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Jüdische Volksstimme · 1915-01-07 · Heft 1 (7.1.1915) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 1 (7.1.1915)
Date
1915-01-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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M* & Nr. l gesellschaft, Uiversitätsprofeffor Dr. Leo Strisower, Architekt Seidl, Frau Miller v. Aichholz mit Sohn, Kommerzialrat Grab und Frau, Direktor Eisenschütz vom Carltlieater mit Regisseur Hopp, Prof. Oskar Dachs, Konzertburecruinhaber Hugo Knepler, Oberkantor Bauer, Kantor Lewit, Pof. Steger, Industrieller Karl Lemberger usw. Um 11 Uhr nahm die Trauerfeier ihren Anfang.. Oberkantor Morgenstern trug den Psalm ״Wer da im Schutze des Höchsten sitzt" vor. Dann wurde der Sarg gehoben und zu dem vierspännigen Galawagen getragen. Die israelitische Kultusgemeinde hatte das Ehrenbegräbnis bereitet und ein Ehrengrab gewidmet. Auf dem Wege dahin hielt der Trauerzug vor dem Gebäude der k. k. Gesellschaft der Musikfreunde. Das Gebäude des Musikvereines hatte gleichwie bei'Kremsers Leichenfeier tiefen Trauerschmuck angelegt. Im Vestibül des Gebäüdes hatten sich eingefunden: Minister für Kultus u. Unterricht Dr. Ritter v. Hussarek, der Präsident der k. k. Gesellschaft der Musikfreunde Minister a. D. Dr. Gustav Marchet, Vize-Präsident Dr. Ernst Kraus u. v. a. Gegen dreiviertel 12 Uhr hielt der Leichenwagen vor dem Portale. Die Trauergäste hatten sich auf den Treppen und auf dem Bürgersteige vor dem Gebäude versammelt, und das Wald- Hornquintett der Hofoper ״Siegler", die Herren Stiegler, Reiß, Romagnoli, Meißl und Wesetzky, stinnnte ״Die Klage" von Josef Richter an. Tief ergreifend klangen die ernsten Töne über den Platz. Nun ergriff das Direktionsmitglied der Gesellschaft der Musikfreunde Regierungsrat Dr. Heinrich Steger das Wort zu folgender Gedenkrede: ״Wenn ein großer Mann sein Erdenwallen vollendet hat, dann ziemt es ^sich den Zeitgenossen in dem wild dahinstürmenden Leben eine Pause eintreten zu lassen, gewissermaßen Atem zu holen, um durch ernste Betrachtung zum Bewußtsein der Größe des Verlustes zu gelangen. Ein solcher Moment ist heute gekommen, da wir an der Bahre des großen Tondichters K. Goldmark stehen, der setzt den Weg zur letzten Ruhestätte angetrcten hat. Du großer Meister hast fast 60 Jahre in dieser schönen Stadt gelebt, die dich, seit du dein reifstes und größtes Werk geschaffen, zu ihren teuersten Bürgern zählte, die mit Be- Wundcrung zu deiner nie versiegenden Schaffenskraft aufblickte, der wir auf allen Gebieten der Tonkunst eine lange Reihe herrlicher, unvergänglich schöner Werke verdanken. Du warst der ruhende Pol melodischer u. wahrer künstlerischer Technik in der Flucht der modernen musikalischeu Erscheinungen. Ich grüße dich, Karl Goldmark, für die altehrwürdige k. k. Gesellschaft der Musikfreunde, der du seit Jahrzehnten als Ehrennn' tglied angehörst und welche du durch Jahre hindurch ausgezeichnet hast. Meine Hilldigung und meinen letzten Gruß seien dir aber mich im Raine der ungeheueren Gesellschaft der Musikfreund gebracht, Welche alle Menschen ohne Unterschied der Nation und Sprache auf dieser Welt umfaßt, denen die Tonkunst eine Quelle der Erhebung, Aufrichtung, des Trostes u. der Begeisterung bedeutet. Sie alle hast du durch die reiche Fülle deiner unvergänglichen Werke erfreut und beglückt, und deshalb gebürt dir reicher Dank, aber auch das Gelöbnis, deine Werke fortan treu Pflegen, wie einen Schatz zu hüten und deinen Namen in höchsten Ehren zu halten. Von deinen Werken nehmen wir nimmermehr Abschied, da sie ja mit uns und unseren Nachkommen fortleben werden, nur von dem edlen Menschen Karl Goldmark müssen wir zu unserem Schmerze uns heute für immer