Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 39 (4.11.1914)
- Date
- 1914-11-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 4. »Attische Nr. 39 Kunckscdau. Juden im indischen Heere Englands. Bekanntlich bat England, welches nicht imslande war, im eigenen Lande selbst für Geld eine enlsprcchende Armee gegen Deutschland aus die Beine zu stelle», indische Truppen nach Enropa gebracht, um sie gegen die deutsche Armee losznlasscn. Unter diesen sogenannten Gurkhas befinden sich nun. wie man ans RcwBork bcrichtet, auch eine Anzahl von Mitgliedern eines uralten bindnstanischen Stammes, der sogenannten ״Beni Israel". Der Präsiden^ der angesehe- »en ״Independent Hindustan Societh", Dr. Nugcrki gab auf eine diesbezügliche Anfrage eines jüdischen Journalisten die folgende 'J11Uu'iut: ״Die Irage ,ob unter den Gurkhas, deit Soldaten unseres unglücklichen Vaterlandes, sich auch ״Beni Issrael" befinden, mus; ich bejaben. Es tut uns aiisrichtig leid, das; sie sowie andere unserer Hindustaner Landlente gegen unsere besten Freunde, die Deutschen, in den Kampf zieben, um England, das uns beraubt und ansgesogen bat, zu belfen. Das ver!>rsacht uns liefen Schmerz und aufrichtige Kränkiing, denn kein Volk bat zur Verbreitung und Förderung der Literatur, Knust und Phhlosophie des alten Indie» so viel beigetragen, wie deutsche Gelehrte, welche die Welt mit der alte» Kultur, Buddhas bekannt gemacht baben. Wenn nicht die Deutscheu Mar Müller und andere wären, würde Europa vielleicht noch beute nicht die prachtvolle Sanskritliteratur des alten Indien kennen. Und nun kommen diese Hindus und bedanken sich dafür bei den Deutschen mit dem Schwerte in der Hand." Die ״Beni Israel", welche sich in Indien noch vor der Zerstörung des zweiten Tempels niedergelassen batten, wurden vor allem von den deutschen Gelehrten entdeckt und erforscht. Und nun werden auch diese gezwungen, wider Willen gegen Deutschland und seine Kultnr zu Kampfe zu zieben. Wie er sich das Eiserne Kreuz verdiente. Herr Hermann M anfntaim, Eschweiler schreibt unterm 20. Oktober: Wir sind noch im- »!er mitten im Gefecht und keiner weis;, wann wir von bier abzieben. Es ist ein Glück, das; neulich trockenes Wetter wurde ~ vorder war es einem furchtbar zu Mut, es regnete unanfbörlich, oder es war so kalt, das; stundenlang der Hagel niederschlug. Zwei Tage lang war ich bis ans die Knochen durchnäßt und batte dazu nur eine einfache Drellbose an (die andere feldgraue war uingsi zerrissen». In diesen schweren Tagen, da einem obendrein der Hunger quälte, batte ich zwei äußerst gesäbrliche und wichtige Patrouillen gegen die Engländer. Vor mir auf ■‘Mi Meter erbielt ein Kamerad von einer anderen Kompanie einen Kopfschuß, sprang boch und war tot. Ich mußte aber trotz allem noch weiter an die englische Siellung beran, eine unsagbar mübsame Arbeit, im Mantel an die 1000 Meier kriechen, dnrch Bübenacker. der ausgeweicht war wie ein Dumps und einem den Fuß gar nicht mehr losließ. Endlich war ich weit genug, die Engländer deutlich beobachten zu können, lag noch über Siundeu im Nassen und batte dann alles Wissenswerte und Wissensmögliche ausgezeichnet. '.1um kam noch ein schweres Znrückkricchen: trotz aller Listen —- ich ließ meinen Helm auf einein Holzstück zurück, damit sich darauf die Aufmerksamkeit der Engländer konzentriere bekam ich, genau wie beim Herankriechen, einen starken F 'grüß. Als ich später mit der Meldung;11111 ״׳״icutsslab kam, wurde sofort mein Name 1.