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Jüdische Volksstimme · 1914-11-26 · Heft 42 (26.11.1914) · page 1

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 42 (26.11.1914)
Date
1914-11-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Jahra. XV. Erscheint jeden Mittwoch Nummer 42. Mische Dilksßmmt. Bezugspreise: | Für Oesterreich-Ungarn, halbjährig . Kronen 6-20 I ganzjährig.Kronen 12 — I Deutschland, ganzjährig.Mark 12 — Ruhlarid, ganzjährig ....... Rubel K-— Balkan, Frankreich ........ Franks 14-— (Tirols) Herausgeber: Max Hickl.! Redaktion und Administration: Brünn, Adlergajse 9.! Bnchhändlerische Bertrelnng: Otto Klemm, Leipzig, j Inserate: die öspaltige Petitzeile 30 h. \ Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht hono> j riert. — Manuskripten ist Rückporto beizufügen. Wien—Budapest. Brünn, 2f;!•“[“‘5914,״ Prag—Lemberg. Der Islam als Bundesgenosse. Non Dr. I. Eiscnberg, Dobrzisch. Mitte Juli 1014, kurz vor Ausbruch des Weltkrieges, ging mir eine Einladung der Nniversität Orford zu, am siebzehnten Orientalisten- .Kongreß teilzunehmen, welcher im September 1015 dort stattfinden soll. Ein Blick ans die illustreu Namen der im Jahre 1012 vom 10. Orientalistenkongreß zu Athen berufenen Komiteemitglieder, die mit der Aufgabe betraut wurden, die hiezu erforderlichen Vorbereitungen zu treffen, läßt erkennen, daß unsere großen Männer ihre Mitwelt mit ganz anderen Errungenschaften zu beglücken gedachten, als die traurige Gegenwart ihr bietet. Männer, wie Goldzieher (Budapest), Grude (Rom), Kuh (München), P. Haupt (Baltimore), Hurgronje (Heiden) 11. v. a., welche die erwähnte Einladung schmücken, bercchtigcn zu dem Schlüße, daß der Weltkrieg selbst den höheren Kreisen gar überraschend kam. Man bedenke, daß Fürst Curzon of Kedlciz, Kanzler der Universität Orford, als präsumtiver Präsident des Kongresses im Verein mit den Kanzlern und Professoren der übrigen zehn Universitäten Groß-Britanniens und Irlands sich sür den Empfang der hervorragendsten Männer der Wissenschaft aus Deutschland, Oesterreich und anderen Ländern rüsteten, zu einer Zeit, da Eduard Grcy, Jswolsky et tutti quanti durch ihre Politik der Unaufrichtigkeit den Weltbrand entzünbcfcxt I Statt die österreichischen und deutschen Forscher in den Hallen der ältesten Universität Englands zu begrüßen, sendet nun die englische Regierung ein Heer nach dem anderen der crotischen und wilden Kämpfer aus, um die allgemeine Verwirrung zu steigern und das lodernde Feuer desto stärker auzufacheu. Freilich erkennen wir aus den häßlichen Formen, die das Blutvergießen bisher angenommen, daß die Spannung unter den Streitteilcn schon lange bestehe, daß die sogenannten eingeweihten Kreise diese Ercignisse seit Jahren befürchteten und daher die hiezu nötigen Vorbereitungen trafen. Freilich verstanden cs die höheren Sphären hüben n. drüben Feuilleton. Der Sarg des Nabbi. Aus der Schreiner-Werkstatt dringt Schrilles Sägen, dumpfes Hämmern, Doch kein Arbeitsliedchen klingt In dem winterlichen Dämmern. Eine alte Platte hält Tort der Meister in den Händen, Mißt und prüft, wie sie bestellt, Um und um läßt er sic wenden. ״Was mag nur dem Alten sein?" Nannt's im Kreise mit Gespöttc, ״Schier andächtig schaut er drein, Tastet zärtlich an dem Brette." ״Was soll hier der Trödelkram» Meister", meint der Altgeselle, ״Dir zu Sorg' und Plag', wie kam Er nur über deine Schwelle?" jene volksfreundliche Diplomaten, welche den allgemeinen Frieden zu verteidigen vorgeben und dabei den Krieg aller gegen alle anzetteln, die drohenden Gefahren zu verheimlichen, die daraus hinzielenden Kundgebungen verhüllt und zweideutig abzufassen und öffentlich den Frieden zu predigen, während sie einander im geheimen. Haß,und Feindschaft entgegeiibrachten. Freilich verstanden es jene Zertrümmerer des Weltfriedens der Menschheit den ewigen Frieden anzutragen, Friedenshallen zu erbauen und heimlich dabei jene Instrumente zu schmieden. welche nunmehr diesen Tempel zerstören und dessen Fundamente erschüttern. Als wahren Lichtstrahl in dieser trüben Zeit erkennen wir die Tatsache, das; die Völker selbst diesen Bestrebungen ihrer di- Plomatischen Vertreter gar fern stehen, das; unsere großen'Männer, die Zierde ihrer Völker, ein Zusannnentreffen in jenem Lande verabredeten, welches nun die gelbe und die schwarze Rasse gegen die weiße bewaffnet und Asien gegen Europa in den Krieg hebt. Die erlauchten Geister der englischen Nation hofften im nächsten Sommer die Orientalisten der ganzen Welt in ihrer Heimat zu