Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 35 (28.9.1914)
- Date
- 1914-09-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2621806-2621897-2621932--2991-2624136- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6. ״SLdische »>N-sti««e." Är. 38 Erzählung aus Bibel u. Talmud. Moscs Tod. Moscs hatte die Zahl seiner Jahre ausgelcbt, und die Zeit seiner Heimkehr zur ewigen Heimat war ge-1 kommen. Ta versammelte der Herr alle seine Engels-! scharen um sich und sprach zu den beiden Engeln Ga-' drirl und Michael, die seinem Throne am nächsten standen: , -- ״Die Stunde ist nunmehr gekommen, da die Seele meines treuen Dieners Moscs vor mir erscheinen soll. Gehet hin und holet sic." Aber Gabriel schlug traurig sein Angesicht nieder und sprach: ״Herr aller Zeiten und aller Wesen! Nicht möge cs Tein Wille sein, mich zum Sendbote» dieser Trauerkünde zu machen, da doch Moscs mein Schüler gewesen ist; er lernte von mir die ewigen Wahrheiten, mit denen er die Mcnschcnherzcn sür alle Zeiten beglückt hat/ In ähnliche Klage brach auch der Engel Michael aus: ״Allmächtiger Weltcnhcrr! Ich war sein Führer und ständiger Begleiter, als er vierzig Tage in Deiner Nähe weilte, und darum fällt cs mir ungemein schwer, meinen Schützling durch diese traurige Kunde zu bctrüben." Ta trat Samaäl, der Schreckliche, vor, der der! Menschen Tod und Verderben bringt, und rief frohlockend: ״Herr, schicke mich. Ich werde Deine Befehle vollziehen." Und Samaäl breitete seine schwarzen, blutgctränkte Fittige aus und schwebte zur Erde nieder. MoscS hatte gerade das heilige Buch beendet und den Namen des Allhciligcn zum letzten Male niedergeschrieben, den Namccn dessen, der da war, der da ist und der da sein wird in aller Ewigkeit. Moses Herz aber war schwer und seine Seele betrübt, weil er noch die große Ausgabe zu erfüllen hatte, für seine bald verwaiste Herde einen treuen Hirten zu bestellen. Aufblickend sah er den TodeSbotcn hcrannahcn, und er rief: ״Wer bist Du denn, den ich unter den Himmelsscharen-nie vorher sah?" Samaäl aber erwiderte: ״Ich bin Gottes Schnittcr auf den Gefilden des Lebens. Ich sammele die Lcbensfrucht, die reisen als auch die unreifen, die willigcn und auch die unwilligen. Jetzt aber bin ich hier, um auch Dich mit meiner Sense zu fällen." Doch Moses rief zornig: ״Schnitter bist Tu wohl für gewöhnliche Gewächse und Pflanzen, nicht aber sür mich, der ich schon vor der Geburt zum Dienste des Herrn geheiligt tvurdc, um die Gesetze der Liebe und der Wahrheit aller Welt zu verkünden." Jetzt erst bemerkte Samaäl den Strahlcnglanz. der Moscs Antlitz verklärte, seitdem er vom Berge niedergesiicgcn tvar; — da fiel ihm das flammende Schwert nuS der bebenden Hand, und beschämt floh er von dannen, ohne das traurige Werk vollbracht zu b^- bcn, besten Ausführung er so prahlerisch unternommen hatte. Aber Moscs wußte dennoch, daß seine Scheidestunde geschlagen hatte, und eine Träne glänzte in seinein Auge. ״Moscs, mein Gatte!" rief Zipporab, sein Weib, als sie seinen Kummer tvahrnahm. ״Was bedrückt Tein Gemüt? Warum ist Dein Angesicht so niedergeschlagen und bleich?" Moscs antwortete: ״Ich habe jetzt mein Lebensziel erreicht. Ich mutz nun dem Rufe des Höchsten folgen und von Euch scheiden." Zipporab rief laut jammernd: ״Was! Ein Mann, der mit Gott geredet, den die Engel als ihresgleichen geliebt, er sollte wie rin gewöhnlicher Mensch den Tod erleiden?" ״Ich inuß. Alle Erdcnwcscn mästen sterben; denn