Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVI (1915)
- Issue
- Heft 24 (15.10.1915)
- Date
- 1915-10-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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vin .Ml Erscheint jeden Mittwoch Nummer 24 ♦ Bezugspreise: Hfut Oesterreich-Ungarn, halbjährig ganzjährig. Deutschland, ganzjährig . . « . Rußland, ganzjährig . . , . . Balkan, Frankreich . Kronen 6*20 . Kronen 12— . Mark 12— . Rubel 6— . Frank» 14— M---—-SS Redaktion und Administration: Brünn, Adlergasse 6. Buchhändlerische Vertretung: Otto Klemm, Leipzig. Inserate: die Ospaltige Petitzeile 30 h. Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht honoriert. — Manuskripten ist Rückporto beizufügen. W--S Wien-Budapest. Brünn, **; g‘־g;al9״iI76 Prag-Lemberg. Aller KrtegeWnde. 580*111 Professor Dr. Adolf Kuvrein. Der siebente Tag Peßach berichtet uns den flehten Akt ibtor Befreiung Israels aus Aegypten. Dieser gestaltete sich für die Israeliten viel aufregender als -der Auszug, ans dem Lande selbst. Die Aeg,yptev sahen rasch ein, welch einen schwejren Verlust der Abgang eines so zahlreichen tüchtilgen Ar^ei'tervolkes thnen brin!ge und suchten diesen mit allen Mitteln, selbst mit schärfster Waffengewalt rückgängig zu machen. Das brachte dite Israeliten in arge Klemme. Pharao mit seinen auserlesenen Kriegerschairen war ihnen auf den Fersen, so baß die Rückkehr zur Sklaverei unabwendbar schien, denn! von ihnen War das Meer, das jede Flucht und Rettung un!möglich machte. Es blieb ihnen nur die Wahl, entweder den Tod in d.Wellen zu suchen oder ihn kämpfend unter den Streichen der ägyptischen Krieger zu finden. Aus diesen verzweifelten Lage suchte sie Moses zu retten, indem -er ihnen Mut und Verchyauen ,auf die Hilfe Gottes einflößto und zuvief: ״Gott wird für euch kämpfen, ihr könnt Ruhe halten!" Dieses beruhigende M>rt Moses wurde pon unseren Weisen (Mechilla z. St.) gedeutet, als hätte Moses ihnen ,gesagt: ״Nickst nur das eiuemal, sondern imnrev zu jeder Zeit, au.jedem Orte wird er für euch den Kampf gegen eure Feinde aufimhmen und ihn! siegreich zu Ende führen, ihr aber sollt euch dessen entschlagcn. Sollen wir vielleicht ans dwsen von unseren Weißen Moses in den Mund gelegten Worten einen )׳röstenden Gedanken, der Uinseive Zeit und jetdes lfi'chlende Menschenharz so tief bewegt, heraushören und eine willkommene Antwort finden auf Feuilleton Erinnerungen an den Gardasee. Nach einer überwundenen schweren Krankheit, anfangs Januar 1912, drang nie ln Arzt auf eine Reise nach dom Süden, dessen Sonne und Luft geeignet seien, meine Rekonvaleszenz zu beschleunigen. Als Reiseziel wurde nach mehr? fachen Erwägungen Gardone Riviera bestimmt, eii'n von, Saune begünstigter und!gegen Wind gefchützter lieblicher Luftkmpvt, am rechten User des Gardasees gelegen, so ferne man ihm von Riva Ms zustrebt. Zur Milderung dev Reisestrapatzen waren Fahrtunterbrechungen geplant, denen zufolge in Klagenfurt, Bozen u. Riva genächtigt u. Gardone erst am 4. Tage der Abreise vvn Wien erreicht wurde. In solchen Etappen zu reisen, kann jedem Evholun.gsbodürftigen empfohlen werden, zumal die genannten Stationen behagliche Unterkunft und manche Sehenswürdigkeiten dgrbieten. Eine dreistündige Schilffahrt bringt hen Reisenden von Riva mach Gardone und bietet ähw von somstigein Wetter begleitet, besonders ,zur Vorfrühlings- und Horbstzeit einen herrlichen Natm'jgeniuh. Gardone, noch vor einigen Dezennien «m ärmliches Fischerdorf, ha!t sich zu einem