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Jüdische Volksstimme · 1914-11-04 · Heft 39 (4.11.1914) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 39 (4.11.1914)
Date
1914-11-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 39. Leite ft. Wegen tapferen Verhaltens vor dem Feinde wurde der jüdische Oberleutnant Aonrad Sachse! der 27. österreichischen Landwehr-Infanteriedivisiou saus Prag) vorn Divisionär belobt und zu!» Kompauiekomuiaudauteu ernannt. Ans dem Feldpostbriefe eines ungarischen Landsturm-Feldwebels. .... Es ist unerhört, wie das russische Heer mit seinen polnischen und jüdischen Soldateu umgeht. Diese werden nach den gefährlichsten Punkten׳ geschickt. So wurden z. B. beim Angriff auf die Festung Przemysl .׳,ur Erstürmung der Festungsschanzen nur polnische und jüdische Soldaten verwendet. Als diese von unseren Truppen zurückgeschlagen wurden, sind sie von binten durch die Maschinengewehre ihrer eigenen Truppen zum erneuten Angriff gezwungen worden. Alle Gefangenen berichten dies. Unter den gefallenen Russen ist auffallend viel jüdische und polnische Mannschaft. Diese werden einfach zur Schlachtbank geführt. Rührende Szenen kann inan hier sehen. Einzelne jüdische Solbaten haben vor dem Festungsangriff ihren weisten Mittel, den inan ain Iomkippur trägt, angezogen. In ihren Taschen fand man Briefe, in denen sie unsere jüdischen Sanitätssoldaten und diejenigen, die sie beerdigen, bitten, bei ihrer Auffiuduilg und nach ihrer Beerdigung einen Kaddisch nach ihnen zu sagen. Tie russischen Offiziere benehmen sich sehr feige. Bei den Angriffen sind sie immer hinten und treiben die kämpfende» Soldaten mit Kcitttschuschläge» in die Feucrlinie. Nosch-Haschono, Jom-Kippur und Sukkoth haben wir — einzelne, denen ihr Dienst es gestattete — wundervoll verlebt. Gottesdienst haben wir in einer kleinen Bauernstnbe eingerichtet. Eine Lefcr-Thora bekainen wir aus einer Privatshnagogc des benachbarten Przemysl. Einen sehr guten Vorbeter hatten wir in der Person eines sehr religiösen Landsturinfeldwebels. Der Gottesdienst wurde in einer sehr innigen und andächtigen Weise gehalten. So viel Personen, so viele Waffengattungen haben daran teilgenoiilinen. Infanterist, Husar. Artillerist, österr. Landwehr, Ulaner, Dragoner, Sanitäter und 2 Offiziere bildeten das andächtige Publikllm. Der Uiilstand, dast am Jom-Kippur ein sehr starker Festuiigsangriff stattfand und man den ganzen Tag fürchterlichen Kanonendonner hörte, trug noch zur Erhöhung der andächtigen Stimmung bei. Es scheint doch, das; der liebe Gott unsere Gebete erhört und uuseru Truppen zum Sieg vcrhalf. Heiteres aus dem -Kriege. Ein französisches Armeekorps begleiten ein katholischer Pfarrer und ein jüdischer Rabbiner. Pater Rarp und Rabbiner Ginsburger sind immer zusammen und spenden den Sterbenden lebten Trost bis in die vorderste Linie. Jüngst kamen sie völlig erinüdet iil ein Dors, wo nur noch ein einziges Bett zu haben war. So legten sie sich dann beide zusammen angezogen hinein. um zu schlafen. Ta wandte sich der Rater zu dem Rabbiner und sagte: ״Schade, dast uns nicht ein Photograph so knipsen kann: das alte und das neue Testament, schlafend in demselben Bett." Bor dem Feinde gefallen. Hauptmann Hermann Ritter v. Eist, M0111-- Mandant der 1. Kompanie des 11. Sappeurbataillons. ein hoffniingsvoller junger Offizier, ist äin 11». Oktober auf deiil nördlichen Kriegsschauplätze gefallen. Er war der Sohn unseres Gg. des Generalmajors Alerander Ritter v. Eist, des ehemaligen Kommaiidanteu des Briiuner Landwehrinfanterieregimentes und der Reffe des Oberfiuanzrates Dr. Fried in Brünn. Das rote .Kreuz und der Antisemitismus in Deutschland. In Deutschland hat sich der Fall ereignet, dast Saininclstellen des ״Roten .Kreuzes" von Juden keine Spenden annehmen wollten! Von dem stellvertretenden Militärinspekteur der