nur Gott allein dauert ewig. Wo sind unsere Kinder?" ״Sie pflegen der Nachtruhe." ״Wecke sie, damit ich sic segne, bevor ich sterbe." lind Zipporab weinte und wehklagte: ״Wachet aus, Ihr Waisen! Eures Vaters letzter Tag auf Erden ül gekommen!" Sie erwachten mit Schrecken und sprachen traurig: ״Wer wird Mitleid mit uns haben, da wir bald Vaterlos sind?" ״Ja, wer wird in Zukunft Mitleid mit ihnen habcn?" stimmte auch Zipporah klagend ein. Auch Moses konnte seine Tränen nicht zurückhaltcn. Gott aber ries: ״Fürchtest Tu denn den Tod? Verläßt Du so ungern diese Erde?" ״Nein! Ich fürchte nicht den Tod, und ich vcrlasse nicht ungern diese Erde. Aber ich beweine das Schicksal meiner Kinder, die bereits den Großvater und Onkel verloren und nun auch den Vater verlieren sollen." Ta hörte er wieder die GottcSftimmc: ״Moses! Moscs! Auf wen hatte Deine Mutter ihr Vertrauen ’ gesetzt, als sie Dich in einem gebrechlichen Kästlcin in den Nilstrom gelegt hatte? Wer hat Dir Macht über Pharao und seine Diener gegeben, daß Du mein Volk aus Aegypten führen konntest, und wer hat Dir den Stab gegeben, mit dem Du die Wellen des Meeres teiltest? Warum zögerst Du, Deine Kinder mir anzuvertrauen, da ich doch ein Vater den Waisen bin? Gehe hin und hebe den Stab über den Jordan, dann wirst Tu ein Zeichen sehen, das Dein geschwächtes Vertrauen wieder heben und beleben wird." Moscs gehorchte. Mit dem Gottesstab in der Hand ging er zum Jordan, und kaum hatte er den Stab cmporgchoben, als die Gewässer sich teilten, — wie einst das Note Meer —, und auf dem Grunde desselben erschien ein schtvarzcr Felsen. Moscs trat näher. Wieder ertönte die göttliche Stimme; sie befahl ihm, auf den Felsen zu schlagen. Kaum war cs geschehen, da spaltete sich dieser in zwei Teile, und in dem Spalt erblickte Moscs ein kleines Würmchen, das ein grünes Blatt benagte und mit schwacher Stimme sprach: ״Dank und Preis dem Barmherzigen der auch mich fn der engen Finsternis auf dem Meeresgründe nicht vcrgißt und mir meine Nahrung bereitet!" Als die Stimme des Wurmes verhallt war, sprach der Herr weiter: ״Du sichst nun, daß ich nicht nur der Ernährer der Menschen, sondern auch der Versorger des kleinsten Lebewesens bin, daß jedes, ob in den Höhen über den Wolken schwebend, oder im Schoße der Erde weilend, alles zu seinem Gedeihen Erforderliche durch mich findct. Sollte ich da Deine Kinder vergessen?" Darauf beschwichtigte Moscs seine Frau und seine Kinder und machte sich zum Sterben fertig. Da hörte er abermals die göttliche Stimme: ״Moscs, fürchtest Du noch immer den Tod?" Moscs erwiderte demütig: ״Herr des Weltalls! Ich weiß cs ja, daß Du. der mächtige Herrscher bist über alle Geister und über alle Wesen, daß die Toten und! Lebenden gleich sind in Deiner Hand. Ich erkannte Dich ' schon im flammenden Dorncnbusch; umgürtct mit Deiner Macht, habe ich den Palast des ägyptischen Königs betreten; durch Deine Wunder riß ich dein stoljen Pharao die Kräne vom Haupte, und durch Deinen Beistand vollbrachte ich all die Zeichen in seinem Lande. Später führte ich auf Tein Geheiß Tein Volk aus dem Sklavcnhausc und teilte für cs die Mccrcswogcn» daß cs sicher und ungefährdet das jenseitige rettende Ufer erreichen konnte. Sodann empfing ich Deine heilige : Thora aus Deiner Hand, um Deine Gesetze und Ge-! botc den Völkern der Erde kundzutun. Mich hast Du I begnadigt, in Deiner Nähe int Himmel zu weilen. In der Wüste wicdcruin hast Tu uns Schutzhütten