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Jüdische Volksstimme · 1915-01-20 · Heft 3 (20.1.1915) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 3 (20.1.1915)
Date
1915-01-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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«ek S. *3IM|4< •«niftaiMe.* «t 8 Die ganze Stabt singt. Alles löst sich in Tönen! auf; in Klang und Licht. Das Licht flutet aus den geöffneten Fenstern ins Zimmer, und von da ergißt es sich in breiten Strömen über das ganze Städtchen . . . Und nachdem der letzte Ton der Gesänge verhallt ist, werden die Speisen aufgetragen. Ein köstlicher Geruch entströmt den Schüsseln. Nach dein Genuß der Fische bin ich bereits satt. Mir fällt es schwer, die weiteren vier Gänge, die nun an die Reihe kommen, zu genießen. Aber ich tue es doch und fühle mich einer süßen narkotischen Müdigkeit erliegen. Die Stimme meines Gastgebers hat inzwischen an Tragkraft cingebüßt. Er singt nicht mehr; er murmelt nur noch. Die Kerzen sind schon weit über die Hälfte abgebrannt und spenden ein schwaches, unruhiges flackerndes Licht. Die ganze Ntmospäre ist in eine seltsam träumerische Dämmerung gehüllt'. Wir erheben uns von der: Stühlen. Nur der Herr des Hauses bleibt noch sitzen. Mit einer tiefergreifenden Melodie und leiser Stimme singt er ״Nischmas kol chai". Draußen hört man ebenfalls nur noch vereinzelte, ntitbc Stimmen singen . . Ein starker Duft von trockencin Heu erfüllt die Luft. Das Mondlicht liegt voll über den Bergen und crleuchtot tagcshell die Nacht. Ich wende mich bald meinem Zimmer zu, utn nach den starken Eindrücken des Abends Nuhe zu suchen. Z.' Krünnee Nachrichten Wohltätigkeitskonzert. Wohltätigkeitskonzert. Wie bereits gemeldet, findet Samstag, den 28. d. M. um 8 Uhr abends in: Festsaale des Grand Hotels ein Wohltätigkeitskonzert zugunsten des Flüchtlingsheimes für die galizisch-jüdischen Flüchtlinge statt. Air dem Konzerte wirken u. a. mit: Herr Ignaz Mamt, Opernsänger vom Lenlberger Stadttheater, Klaviervirtuosin Fräulein Hartenstein, Violinvirtuose Edi Rosenthal. Für dieses Konzert gibt sich allseits ein lebhaftes Interesse kund. Eintrittskarten sind zu haben bei Herrn Signtund Baß jun., Herrengasse. Auszeichnung. Herr Reserveleutnant Ignaz Trainer wurde zunr »k. k. Oberleutnant befördert. Gleichzeitig wurde Herrn k. k. Oberleutnant Ignaz Tränier in Würdigilng seines tapferen Verhaltens vor dein Feinde von: Erzherzog Josef Ferdinand eilte belobeitde Anerkennung zuteil. Aufruf! Um die unter den galizisch-jüdischei: Fliichtlingen bestehende?tot teilweise ztl lindern, hat der Vorstand des Vereines ״Machsike Hadas" den Beschluß gefaßt, die Peoh-Brockensautlnlung ganz in den Dienst der Hilfsaktion zu stellen. Durch die Peoh-Brockensammlung soll einzelneit Jude!: ehrbare Existenzen geschaffen werden. Der Vereinsvorstand richtet an alle Edeldenkeitden die Bitte, alle entbehrlichen Dinge, der Peoh-Brockensammlung gütigst zuwenden zu wollen. Der mit einer Legitimation versehene Diener wird auf Wilitsch die Gescheitke abholei: und bestätigen. Der Vorstand wird den EmPfang nachträglich nochinals quittieren und öffeiitlich ausweisen. Jeder Gegenstand wird dankbar entgegengenontiiten; seien es: alte Herrenkleider, alte Frauenkleider, Hüte, Schuhe. Stoffabfälle, Makulaturpapier, Schachtelii, Kisten, Möbelstücke, Postsparkassenerlagscheine, Staniol, Flaschen und Emballagen, Spagate, Schirme, Stakke, Bücher, Federn, Abfallpapiere usiv. usw. Durch die Neparatiir schadhafter Kleider lmd Schuhe sollen arme jüdische Handwerker Erlverb finden. Der Ausschuß. Berichte. Judentaufen. Der russische Senat hat, wie die ״Rjetsch" unter dein 10. d. M. berichtete, mit Bzeug auf zahlreiche Indentaufen des lutherischen Pastors Pyrrha in Helsingfors dahin entschieden, daß getaufte russische Juden damit noch nicht die bürgerlichen Rechte der Christen behalten. Der Seiiat steht auf beut Standpunkt, daß die Inden sich durch die Taufe nur die bürgerlichlw Rechte wie z. B. die Freizügigkeit verschaffen wollen. Volksspeisehalle der ״Einheit", Wien. Vor einem Monat wurden in der Wohnung des Präsidenten der ״Einheit" (Volksspeisehalle in der Malzg., Wien) des Herrn Bernhard Hofbauer, Chefs der Firma Adolf B. Hofbauer, zwölf rekonvaleszente Soldaten, die wieder ins Feld ziehen mußten, bewirtet!, mit Wintersachen beschenkt und mit Geld beteilt. Am 11. d. M? haben Herr und Frau Hofbauer