Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 44 (10.12.1914)
- Date
- 1914-12-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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ו I 1 »! י I I I t I I ו! I I I S ► > Nr. 44. schöner, Infanterieregiment Nr. 4, das Goldene Verdienstkreuz am Bande der Tapferkeitsmedaille verliehen, dem vor dem Feinde gefallenen Hauptmann R. von Eiß die Allerhöchste belobende Anerkennung ausgesprochen (sign. laud.). Letztere Auszeichnung wurde auch zuteil zum zweiten Male dem Leutnant der Reserve Otto Goldstein, Sappeurbataillon Nr. 13; ferner dem Leutnant der Reserve Rudolf Kohn, Telegraphenrcgiment: dem Leutnant der Reserve Samuel Frankl, Insanterieregiment 83: dem Leutnant der Reserve Kurt Popper, Jägerbattaillon Nr. 6. Der Kaiser hat dem Leutnant, Rechnungsführcr Karl Goldmann, Landsturminfanteriere׳- giment Nr. 11 und dem Verpflegsakzessistcn Ernst Brandcis, Intendanz des 1. Korps, das Goldene Verdienstkreuz am Bande der Tapferkcitsmedaille verliehen. Der Kaiser hat dem Hauptmann, Rechnungsführer Ludwig Löwy, des 16. Korpskommandos für vorzügliche Dienstleistung vor dem Feinde das Goldene Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille, dem Landsturmleutnant Dr. Emmerich Kohn das Militärvcrdicnstkreuz mit ' der Kricgsdekoration vorliehen. Silberne Tapferkeitsmedaille 1. Klasse: Infanterist Jakob Reich, Infanterieregiment Nr. 40; Unterjäger Markus Prager, 3. Tiroler Jägcrregiment. Silberne Tapferkeitsmedaille 2. Klaffe: Infanterist Pinkas Fricdmann, Landsturm-Jnfanterieregiment Nr. 16. Vormeister Abraham Samct. Feldkanonierregimcnt 32; Feldwebel Emanuel Malz, Eisenbahnregiment. Silbernes Verdienstkreuz am Bande der Tapferkeitsmedaille: Titularfeucrwerkcr Marimilian Steinhart, Fcldhaubitzcnregiment Nr. 2. Belobende Anerkennung des Armee-Oberkommandos: Rechnungsunteroffizier Abraham Wolf Hcrinqcr. Infanterieregiment Nr. 38: Korvoral Jakob 'Gutwein, Pionierbataillon Nr 4; Landsturinarzt Dr. Jonas Hauser, Festung Przemysl: Assistenzarzt Dr. Mar Breuer. Die belobende Anerkennung des Oberkommandos der Balkanstreitkräfte für glänzende Leistungen vor dem Feinde wurde ausgesprochen dem Negimentsarzt Dr. Robert Piowaty, Landwehrinfantcricvegimcnt Nr. 32. Leutnant Bennoe Eisenstein vom 3. Ulanenregiment, der bei dcr.Nordarinee im Felde steht, wurde vom Kaiser durch die Verleihung des ..Signum landis" in Anerkennung vorzüglicher Dienstleistung vor dem Feinde ausgezeichnet. Ein jüdischer Fähnrich nach seinem Heldentode zum Leutnant ernannt und mit der Silbernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Vor einigen Tagen ist auf der jüdischen Abteilung des Wiener Zentralfriedhofcs die Leiche des auf dem südlichen Kriegsschauplätze gefallencn Fähnrichs i. R. Oskar Friedmann des Feldjägcrbataillons Nr. 21 in aller Stille beigesetzt worden. An die Eltern wurde ein Schreiben des Bataillonskommandos gesandt, in welchen!ihnen mitgeteilt wird, daß der als Held Gefallene mit der Silbernen Tapferkcitsmedaillc 1. Klasse ausgezeichnet wurde und gleich darauf brachte auch das Militärverodnungsblatt die Ernennung des gefallenen Fähnrichs zmn Leutnant. Das wunderbare Chanukageschenk. Eine galizische Volksgeschichte. I. Zum letzten Male erhielt der jüdische Pächter die kategorische Aufforderung des Gutsherrn innerhalb dreier Tage das Pachtgeld abzuliefern, andernfalls . . . Die armen Pächtersleute wußten, was dies ״andernfalls" bedeutet. Es war, zur Zeit der Leibeigenschaft im polnischen Galizien, da die Herren über Leben und Gut ihrer Leute verfügten. Sie fasteten und weinten und sahen, wenn nicht im letzten Moment ein Wunder geschehen sollte, keinen Ausweg aus der Not. 2000 Gulden betrug die Schuld und keinen einzigen nannten die Armen ihr