unter ' der Wolkcnsäulc bei Tag und unter der Feuersäulc bei! Nacht bereitet. Mit keinem Sterblichen, außer mir, hast ' Du von Angesicht zu Angesicht gesprochen. Sollten all diese Beweise. Deiner Liebe und Gnade mir noch nicht auf Erden genügen? Herr, empfange mich, ich bin bc-; reit, vor Dir zu erscheinen und meine Seele Dir zu übergeben." Ta stieg der Herr, unsichtbar wie ein Gedanke, zur Erde nieder, und in seinem Gefolge waren die beiden Engel Gabriel und Michael, die die irdische Hülle, ivenn der Gottcsgcist sie verlassen, behüten und nach der Stätte trage» sollten, die noch keines Menschen Auge gesehen. Auf dem Berge Nebo war eine Bahre errichtet, auf die Moses schweigend sich hinlegtc. Der eine Engel sprach: ״Schließe Deine Augen." Moscs tat so. Der andere sprach: ״Strecke Deine Füße aus." Moscs gehorchte. Dann kgm der Herr selbst und sprach: ״O, Seele! Tüchtep meiner Schöpfung! Einhundertundzwanzig Jahre hast Du ui dem Körper aus Staub und Lehm geweilt; jetzt aber sollst Dü vön dkcsem befreit werden. Komm, ich trage Dich selbst zu meinen Himmelshöhen empor." Mit einem sanften Hauch berührte der Herr dann Moses Lippen, und seine Pilgerfahrt auf Erden war beendet. Eine klagende Stimme erhob sich jetzt im Osten: ״Moscs ist tot! Wer wird die Menschen das Gute und Rechte lehren?" Und vom Westen erklang die Trauer: ״Kein Prophct wird je wieder erstehen, der Moses gleicht!" Und in den Regionen des Südens tönte cs klagend: ״Er allein war der Vertraute im Hause Gottes!" Und vom Norden hallte cs als Echo: ״Moses, der Liebling des Herrn, der Segen der Menschheit, er ist zu dem himmlischen Vater zurückgekchrt!" Die Gemeinde Israels blickte nach dem Berge Nebo und wartete auf die Rückkehr des treuen Führers. Da sprachen die Acltestcn: ״Moses ist nicht mehr und seine Grabstätte bleibt jedem Menschen verborgen. In der Ferne sahen wir, wie die Engel seinen Leichnam fortrugen, der in der Umgebung der Sterne selbst toie ein Stern leuchtete." Da stand das Volk starr vor Schmerz und blickte trauernd zum Himmel empor, bis eine geheimnisvolle Stimme ihm zuricf: ״Moscs Körper weilt nicht mehr bei Euch, doch sein Geist lebt fort in Eurer Mitte, durch die ewige, unvergängliche Lehre, die er Euch gegeben." xr.-O- 1 n ff ft ft :ad' f r t vs k ivr?• UUEiii f i #׳ l i in t■ j3 י; MW. Feinste Dessert-Bäckerei sowie Mehlspeisen täglich frisch empfiehlt A. HEUFFEL Konditor Brünn, Karl-Kandlergasse 12. Filiale der Zivnostenskä Banka Brünn, Gr. Platz 8. Aktienkapital K 80,000.000. Reserve- und *'icherstellungsfond über K 25,000! 00. ־׳ 1^* Kredite aller Art. MUi 41/>°/(lige eigene Banksrhuldverschreibungen für Anlage Wechsel-Eskompte in und außer den Kreditvereinen j zwecke sehr empfehlenswert. Wechselstube: Ein- und Verkauf von Losen, Devisen I Geldeinlagen gegen Büchel u. i. Konto-Korrent Börsen- und Anlagewerten. j ordres f. Wien, Prag Berlin, London u. St. Petersburg Zentrale: PRAG, gegr. 1868. Filialen- Budweis, Friedek-Mistek, Iglau, Karsbad, Klattau, Kolin Krakau, Lemberg, M.-Ostrau, Melnik, Olmütz, Pardubitz, Pilsen, Pisek, Proßnitz, Reichenberg, Tabor, Triest, Wien, L, Herrengasse 12. Exposituren in Orado während der Badesaison und in Abbazia. — Vermietung von Panzer-Schrankfächern zu günstigen Bedingungen ר Zucker en gras Kohlen u. Keksen gros f. Industriezwecke u. Hausbedarf Hypothekar-, Industrie , Eisen- und Spiritus-Abteilungen bei der Zentrale. ״Hickls jüd. Volkskalender". Soeben erschienen: