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Jüdische Volksstimme · 1915-11-03 · Heft 25 (3.11.1915) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 25 (3.11.1915)
Date
1915-11-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Gelte a—lim, üai>agr|MMl> HDUWrsWW VPIWpiUliRt• 9h. 25. sein. Sonst würde er nie eine so faustdicke Un- Wahrheit sich erlaubt hoben. j Herr Aron Schv>ertfinger scheint zu denjenigen jnngen Hitzköpfe»! zu gehören, die mit ihren firen Ideen wohl die Gedankenwelt bereichern, sedoch für Mecknläßiges Handeln und Vernünftige Abschätzung olles Für und Wder keinen Sinn Habens | Was gut ist, versteht jeder, dazu braucht man nicht erst die geistreichen Ausführungen des Herrn Aron Schwertfingcr — man muß sich jedoch strecken noch den Ecken. ' Ja, wenn Herr Aron Schwertfinger glück!»- cherweise als Delegat zur Friedenskonferenz berufen werden würde, er wurde vielleicht den europäischen Diplomaten sein Vademecnm he-' rllnterleinwrn. , Dr. Mar Nordon sollte den Verhältnissen «inehr, Rechnung tragen, und nicht ins Leere grei-. sei». Gehe er und Probiere er in Rußland, dem( Zentrum des Judentums nationalistische Arbeit, zu entfalten. Könnte er es? Worum glaubt er es zu können, wenn die Zentralmöchte unterliegen und Nuszlond Zentraleuropo mit seiner .Kültnr! segnet? - Bernhard Horowitz. . -- Jtäcftct&esptocfiitnfl. ״Den Ostjuden ihr Recht", von Dr. Nothon Birnbaum. Verlag N. Löwit, Wien, l>, Notenturmstraße 22. .Preis Mk.—.00, K. —.80. Wer Verfasser will in seiner Schrift der ׳Deffen'tlichkei't über das Wesen der ״sogenannten russischen und,Polnischen Juden", den Ostjudcn-!neu orientieren, uin die Völker und MaWbenden zu eimein dieser NeuvriLütierullg entsprechenden Verhalten zu veranlassen. Ohne irgendwie au eine der houeren jüdi schen Partei überzechsun^g anzukn-üpfen, beruft er sich vielmehr ihiu.s die .große Lobenstatsache des ostjiidischen Volkes, auf deren Grund er für dieses Volk tit allen Staaten, in denen es wohnt, die volle Notionale Kulturautonomie, die nationale Gleichbevechtignng mit den anderen Völkern dieser Staaten fordert. Jnsbesondere wendet er sich -an das deutsche Volk und an Oesterreich, deren beider Sieg ihm Gewißheit ist, und denen er mit bemerkenswerter Würine, in gedankenreichen und überzeugenden Ausführungen wichtige Initiativen im Weltgeschehen, geschichtliche Missioneu erstell Nan-g-cs zuschreibt. Und gerade diese Aussnhrnnge!» sind es nicht zum wenigsten, die die Schrift Dr. Birnbaums zu einer der interessantesten und wertvollsten tLrs'cheillunMn der jetzigen Vor—dem—Friedem literatnr!»Achen. Die Psalmen Jsrctets nach dem Versmaß der Urschrift verdeutscht von- Prof. I). Rudolf Kittel. — i<)15. VIII, 217 S.M. 2.50, gebunden M. 2.— A. Deichertsche Verlagsbnchh. Werner Scholl, Leipzig. Der weithin bekannte Ereget, Geschichtschreider, des Volkes Israel -und Herausgeber der hebräischen Bibel bietet hier eine imtc und eigenävtige, dem Versmaß der Urschrift in geschmackvoller Weise angepaßte Uebersetzung der Psalmen mit einer größeren Zahl von dem Altertum entnommenen den Text erläuternden Abbild»»!»- gen. Gerade in dieser Kriegszeit sind in den reichlich besuchten Gottesdiensten aller Konfessiouen die Psalmen nrit ihren tiefempfundenen Kriegs- und Siegesliedern, ihren ergreifenden Tert-, Bitt- und Klagegesängen von Anfang an ein besonders beliebter und wirksamer Lesestoff gewesen. Sie werden gerade jetzt auch in der Familie und bei den Kriegern im Felde eine willkommene Gabe darstellen. Goldmann, Bon Lille bis Brüssel. Preis 1 Mark. Verlag Karl Cnrtius, Berlin. Der Verfasser dieser gehaltvollen Broschüre gibt uns in anschaulühen und fesselnden Schildernngen ein Bild von dein deutschen Lille und dem deutschen Brüssel, und schilderteine Begegn-mlg mit dem Kronprinzen von Bapern. Die! Broschüre wurde bereits zun» größten Teil in der' ״Neuen Freien Presse" veröffentlicht und bildet^ einen sehr