״" Stzind notiert und mir mitgeteilt, das Kreuz sei mir bestimmt. Hilfsaktiv« für Ercz Israel. Am 11. ds. Monats trat die ״Deutschbolländische Palästina-Verwaltung" zu einer Pleiiarversammlung zusammen, zu der außer de» biesigen Verwaltnngsmitgliedern eine Anza bl Zerren van auswärts, auch Vertreter der Pekidim und Amarkalim in Amsterdam, erschieneu waren. Den Gegenstand der Tagesordnung bildete die eingebende Beratung der augenblicklichen Notlage im heiligen Lande, insbesondere die Frage, wie den deutschen Institutionen in Jerusalem und den übrigen Städten, sowie den Schulen in den Kolonien zu belfen sei. Es wurde beschlossen, die Aufmerksamkeit der führenden .Greife in Nmerika neuerdings aus die große Not zu lenken, von welcher die jüdische Bevölkerung in Jerusalem und den übrigen Zentren Palästinas, namentlich Dassed, Tiberias und Hebron bedroht ist und die im Verhältnis zur allgcmeinen Weltlage mit jedem Tage größere Dimensionen annimmt, sowie ferner einen allgemeinen Alisruf für Ercz Israel, besonders zu Gunsten der von Deutschland unterhaltenen Institutionen zu erlassen. Weitere Beratungen wareu dem komplizierten Problem der Geldüber- Weisung nach Palästina gewidmet. Wie wir erfahren ist eine Lösung nunmehr gesunden, sodaß die Gelder voraussichtlich in aller Kürze in gelvohuter Weise überwiesen werden können. Der Vertreterder ״Deutsch-Holländischen Palästina- Verwaltung" in Jerusalem, Herr Rabbiner Horovicz, der bei Kriegsausbruch aus einer llrlaubsreise in Europa begriffen war. kann als österreichisch-ungarischer ilntertan zurzeit nicht nach Palästina zurückkchreu. Es wurde daher bcschlossen, Herrn Rabbiner Horovicz mit der Wabrnehmung der Verwaltungsinteressen in Europa zu betrauen. * Hamburg. Ilm der in Palästina augenblicklich berrschcndcn, furchtbaren Not zu steuern, bildete sich hier ein Komitee, bestehend aus den Herren W. Wreschner, A. Ettlinger, Jonas Strauß, Arnold Eohu, Jos. Bachrach jr. Unter der Aegide des Herrn Oberrabbiuers war zum gestrigen Sonntag nach den Näumcu des Vereins Mekor Chajim eine Sitzung cinbernfen, zu der Vertreter der verschiedenen Organisationen, sowie Privatpersonen geladen worden wareu. Der Herr Oberrabbiner teilte in seiner Begrüßungsanspr-ache mit, das; die Ehevra Kadischa Laugenseldc bereits Mk. - für Erez Iisroel-Zivecke zur Verfügung gestellt hätte. Das Ergebnis der längeren Anssprache war, daß ein Ausschuß, bestellend aus dem Obcrrabbincr, Hermann Gumpcrtz, Aron Auerbach und Dr. Kal- »ins, gewählt wurde, dem die Organisation einer umfassenden Hilfsarbeit übertragen wurde. Auszeichnung eines Brunners. Der Fähnrich des S. Inf.-Reg. Richard Hirsch teilt seinen in Brünn lebenden Eltern unter dem 17. d. M. mit: ״Ich habe heute die silberne Tnpferkeitsviedaille erhalten. Ich bin jetzt der zweite ausgezeichnete Offizier im Regiment. Diese Auszeichnung erhielt ich für folgendcs: Ich drang bei 'Nacht in einen tagsüber von starken russischen Kräften besetzten Ort ein und schickte den׳ Regiment wichtige Mitteilungen über die russischen Verteidigungsanlagen in diesein Orte. Brockensannnlnng für jüdische Arme i n Wien. Infolge des Massenandranges der Armen, die sich zur Verteilung melden, sab sich der Vorstand genötigt, das Lokal in der Pfeilgasse anszulassen und ein größeres Lokal zu nehmen, das Dank der Bereitwilligkeit des Herrn Hausbcsitzcrs Zerzawh dem Vereine gratis zur Verfügnng gestellt wurde. Das Lokal befindet sich i!>. Bezirk. Glatzgasse I. Die Verteilungen finden Montag, Mittwoch und Freitag von :»—4 111)1׳ daselbst statt. Große 'Nachfrage herrscht nach warmen Paletots, Hosen Röcken und warmer Unterkleidnng. Die armen Flüchtlinge haben oft nur die notdürftigste Kleidung; sie frieren, sehen mit Bangori den kommenden Frosttageu cntgegen. Entbehrliche Herrenkleider bittet man baldigst an das Komitee der Brockensammlung für jüdische Arme, 10. Bezirk, Glatzgasse I zu senden, desgleichen Betten, Decken, Einrichtungsgegenstände. Artillcriklcutnant Otto Altmann zeichnete sich bei der Verteidigung von Przciupsl aus. Bei der heldenmütigen Verteidigung Przemtzsls zeichnete sich auch Artillerieleutnant Otto Altmann dnrch seine besondere Tapferkeit aus. Als Batteriekommandant wies er die ans die Forts anstürmenden Russen zu wiederholten Malen ab und erwarb sich dadurch die Auerkennung und Belobung seiner Vorgesetzten. In seinem bürgerlichen Berufe ist Artillerieleutnant