eigen. Die drei Tage vergingen, und das Wunder war nicht geschehen. Der Pächter mit seiner -»Jtttschs 1 \ Frau wurden ins finstere Erdgelaß geworfen. In der Stadt ließ aber der Gutsherr den Sachverhalt mit Pauken und Trompeten bekanntgeben untz tat kund und zu wiflen, daß er die Gefangenen töten laffe, wenn nicht ihre Glaubensgenossen an ihrer statt für die Schuld hafteten. Die mittellosen Juden vernahmen die grausige Kunde, zuckten mit den Achseln und seufzten schwer. Alle empfanden ihr tiefes Mitleid mit den Schwerbedrängten. Allein, keiner war in der Lage, irgend zu helfen. Ein grauer kurzer Wintertag ging zur Neige. Zum letzten Male ertönte die Aufforderung in den Straßen des Städtchens. Keiner meldete sich. Die Nacht zog herauf.und aus dem dumpfen Erdgewölbe auf dem Gute drang das verhaltene Wehgeschrei der Aermsten zum nachtschwarzen Himmel hinauf. Die letzte Gnade sollten sich die Totgeweihten ausbitten. Ein winziges Wachskerzchen wünschtc der Pächter nur, denn es war erster Chanukaabend und mit diesem Lichte des Makkabäersieges und des Oelwunders wollte er sich und seiner Frau in den letzten Momenten ihres Lebens noch das Licht des Glaubens und der Hoffnung erhalten. Zitternd schimmerte das Wunderlichtchcn hinauf auf die Nachtfinsternis der Straße und zog einen einsam dahingehenden Menschen an. Ein Jüngling, ohne Liebe und ohne Freude als armes Waisenkind von fremden Leuten aufgezogen, blieb vor dem Lichtschimmer stehen und Tränen füllten seine Augen, als er die wehe Klage vernahm. Ob auch sein Vater und seine Mutter, die ihn schutzlos einer fremden, feindlichen Welt überlassen, auf solch schauerliche Weise ihr Lehen beendet hatten! . . . Wieviel das Lösegeld betrage, fragte er eiligst. ״Zweitausend Gulden!" Entmutigt ließ er den Kopf sinken. Seine Erbschaft betrug nur die Hälfte dieses Betrages. Jetzt aber blitzte ein Gedanke in,seinem Ge- Hirn auf. Hannah, das Waisenkind, eine weitläufige Verwandte, die ihm als Frau zugcdacht war, verfügte über die gleiche Summe. Blitzschnell trugen ihn die Schritte zur Stätte seines künftigen Glückes. ״Gib mir dein Geld," sprach er in großer Erregung. ״Es gilt. Großes zu tun. Das Lichtchcn ruft. Es gilt, unschuldige, jüdische Seelen zu retten, so -sei du eine Tapfere Judith." Wortlos legte Hanna ihr Vermögen in die Hand ihres Geliebten, lind schon nach wenigen Minuten durften die Pächtersleute das süße Licht des Tages wieder erblicken. II. Am lebten Chanukatag wurde David — so hieß der Jüngling — seine geliebte Hanna angetraut. Es sah aber trostlos genug aus in ihrem Eheheimc. Ohne Gut. ohne Geld, ohne Haus und Hof und verlassen von aller Welt, so saßen die jungen Ehegatten in der finsteren, kalten Kammer, mit Tränen in den Augen, aber eine unbestimmte, glühende Hoffnung in den jungen Herzen. Am Morgen beschlossen sie. in die Stadt zu wandern, wo David einen wohlhabenden Onkel hatte. Vielleicht wußte dieser Rat und Hilfe. Ten ganzen Tag wanderten sic durch den tiefen Schnee der Felder, vom Winde gepeitscht und vom Froste geschüttelt. Genen Abend kamen sie an einer einsamen Waldherberge vorbei. Vor der Türe stand der Wirt, ein freundlicher Alter, und lud sie mit verbindlichen Worten ein, ins Haus zu treten. Ein reicher Kaufmann, sagte er, kehrte heute abends bei ihm ein und habe ein ovulentes Mahl bestellt, das weder er, noch seine Alte zubcreiten könnten. Vielleicht konnten sie helfen. Sie traten ein und mit flinken Händen richtete Hanna ein köstliches Essen her, daß alles der Bewunderung voll war. Ter Fremde, ein Greis mit seltsamem Glanze in den Augen, dem man es ansah. daß er kein gewöhnlicher Sterblicher war, ließ sich das Wanderpaac vorführen und sagte kurz und gütig: ״Ihr habt kürzlich Eure Hochzeit gefeiert und ich bin Euch das