interessanten Beitrag zum Verständ-' nis deutschen Wirkens und deutscher Ordnung. Des Geigers altes Lied. (Aus der sehr empfehlenswerte!» Sammlung ״Nene deutsche Poesie und Prosa". Verlag Aurora, Friedewold- Dresden. Preis 3 Mark.) Da droben in dunkler Mansarde» Da liegt ein krankes Weib, Sie atmet schwer, im Fieber Brennt heiß der sieche Leib. An ihrem Lager weinet und seufzet ihr Gemahl, Er presset heiß die Hände Aufs Herz in stummer Qual. ״Wenn Du mich lieb hast, .Heinrich, Dann weine nicht gar so sehr; Du!wachst mit Deinen Tränen Das kranke Herz mir schwer. Nimm von der Wand die Harfe Und sing, wie einst im Mai, Das alte schöne Liedchen; Das macht das Herz mir frei. Sing mir von Lenz und Liebe, Von duftigem Sonnenschein; Das bringt mir neues Leben Ins kranke Herz hinein. Sing nicht von Glanz und Reichtum, Nicht von vergangener Ppachti Sing mir. von Deiner Liebe, Die mich, sv glücklich macht. Sing »wir von alten Zeiten, Wo aus hem Vaterhaus Wir miteinander flohen, Weit in die Welt hinaus":. . ״Mein Liebe, ich kaNü nicht singen, Die Utiwwe versagt nur'; Ich geig die alte Weise,. Das alte Liedchen Dir!" Und wie ein leises Säuseln In herbstlichem Laube klingts: Und tief in beider Herzen. In beider.Seele briügts. Sie lauscht — der Welt entrücket, Und faltet stumm die Hand — Den Tönen, die entquillen So rein den! Instrument. Da droben in dunkler Kammer, Da waren so glücklich zwei; Sie weinten nberselig, Wie einst — wie einst im Mai. Ferd. Lindert. Gebet: Du׳ Gott der״Dentschen, scharr herab und sieh: Wir berrgerr tief in Demut Haupt und Knie. Wir stehn zu Dir vor diesen» bitterer! Krietz: Leih uns i:n Gnaden Deine Kraft zum Sieg! Leih riNs irr Gnaden ftarkcnSinn und Würde, Zu tragerr beides: Glück und Unglückswürde! Ans daß das heilige vergossene Blut .. Uns bleibt unwandelbares, ewiges Gut: (Dieses Gedicht, von Friedrich Frecksa entnehme»! wir der trefflichen Sammlung von circa 180 Krieg,sgedichten deutscher Autoren, welche im Verlag Mar Hahn 1t. Co. irr Mannheim erschien. Preis'1 Mark..) -- Der׳ Wiener NoniM ״Töchter" von Karl Adolph, (Deri-tsch-Oesterreichischer Verlag, Wien- Leipzig), der chgentlnh gleich Schnitzlers ״Weg ins Freie" »nohr, eine Serie von Wiener Stin»- mnngsWdern da!rstellt, i׳st so eigenartig, so originell und so interessant, -da!ß »nan >i-hrr> gelesen haben rrruß, nrn sich darüber ein Urteil bilden Zu können. Es wird uns hier nicht etwa eine span- »!ende Begebenheit erzählt, auch nicht wie .es in -b!cn meisten Romanen geschieht, poesievolle Stsm-- rnnng künstlerisch erzerrgt und harmlose Dinge mit einem Schwall -von Nedeblüten nnlschrieben. Der Verfasser schildert rms ein Theina, wie es hcheindar.1 eiln, n!ni,»»,teressan׳teres nicht gibt: den Alltag der Wiener Vorstadt. Die Hauptperson ist ein ebenso schönes und armes Mädchen aus dem Proletariat, die sich, tapfer den Komps mi!t dein kür sie nlnGo schweren Lebenanfnehmenid, schließliich einen Lebensgefährten findet. Die an-einan-dewer-eihlten Schilderungen: der Fi-akerst1a!nb Platz, das Heim des Mädchens, ein! varstädtisches Leichenbegängnis rind eine ebensolche Hochzeit, eine Plat tenbrüderspelrrnke, sind mit einer solch meisterhaften Kennbws der Wiener Volksseele geschildert, daß man hier erst erfährt, an׳ wieviel Interessantem, an wieviel Hörens- und Sehens- Inerten wir tagtäglich achtlos vorüber gehen. Das Buch ist von einem trefflichen Humor getragen, der sich jedoch zeitweilig in eine sarkastische Auslassung über Misere sozialen Zustände wendet. Sehr schön! wird uns ei׳!» armes, hageres, Polnisches Indennlädchen geschildert, das durch häusliche?tot und die Sticheleien, die sie durch ihre Kolleginnen im Modoaielieg erfährt, zum! Selbst- Mordversuch getrieben wi׳rd. Das Alles ist so an--!schautich, so wahrheitsgetreu unp selbstverständlich geschildert, daß inam dabotzustehen glaubt. Das Buch, welches -alsbald den wahrhaft schämenden und fühlenden Dichter verrät, kaum