Otto Altmaun Maschineningenieur bei den deutschen Motorwcrken in Ober-Ursel. Seine Elltern leben in Wien, der Vater, Doktor Karl Altmann, ist ein renommierter Arzt. Die Heldentat des Oberleutnants Aladar Taussig. Im Zusammenhänge mit der heldenmütigen Verteidigung von Przemysl haben die Berichte vom KriegssckMiplatze in rühmender Weise der Heldentat eines Fl.iegeroffiziers gedacht, der unter Lebensgefahr trotz der heftigen Beschießung durch die russischen Belagerungstruppen mit wichtigen Nachrichten in der Festung landete und hierauf zum Hauptquartier auf demselben Wege unter neuerlichen Gefahren znrückkehrte. Dieser Fliegeroffizier war der jü- Lische Oberleutnant Aladar Taussig. Tic Heldentat eines jüdischen Oberstabsarztes. Oberarzt Dr. Wilhelm Frank, Sanitätschef der :>-1. Infauterietruppendivision, hat in allen bisherigen Gefechten das Truppendivisionskommando unerschrocken in die Gefechtslinie begleitet und die Verwundeten aufs sorgsamste betreut. Ter Belobungsantrag schildert den Stabsarzt als tüchtigen Mlitärarzt, als einen ״Mann mit echt soldatischen Gefühlen und viel Herz". Auch in. den nächtlichen Uckternehmungen vom t>. ans den 10. September (bei Grodek) begleitete er das Divisiouskommando auf das Schlachtfeld, und wurde dabei durch einen Schuß in den rechten Oberschenkel verwundet. Schon am 12. meldete er sich wieder zum Dienstantritt. Oberstabsarzt Tr. Frank erhielt den Franz-Iosefs-Orden am Kriegsbande. Momcutbildcr aus Rußland. Die Tapferkeit der jüdischen Soldaten bildet andauernd das allgemeine Thema in der Gesellschaft und in der Presse. Beinahe die ganze Presse widmet diesem Punkte besonderes Interesse. Die russischen Zeitungen können nicht verhehlen, daß sich die Inden als tapfere Soldaten bewähren. (Es ist bezeichnend, daß die furchtbaren Opfer bei der Belagerung von Przemhsl hauptsächlich auf die Juden und Polen entfielen: diese wurden als wertloses Kanonensntter gegen die Festung getrieben.) Es ist höchst charakteristisch, das; die liberale russische Presse die Tapferkeit der deutschen Juden besonders anerkennend hervorhebt. Die russischen Zeitnngen geben der Meinung Ausdruck, die große Zahl der jüdischen Soldaten in Deutschland, die mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden sind, lasse daraus schließen daß nunmehr in Deutschland im Gegensatz zu Rußland die Juden auch zum Offiziersstand Zutritt erhalten werden. * Aus dem Feldpostbriefe eines österreichischeu Feldrabbiners geht hervor, das; in einer seither von österreichischen Truppen besetzten Stadt die Russen die dortigen, zum Nachmittagsgebete versammelten Juden erschossen und den Vorbeter erhängt hatten. Der Brief besagt hierüber:.Tief ergreifend war es, als wir am 2. d., zwei Tage nach dem Versöhnungsfeste, in einer russischen Stadt anlangten, wo die?,11111 Nachm i tlagsgebete versammelt gewesenen Juden erschossen, der Vorbeter erhängt worden war. Tic überlebenden Juden ersuchten mich, wegen des rituellen Begräbnisses der Hingerichteten zu intervenieren, das von unserer Militärbehörde ohne weiters bewilligt wurde." Erzherzog Franz Ferdinand bei den Inden in Jerusalem. Als der Thronfolger Franz Ferdinand vor mehreren Jahren Jerusalem besuchte, ließ er es nicht an Liebeszeichen auch für die jüdische Bevölkerung fehlen. Er besichtigte die dortigen jüdischcn Armen- und Pilgerwohnungen, die unter dem Rechtsschutze des Kaiser Franz Josef verwaltet werden, und nahm auch einige Einzel- Wohnungen in Augenschein. Der Erzherzog ließ sich eingehend über den Stand dieses herrlichen Stadtviertels sowie über die sonstigen Verhältuisse der Juden von Jerusalem informieren. Tags darauf stattete der Erzherzog dem Lokalkomitec im Sitznngssaale eine Besuch ab. und gab seiner hohen Befriedigung über das Gesehene in herzlichen Worten Ausdruck. Zum Zeichen seines Wohlwollens schrieb er mit kalligraphisch tviinderschönen Zügen seine Namcnsfertigung in das Gedenkbuch des Kuratoriums ein.