großen unjÄ vornehmen Luftkurort ausgeschwungen, der mit seinen etlichen zwanzig größeren Hotels u. Pensionen starke Anziehungskraft ausnbt -und sogar den Winter über einige Tausende von Gästen beherbergt. Es sind meist Reichsdeutsche, die die herrliche Lage der Land- ,eine ängstliche Frage, die alle Geister stürmisch bewegt?" Wird jemals eine Zeit erscheinen, die das Ende der Kriege verkündet? Wird jemals der Krieg aus der Hebung, ja aus dom Gedächtnis!der Menschen spurlos verschwinden? So sehr die aufrichtigsten Wünsche von Millionen eine bejahende Antwort .erwarten und -ersehnen, kann ein kurzes entschiedenes ״Ja" nicht ausgesprochen werden. Es stohcn int Gegenteile zwei ausgcsprocheue Gegensätze eingnider gegenüber. Anders, mit einem bestimmten ״Nein" wird die Menschennatnr, die Menschen- und Völkerstiele antworten; anders, mit einem hoffnungsreichen ״Ja" wird der Menschengeist, der ideale Sinn edler Denker fii. Dichter ,antworten. Selbst zwei vaterländische T-ichter des vorigen Jahrhuniderts teilen sich in diese Gegensätze. Während d. einen Hirten in fernen Zeiten׳ ein Schwert mit Rosen bekränzt sim den läßt, dessen Gebrauch d. Menschen fremd geworden i'.st, spottet, wie der andere singt, die Weltgeschichte solcher Friedenssagcn: ״So lange die Menschheit lebt von Pol zu Pol, bleibt Trauerspiel das große Völkerleben und ach! ein Schwert ,sein ewiges Symbol." - Diese ungelöste Frage beschäftigte schon Jahrtausende zurück den Menschengeist. Allerdings Hei den Völkern des Altertunis bis -auf das mächltägfte und kri,egeri!scheste Nom, welche allesammt Voiin! ,auderes Ziel, keim anderes Ideal po r Augen hatten, wie es ja auch iin< unserer Zeit noch der wahre ausgesprochene und unausgefprochene Grund des WoltNrieges bei imfern Feinden ist, als Weltevoberung und Weltherrschaft, war und blieb der Krieg die Volksseele, die natürliche Aeußerung ihrer überschäumenden Lebenskraft, Wie es schon der .altle Pativiavch im wahrhaft Pro- Phetischen Geiste von seinem Sohne Esau sagte: schuft erkannt und aus ihr eine Fremdindustrie geschaffen haben, die viel Geld ins Land brachte u. der heimischen, vorwiegend unbemittelten Bevölkerung reiche Verdienstmöglichkeit sichert. Allmülitz siedelten sich deutsche Familien zum bleibeuden Aufenthalte in Gardone an, das sie nur vor der Hochsonijinerzeit ans einige Monate verließen, um!ihren Aufenthalt mit jenen in! der Schweiz oder Tirol zu vertauschen, woher sie aber regelmäßig nach der Ferienzeit i\\1 größerem Gefolge zurückkehrten. So entwickelte sich denn hier eine inrmer größere Kolonie, als deren 11,atürOche Folge eine deutsch-evangelische Kirche und Schulen ins Leben gerufen wurden, Wahrzeichen deutscher Kultur und Sitte, nicht aber der ״Barbarei." eigentümliche Art. Das Zusammenleben mit den Elistgeborjenen au beiden Ufern d. Gardasees gestaltete sich ruhig und friedlich trotz miancher irredentischer Versnche, - die toiils vom lombachisch-venetianlischen, teils vom Trentogebiete hierherstrahlten; dafür sorgte schon einerseits die deutsche Intelligenz, andererseits der gesunde Giiun der Munizipien, die in oem wachsenden Fremdenverkehr eine reiche Emuahmsquelle zu werten und zu hüten verstanden. Mag sein, daß die Erkenntnis vom wohlerworbenen Gastrechte der Deutschen den Italienern denn doch zum Bewußtsein kam. War Vs doch Goethe, de-r am 3. September 1786 seine italienische Reise antretend, gerade am Gardasee Impressionen zu herrlichen Dichtungen empfiiug, die zum Lobe und Preise . italischer