Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVI (1915)
- Issue
- Heft 13 (29.4.1915)
- Date
- 1915-04-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Softe», m »rf<bei»t Uten Mtttvoch Nummer 13. Bezugspreise: Oesterreich-Ungarn, halbjährig . Kronen 6 20 . . Kronen 12׳— . . Mark 12 - . . Rubel 6׳— . . Frank» 14 — ganzjährig .... Deutschland, ganzjährig Rußland, ganzjährig . Balkan, Frankreich . . Herausgeber: Max Hickl. M-—-—----——gg Redaktion und Administration: Brünn, Adlergasse 9. Buchhändlerische Vertretung: Otto Klemm, Leipzig. Inserate: die kfpaltige Petitzeile 80 h. Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht honoriert. — Manuskripten ist Rückporto beizufügen. R---S Wien-Budapest. Brunn, s°- UM Prag-Lemberg. Der Patriotismus der Juden. Der ״Pestcr Lloyd" veröffentlicht über die Anwesenheit des Thronfolgers in Czernowitz folgende Mitteilungen: Während der Audienzen machte Erzherzog-Thronfolger Karl Franz Josef folgende AeußernUgen: ״Da die Bukowina glücklich wiedererobert ist, werden die Dinge hoffentlich besser gehen und die Bevölkerung wird sich nunmehr gestärkt ihrer normalen Tätigkeit widmen können." Zu dem Repräsentanten der jüd. Kultnsgemeinde, Abgeordneten Dr. Wender, sagte der Thronfolger: ״Ihre Glaubensgenossen haben wegen ihres Patriotismus unter der Rufsenherrschaft sehr gelitten. We jüdische Bevölkerung ist sehr patriotisch. Wir werden ihr das nie vergessen. Nach glücklicher Beendigung dieses Krieges werden hoffentlich alle Schäden gntgemacht werden." Angesichts vieler Anfeindungen der letzten Zeit wird das Jildentum diese Anerkennung seines Patriotismus durch die gütigen Worte des geliebten und verehrten Thronfolgers wie einen Trost empfinden, im Bewußtsein, daß man an allerhöchster Stelle darüber wohlunterrichtet ist, daß die Juden in der Erfüllung ihrer patriotischen Pflicht vor keinem Opfer an Gut und Blut zurückschrecken. JüdischeEinslüsseindenGedichten des Samuel den Adia. Von Dr. I. Eisenberg. r 4 / Dobxisch, im April 1015. Die folgende Abhandlung erschien in der Zeitschrift der ״Deutschen Morgenländischen Gesellschiaft", Bd. 67, Jahrg. 1914, Pag. 644 ff. in gedrängter Kürze, mit den bezüglichen arabischen Originalwerken. Mittlerweile sammelte ich auf Grund weiterer Studien fömeres Material herbei, um meine Annahme von der Echtheit der Gedichte des vorislamischen Poeten Samuel ben Adia und deren Abhängigkeit von der talmudischen Literatur durch weitere Beweise zu erhärten. Insbesondere sei hier dem Wiener ArMsten, Herrn Univ.-Prof. Dr. K. Geyer, gedacht für die freundlichen Mitteilungen, welche er mir im Dezember 1914 brieflich zukommen ließ, und die ich hier ebenfalls verwerte. Ueber Samuel ben Adia habe ich bereits im Aufsatz ״Judentum und Islam" 2, der ״Jüdischen Volksstimme" Nr. 16, vom Jahre 1913, ausführlich gesprochen und verweise hiemit auf die dortigen Ausführungen. (Vergl. ferner meinen Artikel ״Arabische Literatur" in der Encyklopädie Hebrew Band 8, Pag. 131 ff.) Prof. Wellhausen übersetzt und kommentiert in Z. d. M. G. Bd. 67 (S. 630) ein dem bekannten jüdisch-arabischen Dichter vor Mohamned ״Samanal ben Adia" zugeschriebenes Gedicht ans den Asamiat Nr. 20 (Ed. Ahlwardt). Das Ergebnis seiner Untersuchungen ist, daß das Gedicht Wohl Die Juden und die Monarchie. sch Der nun bald ein * * 3/4 Jahr dauernde Weltkrieg hat aufs drastischeste gezeigt, daß ohne Ueberwindung der nationalen Chauvinisten aller Völker, sowie ohne Ueberwindung insbesondere des Zarismus ein friedliches Zusammenleben der Kulturmenschheit und deren Höherentwicklung ausgeschlossen ist. Das ist die bedeutsamste Lehre des Krieges für alle Völker der Ede, in erster Linie aber für die Juden. Zerstreut in allen 6 Weltteilen haben sich für sie in Vergangenheit alle großen historischeu Umwälzungen und Kriege fühlbarer gemacht als für andere Völker; im gegenwärtigen Weltkriege aber werden alle Leiden der Bergangenheit in den Hintergrund gedrängt durch das Märtyrium, welches die Juden von den Truppen des Zaren und den russischen Behörden in den letzten 9 Monaten in Russisch-Polen, Galizien, Bukowina und Nordostungarn zu erdulden hatten. Dasselbe Rußland, das seine Juden mit Füßen tritt, das seine Polen und Ruthenen mißhandelt, seine Deutschen und Finnen aufs schmählichste vergewaltigt, wagt es von einem Befreiungskriege für die Siaven der Habsburger- Monarchie und des Balkans zu reden! Nein, nicht um! einen! Weltkrieg zwischen Germanen und Slaven, sondern um einen Kampf zwischen westlicher Kultur und asiatischer Barbarei handelt es sich. Niemals werden die gegenwärtige französische und englische Regierung es vor dem Richterstuhle