trennen dessen makelloser Charakter, dessen vorn eh ine Gesinnung und Bescheidenheit alle zur Verehrung und Liebe zwang, die ihm je genaht waren. Wir Preisen die Gnade der Vorsehung, die dein Leben bis an die höchste Altersgrenze geführt hat, damit du nach den unsäglichen Mühen und Leiden der Künstlerlaufbahn auch deren schönsten Triumph erreichen konntest, ein Glück, welches leider manchem deiner großen Kollegen versagt blieb. Ziehe nun ein in die lichten Höhen ewiger Harmonie, in das Reich der Sphärenmusik, welche dein Genius so herrlich zu schildern verinochte: Karl Goldmark, du großer Tondichter, du edler Mensch, fahre Wohl, dein Andenken sei gesegnet für innnerdar!" — Dann setzte sich der Trauerzug nach dem Zentralfriedhofe in Bewegung. Um halb 1 Uhr langte der Zug bei dem Friedhofe an. In der israelitischen Abteilung wurde der Sarg auf eine Estrade gestellt. Zu bei¬ »Püf» V»lßrßt«»e.* den Seiten stellten sich die Angehörigen auf. — NaOiem die rituellen Gesänge verrichtet waren, trat Rabbiner Dr. Grunwald an den Sarg und hielt eine eindrucksvolle Trauerrede. Prediger Dr. Grunwald rühmte die hohen künstlerischen Eigenschaften und menschlichen Tugenden des Verblichenen. Den kantoralen Teil der Trauerfeier besorgten Ober-Kantor Morgenstern und der vollzählige Tempelchor. Zum Schlüsse trat der Abgesandte der königlich ungarischen Oper in Budapest Dr. Franz v. Szekelyhidy an die Bahre und verabschiedete sich von dem Toten in ungarischer Sprache, und zwar im Namen der königlichen Oper und der Philharmonischen Gescllschaft in Budapest. Sodann wurde der Sarg zu dem Ehrengrabe getragen und in die Tiefe gesenkt. Eine Würdigung des großen Künstlers folgt. äilrünner Hacßficftten 25jähriges Amtsjnbiläum. Herr Oberkantor Josef Heller beging das 26-jährige Jubiläum seiner Amtswirksamkeit in Brünn. Silberne Hochzeit.' Hr. Gustav S. Wolf und Frau begingen das Fest der silbernen Hochzeit. Auf dem Felde der Ehre gefallen. Herr Oskar Meisl, k. u. k. Leutnant, Sohn des Herrn Rudolf Meisl, ist am serbischen Kriegsschauplätze im Dienste des Vaterlandes gefallen. Ehre seinem Andenken! Wohltätigkeitskonzert. Das Hilfskomite des Vereines ״Machsike Hadaß" veranstaltet Sanistag, den 28. d. unter Mitwirkung des Opernsängers Herrn Mann, zugunsten des Flüchtlings- Heimes Zeile 26, ein Wohltätigkeits-Konzert.' — Für diese Veranstaltung gibt sich bereits allseits ein lebhaftes Interesse kund. Dringende Bitte. Das Hilfskomite des Vereines ״Machsike Hadaß", Adlergasse 12, bittet dringend um Ueberlassung von Kleider, Schuhe, Wäsche, Pölster, Strohsäcke, Decken, Sesseln, Tische, Bänke und Nähmaschinen. Unter den in Brünn wohnenden Flüchtlingen gibt es Hunderte, denen es an Kleidungsstücken u. insbesondere an Strohsäckcn und Decken mangelt. Das Hilfskomitee erwartet, daß dieser Appell vom entsprechenden Erfolge begleitet sein wird. Lesehalle. Das Hilfskonnte des Vereines ״Machsike Hadaß" hat den Beschluß gefaßt, für die jüdischen Flüchtlinge eine Lesehalle zu begründen. Ein entsprechendes Lokal wurde bereits gemietet. Das Hilfskomite bittet für die Lesehalle um entsprechende Tische und Stühle. Jüdische Volksküche. Die Jüdische Volksküche befindet sich Kröna Nr. 27. Der Verkauf der Speisenmarken für die galizischen Flüchtlinge findet täglich von 4 bis 6 Uhr im Flüchtlingsheime, Zeile 26, statt. Wir erhielten vom Kriegsschauplätze folgende Zuschrift: 1. Jänner 1916. Geehrter Herr Hickl! Sende Ihnen herzlichste Feldzionsgrüße. Mir geht es ausgezeichnet. Auf meinem Marsche habe ich viel Interessantes miterlebt, viel Schönes gesehen. In russisch-polnischen Städten unsere Juden in ihrem Milieu geradezu studiert, doch bin ich nicht sehr begeistert. — Vorgestern habe ich die Feuertaufe erhalten, heute