Landschaft verlockend auskiangen. Die Frage an Mignon-: ״Kennst Du das Land, wo die Citronen blühen ״Dein! Schwert Wird deine LebenSä 11 ßernng, wird dein Leben sein!!" Ganz anders bekundete sich der jüdische Geist, der göttliche Geist des Judentums, wie er in der ׳idealen VEörperung der Israel iti-- schen Propheten zum Ausdruck g!el!angt. Vom jüdischen Prophetenmunde erklang! zum erstcnmale für das Menschenohr auf Erden: (Jes. 2, 4) ״Gott wind richten zwischen den Völkern und zur!echtwe!i!sen d!ie vielen Nationen. Dann werden sie umschmieden ihre Schwerter zu Sicheln und ihre Lanzen zu Nebcnmessern; eine Nation wird nicht fürder erheben das Schlvert gegen die andere, und sie werden nicht mehr das Kriegs ähren lernen". Fast 3 Jahrtausende sind diese. Worte in hebräischer׳ Sprache gesprochen und gerade dasjenige nichtjüdische Volk, welches die Heilige Schrift in fast allen Sprachen der Welt übersetzen läßt und chn! meisten die Heilige Schrift!liest, hat in der hilnierlistigsten und grausamsten M'ise den jetzigen traurigen menschenmordeuden Weltkrieg a.ngezettolt u!nd ujichts von dem edlen erhabenen Prophetenworte i!m Gedächtnis behal- -ten, n,och weniger in Tat um gesetzt. Hingegen dem größten Idealisten des jüdischen Volkes, dem Propheten Jesaia,' der >a!ngelvidert und augestoßen von den uinmenschlichen Greueltaten der Weitevoberuiigskriege des assyrischen Königs Salmauassar, des Zerstörers!des Reiches Israel Und des Königs Saucherib, der ׳das gleiche Schick- Kal dem Reiche Juda bereiten wollte, ,es aber nicht vermochte, Jesaia gelang es, das anziehendste Bild einer Menschheit auszumalen, die den seligstcn Frieden auf Erden genießt, weil sie nicht inehr den Wunsch und das Begehren bat, dom äußeren Schaden, Tücke und Bosheit zuzufügen. Die wilde thieuische Natur i>st dem Menschen ׳gen!ommen, weil der Gotiesgeist sie ausgetrieben etc." — hier unter dem! Dufte dieser tropischen Frucht trat sie poetisch hervor. ׳Auch Heine sog später aus dein Busen der zaubemusströmenden Natur und gewann hier herrliche Eindrücke für feine ״Briefe aus Italien". Paul Heyse fühlte sich von diesem schönen Erdenwinkel so augezogen, das; 011׳ sich jahrelang in einer käuflich erworbenen Villa ans dem! Wege von Gardone ׳nach Fasano niederließ und seine Erlebnisse in den ״Novellen vom Gardasee" niederschrieb, die das lebhafteste Interesse der deutschen Lefewelt ׳erweckt und den Wunsch bei Tausenden vom Reiche wachgerufen haiben, Land und Leute dev fessoluden Schi Derungen durch Augenschein persönlich nahe zu treten. Vor vierthalb Jahren war die Heysevilla von ihrem Eigentümer iriicht mehr beivohnt; der in- /zwischen verstorbene Dichter stiftete seinen Besitz als Erholungsheim für dürftige ׳deutsche Lchriftstellev, wodurch er sich auch als Mensch ein rühmsiiches Andenken im Herzen des deutschen Volkes sicherte. Das gesellschaftliche Leben in und U1U Gardoire erging sich Wohl nicht iu hohen Wpgen und entfaltete nicht jenen Putz und Toilettenaufwand, wie wir ihm an der französischen 3Wiera begegnen, bot aber dennoch genügende Anregung und Zoistreniiug. Ten geselligen Mittelp1l,nkt bildete Pas Eaisino, im welchem unter 5>äando Venvenutis meisterhafter Leitung joden zlveiten Tag von oilnem erstklassigen Orchester klassische und moderne Musik künstlerisch dar geboten wurde. In!den allerdings -nur i-talienifch abgefahten Programinen begegneten wir Weber, Mozart, Schnbert, Mendelssohn, Grieg,-Catalani, Cilea, Verdi, Juden! Zeichnet die 3. Kriegsanleihe! -WD