Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 35 (28.9.1914)
- Date
- 1914-09-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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7M!^ Nr. 35. »Uttischr B»tt«ß!»«e". Seite 5. Gewitsch, 11. September. Heute abend fand hier die feierliche Nabbinerinstallation Sr. Ehrw. des Herrn Dr. Isidor Kohn statt. Herr Dr. Kohn wurde bei seinem Eintritt ins Gotteshaus mit einem vom Kantor und Chor zum Vortrag gebrachten ״Boruch habo"" begrüßt und vom Ausschuß zu seinem Platz geleitet, der ebenso wie die Kanzel mit prachtvollen Blumengewinden geschmückt war, worauf Herr M. Klug an ihn namens des Vorstandes eine kurze, eindrucksvolle Begrüßungsansprache hielt. Vor ״Borchu" hielt Herr Rabbiner Dr. Kohn seine Antrittsrede, welche Hellen Enthusiasmus hervorrief. Sie klang in ein Gebet für unsere Soldaten aus, bei welchem den Zuhörern vor Rührung die Tränen in den Augen standen. Volles Lob verdient Herr Kantor Chaitmann für seine Leistungen bei dem Gottesdienst. Meran. Samstag, den 12. September fand die feierliche Installierung unseres verehrten Rabbiners Dr. Adolf Altmann statt. Fast samtliche hier ansässigen Inden füllten den Tempel und erwarteten frendigst ihren neuen Seelenhirten, dem von seinem bisherigen Amtssitze, Salzbürg, der allerbeste Ruf voranging. Begleitet vom Gesamtvorstand, betrat Herr Dr. Altmann den Tempel, wo ihn ein herzliches ״Boruch habo" begrüßte. Die außerordentlich fein durchdachte Antrittsprcdigt stellte in geistvoller Weise das Verhältnis zwischen Seelsorger und Gemeinde fest, das auf gegenseitige Liebe und Vertrauen sich aufbaut. Herr Dr. Altmann erklärte in streng konservativem Sinne die Gemeinde zu führen und jedem einzelnen Mitgliede in jeder Lage ein treuer Berater und Freund zu sein. Nach Schluß der Predigt sprach -Herr Dr. Altmann ein eindruckvolles Gebet für die verbündeten Monarchen und Heere, worauf die Gemeinde das ״Gott erhalte" anstiinmte. Tief ergriffen verließen wir den Tempel mit der freudigen Gewißheit, den rechten Mann für unsere junge Gemeinde gefunden zu haben. Berlin. Dieser Tage hätte die Alte Synagoge in der Heidereutergasse ihr 200jähriges Bestehen feiern können. Im Hinblick auf den Ernst der Zeit ist von einer Feier Abstand genommen worden. Die Festschrift Rabbiners Dr. Eschelbacher wird später erscheinen. Berlin, 10. September. Die soeben den jüd- Feldgeistlichen zugehende Ernenuungsordre hat folgenden Wortlaut: ״Auf Anregung der ״dreien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" in Frankfurt a. Dt. und des ״Ausschusses des Verbandes der deutschen Inden" in Berlin übersendet Ew. Hochwohlgeboren das Kriegsministerium in der Anlage ergebenst einen Ausweis, der Sic ermächtigt, im Bereiche der dem Armee-Oberkommando unterstellten preußischen Truppen die Seelsorge für die jüdischen Heeresangehörigen anszuüben. Ter sofortigen Ausreise steht nichts im Wege. In Vertretung: Wandel. Berlin, -l. September 1911. Matmaros-Tziget, <>. September. Ein aus Galizien hcranrollender Militärzug, dessen Infassen unter der Militärmützc flatternden Bart und Stirnlücken trugen, wurde von der Einwohnerschaft mjt brausenden: ״Hoch und Eljen die Inden" und einem wahren Blnmenregen empfangen. — Das hier stationierende 12. Honvedregimentskommando verfügte, daß die jüdischeu Soldaten mit ritueller Kost verpflegt werden. Es war dies umso leichter, da über 10"/״ der Mannschaft jüdisch ist. Ein Schonet in Uniform besorgt das Fleisch und beaufsichtigt die Küche. — Tie Soldaten wurden vor ihrem Abzug vom Rabbiner Dr. Danzig feierlich verabschiedet und im Rahmen eines ernstandächtigen Gottesdicnstcs für ihren fernen, heiligen Weg vorbereitet. Zürich. Veranlast