Oberst Berkv, wie Ioselewicz später hieß, fiel in; Jahre. 1800,!׳von de,;; Säbelhieb eines HusabeN schwer getroffen. In den polnischen Kreisen und von allen nülitärischen Würdenträgern Ivurde Berkos An-- denken Hochgehalte;; und beinalie׳ verklärt. Man ׳niannte ihn den ״berühinten Juden", ״r-uh;n,gvkrönt durch Tapferkeit und Aufopferu׳n׳g." Eine jttd. Sanitätsmiliz in Lodz. Hier hat sich als Sektion des Vereines ״Esra"!eine jüd. Sanitätsunliz gebildet, die, n;it Polzeigewa.lt ausgestattet, üben die Ilteinlichkeitsvevhältmisse in der Stadt zu Wachen hat. Die Milizianten׳ tragen grüne Armbänder mit Mögen- Dovid-Stern n!nd versehen mit große»; Eifer ihren nicht leichten Dienst in; Kan׳>pfe gegen die ansteckenden Kran Hei ten. Jüdische Volkszählung in Warschau. Die! statistische Sektion, der hies. jüd. Geineinde beendete die Arbeiten über die am 15. Februar veranstaltete provisorische Fähluitg der hies. jüd. BevölkenuN'g zwecks Verteilung von Mazzot zu Peßach. Hiernach wurden etil;• jeneii; Tage 050.413 Juden gezählt. Die Synagogen von Pinsk. lieber ztvei Drittel der VevolkernNg von Pinsk bestand unter russischer Herrschaft ans Inden, deren Gotteshaus sich stolz und lnächtig über das Gewirr der grüngestrichcnen Blechdächer der Un;gebung erhebt. Die alte Synagoge, die in; Volksinund die ״kalte Schul" heißt, weil der 50s 10 Menschen fassende׳, große Saal in den!bitterkalten Wintern «n׳icht geheizt werden kann, steht in; ״Schulhof", und jeder Jude, den mm; trifft, beton׳t, mit sichtliche;;;Stolz, daß das;nerklvürdige Gebäude mit den mietend icke n Wänden über 8Ö0 Jahre alt sei. Man! steigt von der Straße ans eine Anzahl Stufen im diie Synagoge hinunter, und durch das Tieflegen des Fußbodens ist in; Innern des Raumes eine Höhe und Wieite geschaffei; worden, die in ma.nchen; doch wieder an; die Wucht und Größe der chrMichen Kirchen erinnert. Rings um d'»e große Synagoge herum stehen ein Paar kleinere. Dem; die Schneider und Schuster, die Fleischer und Pelzhändler, alle die e!nzel1;en Gewerbe besitzen ihre eigenen Sy1;agogel; in Pi1;sk׳, die gebildeten Schichten, die kein Gewerbe traiben, haben in׳ der Klause ihr gesondertes Gotteshaus. Für unser Seelenheil In Chi'kago hat Ende vorigen Jahres eine stark besuchte Missionskouferenz getagt, auf der <der fronune Wunsch ausgesprochen wurde, die Sendung Cbristi ait Israel in abseh barer Fe׳it zu erfüllen und al;derersei׳ts den;;üdischen Volke die Rückkehr in sein altes Heimatland zu ermög-!lichen. Es wurde da vor; einen; Indentäufling bekairnt gegeben, daß in; venflossenen Iahrhnndert etlva 72.000 Inden zun; christlichen Glauben übergetreten seien. Das bedeutet frei' weitem mehr, als die Nabertritte zun; Christelünm ans allen anderen Bekenntnissen zusaminen, denn auf 150 ^Inden konnist ein Tänfling, während bei den Mohamedanerl; das Verhältnis 1 zu 525 beträgt. Die weitz.׳ rel; Aussichten für die Inden m iss um wurdei; deinentsprechend auch als günstig bezeich!- not. Das Fiel des Kongresses war, wie offizieill v׳erkü!;det wurde, die Missionstätigkeit ans allen Gebieten anznregen und zu fördern!;;!;des wurde zu diesen; Fwecke e!h; intiennationales Ko mite ein־ gesetzt, das die Aufgabe übernahin, die Fweigverei!1!e in ihrer Tätigkeit zu nnterstützen. W!ie wir sehen, wird für das Seelenheil dar Juden überunißig gesorgt, während mm; ihnen moralisch u. physisch unsägliche Leiden zufügt. Korrestonllenzen. Wien. lAuszeichnnng.)- Die beiden Söhne des Herrn Josef Saphir, Klavier-Etablissement, 2. Bez., Praterstr!a׳ße 34, sind mit der silbennen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet worden. Kadett Richard Saphir hat sich die kleine Tapferkeits-;;;edaille während der Karpathenkäiilpsc bei einen;