der Geschichte verantworeinen Juden, aber nicht den Autor des auf S. 49 der Hamas«, des Buches der Kriegslieder befindlichen Gedichtes zum Verfasser haben könne. Für das Erstere spricht der Umstand, daß darin manche Aramaismen Vorkommen, als auch vorn Reiche Davids (Vers 15) Erwähnung geschieht, welches als das messianische anzusehen ist. — Die Autorschaft des Samuel erblickt Wellhausen lediglich im Vers 6, der da lautet: ״Möge ich niemals ein mir anvertrautes Gut angreifen". Dieses scheint auf den Freund des Dichterfürsten Jmrul-Kais, Samaual aus Taima, hinzuweisen, welcher die ihm anvertrauten Waffen des ersteren treu bewahrte. Allein diese Aeußerung, meint W. ferner, lautet ganz allgemein und unzeitlich und erscheint daher nicht ganz stichhältig. — Um jedoch oen Urheber dieses Gedichtes festzustellen, müssen wir zunächst die einzelnen Gedanken, die darin zum Ausdruck kommen, untersuchen und möglichst auf ihren Ursprung zurückzuführen uns bestreben. Daß diese Verse von einem Juden herrühren, erkennen wir schon aus den einzelnen Vorstellungen, welche sie enthalten und die aus der alten Mischna stammen. So ist die Meinung des Dichters, (Vers 1, 3—4) ״Er sei als Sarnentropfen entstanden, dem seine Bestimmung gegeben wurde, übereinstimmend mit Spr. d. Väter 3, 5, wo der Mensch ermahnt wird, nie zu vergessen, daß er — ־־י מטסה סרוחה einem Samentropfen entstamme und dereinst vor Gott Rechenschüft geben müsse. Ebenso Talmud: (Nidda 16). ״Vor der Schöpfung des Men-schen wird dem Samentropfen seine künftige Bestimmung mitgegeben" usw. Der im Vers Z vorkommende Gedanke, daß, sobald er alt werde, auch sein Verstand abnchme, findet sich auch im Traktat Sabbat Pag. 152: ten können, dem kulturfeindlichsten Systeme der Welt, dem Knutenzaren sich beigesellt, zu haben, ausschließlich geleitet von Revanche für 1870, respektive von schnöder kapitalistischer Profitwut. Und für eine solche verbrecherische Politik müssen auch die französischen, sowie englischen Juden kämpfen und leiden! Niemals äußerte sich io tragisch das Los des jüdischen Volkes, als in diesem Weltkriege, wo nicht nur die russischen, sondern auch die französischen und englischen Inden durch die Verhältnisse gezwungen sind auf Seite ihrer erbittertsten Feinde zu stehen, für jene fluchwürdige russische Regierung Blut und Gut zu opfern, welche einen Vernichtungskampf gegen das jüdische Volk, sowie gegen Oesterreich, gegen die europäische Kultur und gegen die Demokratie aller Völker führt, nicht nur auf den Karpaten, sondern auch in Konstantinopel und Jerusalem die russische Fahne aufpflanzen will! Als den Hauptdamrn gegen die Weltherrschüft der russischen Knute halten Wir aber ein neues großes, starkes Oesterreich, das, belehrt durch die während des Krieges gemachten Ersahrungen im Osten unserer Monarchie die Gleichberechtigung des jüdischen Volkes verwirklichen sollte, in seinem eigenen Interesse. Wo auch immer im Habsbuvgerreiche Juden wohnen mögen, welcher Sprache sie sich bedienen, zu welchem Politischen oder ökonomischen Glaubensbekenntnisse sie sich bekennen, sie gravitieren nach Wien, der einen Hauptstadt des einigen Reiches, ihre Devise lautet hier reichstreu allezeit! Welt- und reichstreu war und! bleibt im זקני ע״ה כל ומן שמזקינין וכד Unwissende je älter sie werden, desto schwächer wird ihm der Verstand. In Vers 5 bittet er Gott, daß Erlaubte zu seinem Unterhalte und Lauterkeit zu seinem inneren Wesen zu machen. Ebenso bittet der Spruchdichter: (Spr. Salomons Kap. 30, 7—10) שתים שאלתי מאתך וכד שוא ודבר כזב הרחק ממני וכוי זתטריסני לחם חקי וכד Zwei Bitten richte ich an dich, o Gott, verweigere sie mir nicht, solange ich lebe, usw. Halte von mir fern: Falschheit und Lüge usw., und gewähre mir mein Brot in erlaubter Weise. Vers 11 (auch 18) berichtet, es sei ihm Kunde zugekommen, daß er nach dem Tode auferweckt werden soll. Diese Kunde scheint er aus Traktat Sam. (Pag. 90) ge- , Daß jedoch kein anderer als unser Saiuaual der Verfasser des in Rede stehenden Gedichtes sein kann, läßt sich aus folgenden Versen entnehmen. In Vers 7, beklagt er sich, manche Schmä- Hungen gehört und geschwiegen zu haben. Daß er, wahrscheinlich ob seiner Treue, die ihm den Verlust seines Kindes eingetragen hatte, so manche Schmähung eines Tadlers hatte erfahren müssen, erklärt er in einem mU — ״o Tadlerin" — Nöldeke, Btrge zur Poesie d. alten Araber, Pag. 69 — beginnenden Gedicht. Ebenso ermahnt der Talmud Traktat (Erub in 32): ״Gehöre zu denen, welche eine unverdiente Schmähung anhören, ohne zu erwidern" הנעלבים ואינם עולבים ja היה In Bers 8 wird des Dichters Wunsch ausgespro- Verbreitet die ״Kriegs-Hagabah".