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Jüdische Volksstimme · 1915-01-13 · Heft 2 (13.1.1915) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 2 (13.1.1915)
Date
1915-01-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Man darf weder dem Lehrer einen ״Brief" schreiben, noch ihn beschimpfen, solange inan die Angelegenheit nur aus dem Munde seines Kindes gehört hat. Viel Verdruß würde unterbleiben, wenn die Eltern dem Kinde auf jede Klage antworten wollten: ״Ich werde gleich deinen Lehrer fragen gehen!" Eine solche Konferenz mit dem Lehrer wird dem Kinde mehr Wahrheitsliebe beibringen, als alle Briefe und alle Klagen gegen den Lehrer. Unter allen Umständen ist es den Eltern und ihrer Bildung würdiger, wenn sie erst den Lehrer hören und dann ihr Kind und so Gelegenheit haben, die Probe auf die ״Wahrheitsliebe" des Kindes zu machen, ehe sie durch die Enttäuschung gewitzigt werden. Peter Eyslein. Richtigstellung. In der letzten Nummer unseres Blattes ist, durch Versehen des technischen Personals, am Schlüsse des Leitartikels, eine Schlußnote, erschienen, die selbstverständlich auf den Leitartikel keinen Bezug hatte. Die Ned. Aorrefponäeazen. Wien. Erzherzogin Maria Theresia, die Mutter des ermordeten Thronfolgers, schrieb an die Eltern des von ihr gepflegten Leutnants Samuel Schwarz aus Kleinwardein folgenden Brief: ״So gerne hätte ich anläßlich des Todes Ihres jungen Helden ihm einen Kranz gespendet als Erinnerung, daß die Pflegerinnen in Treue an diesen geduldigen und mutigen jungen Mann denken. Da nun Ihr Ritus Ihnen die Annahme von Blumen nicht gestattet, erlaube ich mir Ihnen hundert Kronen per Postanweisung anstatt dieses Kranzes zu senden, mit der herzlichen Bitte, dieselben Ihren anderen Kindern zu geben. Ich bitte, mir es im Andenken an ihren lieben Sohn nicht übelzunehin'en, ich war so viel um denselben, daher erfüllen Sie mir gewiß diese Bitte und nehmen es so gut auf, wie es gemeint ist. Mit den herzlichsten Grüßen denkt an Sie in Ihren! tiefen Schmerz Schwester Marie Therese." Budapest. Die orthodoxe Landeszentrale erließ ein Rundschreiben an alle Gemeinden, mit der Aufforderung, in dieser tragischgroßen Zeit die höchsten Opfer auf den: Altar des Vaterlandes zu bringen. Man möge mit allen Mitteln die Sache der Gerechtigkeit und der Volksbefreiung fördern. Die Opferbereitschaft unserer Kreise kennt auch wirklich keine Schranken. Sie ist ein unerschütterlicher Beweis von Treue und tiefwurzelndem Patriotismus. Wir lieben unser ganzes Land mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzem Vermögen. Nicht nur der Einzeljude, auch die Institutionen machen alle ihre materiellen Mittel flüssig, um sie dem Staate zu widmen. So hat der Budapester orthodoxe Volkstisch, der jetzt in verzehnfachter Weise Gutes übt, alle seine Reserven, die Preßburger Jeschiwa und die Mensa 100.006 Kronen, alle jüdischen Frauenvereine ihre Spareinlagen, die LJ ihre Fonds hergegeben. In gleicher Hingabe leistet die Hauptgemeinde und mit ihr die großen neologen Zentren des Landes alles, um dem Staat zu nützen, und dem Judentume Ehre zu bringen. Neben den unerreichten Leistungen auf dern Gebiete der Humanität, die aus den jüdischen Gemeindestuben Heil und Hilfe für Zehntausende sprießen läßt, ist es wieder die Budapester Gemeinde, die dein Staat 800.000 Kronen für die Anleihe zur Verfügung stellt. Jüdische Namen stehen überall an erster Stelle, wo es gilt Gut und.Blut einzusetzen, um der geliebten Scholle den Platz an der Sonne zu sichern. Z. B. A. Jfoütma Harfiricfiten Auf dem Felde der Dhre gefallen. Gustav Wiesner, ord. Hörer der k. k. technischen Hochschule in Wien, k. u. k. Fähnrich i. d. R. beim 18. Jnf.