freiwilligen Krankenpflege, Herrn Fürsten Hatzfeld. Herzog Trachenberge erhielten nun die Mittei- Illilgen des Vereines zur Abwehr des Alltisemitisiillis unter dem ä. Oktober folgendes Schreiben- ״Es ist mir initgeteilt worden, dast ihrem Verein Material zugegangen ist, aus dem sich das Bestehen antisemitischer Tendenzen in! ״Noten Kreuz" ergeben soll. Ich roäre dankbar, wenn Sie mir Einsicht in das Material verschafften, um eine Prüfung und Klarstellung zu ermöglichen. Ich würde es sehr bedauern, lveun — selbst von einer untergeordneten Stelle — im ״Roten Kreuz" eine antisemitische Handlung begangen worden wäre, und ich würde dann unnachsichtlich und nachdrücklichst dagegen einschreiten. Hatzfeld." Die .,Mitteillingen" bemerken dazu: Unsere Freunde werden gebeten, etwaige Beschwerden uns zu übermitteln. Wir werden nicht verfehlen, sie der zuständigen Stelle zu unterbreiten. Kriegsbegeisterung in Palästina. In Palästina herrscht seit Beginn der Mobilisieruug groste Kriegsbegeisterung. Wie das Wiener zionistische Bureau meldet, hat der jü dische Turuvereiu in Jerusalem eine jüdische Legion ausgestellt, die dem Sultan ihre Dienste angeboten hat. Die Legion ist bereits ins Feld gezogen. Todesfälle. Vorige Woche ist in Wien der pensionierte Generalmajor Heinrich Ulrich Edler von Trenkheim im Alter von l7׳ Jahren verschiede». Als Sohn eines Stabsarztes in Lemberg geboren widmete er sich der militärischen Karriere unö avancierte, trotzdem er dem Iudentume treu blieb, bis zum wirklichen Generalmajor. Als Ritter der Eisernen Krone III. Klasse erhielt er den Adel. General von Treukheim war der ersre Jude in Österreich-Ungarn, der als General gestarben ist. Es ist daher auffällig, dast, während der Wiener Kultusvorstand im Jahre tsss den׳ verstorbenen Artillerie-Obersten Adolf Beer ein Ehrengral׳ gewidmet hat, diesmal von einer Ehrung ganz abgesehen wurde. Auszeichnungen. Oskar Freund aus Budweis erhielt das goldene Verdieustkreuz mit der Krone am Baude der Tapferkeitsmedaille. Julius Soter aus Göding, Abraham Freimau», Zugsnihrer Burbaum, Feldwebel Gedalje Hilsenrat, Feldwebel Leo Lustig. Freiwilliger Ingenieur Rich. Adler, Reservist Adolf Breit. Fähnrich Wilbelm Wunderlich und Korporal Schick erhielten die iilberne Tapferkeitsmedaille l. Klasse und Stab׳- arzt Dr. Sandor Kanizsan das Ritterkreuz des Militär-Verdienstkrenzes, Tr. Albert Schön- Hof, Brünn, die silberne Tapferkeitsmedaille. Aufruf! In Dambvrzitz uud Umgebung wurden bis 10U0 galizische jüdische Flüchtlinge untergebracht. Das Elend dieser unglückliche» Glaubensbrüder ist groß. Der gefertigte Kultusvorstchcr der hiesigen Gemeinde bittet dringendst um Zuweisung von Kleider, 'Wäsche und Gelder. Spenden sind an die Kultusgemcindc Damborzitz, Mähren, abzusenden. S. Hajck, Kultusvorsteher. «Korrespondenzen. Trebitsch. Sonntag, den 2.">. Oktober verschied nach kurzem Leiden Frau Johanna Putzka im Alter von 7s Jahren. Der unerbittliche Tod hat mit dem Hinscheideu dieser Frau einen edlen Geist zerstört, eine echte, jüdische Frau, der leider so selten werdenden alten Garde, durchdruugen von den Worten und Lehren der heiligen Religion, eine Zierde au Gesinnung, eine wackere Arbeiterein aus dem ihr angewiesenen Platze, getreu in der Erfüllung ihrer Pncht, ein marines Herz, eine treue Seele. In ihrer rühmenden Bejcheidenheit. ihrer Frömmigkeit, ihrer Herzensgüte uud Opferwillikgeit, in ihrem schlagenden jüdischen Humor und in ihrem Frohsinn selbst noch im vorgerückten Alter stand die Verblichene wie selten eine da. Liebe gebend, war sie auch ge liebt und so durfte sie auf ihr Tagewerk zurück blicken, bis der Unabwendbare das Auge ihr schloss und so durfte sie dieser Welt, die so mauches Herbe und Bittere ihr brachte. Lebewohl sa gen mit dem Bewusttiein ihre Pflicht erfüllt \u haben. Ii» Interesse der Tempelverwaltung. der sie durch mehrere Jahrzehnte »!!gehörte, hat >ie srers das beite gewollt und hiefür ihre besten Kräfte eingesetzt Hieran schlos; sie eine Reibe hu manitärer Akte. Akte des Wohltnils und der Liebe. Und dies alles mit tunlichstem Ausschius; der Oeffentlichkeit. in tunlichster Stille. Die am 2N. d. M. skattgefundene Leichenfeier gestaltete sich zu einer imposante» Trauerfniidgebuug für die teuere Verblichene -Sr. Ehrwürdeu Rabbiner Dr. Johann Stöstler entwarf in rührenden War ten ein getreues Bild über das Leben und Wir ken der Verblichenen als Frau, Mutier und Mensch, ivelches auf die zahlreichen Trauergäsie einen tiefen, nachhaltigen Eindruck machte. Die rituellen Gebete und Gesänge trug Herr Kantor Kurzweil in wirkungsvoller Weise vor. Mögen die trauernden Hinterbliebenen in dem gonge fälligen Wirken der t. Verblichenen Trost und Linderung ihres unsäglichen Schmerzes finden. X K. Muriculmd. Wie ein Blitz aus heilerem Himmel verschied plötzlich der hiesige Bankdirek tor. Herr Julius Heller im ll. Lebensjibre. Der Verklärte war eine allseits verrinne Per sönlichkeit. An seiner imposanten Leichenfeier beteiligten sich alle Geiellschasskreise. darunter Vertretungen der!!!eiigen Behörden uud d!e Geistlichkeit. In der Zeremonie»!!»!!-׳ intonierte der Kantor Herr Goldberg, begleitet vom Ebor personal eines Tranerchocals.!vorauf Herr :>!at׳ biner Dr. Diamant in einem tief empfundenen Nachruf die vielen Vorzüge des Dabiugeschiede nen pries und ihn besonders als ivarm nilsk'i! den Juden und edlen Menichen nach Verdieail würdigte, den, das Wohltun jederzeit ein Ver gnügen!vor. Roch kurz vor seinem jälien Hin scheiden widmete er groste Smumeu jüdische» und patriotischen Zwecken. Wien. Am 2:5. Dktober starb hier Herr Iiak Weist. Kantor und Religiouslehrer i. R. ans Tobikichau. Derselbe wirkte seit einem ganzen Menschenalter pflichttreu und gewissenbaft!11 seiner Gemeinde zum Heile und Segen aller Be lrolmer sowie ׳einer :hm aiiverlrantcn Säniler. lvie auch iIm in seiner Trauerrede Ebrivürden Rabbiner Dr. Taglicht als Mnstermenschen ichil derte. Krakau. Die Stadt bekottiinl allgemach wie der ihr gewohntes Gesicht. In de» letzten Tagen kehren galizische Flüchtlinge zu Tausenden liier her zurück. Besonders stark nt die Rückwände rnng der jüdischen Bevölkerung, die in Mähren untergebracht war. Die Beamten, die iliren Amtssitz in Miitelgalizien haben, kelireu cirost tenieils ohne ihre Familie zurück. Doch liegt das Geschäftsleben noch ׳'ehr darnieder und die Rück kehrenden befinden sich in groster 'Rot. Leipzig. Herr Rabbiner Dr. :lieinbold Le win. ׳weiter Rabbiner der l,!eiigen Israelin scheu Religiousgenieiude. ist zum Feldrabbiuer für die König!. Sächsische Armee ernannt!vor den und gebt demnächst ins Feld. Posen. Ter Reservist Dietrich Malzdorii. der vor seiner Einbernfnng zur Falme in Poieu als Angestellter in einem läeschäste tätig gewesen iil. machte die Kämpfe ans dem östlichen Kriegsichan Platze mit. In einem Gefechte gegen die Rüsten rettete er seinem schwerverwundeteten L derlei,! nant und Kompauiefübrer das Leben, indem er ilni mitte» ans dichtem Kugelregen ans der >׳>e fechkslinie beranstrug und ihm Deckung znni Verbinden brachte. Der Gereuete beiiiniinke Malzdoris zu seinem Begleiter nach Breslau, wo er sich von ihm pflegen lästt. Der brave Soldat erhielt als Belohnung vorläufig einen vierzehn tägigen Urlat.b zum Besuche seiner Attgeliörige». Mrünner Nackiric^ten Bibcifchulc des Vereines Machsike H,1S»s, Adlergasse Nr. 12. Der Unterricht an der Bibel schuie bat bereits begonnen. Ea. 12h Knaben und Mädchen erhalten Ilnzerricht. Es können noch eine kleine Anzahl Schüler Ausnahme finde». Für Mittelschüler wurde keuer ein separater he bräiicher Sprachkurs errichtet. Einschreibtinge» fön neu täglich vo» 5 «! Hin־ nachmittags vor

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