abermals 2 t Mann, die ins Feld gehen, bedacht. Der Vorstand des Vereines ״Einheit" veranstaltete die Bescherung in einem Saale seiner Speisehallen und neben den Soldaten dankte auch der Vorstand, vertreten durch die Vizepräsidenten Felsenburg und Manheit, Schriftführer Direktor Dr. Krenberger und Herrn Adolf Fischer. Die Fürsorgetätigkeit für die galizischen Juden. In einem von den Prager zionistischen Korporationen veranstalteten Vortrag sprach kürzlich Herr Chain: Nagler, der Leiter des Versorgungsamtes für jüdische Flüchtlinge, Am dichtgefüllten Saale der Produktenbörse über die Fürsorgetätigkeit für die galizischen Juden. Der Redner gab einleitend einen Ueberblick über die drei verschidenen Phasen des Zuzuges von galizischen Flüchtlingen nach Prag. Bei der erstell Invasion, die nach der Räumung Lembergs erfolgte, war cs nur eine geringe Anzahl, die nach Prag kam. Dagk dem großen Entgegenkommen und der Opferwilligkeit der Prager Judenschaft kannten diese Flüchtlinge -mit allen: Nötigen versehen werden. Die zweite Invasion erfolgte Ende September und überschritt ebenfalls eine bestinlnlt begrenzte Zahl nicht. Auch jetzt war es nlöglich, diese Flüchtlinge zu versorgen. Es liefen zahlreiche lleue Spenden ein und innerhalb weniger Tage waren große Wäsche- und Kleider- Vorräte beisammen. Die Flüchtlinge, die dainals nach Prag kamen, rekrutierten sich aus dem besseren Mittelstandes "der erst bei der zwangsweise durchgeführten Räumung Galiziens geflüchtet war. Vor etwa drei Wochen setzte die dritte Invasion ein, die innerhalb weniger Tage die Zahl der Flüchtlingie in Prag auf 8000 erhöhte. Unter den Flüchtlingen, die in dieser Zeit hierher kainen, befanden sich Vertreter der besten Kreise der galizischen Bevölkerung, die ihre geringen Barmittel aufgezehrt hatten itnb nun schweren Herzens eine Unterstützung in Empfang nehinen lnußten. Bedauerlicherweise habe aber gerade in dieser Zeit der Wohltätigkeitssinn der Prager Juden, der sich so glänzend bewährt hatte, versagt, und machtlos stand das Versorgungskomitee dem Ansturm der Flüchtlinge gegenüber, ohne dem grenzenlose!: Elend abhelfen zu kö!:- neu. Die Wäsche- und Kleidervorräte gingen zu E!:de, die Flüchtlinge basten oft genug kei!: Obdach oder!nußten auf dem nackte!: Fußboden schlafen, da es an Strohsäcken und Decken fehlte, viele blieben ohne die nötige Nahrung, es gab keine Kohle!!:ehr, un: sie vor den Frösten der letzten Zeit zu schützen, kurz ein Elend, wie es kann: noch überboten werden kann. Der Redner wandte sich in seinen! hinreißenden Avell an die von allen Vertretern der Prager Judenschaft besuchte Versammlung. diesen: unmöglich länger zu ertragenden Zustande ein E!:de zu bereiten,?ln der Hand einzelner erschütternder Episoden illustrierte der Vortragende die augenblicklich herrschende Not. Sichtlich beweat folgten die Zuhörer seinen interessanten Ausführunaen u!:d an! Schlüsse gab sich ihre rückhaltlose Zustam- »nnng in stürmischem Beifall kund. in Stunden׳ der Gefahr, Der Freudenmonat 1.20 — Religiöse Vorträge 1840, Die Tempelreisen — Tempeleinwcihungsrede zu Bromberg, Der Gemeinde größtes Bedürfnis, Das heil. Zahlenergebnis, Das Leben lieben, Den Tod nicht fliehen, Der wahre Trost 1.20 Proßnitz Dr. M. E., Eger, Festpredigten, Pessach, Schcbuoth, Neujahr, Schlußfest 1.— Nosenblüh Dr. Simon, Frankfurt a. M., Psaln!- Vorträge 0.80 Rosenmann Dr. G., M.-Schönberg, Hofrat Prof. Dr. D. H. Müller ein Lebensbild תפילין ׳ציצית ׳מימות ספר תורה טליתים wollene u. seidene in jeder GrttBe u. Qualität, sowie Gold- und Silberborten zu den billigsten Preisen in den . Buchu. Kunstverlag Brünn, Adlergasse Nr. 9. 1914 W-chenkalrnder 6675. שבט Jänner | Festtage ד׳פטרה M n 20 D ו 21 * 7 22 s N 23 בא דבורה אשה 5 ט 24 M 25 r יא 26 M יב 27 D יג 28 סזק״ל F יד. 29 סופר Ausnahmsofferte. Zu beziehen durch den Jüdischen Buch- und Kunstverlag Brünn. Pleßuer S., Berlin, religiöse Vorträge, Purimrede, Judentum und Bürgertrene, Pessach, Die ttnvergeßlichen Werbestimmen, Der Wunder- Pfad in: Meere, Hochzeitsrede, Die Heimat in der Fremde 1.20 — Religiöse Vorträge, Der Anblick zun: Hin:- n:el, Der tröstliche Grundsatz, Des Gesetzes größter Triumph, Vermählungsfiierrede, Der Ehestand ein Beistand, Die Gerechten wird gesucht. — Zu erfragen Jttd. Volksstimme Adlergasse Nr. 9. Junger Mann deutsch, böhmisch für eine Likörfabrik auf’s Land gesucht. 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