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Jüdische Volksstimme · 1915-06-18 · Heft 17 (18.6.1915) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 17 (18.6.1915)
Date
1915-06-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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vCIn Qb JSMHß «r. 17. ״Juristischen Blätter" schloffen ihre kritische Deleuchtung der Regierungsmaßnahme mit der folgenden vielsagenden Fmge: ״Hätte die Staatsverwaltung die gleiche Matzregel kür nötig gefunden, wenn etwa SLeierrnark das Unglück gehabt hätte, von dem Feinde besetzt zu werden?" Uunltfi^au. 3000 jüdische Ritter des Eisernen Kreuzes. Die Zahl der vom Kaiser Wilhelm 2. mit dem Eisernen Kreuze ausgezeichneten jüdischen Krieger hat bereits das dritte Tausend überschritten. Auch die Zahl der jüdischen Offiziere in der deutschen Armee ist in Zunahme begriffen. Die Affäre Frank. Newyork. Die mit ungeheurer Spannung erwartete Entscheidung des United States Supreme Court ist gefallen. Die Annullierungsbeschwevde ist abgewiesen worden und das Todesurteil gegen Leo Frank tritt in Rechtskraft. Der Gouverneur hat noch das Recht der Begnadigung. (Leo Frank, ein junger jüdischer FÄbvikaut,!der sich auch öffentlich betätigt hat, ist am 20. August 1913 auf die Aussage eines verdächtigen Negers hin wegen angeblicher Ermordung der Arbeiterin Mary Phagan zum Tode verurteilt worden. Die Öffentlichkeit hält ihn für unschuldig und als ein Opfer einer antisemitischen Campagne in Georgia.) Jüdische Opfer des Deutschenhasses. Viele russische Juden im Ostend von London teilten .das Schicksal der Deutschen, deren Geschäftsläden infolge der ״Lusitania"-Kaiastrop'. vom verhetzten Mob geplündert und •bemo-Iicrt wurden. Wie bekannt, führen die meistene Juden ׳auch außerhalb Deutschlands deutschklingende Namen. Dies hat einer großen Anzahl von ihnen bei den erwähnten Wutausbrüchen gegen die Deutschen zum Unheil gereicht. Chauvinistische Zeitungiew kolportierten das Gebucht) düst de'Msche' Spione sich als russische Juden ausgäben, um den Verdacht von sich aibzulenken. Derartige unkontrollierbjare Behauptungen sind dazu angetan, um dem Antisemitismus in England neue Nahruug zu geben. Ein 79jähriger Kriegsfreiwilliger. Geheimer Sanitätsrat Dr. Gustav Simon in Schoenebevg, Veteran der Feldzüge von 1864, 1866, 1870—71, Ritter des Eisernen Kreuzes, hat sich dem Kriegsministerium zur Verfügung gestellt und befindet sich als Chefarzt eines Lazarettzuges in den Karpathen. Geheimrat Simon ist 79 Jahre alt. Ein Prozeß gegen jüdische Gewerkschaftsführer. In Newyork wurden 34 jüdische Gewerkschaftsführer verhaftet. Es wird gegen sie ein großer Prozeß angestrengt. Sie werden beschuldigt, sich der Terrors zur Einschüchterung und Beseitigung von Streikbrecheren bedient zu haben. Es handelt sich hierbei um Beamte des internationalen Frauenschneiderverbandes. Die Ver- Haftung hat eine große Bestürzung unter den jübischen Arbeitern Amerikas verursacht. Der Prozeß ist eine Machmation der Unternehinerorganisationsn.- Das ״judenreine" englische Kabinett. Der. Einfluß Rußlands auf England. Kopenhagen, 7. Juni. Die in London erscheinende jüdische Zeitung ״World" stellt fest, daß die Entfernung der bisherigen jüdischen Minister aus!dem englischen Kabinett auf direkte Beeinflussung Rußlands zurückzuführen ist. Da die Entfernung Herbert Samuels als Postmeister-General nicht leicht durchführbar war, beschloß die Regierung das Verbleiben Samuels auf seinem Posten, aber ohne Sitz im Kabinett. Die Veranlassung hierzu gab ein Protest jüdischer Minister gegen die Verfolgung ihrer Glaubensgenossen in Rußland. Nach Konstruierung des neuen ״judenreinen" Kabinetts in England erfolgte die bereits vorher beschlossene, aber eine Zeitlang zurückgchaltene Verordnung der russi- .scheu Regierung über die Ausweisung sämtlicher Juden aus Kurland und im Gouverneur.. Kowno. Jüdisch« Geiseln