Jedem empfohlen worden. ״Bei Kronprinzens". Aus dem Familienleben des Kronprinzenhanses. Johannes Baum!Verlag, Berlin W. 30. Preis broschiert M. 2,—, gebunden M. 3,—. Die Liebe, die der Thronfolger und seine Gomiahlin allgemein genießen, hat ihren Ursprnng in den Charaktereigenschaften der beiden. Es ist die Anmut und der Liebreiz der Krön- Prinzessin, ihre natürliche heitere Art, sich in der Oeffentlichkeit zu geben, ihre Güte und Hilfsbereitsc^aft in allen Fällen der Not, die ihr in so wenigen Jahren die Liebe des,ganzen dentsä)en Volkes errungen hat. Und beim Kronprinzeit ist. es die Ungezwungenheit nlld Natürlichkeit, seiiw Begeisterung für alle-schönen vaterländischen Gedanken, seine Hingabe an den Dienst für das Vaterland. Nicht zuletzt ist es das schöne ׳ Familienleben bei Kronprinzens, das weite Kreise des Volkes mit Stolz -und Befriedigung erfüllt. Die Bilder ans dem. Felde werden den Loser besonders fesseln. rlZitate ans Maeterlink: Bon der inneren Schönheit» , ... , •. Dü! Menschheit war bis ans diesen Tag wie ein Kranker, der sich 9i׳n׳he suchend auf scinenl Lager wälzt; aber trotzdem sind ihr die einzigett lvahrhast tröstlichen Wsorle von solchen gesagt Wörden, die zu ihr sprachen, als ob sie nie krank gewesen wäre. Denn die Menschheit ist dazu ge- »nacht, glücklich zu sein, wie der Mensch dazu ge- »»»acht ist, gesund zu sein. Und wenn- MüU ihn voll ihren» Eleno spricht, so Hai es selbst in,! Schoße des allgemeinen und andauerndsten Eieiids den Anschein, als sagte nchnihr ittn zufällige itiiiS vorläufige Worte. Es liegt nichts Verkehries darin,, sie anznreden,. als..sti'n»de sie alle Tage an» V0vabe»rd. .ein.es »zroßen Glückes oder einer grofielt Gewißheit. In -Wahrheit befinbef sie sich dort auch dnrch ihren Jnstiilkt, selbst weit,»! sie nie den ׳nüdjften Tag erreichen sollte. Ich habe mehr als ei»» Leben durch die Liebe zerbreche)! sehe.»!, ruber Wenn es nicht die, Liebe gewese»! Ware, sb würde wahrscheinlich biege-- täuschte Fre»l>1»dschaft, die Gleichgültigkeit, die Unsicherheit, die Teil!»a1hn»slosigkei.t u»»d Untätigkeit dasselbe Lehe»! zerbrochen habe»»; , Mal» U»nß glücklich sei»!, uin glücklich zii lirä- »hei» m»d inan inuß glücklich »nache»», uin glücklilh zu bleiben.. . . , . , , . , Was wir in uns beherrschen, das.beherrschen wir ii» alle»», die uns 1»a!he komn^e»». Ün» de!» Gerechten bildet sich ein großer Geist des Friedens, der die Pfeile der Bösen alln»ählich lähn»t. Die sittlichen^ Leiden, die ihn erreichen, hä»»,ge!» nicht »»»ehr von den Menschen ab. — Man kann die Seele nur »nit den Angriffswaffel! ,verwunden, di.e sie selbst noch nicht auf den Scheiterhanfe»» der Liebe geworfen hat. Es ist für die »nenschliche Seele wichtlger,. bei! Wert eines Glückes zu kemien, als es zu genießeil. Man kann einen sehr »»»öchtiAen uiid sehr' hohen Verstand besitzen unid i!ie dem Glücke nahe gekoininen sein, aber man kann Nicht eine sanfte, reine und gute Seele haben und nichts anderes kennen als das Unglück. Es scheint natürlich, daß ein edles Herz eine große Liebe erwartet, aber ׳»»och weit Natürlicher ist es, daß es in der Erwartuilg liebt und daß es in der Liebe nicht zu warten verlneint. Wjlis uns voneinander unterscheidet, daß sind die Beziehungen, die wir znnil Unendlichen haben. Bedarf es nicht einer Anstrengung, uu» attgesichts des Meeres oder der Nacht an »nittel- »nüßige Dinge zu denken? Und welche Seele weiß sich nicht immerfort an» Meere und äugesichts einer ewigen Nacht? Wennwir uns wirklich etwas zu sagen haben, »nüssen wir schweigen. Nicht nur im Himmel und auf Erden, sonder»! vor allen» in uns gibt es mehr Dinge, als unsere Schillweisheit sich träumen läßt, und sobald wir nicht!»vehr gezivungen werden, das Geheimnisvolle, das in uns lebt, in For»nen zu zwinge»», sind wir tiefer als alles, was je geschrieben wurde, und größer als alles, was besteht.

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