wieder stark im Feuer gewesen. Wir wohnen in heizbaren Erdhöhlen, wo es sehr gemütlich ist. — Nächstens werde ich ausführlich schreiben. Ihr ergebener Bick. Aerztliches Ambulatorium des Vereines Machsike Hadas, Brünn. Einem dringenden Bedürfnisse entsprechend hat das Hilfskomitee des Vereines Machsike Hadas für die galizischen Juden den Beschluß gefaßt, um den armen, kranken galizischen Flüchtlingen ihr Los nach Tunlichkeit zu erleichtern, ein ärztliches Ambulatorium nach Muster der in anderen Städten bereits bestehenden Ambulatorien zu errichten. Diejenigen Herren Aerzte wie Herren u. Damen, die gewillt sind, an diesem Humanitären Werke mitzuarbeiten, werden gebeten, ihre Adressen dem Hilfskomitee für die galizischen Flüchtlinge des Vereines ״Machsike Hadas", Adlergasse 12, mitzuteileu. Die erste Beratung findet in den nächsten Tagen statt. Frauen im feindlichen Kundschaftsdienste. Vom feindlichen Auslande werden vielfach auf Eisenbahnen allein reisende, scheinbar ganz harmlose Frauenspersonen zum Kundschaftsdienste verwendet. Diese Spioninnen, oft junge, hübsche, elegant gekleidete Personen drängen sich während der Bahnfahrt an die Truppen heran, suchen die Herkunft und den Bestimmungsort der Trans- Porte festzustellen, die Truppenteile zu erfahren, den Ausbildungsgrad der Ersatznmnnschaften zu erkunden, die Gespräche zu belauschen, kurz allerlei militärische Informationen zu sammeln, deren Verrat für das eigene Heer von den schädlichsten Folgen sein kann. Es wird das Erteilen irgendwelcher militärischer Informationen cm Unberufene verboten, vor unvorsichtigem Reden in Anwesenheit Unbekannter neuerlich gewarnt und es wird jedermann, sei er Soldat oder nicht, zur unbedingten Pflicht gemacht, verdächtige Personen uuverweilt (dem Bahnhofskommando, dem Bahnpersonale, den Polizeiorganen) anzuzeigen, bezw. aber diese Individuen, falls sie fliehen sollten, daran zu verhindern und der nächsten Zivil- oder Militärbehörde zu übergeben. Achtung! Mit der heutigen Nummer beginnt der 16. Jahrgang unseres Blattes. Die P. T. Empfänger werden um gefl. umgehende Erneuerung des Abonnements und Zusendung des Abonnementsbetrages ersucht. Die Administration. Vermißte. Efroim Szwarc, Verpflegssodat aus Jaroslau, derzeit in Tobitschau, sucht seine Eltern Menbei Szwarc samt Frau und Kind aus Zydaczow bei Strya. Ehaim Ehiel Israel aus Grybow sucht seine Schwiegereltern Chain! Kaufteil aus Grybow. Etwaige Nachrichten an Rabbiner Dr. Kanter in Zwittau (Mähren). Chajim Fleischer, k. u. k. Ersatzreservist vom .Verpflegsmagazin Jaroslau, derzeit in Tobitschau, sucht seine Frau Chanel) Altner samt Eltern Leib Altner und Familie aus Rawaruska. Efraim Schwarz, k. u. k. Verpflegssoldat vom Verpflegsmagazin Jaroslau, derzeit in Tobitschau (Mähren), sucht seine Eltern Mendl Schwarz samt Familie aus Zydaczow bei Stry. Abisch Frankel, derzeit in Budapest, Kuzincagasse 49, sucht seine Frau Jdes Wnllech aus Blazowa mit 2 Schwestern sowie auch seine ' Eltern Pinkas Fränkel aus Lisko samt Familie, und Moses.Berger aus Lisko sucht seineu Sohn Mechel Berger aus Lutowisko. Pinkas Wrobel aus Sanok, Gal. sucht seinen Sohn Hersch Wrobel 1914 Wochenkalender 5675. טבת 'I Jänner Festtage הפטרה M 2 6 D 3א 7 F כב 8 הבאים S בג 9 מברכין החדש. שמות ישרש יעקב S כד 10 M ה 11 D כו 12 M כז 13 D כח 14 יום כפור קטן(מוקדם) F כט 15 ערב ר׳־ח שבט Junger Mann deutsch, böhmisch für eine Likörfabrik auf's Land gesucht. Genaue Offerte unter ״■ Verläßlich — an die Administration dieses Blattes. Zimmermalere!en in mo<Urn$ftr WiiWrung. der« gleichen auch in Liieren Matten werden prompt aurgelührt von Theodor J, Indra, Maler Brunn, Ottgasse 13a! - - Telephon 3429/II. -----------------

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