Hochzeitsgeschenk noch schuldig. Als solches sei Euch eine Gutswirtschaft und eine größere Summe Geldes zugcdacht. sind nun ziehet in Frieden!" Seite 6. III. Als die armen Wanderer am zweiten Morgen erwachten, wußten sie nicht, ob die Zusammenkunft mit dem weißbärtigen Alten Wirklichfeit oder nur ein beseligender Traum gewesen war. Indes war keine Zeit zu verlieren und sie gingen weiter. Ein fürchterliches Schneegestöber nahm ihnen fast den Atem, aber mutig schritten sie aus und gingen Hand in Hand ihrem Ziele entgegen. Jetzt kamen sie über eine kleine Brücke und da schien es ihnen, als mischte sich in das schrille Pfeifen des Windes ein menschliches Hilferufen, ein schwaches Kinderwimmern. Kurz entschlossen sprang David in den mit einer harten Schneekruste ganz bedeckten Fluß. Tort lag ein Kind ganz in Schnee versunken. Halb erstarrt, mit der schwachen Stimme eines Sterbenden um Hilfe stöhnend. David holte den. Knaben aus der kalten Masse hervor, hüllte ihn in seine eigenen Gewänder und rief ihn so wieder allmählich zum Leben. Als das Kind die Sprache wieder gewann, erzählte es, daß es der Sohn eines reichen Guts- Herrn sei. er habe sich auf einem Spaziergange hierher verirrt und war im Schnee stecken geblieben. Nun galt es mit dem lebenden Funde kehrt zu machen. Als die Wanderer auf dein Gut ankamen, fanden sie dasselbe in hellstem Aufruhr. Reiter waren nach allen Richtungen ansgesandt, um den Verschollenen zu suchen, die Eltern rangen verzweifelt die Hände. Als sie aber ihr Kind lebend im Schutze der Juden entdeckten und den Sachverhalt erfuhren, ergingen sie sich in heißen Danksagungen an seine Lebensretter. ״Was wäre uns das Leben und das Vermögen!" sagten sie unter Tränen. Als Belohnung bekam David die Krugwirtschaft als ewiges Geschenk und einen vollgefüllten Beutel. Als David den Beutel öffnete, fand er neben anderen Scheinen einen Umschlag, in dem zwei tausend Gulden enthalten waren. Unsere Mitarbeiter im Felde. Russisch-Polen, Erev Schaboß. Geehrter Herr Redakteur! Der Krieg hat mir die erste Gelegenheit gegeben, meine Volksgenossen in Galizien und Rußland an Ort lind Stelle kennen zu lernen. Wo wir Juden trafen, wurden wir freudlich empfangen und mit allem versehen, wonach wir lechzten. ' Heute habe ich die Gelegenheit voraussichtlichen Aufenthaltes benützt, von einer gutmutigen polnischen Familie zu Juden zu übersiedeln. Ich machte mit den Leuten Schaboß, sie freuten sich sehr. Uebcrhaupt hat man es hier sehr gut, wenn inan sich ״zu erkennen gibt". Ich nahm in einem Hause ein Buch zur Hand und begann zn lesen. Der kleine Junge rief fröhlich aus: ״Es iS a Jid, er kenn dawnen." Unsere Niederöfterreicher fühlen sich in den Judenhäufern sehr wohl und trinken sleißig Tee. Ausschreitungen fallen nicht galizischen Truppen zur Last, die sich hier wie zu Hanse benehmen möchten. Ich bin den zweiten Monat im Felde. Man macht viele Strapazen und Aufregungen mit. Beim letzten Sturm sind zwei Volksgenossen, Dr. Fri schauer, Leutnant, und Fähnrich Wetzler gefallen. Fähnrich Frank verwundet, im Felde stehen ’* Hauptmann Dr. Winter, Kdt. des 2. Bataillons, Leutnant Ziercr. Finkler, Teller, Fähnrich Günsberg, Dr. Fischl, Lüftschitz. Gq. Dr. Rosenheck lKadimahs ist Ordonnanzoffizier bei der Artilleriebrigade, bei der SanitätSanstalt sind mehrere jüdische Aerzte und ein Feldrabbiner. ES ist ein allgemeiner Kainvf für die Freiheit aller Völker. Und es wird nicht leicht sein, Rußland recht zu brechen. Es war für mich ein eigenartiges 0k. fühl, als ich ohne Paß bei Granica über die Grenze fuhr. Ich stand am Trittbrett und rief begeistert: ״Nieder mit Rußland!" Preußen erwarteten uns auf russischem Boden und Juden brachten uns das frische Morgenaebäck. Hier im Judenhause empfängt mich nach Wochen wieder