enthaftet. Auf Verordnung des russischen Ministersmns des Innern wurden sämtliche jüdische Geiseln aus dem polnischen Operationsgebiete enthaftet. Es handelt sich hierbei um eine große Anzahl von.angesehenen Persönlichkeiten russischer Staatsangehörigkeit, die als Unterpfand für das loyale Verhalten der jüdischen Bevölkerung in Gefängnissen des inneren Rußland festgehalten Waren. Verschleppte Geiseln aus Kolomea. Wir erhalten folgende Zuschrift: Am 16. Februar l. I., einen Tag vor ihrer Verdrängung aus Kolomea, haben die Russen fünf jüdische Bürger Kolomeas, Advokaten Dr. Moritz Hulles, Advokaten Dr. Kehos Schulbaum, Josef Heller, Abraham. Neider und Abraham Elo Ramler verhaftet und als Geistln in der Richtung nach Zaleszcyki-Tarnopol weggeschleppt. Es wurde den Geiseln keine Zeit gelassen, auch nur das Geringsie für die Reise vorzubereiten. Ohne Wäsche, ohne Kleider zum Wechseln, ohne Geld, ohne Abschied von den Ihrigen wurden sie weggebracht. Alle Bemühungen ihrer Angehövi'gen, Verbleib und Schicksal der Geiseln zu erfahren, sind bisher erfolglos geblieben. Es sind beinahe vier Monate, vier, grausam lange Monate verflossen, seitdem die Familien der unglücklichen Märtyrer in quälvoller Angst mn das Schicksal ihrer Oberhäupter bangen. Was ist aus den Herren geworden? In welchen Kerkern mögen sie schmachten und sich wegen dessen, was ihnen bevorsteht, sowie wegen des Befindens ihrer Frauen und Kinder das Gehirn zermartern? Wer versieht sie mit Wäsche? Was bekormnen sie zu essen? Die Verzweiflung der Familie ist um so größer, als den Geiseln bei ihrer Gefangennahme verkündet wurde, daß sie für etwaige Maßregeln unserer Armee gegen Russophile sowie für etwaige jüdische Spionage verantwortlich gemacht werden und dafür mit' ihr'tm׳ LsbemMhell'Müßten. Es ergeht daher an alle fühlenden Menschen die dringendste Bitte, sei es im Wege der Verbindung mit Kriegs- oder Zivilgefanqcnen, mit dem neutralen Ausland oder mir Verwandten in Ostgalizien oder Rußland, sei es auf welchem Woge i,innrer, sich zu bemühen, Verbleib und Befinden obiger Kolomeancr Geiseln zu erfahren und diesbezügliche Mitteilungen an die Adresse: Frau Dr. Schulbaum, Wien, 19. Bezirk, Probusgasse 13, gütigst zu richten. Eine ״jüdische Legion". Der Plan der Gründung einer jüdischen Freiwilligenlegion, die an der Seite einer zukünftigem englischen Expedition nach Palästina an der Besitzergreifung dieses Landes sich beteiligen soll, ist von unverantwortlichen Leuten ausgeheckt worden, die entweder dein jüdischen Äe- Heu bislang ganz fern gestanden haben oder die der gegenwärtige Krieg mit seinen nervenerschlitternden Wirkungen um ihr letztes Bißcke^ Gehirnschmalz gebracht hat. Kein halbwegs .urteilsfähiger Jude denkt daran!, sich Palästinas mit Waffengewalt zu bemächtigen. Der Zionismus verfolgt friedliche Ziele in Palästina, die er auf friedlichem Wege und nur auf diesem Wege zu erreichen trachtet. Eine Legion der erwähnten Art könnte, wenn sie überhaupt zustande käme, wias mehr als fraglich ist, die jüdische Bevölkerung Palästinas und das Resultat der Kolonisationsarbeit von drei Jahrzehnten aufs äußerste gefährden. Wenn in manchen russischen und englischen Blättern so viel Aufhebens von der geplanten Legion gemacht wird, so ist dies darkmf zurückzuführen, daß die Legionsschwärmer etz verstanden haben, die Reklametrommel der Sensationspresse für sich rühren zu lassen. Wenn eine jüdische Freiwilligenlegion mithin ganz ins Reich der Chimäre verwiesen werden muß, so verhält es sich anders mit der Gründüng des ״Zion-Maulesel-Transportkorps" in Alexandrien, das von englischen! Militärbelv ׳' aus jüdischen Flüchtlingen aus Palästina gebildet worden ist und aus 600 Mann besteht. lmndelt es sich um russische Untertanen im militärpflichtigen-e Alter, die die türkische-Regierung in Verkennung der Sachlage ausgewiesen hatte und die, in Alexandrien angelangt, sich plötzlich vor die Wahl gestellt sahen, entweder nach Rußland zu gehen, um dort ihrer Militärpflicht zu genügen, oder ins englische Heer einzutreten. Daß Äie Leute den Dienst in der englischen Armee ׳vorgezogen haben, ist nicht verwunderlich. Daß ׳die Art ihrer Verwendung ganz im Belieben der englischen Behörden steht, liegt auf der Hand. Die hebräische Kommando-Sprache, der Mögen- David und der ganze Kliimbim sind bloß Dekovation, die den Diensteifer der Leute anspornen soll. Das jüdische Volk hat mit der Sache nichts zu schaffen. Wenn der ״Jewish Chronicle" die Gründung des erwähnten Bataillons als Worisches Ereignis" feiert, so ist dies als Symptom von Kriegspsychose zu erklären. Neue Verfolgungen׳ gegen die Juden in Rußland. Dem wütenden Antisemitismus der russischen Militärlei'tung fallen immer mehr Juden zum Opfer. Ungeachtet der offiziellen Regierungserklärungen, wonach die Juden vom Kriege nicht mehr betroffen worden seien, als ihre Glichtjüdischen Landsleute, werden die Judenverfolgungen seitens der Militärbehörden mit ungemilderter Grausamkeit fortgesetzt. In! Gouverrmn!ent Suwalki werden die Ortschaften, aus denen sich das deutsche Heer zurückgezogen' hatte, von der jüdischen Bevölkerung geräumt. Unter den schrecklichsten Bedingungen werden die Juden vertrieben. Unter den Unglücklichen befindet sich eine bedeutende Anzahl von Gutsbesitzern und Baueren, deren Wirtschaften infolge der Kriegsereignisse vernichtet wurden, und die nuninehr, der Möglichkeit zum Wiederaufbau ihrer Besitzungen beraubt, dem schrecklichsten Elend preisgogeben sind. Den Ausgewi,esenen werden gewisse Orte in den inneren Gouvernements zur Niederlassung angewiesen, ohne daß jedoch die Behörden im mindesten für ihre Unterkunft sorgen. Nur einem geringen Bruchteile der Ausgewiesenen ist es gestattet, ihren Aufenthaltsort außerhalb des Operationsgebietes selbst zu wählen. Auch im GouvernenEnt Grodno hat man mit Massenausweisungen von Juden begonnen. Nach den Angaben des,Petrograder ״Rasswiet" hanloelj es sich hierbei um etwa 30.000 Personen aus einer großen Anzahl von Ortschaften, die keineswegs der Front nahe liegen. Es herrscht unter den Ausgewiesenen eine unbeschreibliche Verzweiflung. Eine jüdische Frechheit. In einem Städtchen Podoliens ist Kriegs- Musterung. Auch der 21jährige Chajim Berlow wirdaufgerufen. Da er sich nach wiederholtem Aufruf nicht meldet, wird sein Vater, der alte Berlow, durch den Pristaw hevbeigeholt. ״Wo hast du deinen Sohn versteckt?", schreit ihn der Vorsitzende der Kommission an. Da der Alte ganz verblüfft und verständnislos zu den Herren am grünen Tisch hinaufsieht, wird er zum zweitenmal und noch barscher angefahren. ״Dein Sohn hatte sich heute zur Musterung zu melden. Wo steckt der Kerl?" ״In den Karpathen", antwortete der Alte kleinlaut. ״Was hat der Jude in den Karpathen zu tun?", ereiferte sich der Vorsitzende. ״Sgllte hier- Herkommen und sich melden," lacht er zu den anderen gewendet, ״und da bleibt er einfach in den Karpathen sitzen. Was hat ev in den Karpathen zu tun?" ״Er kämpft dort," wagt der alte Berlow einzuwenden. ״Er chat nichts zu kämpfen," lautet die er- Loste Antwort des Gestrengen. ״Er hat hierherzukommen und sich zu melden. Ich kenne die jübischen Tricks" ... ״Gar keine Tricks," wimmert der Vater, ״er vergießt dort sein Blut als Freiwilliger." ״Aha," lacht jetzt der Vorsitzende höhnisch auf, ״da haben wir es ja! Versteckt sich in den Karpathen und vergießt dort sein Blut, damit er nachher blutleer vor uns steht und militäruntauglich ist. So ׳echt jüdisch. . . Das soll euch aber diesmal nicht glücken. Bringst ihn sofort hierher oder zahlst 300 Rubel Strafe." ״Ich kann ihn nicht holen," fleht der Alte aanz erschüttert, ״er liegt schwer verwundet im Lazarett." ״Nun ja, das ist es doch!" entrüstet sich d.r

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