-Nea., Sohn des Herrn Alfred Wiesner, ist im Alter von '22 Jahren bei Radymnv in Galizien gefallen. Wohltittigkeitskonzert. Das Hilfskomitee des Vereines ״Machsike Hadas" veranstaltet Samstag, den 23. d. unter Mitwirkung des Opernsängers Herrn Mann, zugunsten des Flüchtlingsheimes Zeile 25, ein Wohltätigkeits- Konzert. — Für diese Veranstaltung gibt sich bereits allseits ein lebhaftes Interesse kund. Dringende Bitte. Das Hilfskomitee des Vereines ״Machsike Hadas", Adlergasse 12, bittet dringend um Ueberlassung von Kleider, Schuhe, Wäsche, Pölster, Strohsäcke, Decken, Sesseln, Tische, Bänke und Nähmaschinen. Unter den in Brünn wohnenden Flüchtlingen gibt es Hunderte, denen es an Kleidungsstücken und insbesondere an Strohsäcken und Decken mangelt. Das Hilfskomitee erwartet, daß dieser Apell von entsprechendem Erfolge begleitet sein wird. Für unsere Soldaten. Fräulein Martha Schwarz, Hutterteich 4, hat eine Strickschule begründet. Die Kinder arbeiten Dienstag, Mitt, woch, Donnerstag und Freitag von 2—4 Uhr. Spenden in Wolle und׳ Gelder sind an-genanntes Fräulein zu richten. Die in der Schule hergestellten Sachen sind für unsere Soldaten bc1־ stimmt. Eine Widerlegung der Betrachtung dem Artikel Ost-Judentum. (Al tuden es Chaweroch ad schetagia lini komoc) Du sollst deinen Freund nicht beurteilen bis du dich an Ort und Stelle begibst, so haben es. yüshre Gelehrten empfohlen. ׳ Die Bewohner Galiziens sind mit den anderen Bewohner der Monarchie kulturell und wirtschaftlich gleichgestellt; wie im Westen so gibt es auch in: Osten verschiedene Klassen Menschen. Die Juden in Galizien, trotzdem dis Not sie bedrängt, sind kulturell ziemlich entwickelt und verursacht der jüdisch-galizische Typ keinen unangenehmen Eindruck.HUnter dem jüdischen Typ findet man )abgesehen von der Studierenden) Bürger von Bildung und Kultur, namentlich gelehrte Talmudisten, Wobei sie auch streng religiös sind, welche den Sah (tow Tora im derech eretz) kennen und wie Salomon sagte (tow ascher techas buze, wganr nrize al ton ach jodchu) man fam! streng religiös sein und dabei Kultur besitzen. Die galizischen Juden Verkehren im Handel und Wandel .Mit allen Völkern des Landes, ohne durch die Religion und den: jüdischen Typus gestört zu werden. Der Vorwurf wegen Unreinlichkeit ist absolut nicht gerechtfertigt, im Gegenteil, jeder religiöse Jude hat'sein (seider Haiom) und gleich wie er nur die Augen von: Schlaf öffnet, hat er der Reinlichkeit gemäß (natürlich laut den! vorgeschriebenen Gesetz) die Hände sofort rein zu waschen, und nach dem Anziehen der Kleider die Hände abermals wie auch das Gesicht rein zu waschen. Manche waschen sogar den ganzen Körper in der (Mikwe). Ferner wird vor und nach jeden! Essen gewaschen. Daß nach Verlassen eines unreinen Ortes nur die Finger gewaschßen werden, ist auch wegen der Reinlichkeit, um nachher das Gebet von (Ascher jucar cs huudon!) sagen zu können. Auch dies ist eine Vorschrift wie alle anderen, somit der Vorwurf der Unreinlichkeit ein total nicht begründeter ist. Die Juden wissen von dem Satz (Aschreichem Israel lifnei mi atein matharem hui matahar eschen! awichem schebaschun!aim), daß sie sik vor den! Allmächtigen rein halten müssen und da wir von Reinlichkeit sprechen, will ich im Namen der galizischen Juden dem Schreiber des Artikels ״Ost-Judentum" ersuchen, er möge veranlassen, daß hier eine^Koschewe (Mikwe) laut unseren Gesetzen errichtet werde. (Sabbat 13) heißt es: Der (Cheider) ist auf ganz anständige Weise begründet. Die Kinder besuchen die öffentlichen Schulen, um Anteil zu nehmen an der Kultur der anderen Völker. Wir haben auch Turvereine, l-ebräische Schulen etc., so daß heutzutage in Galizien überhaupt die Jugend in jeder Beziehung sittlich erzogen wird. Die galizischen Juden verstehen den Satz (Weohawtu lereachu komochu ze klall gudol botoru) und wissen auch von dem Satze (Weahawtem es hager) usw. Brünn, 13. Jänner 1916. L. W. Die Bolksstimme. In einer Gelehrtenversammlung, so wird -im Talrnud (B. Mez. 69) berichtet, wurde über eine (Halacha) ״religiöse Frage" (nämlich über die Frage, ob ein zusanunengefügter irdischer Ofen verunveinigungsfähig sei) heftig debattiert. R. Eliser B. Hirkanos (auch N. Elieser hagodol der Große genannt), der auf die Nichtigkeit und Unanfechtbarkeit seiner auf die Tradition gestützte Behauptung pochte und daher sich selbst der Majorität nicht beugen wollte, wünschte, daß eine höhere Macht ihn! zu Hilfe kommen und als Zeuge beipflichten möge. מן השמים יוכיחו. Da ließ sich nun eine höhere Stimme ״Bat Ko!" zugunsten R. Elieser vernehmen. Ueber dieses Vorgehen war der anwesende sanftmütige und leutselige Gelehrte R. Jesua B. Chananj-a, der zu den hervorragendsten und angeschensten rabb. Autoritäten der damaligen Zeit gezahlt wurde, so sehr consteruiert, daß er den kühnen Ausspruch tat: אין משגיחין בבת קול Wir haben es nötig, uns von einer erzwungenen hö- Hern Stimme beeinflussen zu lassen, denn תוריה לא בשמים היא die Thora ׳wurde nicht für die Himmlischen, sondern für die Menschen gegeben, so heißt cs ja ausdrücklich in der Schrift: ״Denn dieses Gebot, das ich dir jetzt gebe, ist dir nicht verborgen, auch nicht ferne, es ist nicht im Hin!- mel, daß du etwa sagen Möchtest, wer steigt für uns in den Hinunel hinauf, un! es herunterzubringen und uns bekanntzuinachen, so wollen wir es halten; es ist auch nicht jenseits des Meeres, daß du sagen möchtest: Wer reist für uns über das Meer, un! solches herüberzuholen und uns bekanntzuinachen, so wollen wir es halten; sondern das Wort ist dir ganz nahe, du hast es im Munde und den Begriff davon in! Herzen, wie solches zu beobachten sei," (6 M. 30). Wir haben, so meint N. Josua, uns der Majorität zu > fügen, Acha re rabbin! lehattos, denn die natürliche ungezwungene Volksstimme ist die Gottesstinune. die Wir im Lehrhause besonders beachten!nüssen." Man darf sich über diese kühne Aeußerung nicht Wundern, denn 3t. Josua B. CH. war ein echter und rechter Volksmann, der sichs zur Lebensaufgabe gemacht, seinen! Volke das Gesetz so viel als möglich zu erleichtern, damit es von der Bahn der Religiosität, Sittlichkeit und Moral nicht ablenke. Wahrend viele überspannte Peruschin! nach der Zerstörung des h. Tempels — dessen Glanz, wie dessen Feierlichfeiten aller Welt imponierenden Gottesdienst er, 3t. Josua, als Levite in seiner frühesten Jugend nicht nur!nitangesehen, sondern auch selber die Psalmen im Chore mitangestimmt (Erech 11). — sich des Genusses von Fleisch und Wein enthalten zu müssen glaubten, weil beide Nahrungsmittel beim Altar verwendet wurden, fand 3t. Josua diese überspannte Idee für lächerlich, inden! er sagte: Auf diese Weise wären wir gezwungen, auch den Genuß des Brotes und des Wassers entbehren zu!nüssen, da auch diese auf den Altar gebracht wurden. Es dürfen über- Haupt, ineint er, keine unerträgliche Erschwer!!!!- gen der Ge!nei!!de nuferlegt werden. (Fortsetzung folgt.) Vermißte. Berta Hirschmann sucht ihre Eltern Elias und Ester Hirschmann samt 8 Kinder aus Przikopa, Bezirk Mieliz. Gefl. Angaben an Berta Kanarek, Brünn, Jusagasse 10. 3. Stock. Anna Kresch sucht ihre Corsine Helena Berner aus Blazawa. Gefl. Nachrichten an Anna Kresch. Brünn, Jusagasse 10. t Moses Sternkieker, derzeit in! k. k. 3tefervespital A. D., Brünn, Technik, sucht die Frcm 3ticoke samt 7 Kindern.

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