durch den Krieg, ist eine ״Jüdische Suppen-Anstalt" Ecke Bäcker- und Engelstraße eröffnet worden. Tie russische Gesandschüft in Bern zeigt einen bemerkenswerten Umschwung. Früher hat sie nie etwas für russische Untertanen getan, in den letzten Wochen aber hat sie an 100.000 Francs verausgabt, davon die Hälfte an Juden zur Rückreise nach Rußland und zu Unterstützungen. Ncwyork. Tie Regierung des Staates New- York hat die Erlaubnis zur Gründung einer Jüdischen Farmer-Bank gegeben. Damit ist zum ersten Male eine jüdische landwirtschaftliche Bank gegründet worden. Tie Bank dürfte für die Ent- Wicklung des jüdischen Landwirtstandcs in Amerika von größter Bedeutung sein. Gesucht werden: Nathan Tannenbamn und Frau aus Ciesanow werden von ihrem Sohne Samson gesucht. Gefällige Nachrichten an Dr. Theodor Sonnenschein, Advokaten in Troppau. * Jsak Schwarz, Kaufmann aus Kamionka- Strumislova, wird gesucht von seinem Sohne Adolf Schwarz, Mähr.-Ostrau, Mühlgasse * Israel Glaß, Rebekka Glas; u. Debora Glas; aus Stryj, und CH. O. Heller aus Buczacz. — Nachrichten werden erbeten an Helene Glas; in Mähr.-Weißkirchen, Friedrichshof. * Therese Stettner und deren 8jährige Tochter Mathilde, am 15. September aus Krakau nach Przemysl abgeretst, seither verschollen. — Ansfünft erbittet Baumeister Wilhelm Stettner, Hruschau, Heinrichstraße 015. Wer etwas über den Aufenthalt der Frau Äaroline Schönbauin und 1 Kindern ans Czernowitz, weiß, wird gebeten dies Herrn David Glücklich, Brünn, Zeile, mitznteilen. * Junia (Karfunkel Tierarztensganin ans Monastersisko (Galizien» gegenwärtig in "Nagp- Karoly. sucht ihre Eltern: Schaje Sapri» und Frau; ferner ihren Schwager Dr. Bier ans Sranislau. — Mitteilungen werden gebeten an Oie Adresse: Oberrabbiner Lazar Schönfeld in N'agv- Karoly, zu senden. Delikatessen-Großhandlung :::::: I. Strachon & Co. :::::: im Neubau, Bahnhofplatz, Brünn Die Haltung der amerikanischeu Juden. Ter ״Jcwish Exponent vom 21. August HUI schreibt: Ter Krieg und die Judenfrage. Ter Krieg wird natürlich für die Indenfrage in Europa von ganz besonderer Bedeutung sein. Viele Inden ans den kriegführenden Länder» dienen selbstverständlich in den Armeen nebcn ihren Landsleuten. Rußland, das ihnen die einfachsten Rechte verweigert, besitzt nichrsdeiroweniger die Kühnheit, ihre Dienste in Anspruch zu nehnten. Eine in den Tageszeitungen veröisentlichte Schätzung besagt, daß etwa 250,01 >0 Inden in der russischen Armee und über 50,0l>0 in anderen Heeren dienen. Die russischen Zahlen sind übertrieben, die der anderen Mächte werden sich wohl noch erhöhen. Der Krieg wird zweifellos über die Frage des Gleichgewichtes der Mächte in Europa entscheiden und gleichfalls bestammen, welchen Weg die Entwicklung der Zivilisation geben wird. Wenn die Tripelentente einen entscheidenden Sieg erringen wird, so wird dies alles andere bewirken, als eine Eindämmung der russischen Ausdehnung nach dem Osten und nach dem größten Teil von Zentralenropa. Diejenigen, die sich in dem Gedanken einer solchen Möglichkeit sonnen/ mögen ihren Wahn hegen, bis man sie davon heilt. Aber es steht noch gar nicht fest, daß die Tripelentente siegen wird; im Gegenteil, es ist gar nicht unwahrscheinlich, daß der Kampf unentschieden bleiben wird. In beiden Fällen würde das Los der russischen Juden weiter so hart bleiben wie bisher, und selbst die geringen Milderungen» die man ihnen jetzt zugesteht, werden widerrufen werden, und die Hooligans und Reaktionäre werden die Tinge nach ihrer Methode regeln. Andererseits würde die entscheidende "Niederläge Rußlands das baldige Ende Oes!etzigen Negimes und die Errichtung einer Regiernngsiorm zur Folge haben, die liberalen Ideen weit zugänzlicher wäre, als irgend ein Regierungssystein, dessen sich das russische Volk bisher zu erfreuen gehabt hat. Dies würde notwendigerweise zur Befreiung der Juden von der Knechtschaft führen, in der sie bis jetzt geschmachtet haben. Die Niederlage Rußlands würde natürlich Unheil für England und Frankreich mit sich bringen, aber. dieser Umstand wird keinen Einfluß auf die Indenfrage haben, abgesehen davon, das; die Schwa chung des Einflusses des englischen Handels zweifellos zu einer größeren Beschränkung der Ein- Wanderung führen wird. Tie Stellung der Inden in England ist gesichert; üe sind so patriotisch wie irgend ein anderer Teil der Bevölkerung, und sie werden der Fahne ihres Landes folgen, wie immer es kommt, und so viele von ilmen auch immer das Bündnis init Rußland mißbilligen werden. Deutschlands ,.Plag an der Sonne" würde durch eine Niederlage verloren geben, während ein Sieg den Kaiser und sein Land an die Spitze der europäischen ״Nationen bringen würde. Deutschland scheint zu fühlen, daß es einen Kampf für seine Erislenz ansficht, und zu tvelchen An nrengungen es unter solchen Umständen fällig ist, bat es in den Befreiungskriegen gegen ״Na poleon vor 100 Jallren gezeigt.Seine Antisemiten geben vor, die eigentlichen Patrioten zu ׳ein. u. ein Sieg des Kaisers würde zweifellos illre An maßnng noch verstärken. Indessen wird voraus sichtlich der Kaiser keiner Politik zunimmen. die eine Beschränkung der jüdischen liechte zum Ziel bat. denn niemand weis׳, besser als er, wie immer das Ende des Krieges sein wird, die geschäftliche und industrielle Tüchtigkeit der jüdischen Bevö! kerung zu schätzen, die zur Wiedererrichtung des Landes erforderlich ist. Ein Sieg .Rußlands würde Ivolll Deutsch land eines Teiles seines polnischen "Besitzes be rauben und würde zweifellos ein großes Tliuk Galiziens von der Doppelmonarchie abreiß״n. Die zalllreiche jüdische Bevölkerung dieses Landes würde bei diesen! Wechsel der Hauptleidtragende sein. Die Verhältnisse in Galizien nnd keines Wegs ideal, aber sie sind ungemein besser, als üe irgendwie im Falle eines russischen Sieges ׳'ein würden. Dies ist eine Skizze der Lage, wie üe sich zur Zeit darstellt. Es in nicht gut, wenn die Faden in diesem Kampf als Inden Partei ergreifen. Es in im Gegenteil zu wünschen, daß die Inden unseres Landes treu und ehrlich die ״Nentrali iätserklärnng befolgen, die Präsident Wilion ab gegeben bat. Ein Land gibt es. das alle Juden außerhalb seiner Olrenzen verabscheuen und ver wünschen: aber selbst unter diesem iseüchlsounti sollen den Juden unseres Landes die Pflichten der amerikanischen Bürgerschaft llöllernelien. eines Landes, das sich ie!»r!voll da״u entschließen kann, eine Politik des wachsame» Abwariens ein ׳!!::ell men und die;»nfnitft entscheiden zu lassen. Die Londoner ״Times" greift die jiid. Preise an. Die Londoner ..Times", oie seit kurzem eine höchst unfreundliche Stellung gegen die Inden eingenommen hat, richtete in der vorigen Wollte einen benigen Angriff an! die iüdiime Preüe Newnorks, weil diele in der gegenwärtigen Kn!u- Spmpatltien für Deutschland zeig!e. In den letz ten Mollaten bat die Times eine :)u-il!: von Ar!:kein gebracht, in denen die Stellung Rußlands zur Judenfrage verkeidigr wird. 0',leich׳.e!:ia wurde iellr wolll beobachtet, daß die .. rime:>" große Anzalll Inserate der ruiiischen :lieaiernng brachte, für die zweifellos beträchtliche ^ninme» ausgewendet worden und. Ein weiterer Kon!, mentar dazu ifr überflüssig. Bestellungen auf Gebet- und Andachtsbücher, Machsorim, Tallessim, Mesusos, Techinos, Ghamoschim, sowie alle Devotionalien werden entge- - gengenommen. Jüdischer - Buchu. Kunstverlag, Brünn - - Adlergasse Nr. 9. - - i;