begrüße» und einen Gedanken- und Ideenaustausch derselben über Sprache und Kultur, Religion und Ethos der ostasiatischen Naturvölker zu ermöglichen. Erscheint es nicht seitsam, daß andern erlauchte Geister derselben Nation nun diese ostasiaiischen Wildlinge zum Kriege gegen Europa zwingen. damit sie Tod und Verderben verbreiten? Erscheint es nicht seltsam, daß das kulturell hochentwickelte England sich mit dem kosakisch. Zarismus verbündet, um die Macht der schwarzen Banden zu stärken und das traurigc Los der dort unterdrückten Völker desto elender zu gestalten? Das unglückliche Jahr 1011 zerriß unter den europäischen Völkern die Bande der Verwandtschaft, zerstörte die Gefühle der Blutsgemeinschaft und vernichtete die Beziebunaen der.Religion, Nasse und Kultur. Das Jahr 1014 knüpfte aber vor keinem Scheiden auch Ban de der Wafsenbrüderschast;wischen verschiedenen Rassen und Bekenntnissen, führte den rechts und links angegriffenen deutschen ud österreichischen Staaten die tapfere türkische Nation als wert vollen Bundesgenossen zu und zeigt uns auch ״Schweig! die Stirne macht's mir beiß, Daß ein Sarg daraus nun werde, Einen frommen, milden Greis Bald zu betten in die Erde." ״Dieses Rätsel rat mir wer, Meister, ich sags unverhohlen. Liegen nicht genug umher Tannenbretter, Eichenbohlen?" ״War der Tote denn nicht wert Einen Sarg aus neuen! Holze, Oder wird es so begehrt Von absonderlichem Stolze?" ״Hör, Gesell! in diesem Schrein Ruh' ein Mann, der war im Leben Lichter Tugenden Verein, Allem Edlen hingegeben. Einem Tische, altargleich, Jst's entnommen, mit ihm messen Können sich im Waldbereich Nimmer Cedcru noch Enpressen.; den Islam als Freuno und Mitkämpfer für stecht ' und Gerechtigkeit, Freit,eit Mio Brüderlichkeit. Ja selbst die verschiedenen Schattierungen im rcchoße des Islam, die Jahrhunderte lang ein ander haßten und einander zahllose Wunden schlugen, versöhnen sich, um gemeinsamen christ lichen Freunden zur Hilfe zu eilen und um ge meiusame christliche Feinde niederzuringen. Tür ken und Perser, Gunniten und Schiiten, Orkbodoie und Sektierer sehen wir nun im Kainpie vereinigt, um das Joch der russischen, englischen u >d französischen Iliiterdrücker abzuschütteln. Tie ilber anderthalb Jahrtausende alten Streitfragen, ob der Koran erschaffen oder von ewigen Zeiten her sei, ob er wort- oder sinngemäß ausgelegt wer den müsse, verstummen und der Dschihad, der hei lige Krieg, wird entfesselt. Es ist jener Dschihad fi salul-illahi, jener Kampf für Gott, den der Koran «Sure 2, Vers Inh 10«, und Vers 212 211, den «Bündigen zur heiligsten Pflicht macht, sobald sie von llngläubigen angegriffen werden. «Vgl. Erodus. Kap. 47׳ Vers 1«>. .Kampf Gottes mit?!malet). In diesem Falle sind die Verehrer Muhameds verpflichtet, selbst im heiligen Monat Kamadan. selbst an den!,eiligsten Stätten und selbst in der Moschee ihre Angreifer dem Tode zu weihen und dürfen 'keine Schonung walte» lassen. Wer hätte es je geahnt, daß die persischen Schiiten, welche die Souveränität lediglich ׳Ali. dem Schwiegerfolm Mnliameds und denen Hans, zuerkeiinen und jeden anderen Elialisen aufs heftigste bekämpften, vor einem Fetwa des tür kischen Scheich e!-Islam sich beugen und dem :Huf des Sultan nach einem heiligen .Kriege Folge lei neu werden? Schiiten und Sunniten, Perser und Vollblnraraber, streiten über die Frage, ob die Koranverse, welche Gott antbropomorphisch, d. b. als mit körperlichen Glieder» behaftet schildern, wörtlich oder nur bildlich anfznsassen seien, be kämpften einander aufs heftigste und fügten ein ander endloses Leid und endloses Webe zu. Wer hätte es je geahnt, daß solche religiöse Streit punkte in den Hintergrund treten, daß die moba medanifchen Sekten einander die Hand reichen!verden, da es gilt, dem Islam feindliche Mächte zu bekämpfen? Tie Moslims. die für den Sieg der österreichischen nub deutschen Waffen in ib An dem Tisch mit Hellem Sinn, Klaren Geistes forschend, saß er. Heil'gem Wissen zum Gewinn, Lehrte mild mit Weisem Maß er. Alter Weisheit zngestellt Hat er frohe Lebensfrifche. Kärglich war sein Mali! bestellt. Reichlich Armen ans dem Tische. Zwist und Hader wuszt' er da, Seelenknndig, klug zu schlichten, :liat zu spenden fern wie nah. Gramgebengte auszurichten. Pflichten. Wünsche fanden liier Stets Erfüllung und Gewährung: Rings umgaben ilm dafür Treue, Liebe und Verehrung. Segenspendend hat er d'ran Fünnindvicrzig Jahr' gesessen. Wem er jemals wohlgetan. Bleibt das Tischblatl unvergessen.

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